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Kosovo

Wirtschaftspolitik

Stand: Februar 2014

Wirtschaftslage

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner lag 2012 nach Schätzung des IWF bei 2.760 Euro, das BIP insgesamt bei etwa 5 Mrd. Euro. Damit bleibt Kosovo das ärmste Land auf dem Balkan. Allerdings sind zuverlässige Angaben über die Höhe der Transferleistungen der Diaspora (Angaben gehen bis zu etwa 500 Mio. Euro/Jahr) und Informationen über das Ausmaß der Schattenwirtschaft letztlich nur schwer zu erhalten.

Das reale Wachstum des BIP hat sich nach dem sehr hohen Wachstum von 5% (2011) auf etwa 2,1% im Jahr 2012 abgeschwächt – stärker noch als ursprünglich vom IWF prognostiziert. Für das Jahr 2013 prognostiziert der IWF wieder ein leicht höheres Wachstum. Damit verzeichnet Kosovo gleichwohl, vor allem im regionalen Vergleich, nach wie vor ein ordentliches Wachstum. Hauptmotor der Wirtschaft sind weiterhin fließende Transferleistungen aus der Diaspora, die vor allem in den privaten Konsum, aber zu wenig in Investitionen gesteckt werden, und Investitionen durch private und öffentliche Baumaßnahmen. Geberunterstützung bleibt nach wie vor hoch, nimmt aber tendenziell ab.

Zuverlässige Zahlen über die tatsächliche Höhe der Arbeitslosigkeit liegen nicht vor. Im ersten Halbjahr 2012 betrug die Arbeitslosenquote nach offiziellen Angaben 35,1%. Laut der gemeinsam von Weltbank und der kosovarischen Statistikagentur erstellten Studie „Labour Force Survey 2012“ soll sie bei den 15-25jährigen sogar bei 60% liegen. Insgesamt ergibt sich ein leicht verbesserter Trend gegenüber den Vorjahren. Möglicherweise liegt die tatsächliche Arbeitslosigkeit niedriger, da die Statistik den informellen Sektor schlecht erfasst.

Die Inflationsrate war in den letzten Jahren großen Schwankungen ausgesetzt und betrug im Jahr 2011 über 7%. Seitdem hat sich die Inflation deutlich abgeschwächt und lag im Jahr 2012 unter 2,0%. IWF rechnet damit, dass dieser positive Trend anhält und sich die Inflationsrate in den nächsten Jahren bei etwa 2% einpendeln wird.


Wirtschaftsstruktur

Die Wirtschaft von Kosovo war schon zu jugoslawischen Zeiten durch ihre Agrarstruktur und die Rolle als gefragter Rohstofflieferant (v. a. Braunkohle, Nickel, Zink, Blei etc.) gekennzeichnet. In den späten 70er und während der 80er Jahre brachte es das Land deshalb zu einer gewissen wirtschaftlichen Blüte, in den 90er Jahren kam es aber zu einem drastischen wirtschaftlichen Niedergang. Die Jahre nach dem Kosovo-Krieg 1998/99 waren durch allgemeine Wiederaufbauleistungen, rudimentäre Infrastrukturvorhaben und einem damit einhergehenden Bauboom gekennzeichnet. Gleichzeitig wurde schrittweise der Transformationsprozess von einer sozialistisch geprägten Wirtschaft in eine offene Marktwirtschaft eingeleitet. Seit dem Ende des Konflikts im Jahr 1999 betrug das durchschnittliche jährliche Wirtschaftswachstum etwa 4% (in der Region nur mit Türkei vergleichbar).

Die kosovarische Wirtschaft ist im Wesentlichen eine Konsumwirtschaft mit geringer Eigenproduktion. Die nur schwach ausgeprägte Verflechtung mit den Auslandsmärkten ist wesentlicher Grund dafür, warum die Wirtschaftsentwicklung in Kosovo von der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise nur am Rande betroffen war. Die Wirtschaft ist zu großen Teilen von Transferleistungen der kosovarischen Diaspora, vor allem in Deutschland und der Schweiz, abhängig.

Der wirtschaftspolitische Rahmen ist von Licht und Schatten geprägt. Die steuerlichen Rahmenbedingungen für Investoren sind sehr günstig. Die Körperschaftsteuer liegt bei 10%, zudem wurde ein dreistufiges Einkommensteuersystem von 4, 8 und 10% eingeführt. Der Arbeitsmarkt ist flexibel mit motivierten und jungen Arbeitskräften (mit guten Fremdsprachenkenntnissen in deutsch und englisch); das offene Handelsregime und der leistungsfähige Bankensektor sind weitere Pluspunkte. Das Durchschnittsgehalt von etwa 350 - 400 Euro/Monat ist - auch im regionalen Vergleich - sehr wettbewerbsfähig.

