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Korea Republik Korea, Südkorea

Außenpolitik

Stand: Juni 2017

Grundlinien der Außenpolitik

Im Zentrum der koreanischen Außenpolitik stehen der Erhalt von Frieden und Sicherheit auf der koreanischen Halbinsel und die Unterstützung der koreanischen Exportwirtschaft. Südkorea misst seiner globalen Verantwortung als Mittelmacht wachsende Bedeutung bei. Das Land ist bestrebt, die Kooperation mit den direkten Nachbarn China, Japan und Russland auszubauen, aber auch das Verhältnis zu Nordkorea zu normalisieren. Die als belastend empfundenen Erinnerungen an die Vergangenheit (japanische Kolonialzeit 1910-1945, Koreakrieg 1950-1953) erschweren jedoch weiterhin die Beziehungen zu Japan. Präsident Moon hat sich bereit erklärt unter konstruktiven Bedingungen (Stopp nordkoreanischer Provokationen, insb. Nuklear- und Raketentests) den Dialog zum Regime in Pjöngjang wieder aufnehmen zu wollen. . Eine Verbesserung der Beziehungen zum Norden ist jedoch bislang ausgeblieben und bleibt weiter abhängig vom Verzicht Nordkoreas auf sein Nuklearprogramm.


USA

Die USA sind der wichtigste außen- und sicherheitspolitische Verbündete Südkoreas und drittwichtigster Handelspartner. Der Einsatz der unter US-Kommando kämpfenden Truppen im Koreakrieg verhinderte eine Niederlage des Südens gegen den Norden. Die koreanische Gesellschaft ist dafür bis heute zutiefst dankbar. Die Beziehungen sind in allen Bereichen intensiv. Dies spiegelt sich in einer intensiven Besuchsdiplomatie wider. Die erste Auslandsreise eines neuen südkoreanischen Präsidenten führt traditionell in die USA. Die kulturelle Ausstrahlung der USA auf Südkorea ist hoch. Viele Angehörige der koreanischen Eliten haben in den USA studiert. Südkorea und die USA haben 2007 ein bilaterales Freihandelsabkommen geschlossen, das am 15. März 2012 in Kraft getreten ist.


China

Seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur Volksrepublik China im Jahre 1992 entwickeln sich insbesondere die Wirtschaftsbeziehungen dynamisch. China ist mit Abstand Südkoreas größter Handelspartner, der bedeutendste Absatzmarkt und ein wichtiger ausländischer Produktionsstandort. Das Nachbarland spielt aufgrund seiner traditionell engen Beziehungen zu Nordkorea und als zentrale geopolitische Gestaltungsmacht in der Region eine große Rolle für die politische Zukunft der koreanischen Halbinsel. Die Entscheidung der koreanischen Regierung aus dem Sommer 2016, ein US-amerikanisches Raketenabwehrsystem auf koreanischem Territorium zu stationieren, hat jedoch dazu geführt, dass sich die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Seoul und Peking zuletzt spürbar abgekühlten.


Japan

Das bilaterale Verhältnis zu Japan ist einerseits geprägt von der starken wirtschaftlichen Verflechtung und dem großen gegenseitigen Interesse an der Kultur des jeweils anderen Landes, andererseits von der immer noch ausstehenden Bewältigung der japanischen Besatzungs- und Kolonialzeit. Darstellungen der Vergangenheit in japanischen Schulbüchern und die Territorialstreitigkeiten um eine kleine Inselgruppe (Dokdo/Takeshima) haben die politischen Beziehungen in den letzten Jahren belastet. Die Suche nach Lösungsansätzen in erweiterten Kooperationsformaten (Dreiergipfel Südkorea-Japan-China) unterstreichen die Bemühungen, das regionale Verhältnis trotz der historischen Belastung unter einem zukunftsgerichteten Blickwinkel zu gestalten.


Nordkorea

Korea befindet sich mit Nordkorea formal noch im Kriegszustand. Die Waffenstillstandsvereinbarung von 1953 ist noch nicht in eine friedensvertragliche Regelung überführt worden. Im Grundlagenvertrag vom 13. Dezember 1991 bekannten sich beide Seiten zum Gewaltverzicht. Die nordkoreanische Hochrüstung, vor allem eine präzedenzlose Anzahl von  Raketenstarts seit Anfang  2016 und die jüngsten Kernwaffentest vom Januar und September 2016, stellen jedoch eine zunehmende Bedrohung für die internationale Gemeinschaft dar. Die quantitative personelle und materielle Überlegenheit des Nordens wird durch die qualitativ deutlich bessere Ausrüstung der südkoreanischen Streitkräfte und die Allianz mit den USA mehr als kompensiert. Der Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen und durch nordkoreanische Kurz-, Mittel- und Langstreckenraketen, die jeden Punkt im Süden erreichen können, setzt Südkorea eine glaubwürdige Abschreckung entgegen. Langfristiges Ziel bleibt jedoch die friedliche Wiedervereinigung der beiden Koreas. Wegen des starken wirtschaftlichen Gefälles und der bislang unvereinbaren politischen Ausgangsbedingungen für Süd und Nord strebt Südkorea eine Politik der Vertrauensbildung und gleichzeitiger Abschreckung an, um mittelfristig eine Beendigung des Nuklearprogramms Nordkoreas zu erreichen, die als Grundlage für eine weitergehende wirtschaftliche Zusammenarbeit angesehen wird.

