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Ungarn

Wirtschaftspolitik

Stand: September 2014

Lage

Die ungarische Wirtschaft befand sich schon vor der Finanz- und Wirtschaftskrise auf einem deutlich abgeschwächten Wachstumspfad. Auf eine Talfahrt des BIP im Jahre 2009 (-6,7%) folgten jedoch zwei Jahre leichten Wachstums mit 1,2% im Jahr 2010 und 1,7% im Jahr 2011. Dieser Trend setzte sich 2012 nicht fort: Bis Dezember 2012 schrumpfte die ungarische Wirtschaft um 1,4% des BIP.

Nachdem das BIP im 2.Quartal 2013 erstmalig wieder um 0,5 % gestiegen war, setzte sich der Trend in den folgenden Quartalen fort, so dass die ungarische Wirtschaft im Jahr 2013 insgesamt um ca. 1,2 % gewachsen ist. Für das Jahr 2014 wird ein Wirtschaftswachstum von  2,3% erwartet.

Die ungarische Regierung verfolgt erklärtermaßen zwei wirtschaftspolitische Ziele: Die Schaffung einer Million neuer Arbeitsplätze in 10 Jahren und die Umgestaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen, um Ungarn zur „wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaft in Europa“ zu machen.

Haushaltspolitisches Credo Ungarns ist der Abbau der Verschuldung. Nach einem Defizit des BIP im Jahr 2009 schloss der Haushalt im Jahr 2011 mit einem Plus von 4,2% des BIP ab. Dies wurde vor allem mit der Verstaatlichung der privaten Zusatzrentenversicherung erreicht, deren Kapitalrücklagen in den Haushalt eingestellt wurden und auch zur Reduzierung der Verschuldung genutzt wurden. Im Jahr 2012 lag das Defizit bei 2,0% des BIP und im Jahr  2013 bei 2,1%. Der Schuldenstand der öffentlichen Hand (gemessen am BIP) stieg von 79,8% (2009) auf 81.4 % (2010) an. Im Jahr 2011 sank er leicht, blieb aber noch über der 80-Prozent-Marke, um im Jahr 2012 mit 79,8% und im Jahr 2013 mit 79,3% unter diese Schwelle zu sinken.

Im Juni 2013 ist Ungarn erstmalig seit seinem Beitritt zur EU aus dem Europäischen Defizitverfahren entlassen worden.

Im Jahr 2010 führte die Regierung Orbán eine Bankensteuer sowie eine Sondersteuer für die Bereiche Energie, Telekommunikation und Einzelhandel ein. Im Januar 2012 wurde die Mehrwertsteuer auf 27% erhöht. Durch den Kálmán-Széll-Plan sollen die öffentlichen Finanzen weiter verbessert werden. Als Ersatz für die 2012 auslaufenden Sondersteuern wurden Steuern auf Telefonate, Internetverbindungen und alle finanziellen Transaktionen erhoben, die Energiesteuer wurde von 8 auf 16% erhöht. Ferner wurde zum Jahresbeginn 2013 die sogenannte „Kabelsteuer“ eingeführt, die - von wenigen Ausnahmen abgesehen - jeden Meter Versorgungsleitung (Gas, Strom, Wasser, Telekommunikation etc.) mit einer Steuer belegt.

Die Entwicklung des ungarischen Exports verläuft nach einem Einbruch in der Wirtschaftskrise wieder positiv. 2011 betrugen die Exporte rund 79,9 Mrd. Euro, womit der bisherige Höchststand von 2008 (73,3 Mrd. Euro) überschritten wurde. Auch im Jahr 2012 stiegen die Exporte -obgleich nur leicht- um 0,2% zum Vorjahr, so dass die Summe der Exporte rund 80,1 Mrd. Euro betrug. Nach vorläufigen Berechnungen setzte sich dieser Trend 2013 fort: Der Wert der Ausfuhren stieg um 2,5% auf 81,9 Mrd. Euro Mehr als drei Viertel der ungarischen Exporte gehen in die EU, allein über ein Viertel nach Deutschland. Damit ist Deutschland der mit Abstand wichtigste Wirtschaftspartner Ungarns. Entsprechend hoch sind die ungarischen Erwartungen an eine anhaltende Konjunkturbelebung in Deutschland. Ungarn erzielte 2011 und 2012 im Handel einen Überschuss von rund 6,9 Mrd. Euro ; ein Wert, der 2013 auf rd. 7,2 Mrd. Euro stieg. Der Handelsüberschuss mit Deutschland betrug 2011 rd. 2,4 Mrd. Euro, sank 2012 auf gut 1,8 Mrd. Euro und dürfte im Jahr 2013 nach vorläufigen Berechnungen wieder ca. 2,4 Mrd. Euro erreichen.