U. a. mit Hilfe der EU-Rechtsstaatlichkeitsmission EULEX sollen weiterhin bestehende Defizite bei den rechtsstaatlichen Strukturen abgebaut werden – z.B. bei der Korruptionsbekämpfung, bei Eigentumsfragen und bei der Effizienz des Rechtssystems. Bei der Höhe der Arbeitslosigkeit ist Kosovo Spitzenreiter auf dem Westbalkan. Hinzu kommen die unzureichende Energieversorgung sowie ein unterentwickelter Industriesektor, welcher eine massive Exportschwäche und ein hohes Außenhandelsdefizit zur Folge hat.

Der landwirtschaftliche Sektor ist vor allem durch die nach wie vor weit verbreitete Subsistenzwirtschaft vieler familiärer Kleinstbetriebe mit geringer Produktivität gekennzeichnet. Ungeklärte Eigentumsfragen werden zunehmend gelöst, erschweren aber nach wie vor den Zugang vieler Betriebe zu kostengünstigen Krediten. Obwohl ein weitaus größeres Potential besteht, deckt Kosovo nur etwa 30% der Nahrungsmittelnachfrage durch Eigenproduktion. Aufgrund der niedrigen Arbeitskosten und des fruchtbaren Landes sowie der weiter wachsenden Binnennachfrage werden insbesondere Wachstumspotentiale bei Obst, Gemüse und Wein gesehen.

Wichtigster Rohstoff des Landes ist die Braunkohle mit geschätzten Vorkommen von 14.700 Mio. t (in Europa nach Deutschland an zweiter Stelle, weltweit an fünfter Stelle); ihr Anteil an der Elektrizitätserzeugung beträgt 97%. Außerdem verfügt Kosovo über Bauxit, Blei, Zink, Nickel, Chrom und Seltene Erden, ggf. auch über Kupfer, Gold und Platin sowie über Natursteine wie Marmor, Kalkstein, Granit.

Der industrielle Sektor bleibt nach wie vor schwach ausgeprägt; nur etwa 10% der Unternehmen sind in diesem Sektor tätig. Einzelne mittelständische Unternehmen aus Deutschland erkennen aber zunehmend die Chancen, in Kosovo in Produktionsstätten zu investieren.

Der Dienstleistungsbereich erwirtschaftet etwa zwei Drittel des BIP. Potentiale bestehen im Tourismus und vor allem im IT-Sektor. Das kosovarische Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung erstellt derzeit mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) eine IT-Exportförderungsstrategie. Kosovarische IT-Firmen und der IT-Dachverband STIKK haben sich im März 2013 erstmals erfolgreich auf der CEBIT in Hannover präsentiert. Aufstrebenden IT-Firmen bietet das Innovation Centre Kosovo (ICK) Unterstützung vor allem in der Anfangsphase an.

Die Regierung ist sich der Schwachstellen durchaus bewusst: Sie unternimmt Anstrengungen, das Investitionsklima zu verbessern. So wurden u.a. eine Reihe von einschlägigen Gesetzen verabschiedet und Verwaltungsvorschriften vereinfacht. Zum Beispiel soll die Registrierung von Unternehmen, auch über sog. „one-stop shops“, erleichtert und beschleunigt werden. In den letzten Jahren ist es gelungen, im „Doing Business Ranking“ der Weltbank sukzessive von Platz 128 (2012) auf Platz 86 (2014) aufzusteigen (zum Vergleich: Serbien Platz 93)..

Als Währung wird in Kosovo der Euro verwendet.


Außenhandel

Das unverändert hohe Handelsbilanzdefizit, das im Jahr 2012 bei etwa 2.231 Mio. Euro lag (46% des BIP), bleibt eine der strukturellen Schwächen der kosovarischen Wirtschaft (Import: 2.508 Mio. Euro; Export: 276 Mio. Euro). Dagegen ist es erfreulich, dass die Dienstleistungsbilanz seit Jahren positiv ausfällt (2012: ca. + 175 Mio. Euro).

Bezüglich des Bestands ausländischer Investitionen (Ende 2012) spielen Slowenien, Deutschland, Türkei, die Schweiz sowie Österreich die wichtigste Rolle.

Hauptimportprodukte: (in dieser Reihenfolge): Rohstoffe (insb. Mineralöl); verarbeitete Lebensmittel; Maschinen und elektrische Geräte; Grundmetalle und deren Verarbeitungen; chemische Industrieprodukte.

