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Beziehungen zwischen Bangladesch und Deutschland
Stand: März 2013
Politische Beziehungen
Die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Bangladesch sind freundschaftlich. Als eines der ersten europäischen Länder hatte Deutschland Bangladesch nach der Unabhängigkeit von Pakistan 1972 diplomatisch anerkannt. Die deutsche Wiedervereinigung wurde von Bangladesch mit großer Sympathie begleitet. Deutschland genießt als langjähriger und zuverlässiger Partner bei der Entwicklungszusammenarbeit, aber auch als Handelspartner und wichtiges Mitgliedsland der Europäischen Union Ansehen. Mit besonderer Aufmerksamkeit wird das Engagement Deutschlands in der Klimapolitik und in den Vereinten Nationen verfolgt.
Der Besuchsaustausch zwischen Deutschland und Bangladesch war zuletzt hochrangig und intensiv. Bundesaußenminister Westerwelle reiste vom 23. bis 24. Juni 2012 nach Dhaka. Im Zentrum der Reise standen das Jubiläum „40 Jahre diplomatische Beziehungen“ und eine weitere Intensivierung des wirtschaftlichen Austauschs. Westerwelle führte Gespräche mit Premierministerin Sheikh Hasina und Außenministerin Dipu Moni. Er besuchte ein Hilfsprojekt der Organisation „Ärzte für die Dritte Welt“ und diskutierte mit Vertretern der Zivilgesellschaft. Vom 23. bis 25. Oktober 2011 reiste die bangladeschische Premierministerin Sheikh Hasina nach Berlin und traf die Bundeskanzlerin, den Bundesaußenminister und den Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Vom 28. bis 30. November 2011 hielt sich der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff im Rahmen eines offiziellen Besuches in Dhaka auf. Er führte unter anderem Gespräche mit Staatspräsident Zillur Rahman, Premierministerin Sheikh Hasina, Außenministerin Dipu Moni, Oppositionsführerin Khaleda Zia sowie Vertretern verschiedener Religionsgemeinschaften und der Zivilgesellschaft. Zahlreiche deutsche Nichtregierungsorganisationen sowie die Hilfsorganisationen der deutschen Kirchen setzen sich seit Bestehen Bangladeschs gemeinsam mit ihren bangladeschischen Partnerorganisationen für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung des Landes ein. Diesem Engagement wie auch einer regen Informationsarbeit in Deutschland und Bangladesch ist zu verdanken, dass in beiden Ländern viele Menschen mit großer Sympathie und guten Kenntnissen auf das jeweils andere Land blicken.
Wirtschaftliche Beziehungen
Deutschland ist der zweitgrößte Exportmarkt für Bangladesch nach den USA. Das bilaterale Handelsvolumen vergrößert sich kontinuierlich und erreichte 2012 4,5 Mrd. USD. 90 Prozent der Importe aus Bangladesch sind Textilien. Weit abgeschlagen dahinter folgen Lederprodukte (2,3 Prozent) und Nahrungsmittel (2,0 Prozent). Deutsche Exporte bestehen hauptsächlich aus Maschinen (48 Prozent) sowie chemischen (22 Prozent) und elektrotechnischen Erzeugnissen (10 Prozent). Deutsche Reeder lassen seit einigen Jahren Schiffe in Bangladesch bauen.
Deutsche Direktinvestitionen in Bangladesch bestehen unter anderem in den Bereichen Textilindustrie, Transport und Logistik sowie Baustoffe. Sie sind relativ gering, die Tendenz ist aber steigend.
Die deutsch-bangladeschische Handelskammer „Bangladesh-German Chamber of Commerce and Industry“ (BGCCI) ist mit rund 400 Mitgliedsunternehmen mittlerweile die größte bilaterale Kammer in Bangladesch.
Ein deutsch-bangladeschisches Investitionsschutz- und Förderungsabkommen ist seit September 1986 in Kraft, ein bilaterales Doppelbesteuerungsabkommen seit 1993.
