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Nigeria

Kultur- und Bildungspolitik, Medien

Stand: Juni 2013

Kultur zwischen Tradition und Moderne

Die Kulturgeschichte der auf dem Gebiet von Nigeria lebenden Völker lässt sich über 2000 Jahre zurückverfolgen. Das traditionelle Erbe lebt vor allem in den ländlichen Regionen in zahlreichen Festen, in Tänzen und in der Musik der verschiedenen ethnischen Gruppen fort. Seit einigen Jahren besinnt man sich von staatlicher Seite verstärkt dieser traditionellen Kulturformen und fördert deren Erhalt und Entfaltung.

Parallel hat sich in den Städten und an den Universitäten eine lebendige, moderne Kulturszene entwickelt, die in der Musik, der darstellenden Kunst und Literatur im Vergleich zu den anderen schwarzafrikanischen Staaten hervorragt. Der inzwischen verstorbene Autor Chinua Achebe schuf mit dem Roman "Things Fall Apart" vor 50 Jahren den internationalen Klassiker über den Zerfall der traditionellen Werte und den Wandel der afrikanischen Gesellschaft unter dem Einfluss der modernen Welt. Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka, der Maler Twin Seven Seven und der verstorbene Afrobeatmusiker Fela Kuti finden weltweit Anerkennung. Die literarische Bearbeitung des Biafra-Krieges "Half of a Yellow Sun" der jungen Autorin Chimamanda Ngozi Adichie fand auch in Deutschland große Beachtung.

Zahlreiche Nachwuchskünstler bereichern die Szene. Viele profilierte nigerianische Künstler (Soyinka, Habila u.a.) leben oder lebten zumindest zeitweise im Ausland (besonders USA und Großbritannien).

Die Filmindustrie Nigerias boomt im Bereich der Low-Budget-Homevideofilme. "Nollywood" (geprägt nach dem Begriff für die indische Filmindustrie "Bollywood") produziert rund 1200 Filme pro Jahr und erreicht ein Millionenpublikum.Ungeachtet des hohen Outputs sehen Beobachter große Probleme (Sprachen-, Distributions und Exportprobleme sowie Piraterie) für die Zukunft von Nollywood. Während diese Filmszene mittlerweile ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Nigeria ist, sind Theater und Konzertbetrieb kaum professionell organisiert.

Unbestrittenes kulturelles Zentrum des Landes ist weiterhin die alte Hauptstadt und Wirtschaftsmetropole Lagos. Die südliche Region Nigerias ist deutlich stärker von westlicher bzw. internationaler Kultur geprägt als die nördlichen, traditionell muslimischen Landesteile.Im Bereich der Kunst und Literatur gibt es wenig staatliche Förderung, so dass Theateraufführungen und Konzerte in aller Regel der Privatinitiative bedürfen und oft auf finanzielle Förderung privater Sponsoren bzw. ausländischer Institutionen angewiesen sind. Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage im Land wird das auch in den Großstädten begrenzte kulturelle Angebot bis auf wenige Ausnahmen (Straßentheater und Musik) faktisch nur von einer kleinen Schicht der Bevölkerung wahrgenommen.


Ein vernachlässigtes Bildungssystem

Das moderne Bildungssystem Nigerias wurde von den Briten während der Kolonialzeit eingeführt und ist immer noch an Großbritannien orientiert. Bildung, möglichst ein Hochschulabschluss, wird auch weiterhin als Voraussetzung für einen erfolgreichen Einstieg in den Beruf gesehen.

Trotz zahlreicher Universitäten, Schulen und anderer Einrichtungen bestehen weiterhin große Defizite im Bildungswesen. Mitverantwortlich dafür sind mangelhafte Investitionen in diesen Sektor. Nur an wenigen öffentlichen Schulen wird angemessener Unterricht erteilt, die Mehrzahl befindet sich in einem katastrophalen Zustand. Nur etwa die Hälfte der Kinder im Schulalter besuchen eine Schule, allerdings garantiert der Abschluss einer öffentlichen Schule nicht den Erwerb von Grundfähigkeiten wie sicheres Schreiben und Lesen. Die Analphabetenquote beträgt bei Männern 28 Prozent und bei Frauen rund 50 Prozent. Neben staatlichen Universitäten gibt es zahlreiche private Bildungseinrichtungen, die inzwischen sehr gefragt sind. Wohlhabende Nigerianer schicken oftmals dennoch ihre Kinder zur Ausbildung ins Ausland. Die erheblichen Mängel im Bildungssystem sind ein wesentliches Hindernis für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes. 

Im Norden gibt es zahlreiche Koranschulen und viel zu wenig staatliche Schulen. Das Bildungsangebot der Koranschulen führt nicht gerade zu einer , guten Ausbildung der Jugend. Diese Bildungsdefizite haben schwerwiegende soziale und wirtschaftliche Folgen und sind Grund für die Armut breiter Bevölkerungskreise.

Fremdsprachenunterricht spielt höchstens in den Privatschulen eine Rolle. Für die meisten Kinder, vor allem auf dem Land, ist nach der lokalen Sprache (z.B. Yoruba, Hausa oder Igbo) bereits die Amtssprache Englisch die erste Fremdsprache. Deutsch wird an wenigen nigerianischen Schulen unterrichtet. An drei Universitäten (Ibadan, Ile-Ife und Nsukka) kann der Bachelor of Arts in Germanistik erworben werden. Ein DAAD-Lektorat existiert in Ibadan, die DAAD-Stelle in Ile-Ife soll im Herbst 2013 nachbesetzt werden.


Medien

Die nigerianischen Medien sind die vielfältigsten in Afrika. Zahlreiche private Zeitungen und zunehmend auch private Radioanstalten und Fernsehsender tragen wesentlich dazu bei, dass alle politischen Fragen des Landes offen und kritisch diskutiert werden können. Das Radio ist das wichtigste Medium in Nigeria. Qualität und Wirkungskreis von Presse und Medien werden allerdings durch schwierige Rahmenbedingungen beeinträchtigt. Zeitungen werden in vielen abgelegenen Gebieten nicht zeitnah vertrieben. Manche Zeitungen kämpfen um das wirtschaftliche Überleben. Viele Radiosender beschränken sich aus Kostengründen darauf, internationale oder regionale Popmusik zu spielen. Auf kontroverse Darstellungen zu Religionsthemen verzichten die Medien weitgehend mit Blick auf die erheblichen Sensibilitäten in der nigerianischen Gesellschaft.Lange Zeit waren beliebte internationale Sender wie die Deutsche Welle oder der BBC World Service täglich über örtliche Sender zu empfangen, doch die zunehmend strenge Umsetzung gesetzlicher Einschränkungen haben zu einem Rückgang beim so genannten Re-Broadcasting geführt. Dennoch besteht weiterhin großes Interesse unter öffentlichen und privaten Rundfunkanstalten an einer Kooperation mit der Deutschen Welle. Insbesondere das Fortbildungsangebot der DW wird sehr geschätzt. Trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen wird eine zunehmende Zahl von Radiolizenzen durch Privatsender beantragt und gewährt. Die privaten Radiosender stellen eine wichtige Konkurrenz zu den staatlichen Radiosendern dar.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.