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Angola

Wirtschaft

Stand: September 2014

Wirtschaftslage

Angola erlebte in den zehn Jahren nach dem Ende des Bürgerkrieges unter den Volkswirtschaften der Welt das stärkste Wirtschaftswachstum (Quelle: Economist). Lag das Wachstum 2003 noch bei 3,3 Prozent, so erreichte es zwischen 2005 und 2008 jeweils ca. 20 Prozent. 2009- 2011 fiel das Wachstum zwar als Folge der dramatisch gesunkenen Erdölpreise erheblich (IWF), lag aber nach der Erholung des Ölpreises 2012 wieder bei 3,9 Prozent und 2013 bei 5,1 Prozent. 2014 wird mit einem Wachstum von etwa 4 Prozent gerechnet.

Die gefallenen Ölpreise und Maßnahmen zur Stützung der nationalen Währung hatten 2009 auch zu einem Rückgang der Währungsreserven und zu Zahlungsrückständen des Staates geführt. Beides ist inzwischen bewältigt. Die Inflation sank von mehr als 100 Prozent nach Kriegsende beständig auf unter 10 Prozent seit der zweiten Jahreshälfte 2012 (Dezember 2013: 7,69 Prozent).

Die im Juni 2013 im Rahmen des Projekts Angola LNG begonnene Verflüssigung von Erdgas, in Zuge derer nochmals ein deutlicher Wachstumsanstieg erwartet wird, wurde im April 2014 aufgrund technischer Probleme vorübergehend eingestellt.


Wirtschaftsstruktur

Die angolanische Regierung setzt zunehmend auf eine Diversifizierung der Wirtschaft. Machten Erlöse aus Öl und Gas in den ersten Nachkriegsjahren über 50 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus , so waren es 2012 nur noch 38,8 Prozent. Der "Nichtölsektor" weist seit Ende des Bürgerkrieges 2002 respektable Wachstumsraten auf, die in der Regel über 10 Prozent lagen. 70 Prozent der Steuereinnahmen sollen 2014 aus dem Ölsektor stammen. Es wird ein Anstieg der Nichtöleinnahmen um 31,7 Prozent und ein Rückgang der Öleinnahmen um 3,9 Prozent erwartet. Die Ölabhängigkeit ist dennoch groß. 2013 wuchs der Ölsektor statt erwarteter 17,7 Prozent nur um 5,6 Prozent, was sich sofort in einem BIP-Wachstum von nur 5,1 Prozent statt der erwarteten 7,1 Prozent niederschlug.

Im Staatshaushalt 2013 waren mit17,76 Prozent fast doppelt so viele Ausgaben für "Maßnahmen der wirtschaftlichen Diversifizierung" vorgesehen, als noch im Vorjahr. Im Haushalt 2014 sind für das eigentliche Wirtschaftsdiversifizierungsprogramm nur 0,2 Prozent des Budgets vorgesehen, hinzu kommen aber Programme wie „Angola Investe“ (Angola investiert) und verschiedene Förderprogramme beispielsweise für unternehmerische Tätigkeit oder die landwirtschaftliche Produktion.

Zudem verstärkt die Regierung Wirtschaftsreformen, um öffentliche Unternehmen durch Restrukturierungen und teilweise Privatisierung, effizienter zu machen. Auch wird eine Steuerreform mit dem Ziel ausgearbeitet, die nationale Produktion außerhalb des Erdölsektors zu verbilligen. Das seit März 2014 umgesetzte neue Zollgesetz erhöht die Einfuhrzölle auf fast alle Produkte deutlich. Hierdurch soll eine Substitution der Importe (bislang werden beispielsweise 80 Prozent der Nahrungsmittel importiert) durch vermehrte nationale Produktion erreicht werden. Es bleibt abzuwarten, ob die infrastrukturellen Voraussetzungen bereits eine lokale Produktion in ausreichendem Maß ermöglichen werden.

Das Verhältnis Angolas zum Internationalen Währungsfonds IWF hat sich seit Kriegsende deutlich verbessert. Verschiedene IWF-Delegationen konstatierten seit 2002 zunehmende Transparenz auf angolanischer Seite. 2007 einigte sich Angola mit dem Pariser Club auf eine Schuldenrückzahlung der restlichen Verzugszinsen in Höhe von 1,8 Milliarden US-Dollar, zahlbar in drei Jahresraten. Das Angola vom IWF Ende 2009 eingeräumte "stand by"-Agreement über einen Kredit über 1,4 Milliarden US-Dollar, im Zuge dessen es bei Reformen des staatlichen Finanzwesens begleitet wurde, endete in der ersten Jahreshälfte 2012 erfolgreich.

Im Oktober 2012 wurde ein durch Einnahmen aus dem Ölverkauf gedeckter "Unabhängiger Fonds" (Fundo Soberano de Angola) aufgelegt, der vor allem für Investitionen in die Infrastruktur dienen soll. Seit Juni 2014 hat er sein vorgesehenes Startkapital von 5 Milliarden US-Dollar erreicht.

Eine im November 2011 beschlossene dreistufige Reform zur "De-Dollarisierung" der angolanischen Wirtschaft soll den nationalen Bankensektor und die nationale Währung Kwanza stärken. Seit Oktober 2012 müssen ausländische Firmen im Ölsektor ihre Zahlungen (Steuern, Gebühren, Gehälter, Zahlungen an Zulieferer in Angola) ausnahmslos über nationale Banken abwickeln, seit Juli 2013 müssen diese Zahlungen zudem in Kwanza getätigt werden. Seit Oktober 2013 müssen Ölfirmen auch Zahlungen an Zulieferer im Ausland über angolanische Banken abwickeln – diese Zahlungen können jedoch weiterhin in Dollar erfolgen. Aufgrund der starken Öllastigkeit der angolanischen Wirtschaft, und der großen Präsenz ausländischer Firmen in diesem Sektor hat diese Reform weitreichende Auswirkungen.


