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"Lateinamerika im Wandel"

Wie positioniert sich Lateinamerika im 21. Jahrhundert? Wie können Riesenstädte lebenswerter werden? Wie kann den Herausforderungen des Klimawandels begegnet werden? Mit diesen Fragen befasste sich eine hochrangig besetzte Konferenz am 23. November im Berliner "Haus der Kulturen der Welt". 

In einer Rede vor den Teilnehmern der Konferenz nannte Bundesaußenminister Guido Westerwelle Lateinamerika und Europa "natürliche Verbündete, wenn es darum geht, unsere gemeinsamen Werte in der Weltordnung von morgen zu verankern". Einhergehend mit ihrem "beeindruckenden wirtschaftlichen Aufschwung" habe die Region Lateinamerika und Karibik "auch außenpolitisch an Handlungsspielraum und Selbstbewusstsein gewonnen". Deutschland begrüße diese Entwicklung, denn die Entstehung neuer Kraftzentren in der Welt sei eine Chance, die Herausforderungen der Globalisierung zu meistern.

Die gemeinsam mit dem Ibero-Amerikanischen Institut und dem Haus der Kulturen der Welt ausgerichtete Konferenz nimmt eine Schwerpunktsetzung der Bundesregierung auf. Im August 2010 hatte sie ein neues und umfassendes Lateinamerika- und Karibikkonzept verabschiedet, das den Beziehungen zu dieser wichtigen Region eine neue Qualität verleiht.

Lateinamerika-Karte

Lateinamerika

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Chancen in Lateinamerika nutzen

In einer Diskussionsrunde mit Außenminister Westerwelle und der Generalsekretärin von UNASUR, María Emma Mejía Vélez, sagte der Vorsitzende des "Brazil Boards" des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Stefan Zoller, nun gehe es um die konkrete Ausgestaltung dieses Lateinamerika-Konzepts. Auch andere Länder hätten die Chancen im lateinamerikanisch-karibischen Raum für sich entdeckt. 

Frau Mejía Vélez betonte, zum ersten Mal in seiner Geschichte sei Lateinamerika "Teil der Lösung" und nicht "Teil des Problems". Die Region habe sich wirtschaftlich stark entwickelt und so gewandelt, dass sich "Europa und Lateinamerika neu ineinander verlieben" könnten. 

Lateinamerika ist ein interessanter Markt von rund 600 Millionen Menschen. Die Wirtschaftsbeziehungen Deutschlands zu der Region entwickeln sich dynamisch. Deutschland ist der wichtigste Handelspartner Lateinamerikas innnerhalb der EU. Während das gesamte deutsche Außenhandelsvolumen von 2005 bis 2010 um etwa 24 Prozent stieg, wuchs der Außenhandel mit Lateinamerika um rund 60 Prozent.
UNASUR ist eine internationale Organisation der zwölf südamerikanischen Staaten Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Ecuador, Guyana, Kolumbien, Paraguay, Peru, Suriname, Uruguay und Venezuela. Das Hauptsekretariat der Union hat seinen Sitz in Quito, Ecuador.


Langfristige Partnerschaften

Außenminister Westerwelle wies auf die besondere Geschäftsphilosphie der deutschen Unternehmen hin. Sie schöpften nicht den schnellen Gewinn ab, sondern wollten "langfristige Partnerschaften aufbauen". Sie leisteten damit auch einen "konkreten Beitrag zu nachhaltigen Entwicklung, zur beruflichen Bildung und zum Technologietransfer". Insgesamt 85 Prozent der deutschen Investitionen in der Region fließen in das verarbeitende Gewerbe.

Die Pflege der engen Partnerschaft zwischen Europa und dem lateinamerikanischen Kontinent ist auch die Aufgabe der neu geschaffenen EU-Lateinamerika/Karibik-Stiftung in Hamburg. Bei der Einweihung der Stiftung am 7. November nannte Außenminister Westerwelle die Hansestadt einen hervorragenden Standort für diese Arbeit. Als "Tor Deutschlands zur Welt" pflegt Hamburg seit langem enge Handelsbeziehungen in die Region Lateinamerika. Stiftungspräsidentin ist die ehemalige EU-Kommissarin Benita Ferrero-Waldner. Sie stellte die Stiftung bei der Lateinamerika- und Karibik-Konferenz in Berlin vor.


Stand 23.11.2011