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Somalia

Somalia leidet noch immer unter den Folgen der Dürrekatastrophe des vergangenen Jahres. 2011 wurden durch das Auswärtige Amt in Somalia Hilfsprojekte mit einer Summe von 6,4 Millionen Euro gefördert. Das Auswärtige Amt setzt sein Engagement auch in diesem Jahr fort.

Politische Hintergründe

Bereits seit 1991 befindet sich Somalia im Bürgerkrieg. Der 2004 gebildeten Übergangsregierung gelang es nur mit Hilfe einer äthiopischen Militäroperation, ihren Machtanspruch in Somalia (außer Somaliland) vordergründig durchzusetzen. Zu einer Beruhigung der Situation im Land kam es infolgedessen allerdings nicht, vielmehr setzte sich der Bürgerkrieg unvermindert fort. Seit Mai 2009 lieferten sich die islamistischen Gruppierungen Al-Shabaab und Hisb-ul-Islam v.a. in der Hauptstadt Mogadischu, aber auch in anderen Teilen Süd- und Zentralsomalias Gefechte mit Regierungstruppen, dabei wurden hunderttausende Menschen intern vertrieben, Tausende getötet oder verwundet. Seit dem Rückzug der Al-Shabaab aus Mogadishu im August 2011 sind humanitäre Hilfsleistungen in der Hauptstadt wieder in grösserem Umfang möglich, allerdings hat sich die Sicherheitslage nicht entscheidend verbessert.

Humanitäre Lage

 Flüchtlingslager in Mogadischu

Flüchtlingslager in Mogadischu
© Kindernothilfe

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 Flüchtlingslager in Mogadischu

 Flüchtlingslager in Mogadischu

Flüchtlingslager in Mogadischu

Hauptursachen für die humanitäre Notsituation in Somalia sind die anhaltende Dürre, der schwierige Zugang für Lebensmittellieferungen aus dem Ausland sowie der Anstieg der Lebensmittelpreise. Verschärft wird sie durch die katastrophale Sicherheitslage (Bürgerkrieg, unkontrollierte Gewalt, Piraterie).

2011 wurde das Horn von Afrika von der schlimmsten Dürrekatastrophe seit 60 Jahren getroffen. Allein in Somalia lag nach Angaben der Vereinten Nationen die Zahl der Bedürftigen, die humanitäre Hilfe benötigen, in der 2. Jahreshälfte 2011 bei 4 Millionen Menschen. Gegenwärtig sind noch über 2 Millionen Menschen humanitär notleidend, 323.000 Kinder unter 5 Jahren sind noch immer akut unterernährt. Besonders von der Dürre betroffen sind die Menschen in den Regionen Südzentralsomalias. Fehlender Zugang zu Nahrungsmitteln, sauberem Trinkwasser und medizinischer Versorgung sowie die instabile Sicherheitslage haben eine große Flüchtlingsbewegung in die Nachbarländer, aber auch innerhalb des Landes, vor allem nach Mogadischu, in Gang gesetzt. Über 950.000 Somalier halten sich gegenwärtig in den angrenzenden Ländern auf, mehr als die Hälfte lebt unter prekären Bedingungen in den Flüchtlingslagern Dadaab im Nordosten Kenias und Dolo Ado in Äthiopien.

In Somalia können Hilfsorganisationen nur im Norden (Puntland) und Nordwesten (Somaliland) ohne Einschränkungen arbeiten. In Südsomalia ist es derzeit nur sehr schwer möglich, Zugang zu den Hilfsbedürftigen zu erhalten, insbesondere, nachdem Al-Shabaab im November 2011 mehrere internationale Organisationen (UNICEF, UNHCR) und Hilfsorganisationen und im Januar 2012 das Internationale Komitee vom Roten Kreuz ausgewiesen hat. Dennoch gelingt es wenigen Hilfsorganisationen, auch in Süd- und Zentralsomalia humanitäre Hilfe zu leisten, dies vor allem mit lokalen Partnern, die in dem schwierigen Umfeld noch über den besten Zugang zu betroffenen Bevölkerungsgruppen verfügen. Das Auswärtige Amt setzt sich fortdauernd im Rahmen der VN und der EU für einen besseren Zugang und eine effektive Koordinierung der internationalen Hilfe ein.

Humanitäre Hilfe des Auswärtigen Amtes

Im Zeitraum von 2008 bis 2011 stellte das Auswärtige Amt insgesamt 20,5 Millionen Euro für Maßnahmen der humanitären Hilfe in Somalia bereit.

2011 wurden in Somalia Hilfsprojekte mit einer Summe von 6,4 Millionen Euro gefördert. Darüber hinaus stellte das Auswärtige Amt etwa 6 Millionen Euro für Projekte in Kenia und Äthiopien bereit, die somalischen Flüchtlingen v.a. in den Lagern Dadaab und Dolo Ado zugute kommen. Die Hilfe umfasst die Verteilung von Nahrungsmitten und Non-Food- Items wie Zelte und Küchenbedarf, Zusatznahrung gegen Unterernährung, Trinkwasserversorgung, Schutz- und Hilfsmaßnahmen sowie die Bereitstellung von ärztlicher Versorgung, von Medikamenten und medizinischem Verbrauchsmaterial für Krankenhäuser und mobile Gesundheitsdienste. Das Auswärtige Amt misst bei der Umsetzung dieser Hilfe der Einhaltung der humanitären Prinzipien (v.a. Neutralität, Unabhängigkeit und Unparteilichkeit) besondere Bedeutung zu.

Der Hilfsruf der Vereinten Nationen für Somalia 2012 beträgt 1,5 Mrd. USD. Das Auswärtige Amt setzt sein Engagement daher auch in diesem Jahr fort.

Gefährlicher Einsatz

Gezielte Entführungen, Tötungen und Bedrohungen humanitärer Helfer erschweren den Zugang ausländischer Hilfsorganisationen. In den von radikalislamistischen Kräften kontrollierten Gebieten wird zudem vielen internationalen Hilfsorganisationen die Arbeit im Land verboten, wodurch viele weitere Menschen von der Versorgung mit Hilfe abgeschnitten werden.

Zur Sicherung der Seegewässer vor Somalia startete die EU im Dezember 2008 die Mission "Atalanta", an der auch deutsche Marinekräfte beteiligt sind. Seitdem konnten mehr als 800.000 Tonnen Nahrungsmittel sicher zu somalischen Häfen eskortiert werden.


Stand 23.02.2012