Im September 2005 verpflichtete sich Nordkorea im Rahmen der so genannten Sechs-Parteien-Gespräche zwischen den beiden koreanischen Staaten, Japan, China, Russland und den USA in der 'Gemeinsamen Stellungnahme' zur Aufgabe aller Nuklearwaffen und militärischen Nuklearprogramme. Die Sechs-Parteien-Gespräche sind mit dem nordkoreanischen Raketenstart am 5. April 2009 und dem zweiten Nukleartest am 25. Mai 2009 zum Erliegen gekommen. Die internationale Gemeinschaft hat auf die Nukleartests jeweils mit Sanktionen reagiert, zuletzt in der Sicherheitsratsresolution 2321(2016). Aussichten auf eine Wiederaufnahme der Gespräche sind derzeit nicht gut. Trotz Druck Chinas ist Nordkorea derzeit nicht zur Wiederaufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche bereit, während USA, Korea und Japan deutliche Schritte Nordkoreas in Richtung Denuklearisierung als Vorbedingung für eine Wiederaufnahme der Gespräche betrachten.


Multilaterale Organisationen

Südkorea wirbt für den weiteren Ausbau regionaler Kooperationsformate in Ostasien und im weiteren Asien-Pazifik-Raum, insbesondere des trilateralen Dialogformats Südkorea-Japan-China. Am 27. September 2011 wurde ein ständiges trilaterales Sekretariat in Seoul eröffnet. Der rotierende Vorsitz des Sekretariats ging im Sommer 2013 an Japan über. Südkorea pflegt eine enge Zusammenarbeit mit den zehn ASEAN-Staaten und war Gründungsmitglied von „ASEAN+3“ im Jahr 1997 (ASEAN + KOR, JPN, CHN). Auch die Erweiterung von ASEAN+3 zum East Asia Summit (EAS) 2005 wurde von KOR vorangetrieben. Seit 1991 ist Korea Mitglied der Vereinten Nationen. Seit dem 1. Januar 2010 ist Südkorea auch Mitglied des Entwicklungshilfeausschusses der OECD und damit vom Nehmer- zum Geberland der Entwicklungszusammenarbeit geworden.

Südkorea bemüht sich um eine aktivere Rolle auf internationaler Bühne. Das Land beteiligt sich an mehreren Friedensmissionen der Vereinten Nationen. Es war 2013/2014 Mitglied im VN-Sicherheitsrat. Korea richtete im Oktober 2013 die Dritte internationale Cyber-Konferenz aus und war im Dezember 2013 Gastgeber der Arbeitsgruppensitzung für den Wiederaufbau Syriens. Zuletzt legte die Regierung einen außenpolitischen Schwerpunkt auf die Förderung Humanitärer Maßnahmen insbesondere im Nahen und Mittleren Osten.


Europäische Union

Die Europäische Union und Südkorea haben 1963 offizielle Beziehungen aufgenommen. Die Europäische Union ist Südkoreas drittwichtigster Exportmarkt und der drittgrößte Investor. Für die EU ist Südkorea der neuntgrößte Exportmarkt.
KOR war das erste asiatische Land, das 2010 mit der EU ein Rahmenabkommen (EU-South-Korea Framework Agreement) unterzeichnet hat, wodurch die Beziehungen zu einer "strategischen Partnerschaft" aufgewertet wurden. Das seit 1.Juli 2011 vorläufig angewandte Freihandelsabkommen (FHA) ist 2015 in Kraft getreten. Wichtig für EU-Unternehmen ist neben der Absenkung der Zölle vor allem der Abbau nichttarifärer Handelshemmnisse, die den Zugang von europäischen Gütern zum koreanischen Markt behindern. Dies gilt unter anderem in den Bereichen Automobile und pharmazeutische Industrie. Am 03.11.16 ratifizierte Korea zudem ein Framework Participation Agreement mit der EU, das künftig die kor. Teilnahme an GSVP-Missionen erleichtern soll. KOR hat seine am Horn von Afrika operierenden Kriegsschiffe der EU Atalanta-Mission unterstellt. KOR ist damit das erste Land weltweit, das über den Dreiklang von politischen, sicherheitspolitischen und Handelsabkommen mit der EU verfügt.

Die EU wird in der koreanischen Öffentlichkeit wegen ihrer Integrationsleistung, der Größe ihres Marktes und der Überwindung historisch belasteter Trennlinien als wichtiger Partner mit Sympathie wahrgenommen. Der letzte EU-Korea Gipfel fand am 15. September 2015 statt.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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