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Nigeria

Kultur und Bildung, Medien

Stand: September 2016

Kultur zwischen Tradition und Moderne

Die Kulturgeschichte der auf dem Gebiet von Nigeria lebenden Völker lässt sich über 2000 Jahre zurückverfolgen. Das traditionelle Erbe lebt vor allem in den ländlichen Regionen in zahlreichen Festen, in Tänzen und in der Musik der verschiedenen ethnischen Gruppen fort. Seit einigen Jahren besinnt man sich von staatlicher Seite verstärkt auf diese traditionellen Kulturformen und fördert deren Erhalt und Entfaltung.

Parallel hat sich in den Städten und an den Universitäten eine lebendige, moderne Kulturszene entwickelt, die in der Musik, der darstellenden Kunst und Literatur im Vergleich zu den anderen schwarzafrikanischen Staaten hervorragt. Der inzwischen verstorbene Autor Chinua Achebe schuf mit dem Roman "Things Fall Apart" vor 50 Jahren den internationalen Klassiker über den Zerfall der traditionellen Werte und den Wandel der afrikanischen Gesellschaft unter dem Einfluss der modernen Welt. Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka, der Maler Twin Seven Seven und der verstorbene Afrobeatmusiker Fela Kuti finden weltweit Anerkennung. Die literarische Bearbeitung des Biafra-Krieges "Half of a Yellow Sun" der jungen Autorin Chimamanda Ngozi Adichie fand auch in Deutschland große Beachtung - ihr jüngster Roman "Americanah" wurde ins Deutsche übersetzt. 2012 erschien der Roman "Öl auf Wasser" des über Nigeria hinaus bekannten Schriftstellers Helon Habila. Im Januar 2013 wurde Habila für diesen Roman mit dem Deutschen Krimipreis International ausgezeichnet. Habila gewinnt in Deutschland zunehmend an Bekanntheit.

Zahlreiche Nachwuchskünstler bereichern die Szene. Viele profilierte nigerianische Künstler (Soyinka, Habila u.a.) leben oder lebten zumindest zeitweise im Ausland (besonders USA und Großbritannien), aber auch Deutschland gewinnt als temporärer Lebens- und Arbeitsort für junge nigerianische Künstler an Bedeutung. Emeka Ogboh lebt und arbeitet in Berlin, er  ist einer der vielversprechendsten jungen Künstler Nigerias. Er arbeitet insbesondere mit digitalen auditiven Medien und versucht mit diesen, Städte als kosmopolitische Räume mit einzigartigem Charakter zu begreifen und er ist mit seinen beeindruckenden Sound-Arbeiten an internationalen Ausstellungen beteiligt.

Emeka Ogboh ist außerdem Preisträger des vom Auswärtigen Amt ausgeschriebenen Kunstwettbewerbes für das Gebäude für Frieden und Sicherheit der Afrikanischen Union in Addis Abeba, Äthiopien, 2015.

Die Filmindustrie Nigerias boomt im Bereich der Low-Budget-Homevideofilme. "Nollywood" (geprägt nach dem Begriff für die indische Filmindustrie "Bollywood") produziert rund 1200 Filme pro Jahr und erreicht ein Millionenpublikum. Ungeachtet der hohen Produktivität sehen Beobachter große Probleme (Sprachen-, Vertriebs- und Exportprobleme sowie Piraterie) für die Zukunft von Nollywood. Während diese Filmszene mittlerweile ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Nigeria ist, sind Theater und Konzertbetrieb kaum professionell organisiert.

Kulturelles Zentrum des Landes ist weiterhin die Wirtschaftsmetropole und frühere Hauptstadt Lagos. Die südliche Region Nigerias ist deutlich stärker von westlicher bzw. internationaler Kultur geprägt als die nördlichen, traditionell muslimischen Landesteile. In der Hauptstadt Abuja, bisher eher Regierungs- und Verwaltungsstadt, entwickelt sich das kulturelle Leben immer mehr. Junge engagierte Künstler aus allen Sparten, sowohl christlichen als auch muslimischen Glaubens, nutzen den Hunger nach Kultur für Ihre Projekte, oft in Zusammenarbeit mit internationalen Kulturmittlern. Im Bereich der gesamten Kultur gibt es kaum staatliche Förderung, sodass Theateraufführungen, Ausstellungen, Lesungen, Vorträge und Konzerte in aller Regel der Privatinitiative bedürfen und oft auf finanzielle Förderung privater Sponsoren bzw. ausländischer Institutionen angewiesen sind. Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage im Land wird das auch in den Großstädten begrenzte kulturelle Angebot bis auf wenige Ausnahmen (Straßentheater und Musik) faktisch nur von einer kleinen Schicht der Bevölkerung wahrgenommen.