Entwicklungszusammenarbeit
Bangladesch ist mit einem Jahresnationaleinkommen pro Kopf von rund 780 USD (2011) eines der ärmsten Länder der Welt und Schwerpunktpartnerland Deutschlands. Bangladesch hat zwischen der Staatsgründung 1972 und Ende 2011 von Deutschland im Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit Zahlungen in Höhe von mehr als 2,5 Mrd. Euro erhalten. Hinzu kommen Beiträge, die Deutschland über multilaterale Einrichtungen (Europäische Union, Weltbank, Asiatische Entwicklungsbank und die UN-Familie) zur Verfügung stellt.
Bangladesch und Deutschland haben sich im Rahmen ihrer langfristigen bilateralen Zusammenarbeit auf folgende drei Schwerpunkte festgelegt:
- Energieeffizienz und erneuerbare Energien
- Gute Regierungsführung und Menschenrechte
- Anpassung an den Klimawandel
Für die Jahre 2013/2014 sagte Deutschland Bangladesch insgesamt 94,0 Mio. Euro für die Durchführung bilateraler Projekte zu, erstmals auch einen Entwicklungskredit mit vergünstigten Konditionen in Höhe von 45,0 Mio. für ein Vorhaben im Bereich der Energieversorgung.
Über die staatliche Entwicklungszusammenarbeit hinaus sind auch zahlreiche deutsche Nichtregierungsorganisationen in Bangladesch aktiv, die sich vornehmlich auf dem Bereich der Armutsbekämpfung und die Unterstützung von Randgruppen konzentrieren.
Kulturelle Zusammenarbeit
Die erste Anlaufstelle für all jene in Bangladesch, die sich für deutsche Sprache und Kultur interessieren, ist das Goethe-Institut. Es feierte im Oktober 2011 sein 50-jähriges Jubiläum. Weit über 1000 Bangladescher lernen hier -jedes Jahr- Deutsch. In der Bibliothek gibt es Informationen über deutsche Literatur, Geschichte und Politik. Das Café auf der Dachterrasse ist ebenso wie das Auditorium ein Treffpunkt und Forum für junge Intellektuelle, Künstler und Vertreter der Zivilgesellschaft. Die Veranstaltungen des Goethe-Instituts reichen von Ausstellungen, musikalischen und literarischen Darbietungen bis zu Filmfestivals und DJ-Auftritten. Seit Januar 2009 werden bangladeschische Lehrer zu PASCH-Deutschlehrern ausgebildet. An den fünf PASCH-Schulen in Bangladesch wurde teilweise Deutschunterricht im Rahmen von Arbeitsgemeinschaften eingeführt. Die „Deutsche Welle“, das deutsche Auslandsradio und TV, erfreut sich großer Wertschätzung als verlässliches Informationsmedium. Besonders die UKW-Radioprogramme sind sehr beliebt.
Um den akademischen Austausch zwischen Deutschland und Bangladesch zu fördern, vergeben der DAAD (Deutscher Akademischer Austausch-Dienst) und die Alexander-von-Humboldt-Stiftung jedes Jahr Stipendien an bangladeschische Studenten und Nachwuchswissenschaftler. Informationen zum Studium in Deutschland sind beim DAAD Informationspunkt erhältlich, der Studienberatung anbietet, aber auch bei den DAAD-Koordinatoren an bangladeschischen Universitäten. Eine Vielzahl von bangladeschischen Wissenschaftlern hat bereits einen Teil ihrer akademischen Ausbildung in Deutschland absolviert, über 200 von ihnen sind in Alumni-Vereinen und im Netzwerk „Alumniportal“ organisiert.
Die Zahl der Studenten, die sich ohne ein Stipendium um einen Studienplatz in Deutschland bewerben, stieg im letzten Jahr enorm an, mit einer ungebrochenen Tendenz für 2013. Bereits 2012 beantragten weit über 1.000 junge Bangladescher ein Visum für ein Studium in Deutschland.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.