Hauptexportprodukte: (in dieser Reihenfolge): Grundmetalle und deren Verarbeitungen; Rohstoffe (insb. Erze); Maschinen und elektrische Geräte, landwirtschaftliche Produkte und Lebensmittel.

Hauptlieferländer (nach Angaben der Statistikagentur von Kosovo): Deutschland (304 Mio. Euro, damit Handelspartner Nr. 1. – aber lt. Statistischem Bundesamt nur 153 Mio. Euro), Mazedonien (288 Mio.), Serbien (278 Mio.), Italien (213 Mio. - mit dem größten Sprung nach vorne) sowie Türkei (199 Mio.) und China (160 Mio. – nach Zuwächsen in den letzten Jahren nun ein leichter Rückgang).

Hauptabnehmerländer: Italien (71 Mio. Euro im Jahr 2012), Albanien (40 Mio.), Mazedonien (26 Mio.), Schweiz (15 Mio.), Deutschland (15 Mio.), Serbien (14 Mio.) und Türkei (11 Mio.). Im Vergleich zu 2011 sind die Exporte nach China im Jahr 2012 stark abgefallen (von 28 Mio. auf 3 Mio. Euro).

Deutschland bleibt innerhalb der EU der wichtigste Handelspartner. Laut Statistischem Bundesamt betrug im Jahr 2012 die Ausfuhr von Deutschland nach Kosovo 153,3 Mio. Euro (2010: 178,3 Mio.; 2011: 150,5 Mio.), die Einfuhr aus Kosovo 16,7 Mio. Euro (2010: 31,1 Mio.; 2011: 16,9 Mio.). Die Zahlen der Statistikagentur Kosovo für das Jahr 2012 weichen allerdings zum Teil deutlich davon ab (Ausfuhr nach Kosovo: 304,2 Mio. Euro; Einfuhr aus Kosovo: 15,0 Mio. Euro).


Finanzpolitik

Den im Jahr 2011 eingeschlagenen soliden Kurs in der Fiskalpolitik führt Kosovo weiterhin konsequent und erfolgreich durch – wenn auch unter strenger IWF-Aufsicht. Im Rahmen der regelmäßigen Überprüfungen des im April 2012 gebilligten und im Dezember 2013 ausgelaufenen Stand-By Arrangements (SBA), das Mittel in Höhe von ca. 107 Mio. Euro vorsah, hat der IWF bestätigt, dass Kosovo bis auf wenige kleinere Punkte die Auflagen erfüllt oder übererfüllt hat.

Das Haushaltsdefizit lag im Jahr 2011 bei lediglich etwa 1,9% des BIP und somit noch unter der vom IWF geforderten Marke von 2,9%. Auch im Jahr 2012 konnte ein akzeptabler Wert von 2,7% erzielt werden. Die gesamte Staatsverschuldung lag im April 2013 bei etwa 425 Mio. Euro (= 8% des BIP). Zahlen für 2013 liegen noch nicht vor.

Der erstmals im Jahr 2012 erfolgte erfolgreiche Verkauf von Staatsanleihen (T-Bills) an den heimischen Primärmarkt (Banken und Pensionsfonds) wird auch im Jahr 2013 fortgesetzt. Für 2013 werden Einnahmen von 80 Mio. Euro erwartet. Die Zinsen der bisher im Jahr 2013 verkauften T-Bills lagen bei lediglich 0,49% (dreimonatige Laufzeit), 0,94% (sechsmonatige Laufzeit) und 2,26% (einjährige Laufzeit).


Internationale und regionale Zusammenarbeit

Seit Mitte 2009 ist Kosovo Mitglied des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank-Gruppe, seit Dezember 2012 der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE; engl. EBRD) sowie seit Juni 2013 der Entwicklungsbank des Europarats (engl. CEB). Ebenfalls im Juni 2013 hat Kosovo ein Rahmenabkommen mit der Europäischen Investitionsbank (EIB) geschlossen.

Regional bestehen die Mitgliedschaften im Mitteleuropäischen Freihandelsabkommen (Central European Free Trade Agreement, CEFTA) und in der Energiegemeinschaft sowie die Teilnahme am Regional Co-operation Council (RCC). Die Integration von Kosovo in regionalen Foren und Initiativen hat sich mit der durch die EU vermittelten Vereinbarung zwischen Pristina und Belgrad im Rahmen des sog. technischen Dialogs verbessert.

Kosovo profitiert von den autonomen Handelsmaßnahmen (ATM) der EU, d.h. die zollfreie Wareneinfuhr in den EU-Raum. Ein Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) mit der EU soll bis Mitte 2014 abgeschossen werden. Es wäre ein nächster wichtiger Schritt, u. a. die Handelsbeziehungen mit der EU zu vertiefen und auszubauen.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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