Ein vernachlässigtes Bildungssystem

Das bestehende Bildungssystem Nigerias wurde von den Briten während der Kolonialzeit eingeführt und ist immer noch am britischen Schulsystem orientiert. Bildung, möglichst ein Hochschulabschluss, wird auch weiterhin als Voraussetzung für einen erfolgreichen Einstieg in den Beruf gesehen; die Realität bestätigt dies allerdings nicht mehr, viele Universitäts-Absolventen finden keine Arbeit

Trotz zahlreicher Universitäten, Schulen und anderer Einrichtungen bestehen weiterhin große Defizite im Bildungswesen. Mitverantwortlich dafür sind mangelhafte Investitionen in diesem Sektor. Nur an wenigen öffentlichen Schulen wird angemessener Unterricht erteilt, die Mehrzahl befindet sich in einem sehr schlechten Zustand.

Immer noch besucht ein großer Teil der Kinder im Schulalter keine Schule, und selbst der Abschluss einer öffentlichen Schule garantiert nicht den Erwerb von Grundfertigkeiten wie Schreiben und Lesen. Die Analphabetenquote beträgt bei Männern 30 Prozent, bei Frauen sogar rund 50 Prozent. Neben staatlichen Universitäten gibt es zahlreiche private Bildungseinrichtungen, die inzwischen sehr gefragt sind. Wohlhabende Nigerianer schicken oftmals dennoch ihre Kinder zur Ausbildung ins Ausland. Die erheblichen Mängel im Bildungssystem sind ein wesentliches Hindernis für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes.

Im Norden gibt es zahlreiche Koranschulen und viel zu wenig staatliche Schulen. Das Bildungsangebot der Koranschulen führt nicht zu einer guten Grundausbildung der Jugend im Lesen, Schreiben und Rechnen. Diese Bildungsdefizite haben schwerwiegende soziale und wirtschaftliche Folgen und sind ein Grund für die Armut breiter Bevölkerungskreise. Dies ist auch einer der Gründe für die hohe Arbeitslosenquote.

Fremdsprachenunterricht spielt höchstens in den Privatschulen eine Rolle. Für die meisten Kinder, vor allem auf dem Land, ist nach der lokalen Sprache (z.B. Yoruba, Haussa oder Igbo) bereits die Amtssprache Englisch die erste Fremdsprache. Deutsch wird an wenigen nigerianischen Schulen unterrichtet. In der Zwischenzeit haben sich auch private Sprachenschulen etabliert, die Deutsch anbieten, vor allem in Abuja, Port Harcourt und Lagos. An drei Universitäten (Ibadan, Ile-Ife und Nsukka) kann der Bachelor of Arts in Germanistik erworben werden. In Ibadan und Ile-Ife sind DAAD-Lektorate eingerichtet. Das Goethe-Institut in Lagos bietet ebenfalls Sprachunterricht an. Die Bundesregierung unterstützt nigerianische andere westafrikanische Universitäten in den Bereichen der Hochschulkooperation und des Forschungsaustausches. Mehr als 1100 Nigerianer studieren in Deutschland.


Medien

Die nigerianischen Medien sind vielfältig. Zahlreiche private Zeitungen und zunehmend auch private Radioanstalten und Fernsehsender tragen wesentlich dazu bei, dass alle politischen Fragen des Landes offen und kritisch diskutiert werden können. Das Radio ist das wichtigste Medium in Nigeria, da es auch in den ländlichen Regionen empfangen werden kann.

Qualität und Wirkungskreis von Presse und Medien werden allerdings durch schwierige Rahmenbedingungen beeinträchtigt. Zeitungen werden in vielen abgelegenen Gebieten nicht zeitnah vertrieben. Einige Zeitungen kämpfen um das wirtschaftliche Überleben. Viele Radiosender beschränken sich aus Kostengründen darauf, internationale oder regionale Popmusik zu spielen.

Auf kontroverse Darstellungen zu Religionsthemen verzichten die Medien weitgehend mit Blick auf die erheblichen Sensibilitäten in der nigerianischen Gesellschaft. Lange Zeit waren beliebte internationale Sender wie die Deutsche Welle oder der BBC World Service täglich über örtliche Sender zu empfangen, doch die zunehmend strenge Anwendung gesetzlicher Einschränkungen haben zu einem Rückgang beim so genannten Re-Broadcasting geführt.

Dennoch besteht weiterhin großes Interesse unter öffentlichen und privaten Rundfunkanstalten an einer Kooperation mit der Deutschen Welle (DW). Insbesondere das Fortbildungsangebot der DW wird sehr geschätzt. Alljährlich werden nigerianische Journalisten zu Hospitanzen an die DW vermittelt. Das Haussa-Radioprogramm der DW überträgt auch die Fußball-Bundesliga.

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen wird eine zunehmende Zahl von Radiolizenzen durch Privatsender beantragt und gewährt. Die privaten Radiosender stellen eine wichtige Konkurrenz zu den staatlichen Radiosendern dar. Das Fernsehen wird vom staatlichen Sender NTA dominiert. Daneben gibt es auch vielbeachtete Privatsender (AIT, Galaxy TV, Continental TV) mit regionaler Ausstrahlung.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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