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Kultur- und Bildungspolitik
Stand: April 2013
Bildungssystem
Der Bildungsetat Irlands beträgt gegenwärtig 8,5 Mrd. Euro. Dies entspricht ca. 5 Prozent des BIP. Aufgrund des hohen Kosten- und Einspardrucks im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise dürfte der Anteil des Bildungsetats am Gesamthaushalt auf absehbare Zeit weiter schrumpfen. Die irische Regierung versucht, den unabweisbaren Kürzungen mit einem umfangreichen Reformprogramm zu begegnen. Da rund drei Viertel der Ausgaben auf Gehälter und Pensionen entfallen, sind die Spielräume hierfür jedoch gering.
Das irische Schulsystem ist dreistufig angelegt (Primary School, Secondary School, Higher – „third level“ – Education). Die zum großen Teil unter Trägerschaft der katholischen Kirche stehenden öffentlichen Schulen sind schulgeldfrei. Privatschulen, deren Zahl in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen hat, erheben zum Teil beträchtliche Schulgebühren. Allerdings werden die dort beschäftigten Lehrkräfte vom irischen Staat bezahlt. Ein wichtiger Teil des Reformprogramms der Regierung ist die sukzessive Herauslösung der Schulen aus der Trägerschaft der katholischen Kirche und ihre Umwandlung in nicht- oder multikonfessionelle Einrichtungen.
Die Ergebnisse der zentralen staatlichen Abschlussprüfung („leaving certificate“) entscheiden über den Zugang zu den Hochschulen des Landes. Der von der OECD zwischen 2000 und 2009 festgestellte starke Leistungsabfall in den schulischen Grundfertigkeiten konnte zum Schuljahresende 2011/2012 teilweise gestoppt werden. Ursächlich hierfür war die Vergabe von Bonuspunkten für Mathematik und naturwissenschaftliche Fächer. Der Bildungsminister hat sich zum Ziel gesetzt, das Niveau der Prüfungsergebnisse wieder dauerhaft anzuheben. Hierzu sollen zunächst die Anforderungen für das „junior certificate“ (Sekundarschulabschluss I) und das „leaving certificate“ (Sekundarschulabschluss II) geändert werden. Ein weiterer Schritt auf diesem Wege soll die Reform des Zulassungssystems für die Universitäten sein. Dieses bevorzugt bisher Schülerinnen und Schüler, die sich bei der Fächerwahl für das bequeme Ansammeln benötigter Punktzahlen und damit für vermeintlich leichte Fächer entscheiden anstatt ihren Neigungen nachzugehen und auf beruflich benötigte Qualifikationen zu achten.
Traditionell haben Gewerkschaften einen erheblichen Einfluss auf die Ausgestaltung und die Fortentwicklung des Schulsystems. Allein die Primar- und Sekundarschullehrer sind in drei, Universitätsprofessoren und Dozenten in zwei verschiedenen Gewerkschaften organisiert. Alle Gewerkschaften bewerten die Reformvorschläge der Regierung kritisch und haben Widerstand angekündigt.
Fremdsprachenunterricht
Irland liegt bei der Fremdsprachenausbildung im europäischen Vergleich zurück. Bislang gibt es keine ausformulierte Fremdsprachenpolitik. Nur 5 Prozent der irischen Studentinnen und Studenten sprechen zwei Fremdsprachen (EU: 20 Prozent). Unterrichtssprache ist Englisch, in der Schule ist die lt. Verfassung erste Amtssprache Irisch/Gälisch Pflichtfach. Als Fremdsprachen werden bevorzugt Französisch oder Deutsch, zunehmend auch Spanisch, angeboten. Deutsch rangiert hinter Französisch auf Platz 2 vor Spanisch und Italienisch. Die Bildungsreform klammert die Förderung der modernen Fremdsprachen als Priorität aus.
Wissenschaft
Irland hat sieben Universitäten: drei in Dublin – darunter das renommierte Trinity College - -und jeweils eine in Cork, Galway (mit Irisch und Englisch die einzige zweisprachige Uni), Limerick und Maynooth. Die Gründung einer neuen Technischen Universität in Waterford ist geplant. Daneben gibt es 14 „Institutes of Technology“ (IoT) - vergleichbar der deutschen Fachhochschule. Durch Zusammenlegung einiger IoT oder Verschmelzung mit den Universitäten des Landes wird eine Reduzierung der Gesamtzahl der Hochschulen angestrebt. Hierdurch sollen einerseits Synergieeffekte, andererseits eine Entlastung des Bildungsetats erzielt werden. Das Niveau von Lehre und Forschung gilt im internationalen Vergleich als sehr gut. Hierfür spricht unter anderem die Tatsache, dass es in Irland rund 80 Alumni der Alexander von Humboldt-Stiftung gibt. Alle Universitäten verfügen über einen hohen Anteil an ausländischen Professoren, Dozenten und akademischem Personal. Die Vernetzung mit ausländischen Universitäten ist hervorragend, insbesondere im Rahmen internationaler Förderprogramme wie z. B. Erasmus.
Kulturpolitik
Die Iren sind eine Kulturnation westeuropäischer Prägung mit starken amerikanischen Einflüssen. Vor dem Hintergrund der jahrhundertelangen Anbindung an Großbritannien gibt es einen parteiübergreifenden Konsens, die eigene Kultur und den Gebrauch der irischen Sprache mit besonderem Engagement zu fördern. Das Interesse der irischen Diaspora, vor allem in den USA, und vieler ausländischer Irlandliebhaber an irischer Kultur kommt dem entgegen. Irisch, offiziell die erste Landessprache, ist zwar an allen öffentlichen Schulen Pflichtfach (s.o.), wird jedoch nur von rund 50.000 Menschen in den "Gaeltachts" (irische Sprachinseln im Westen und Süden des Landes) als alltägliche Umgangssprache benutzt.
Das kulturelle Leben ist vielfältig und durch eine bunte Reihe namhafter internationaler Festivals vor allem in den Bereichen Film, Theater und Literatur gekennzeichnet. Das bevölkerungsmäßig kleine Land hat viele bekannte Schriftsteller hervorgebracht, darunter allein vier Nobelpreisträger: William Butler Yeats 1923, George Bernard Shaw 1925, Samuel Beckett 1969 und Seamus Heaney 1995.
Medien
In Irland besteht Pressefreiheit. Es gibt einige überregionale Tages- und Wochenzeitungen (führend dabei „The Irish Times“ und „The Irish Independent“) und Boulevardblätter sowie eine Vielzahl kleinerer regionaler Zeitungen. Viele Zeitungen, darunter auch namhafte, traditionsreiche überregionale Blätter, haben mit rückläufigen Auflagen zu kämpfen und sehen sich großer Konkurrenz seitens der elektronischen Medien gegenüber. Radio (öffentlich-rechtlich und viele Privatsender) ist das in der Fläche am weitesten verbreitete Medium. Auch das Fernsehen (die öffentlich-rechtliche Sendeanstalt RTE, der irischsprachige Kanal TG 4 und der Privatsender TV3) nimmt einen wichtigen Platz bei der Informationsbeschaffung und -versorgung ein. Weit verbreitet mit Aufwärtstrend ist die Nutzung es Internets: rund 66 Prozent der irischen Bevölkerung haben Zugang zu diesem Medium. 2 Mio. Menschen nutzen Facebook und andere soziale Medien.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.
