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Bulgarien

Kultur- und Bildungspolitik

Stand: März 2014

In Bulgarien haben Bildung und Kultur traditionell einen hohen Stellenwert. Das Verhältnis zu Deutschland ist traditionell gut und durch die zahlreichen bulgarischen Studenten, Künstler, Wissenschaftler und Politiker, die in Deutschland leben oder gelebt haben, sehr intensiv. Die Zusammenarbeit mit den entsprechenden deutschen Einrichtungen funktioniert gut. Auch die vielen deutschen Touristen bieten einen großen Anreiz, um die deutsche Sprache zu erlernen. Konstante Herausforderung des bulgarischen Bildungssystems und der Kulturszene sind chronische finanzielle Engpässe.

Bildungssystem

Das bulgarische öffentliche Bildungssystem hatte bis vor einigen Jahren einen guten Ruf. In letzter Zeit wechseln viele Lehrer allerdings auf private Schulen oder verlassen den Bildungsbereich ganz. Der Lehrerberuf erscheint vielen jungen Menschen als unattraktiv. Grund hierfür ist in erster Linie die niedrige Bezahlung an öffentlichen Schulen. Neben "Allgemeinschulen" (1.-12./13. Klasse) besteht ein zweistufiges System aus Grundschule (1.-7. Klasse) und Gymnasium (8.-12./13. Klasse) respektive weiterführenden und berufsqualifizierenden Schulen. Neben zwei Tests nach der 4. und der 7. Klasse gibt es seit 2008 ein landesweites Abitur. Allgemeine Schulpflicht besteht ab sechs Jahren, ein Vorschuljahr ab dem fünften Lebensjahr ist verpflichtend.

Für die Zulassung an den 45 staatlichen und privaten Universitäten und Hochschulen wird neben einer Hochschulzugangsberechtigung überwiegend auch eine Eingangsprüfung verlangt. An allen bulgarischen Hochschulen sind die neuen europäischen Abschlüsse Bachelor (in der Regel acht Semester) und Master (zwei bis vier Semester) eingeführt. Mittlerweile verlangen auch die staatlichen Universitäten Studiengebühren. DieHochschulen befinden sich noch in einer Reformphase. Einige Universitäten werden angesichts der abnehmenden Bevölkerungszahlen in absehbarer Zeit geschlossen werden müssen. Auch die Attraktivität des Berufs Hochschullehrer leidet stark unter der niedrigen Entlohnung. Die Hochschulen bemühen sich zunehmend darum, ausländische Studenten zu gewinnen. Mit deutschen Hochschulen bestehen zahlreiche Kooperationsvereinbarungen; regelmäßig halten Gastprofessoren und Gastlektoren aus Deutschland Vorlesungen und Fachseminare. In Bulgarien gibt es zudem derzeit fünf deutschsprachige Studiengänge, die personell und finanziell von Deutschland gefördert werden.


Wissenschaft und Forschung

Die bulgarische Akademie der Wissenschaft unterliegt seit einigen Jahren – insbesondere aus finanziellen, aber auch aus organisatorisch-strukturellen Erwägungen – einem Reformprozess. Dabei sollen u.a. die Zahl der derzeit 43 über das ganze Land verteilten Forschungseinrichtungen verringert und konsolidiert, der aufgeblähte Personalbestand insbesondere in den geisteswissenschaftlichen Bereichen abgebaut und verstärkt der wissenschaftliche Nachwuchs gefördert werden. Abgesehen hiervon findet wissenschaftliche Forschung auch an den Universitäten (v.a. Naturwissenschaften) statt. Mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Alexander von Humboldt-Stiftung, den Max-Planck- und Fraunhofer-Instituten sowie weiteren Forschungseinrichtungen in Deutschland existiert eine langjährige Zusammenarbeit. Eine beachtliche Zahl bulgarischer Wissenschaftler und Studenten ist an Einrichtungen in Deutschland tätig.


Fremdsprachenunterricht

Das Erlernen einer Fremdsprache ist ab der 2. Klasse verpflichtend. Eine zweite Fremdsprache ist fakultativ. An zahlreichen sogenannten Sprachgymnasien wird nach einem intensiven Vorbereitungsjahr in der 8. Klasse mit bis zu 20 Stunden Fremdsprachenunterricht pro Woche auch Fachunterricht in der Fremdsprache erteilt. Viele Schüler dieser Schulen erreichen ein hervorragendes sprachliches Niveau. Die Schulen gelten als Eliteschulen. Nach Englisch und Russisch ist Deutsch die drittwichtigste Fremdsprache an den Gymnasien. Deutsch ist auch an den Universitäten und in der Erwachsenenbildung sehr präsent. Der grundsätzliche Bedarf an Deutschlehrern ist sehr hoch. Viele Lehrer stehen kurz vor der Pensionierung, gleichzeitig kommen wegen fehlender Attraktivität des Lehrerberufes nur wenige junge Lehrer nach.

An insgesamt 23 Sprachgymnasien wird das Deutsche Sprachdiplom (DSD) verliehen, im Jahr 2012/2013  erhielten es 772 Absolventen. Daneben gibt es in Sliven eine FIT-Schule, betreut vom Goethe Institut. Am staatlichen Galabov-Gymnasium absolvieren jährlich etwa 50 Schüler das deutsche Abitur. Auch die 2008 neu eröffnete Deutsche Schule Sofia führt im Schuljahr 2013/14 erstmals zur deutschen Reifeprüfung (Abitur). Im Schuljahr 2012/2013 waren insgesamt 23 entsandte Lehrer und neun Freiwillige von "kulturweit" in Bulgarien im Einsatz.


Kunst und Literatur

In den großen Städten gibt es inzwischen ein vitales und abwechslungsreiches Kulturleben. Viele Veranstaltungen sind ausverkauft, internationale Festivals finden statt, immer mehr auch mit deutscher Beteiligung. Die öffentliche Förderung für Kultur ist weiterhin sehr gering. ZeitgenössischeKunst spielt zunehmend eine Rolle, besonders in Sofia und einigen größeren Städten. Die bulgarische Filmproduktion hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt. Bulgarische Schriftsteller, die zum Teil auf Deutsch schreiben, erfreuen sich auch im deutschsprachigen Raum zunehmender Beliebtheit (z. B. Ilia Trojanow, Dimiter Dinev, Sibylle Lewitscharoff).

Dem Goethe-Institut gelingt es, durch viele ansprechende Veranstaltungen ein differenziertes, zeitgenössisches Deutschlandbild zu zeigen. Zielgruppe ist insbesondere ein jüngeres Publikum. Die Sprachabteilung bietet gut besuchte Sprachkurse an.

Es gibt außerdem zwei deutsch-bulgarische Kulturgesellschaften, die Elias-Canetti-Gesellschaft in Ruse und die Art Today Association in Plovdiv. Die Art Today Association wird durch eine Kulturmanagerin der Robert-Bosch-Stiftung unterstützt.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.