Das Inflationsziel der ungarischen Nationalbank (MNB) liegt bei unter 3%. Die Inflation lag 2011 bei 3,9% und 2012 bei 5,7%. Mit Jahresbeginn 2013 wurde eine Trendwende vollzogen: während die Inflation im August noch 2,3% betrug, wurde sie zum Jahresende 2013 mit 1,7 % ausgewiesen und liegt im August 2014 bei 0,2% .

Seit August 2012 hat die ungarische Nationalbank MNB den Leitzins in mehreren Schritten von 7% auf nunmehr 2,1% (Stand August 2014) gesenkt.

Die ungarische Währung Forint schwankt seit Februar 2008 frei gegenüber dem Euro. In der Finanzkrise 2008 sank der Kurs kurzzeitig bis auf 315 Forint pro Euro, stabilisierte sich im Herbst 2011 auf ca. 290 Forint pro Euro und verlor durch umstrittene Maßnahmen der Regierung und eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit Ungarns. Im Jahresmittel 2012 lag der Kurs bei durchschnittlich 290 Forint je Euro, während der Durchschnittskurs 2013 297 Forint je Euro erreichte.

Die Arbeitslosenquote lag 2010 bei 11,2%,2011 bei 10,9% und 2012 bei 10,7%. Nach Angaben des ungarischen Statistikamtes erreichte die Arbeitslosenquote im Jahr 2013 10,2% und liegt im August 2014 mit 8,1% deutlich unter der 10%-Marke

Deutsche Investitionen

Deutschland ist mit einem Anteil von 24% mit Abstand größter ausländischer Direktinvestor in Ungarn. Insgesamt betrug der Bestand an ausländischen Direktinvestitionen Ende des zweiten Quartals 2012 rund 71,6 Mrd. Euro. Eine der größten Einzelinvestitionen in Ungarn ist das Audi-Werk im westungarischen Raab/Győr, in das bislang rund 3,3 Mrd. Euro investiert wurden. Weitere Großinvestitionen sind das 2012 eröffnete Mercedes-Werk in Kecskemét (800 Millionen Euro) und das Opel-Werk in Szentgotthardt (500 Mio. Euro). Neben weiteren deutschen Großinvestoren (darunter Allianz, Bosch, Deutsche Telekom, RWE, SAP, ZF) sind zahlreiche mittelständische Unternehmen in Ungarn aktiv. Deutsche Unternehmen genießen im Land durch Vermittlung von Managementwissen und Fachausbildung hohes Ansehen. Die Reihe deutscher Investitionen in Ungarn setzt sich fort mit dem Neubau eines Gaskraftwerks durch E.ON in Gönyü, der Erweiterung der Produktionsanlagen durch Knorr Bremse in Budapest und Kecskemét, dem Bau eines Turbinenschaufelwerks durch Siemens und der Duna Drava Cement Kft, eine Tochter der Heidelberg Zement, die die Technologie ihres Werks in Beremend erneuert. Wichtig ist auch die Beteiligung von Hochtief an der Betreiber­gesellschaft des Budapester Flughafens. Im Rahmen der Außenwirtschaftsförderung setzt sich die Bundesregierung dafür ein, dass sich die Investitionsbedingungen für die in Ungarn tätigen deutschen Unternehmen nicht verschlechtern.

Energiepolitik

Ungarn hat einen relativ hohen Anteil von Erdgas am Gesamtprimärenergieverbrauch (2011: 38%; 2010: 37,8%; 2009: 37% ). Die Sicherung von Gasimporten stellt daher – bei rückläufiger heimischer Produktion – eine wichtige Priorität der ungarischen Energieaußenpolitik dar. Ungarn unterstützt deshalb die vom russischen Energiekonzern Gazprom initiierte South-Stream-Pipeline. Weiterhin will sich Ungarn am Bau der AGRI-Pipeline und der Nabucco-Pipeline beteiligen. Der staatliche Stromkonzern MVM betreibt nahe der zentralungarischen Stadt Paks ein Kernkraftwerk mit einer Leistung von 1.860 MW, das ca. 40% des ungarischen Strombedarfs deckt. Ungarn plant den Neubau von zwei Kernreaktoren, deren Inbetriebnahme zum Jahre 2023 geplant ist. Ungarn war gemäß EU-Richtlinie 2001/77/EG dazu verpflichtet, bis 2010 einen Anteil von 3,6% des nationalen Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien zu produzieren. Dieses Ziel hatte Ungarn im Jahr 2006 bereits überschritten. Ende 2006 lag der Anteil von Erneuerbaren Energien an der Stromproduktion bei ca. 4,4%.

Die Europäische Kommission erwartet von Ungarn einen Anteil von 13% an Erneuerbaren Energien am Gesamtprimärenergieverbrauch bis 2020. Der Aktionsplan 2010-2020 der ungarischen Regierung zur Nutzung erneuerbarer Energien übertrifft diese Forderung: Die ungarische Regierung will bis 2020 einen Anteil an erneuerbaren Energien in Höhe von 14,65% erbringen. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt Ungarn vor allem auf Biogas. 

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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