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Kanada

Kultur- und Bildungspolitik

Stand: März 2014

Kanada ist stolz auf sich und seine Kultur; es möchte aber in der Außenwahrnehmung weg vom Holzfäller- und Pionierimage, und hin zur modernen, multikulturellen, aufgeschlossenen, kreativen und innovativen Nation. Das große Schlagwort heißt "Diversität" und meint Kanadas Bilingualität, seinen Multikulturalismus, die gelungene Integration neuer Einwanderergruppen und den Einfluss der Ureinwohner.

Kanada versteht sich ausdrücklich - anders als der südliche Nachbar - nicht als Schmelztiegel ("melting pot"), in dem Minderheitskulturen in einer Mehrheitskultur aufgehen, sondern legt Wert darauf, dass hier ein friedliches Miteinander verschiedener Bevölkerungsgruppen möglich ist. Allerdings wird die Integration der sogenannten "visible minorities" in die kanadische Gesellschaft zunehmend schwieriger, da diese Minderheiten in den Ballungsgebieten schon einen hohen Anteil an der Gesamtbevölkerung haben.

Kanada ist ähnlich föderal strukturiert wie Deutschland; es gibt kein Bildungsministerium auf Bundesebene und kein einheitliches nationales Bildungssystem. Der kanadischen Verfassung entsprechend liegt die Zuständigkeit für alle Bildungsfragen bei den zehn Provinzen und drei Territorien.

Viele Kommunen bieten für Kinder im Alter von vier oder fünf Jahren eine Vorschulerziehung (pre-elementary/ pré-scolaire) an. Grundschule (elementary oder primary school/ école élémentaire oder primaire) und Sekundarstufe dauern in den meisten Provinzen zwölf Jahre; davon beansprucht die Grundschule sechs Jahre (in British Columbia sieben Jahre, in Ontario und Manitoba acht Jahre). Darauf folgt der jeweils zwei- oder dreijährige Besuch der junior high school und der senior high school bzw. der combined junior/ senior high school (in Ontario secondary school genannt).

In Québec heißen die öffentlichen Schulen der Sekundarstufe écoles polyvalentes. Im Allgemeinen sind die weiterführenden Schulprogramme zweizügig. Ein Zweig führt zum Studium an einer Universität, der andere bereitet auf eine weiterführende Ausbildung an einem community college/ collège communautaire, auf eine technische Studienrichtung (institute of technology/ institut de technologie) oder auf den Arbeitsmarkt vor.

Darüber hinaus gibt es besondere Programme für Schüler, die die reguläre Sekundarstufe nicht mit Erfolg abschließen können. Die Vorbereitung, Durchführung und Bewertung der Prüfungen liegt allein bei den Schulen. In einigen Provinzen müssen die Schülerinnen und Schüler jedoch in bestimmten Schlüsselfächern eine Abschlussprüfung nach den Richtlinien des Bildungsministeriums ablegen, um Zugang zu einer höheren Bildungseinrichtung zu bekommen.

Ziel der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik ist in erster Linie das Werben der kanadischen Bildungseinrichtungen um ausländische Studenten sowie die Beziehungspflege zu Akademikern, die den kanadischen Werten und dem "Canadian Way of Life" positiv gegenüberstehen. Zu diesem Zweck werden Programme für Kanadastudien gefördert und internationale Stipendien vergeben.

Sparmaßnahmen zur Konsolidierung des Haushalts betreffen auch den Kulturbereich im engeren Sinne und den Erziehungsbereich. Theater, Galerien, Museen etc. arbeiten daher verstärkt mit Sponsoren. 

Ein für Wissenschaft und Forschung zuständiges Ministerium gibt es auf Bundesebene nicht. Nach innen ist der im Industrieministerium angesiedelte Staatsminister für Wissenschaft und Technologie verantwortlich, gegenüber dem Ausland übernimmt dies das kanadische Außenministerium. Forschungsförderung durch die kanadische Bundesregierung erfolgt überwiegend durch indirekte Förderung, nämlich über Steuervergünstigungsprogramme für Unternehmen, die Forschungsausgaben absetzen können.

Im internationalen Vergleich gering ist der Anteil der Privatwirtschaft an den Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Dies ist zu einem großen Teil durch die Struktur der kanadischen Wirtschaft verursacht, die in besonderer Weise von eher kleinen Unternehmen geprägt ist, die zudem oft vor allem amerikanischen Großunternehmen zuarbeiten.

Im Rahmen der seit 2007 geltenden Strategie wurden vier vorrangige Forschungsbereiche identifiziert: Bodenschätze und Energie, Umwelt, Informationstechnologie sowie Gesundheit. Schwerpunkte der kanadischen Forschungsförderung auf Bundesebene sind dementsprechend die Bereiche Bergbau und Energetik, Telekommunikation, Biowissenschaften/Gentechnologie, Nanotechnologie, Fahrzeugtechnik sowie Photonik/Photovoltaik. Verstärktes Augenmerk wird derzeit unter politischen Gesichtspunkten dem Bereich Arktisforschung gewidmet.



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Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.