Wichtigste Wirtschaftszweige

Angola verfügt über natürliche Ressourcen in großem Ausmaß (Erdöl, Diamanten, Mineralien, Landwirtschaft und Fischerei). Seine Wirtschaft ist überwiegend, aber in abnehmendem Maße, vom Erdöl abhängig, welches das Hauptexportprodukt darstellt. Erdöl stellt über 90 Prozent der Exporte und 80 Prozent der Einnahmen des Landes. Angola ist neben Nigeria der größte Erdölproduzent in Subsahara-Afrika (2013: 1,71 Millionen Fass täglich, 1. Halbjahr 2014: durchschnittlich 1,65 Millionen Fass/Tag).

Die deutlich gestiegenen Ölpreise 2005-2008 und erneut 2012/2013 (106 US-Dollar pro Fass), sowie die graduelle Ausweitung der Fördermenge waren der wesentliche Faktor für die positive Wirtschaftsentwicklung insgesamt. Seit der zweiten Jahreshälfte 2013 gehen die Fördermengen aufgrund veralteter Technik in einigen Ölfeldern zurück. In wenigen Jahren soll die Förderung von Ultratiefsee-Vorkommen beginnen. Angola bieten die hohen Einnahmen die Chance, einen schnelleren Wiederaufbau und damit mittelfristig die Entwicklung des Nichtölsektors der Wirtschaft zu finanzieren, um damit weiter die Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren. Von den im Haushalt 2014 für Investitionen vorgesehenen 17 Milliarden US-Dollar (15 Prozent des BIP; 2013: 11,37 Milliarden US-Dollar) sollen 3 Milliarden US-Dollar in den Infrastrukturausbau in den Gemeinden, 2,5 Milliarden US-Dollar in die Wirtschaftsförderung, 1,9 Milliarden US-Dollar in den Ausbau des Straßennetzes, 1,62 Milliarden US-Dollar in die Stadtplanung, 1,54 Milliarden US-Dollar in öffentliche Gebäude, 1,27 Milliarden US-Dollar in die Stromproduktion und –verteilung, und 1,2 Milliarden US-Dollar in Trink- und Abwassersysteme fließen.


Handel

Die Dominanz von Erdöl und Diamanten in der Produktion bedingt die praktisch ausschließliche Konzentration der Exporte auf diese zwei Waren. 2013 betrug der Gesamtwert der Exporte 70,7 Milliarden US-Dollar (Schätzung EIU, 2011: 65,9 Milliarden US-Dollar). 46 % (2012: 48 Prozent,) der Exporte erfolgen nach China. Dem folgen Exporte in die USA (25 %, 2012: 10,5 Prozent), nach Indien (8 %, 2012: 10,6 Prozent) und nach Südafrika, Frankreich, Taiwan und Kanada. Das Exportvolumen nach Portugal stieg gegenüber 2012 um 47,8 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Im Vergleich zur Kolonialzeit liegt die größte Diskrepanz darin, dass Agrar- und Fischereiprodukte bei den Exporten nicht mehr in Erscheinung treten. Hier liegt für die Zukunft, insbesondere wenn es um erneuerbare Ressourcen mit nachhaltiger Produktion gehen soll, das größte Potential.

Die Importe erreichten 2013 den Gesamtwert von 26,1 Milliarden US-Dollar (Schätzung EIU, 2012: 16,1 Mrd US-DollarD). Hauptimportgüter sind Ausrüstungsgüter der Erdölindustrie und Maschinen (2012: 23,67 Prozent), landwirtschaftliche Produkte (2012: 14,63 Prozent), Fahrzeuge (2012: 14,28 Prozent), Metalle (2012: 12,9 Prozent) und Nahrungsmittel (2012: 9,2 Prozent). Die meisten Importe kamen 2013 mit 18 Prozent aus Portugal (3,1 Milliarden Euro, 2012: 20,3 Prozent), gefolgt von China (2012: 17,6 Prozent), den USA (2012: 9,5 Prozent), Brasilien und Südafrika.

Deutschland, vor der Unabhängigkeit der wichtigste Lieferant Angolas außerhalb des portugiesischen Wirtschaftsraums mit einem Anteil von 13 Prozent an allen Importen, spielte bis 2006 mit einem Anteil von 1,6 Prozent kaum eine Rolle. 2010 konnte zwar ein Wert von 4,5 Prozent erreicht werden, 2011 betrug der Marktanteil jedoch erneut nur 1,6 Prozent. Das Handelsvolumen erreichte zwar 2011 mit 1,1 Milliarden Euro eine Rekordmarke (2010: 485 Millionen Euro), allerdings war dies im Wesentlichen durch die Importsubstitution libyschen Erdöls bedingt. Das Handelsvolumen 2012 betrug 685 Millionen Euro, davon 294 Millionen Euro Importe aus Deutschland und 391 Millionen Euro Exporte nach Deutschland. Investitionen in Infrastruktur und eine zu diversifizierende Wirtschaft schaffen prinzipiell ein Umfeld, in dem auch die deutsche Wirtschaft vermehrt Fuß fassen kann. Die Eröffnung einer dritten Lufthansa-Direktverbindung nach Luanda im September 2014 stellt einen begünstigenden Faktor für die deutsch-angolanischen Wirtschaftsbeziehungen dar.

Im Subsahara-Vergleich ist Angola seit 2007 nach Südafrika und Nigeria der drittwichtigste Abnehmer deutscher Waren.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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