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Kroatien

Wirtschaftspolitik

Stand: September 2016

2015 ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Kroatiens mit einem Plus von 1,6 Prozent erstmals nach sechs Jahren der Rezession wieder gestiegen, das Außenhandelsvolumen verzeichnete 2015 einen Anstieg von 9,1 Prozent, die Industrieproduktion nahm um 2,7 Prozent zu.

Seit 2014 ist Deflation zu verzeichnen. Die öffentliche Verschuldung stieg kontinuierlich auf 86,7% des BIP 2015; für 2016 werden 87,6% erwartet.  Die Arbeitslosenquote liegt bei einer der niedrigsten Beschäftigungsraten der EU nach ILO-Standard 2015 bei 16,3%. Besorgniserregend bleibt die sehr hohe Jugendarbeitslosigkeit von ca. 43% Prozent (2015) bei leicht abnehmender Tendenz. Substanzielle Strukturreformen sind notwendig,  um die kroatische Wirtschaft zu stärken und das Investitionsklima zu verbessern. Das Augenmerk der kroatischen Finanzpolitik gilt der Senkung des Haushaltsdefizits, das zur Eröffnung eines Defizitverfahrens durch die Europäische Union führte.

In mehreren Wirtschaftsbereichen wurden bereits in den letzten Jahren Reformschritte eingeleitet, die die EU-Kommission Kroatien in Form länderspezifischer Empfehlungen im Rahmen des Abstimmungsprozesses des Europäischen Semesters auf den Weg gegeben hat, darunter Reformen und Privatisierung öffentlicher Unternehmen, Arbeitsmarktreformen und Maßnahmen zum Abbau der Zahlungsrückstände im gesamten Wirtschaftskreislauf.

Trotz anhaltenden Abwertungsdrucks hält die Notenbank an einer engen Anbindung der kroatischen Währung Kuna am Euro fest. Die Kuna ist sowohl binnenwirtschaftlich als auch im Verhältnis zum Euro weiter wertstabil.

Kroatische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können seit dem 1. Juli 2015 in Deutschland ohne Einschränkung tätig werden (Arbeitnehmerfreizügigkeit und Dienstleistungsfreiheit).

Wirtschaftssektoren

Kroatien erwirtschaftete 2015 ein BIP von ca. 43,7 Mrd. Euro. Bestimmender Wirtschaftssektor sind die Dienstleistungen mit einem Anteil von 70 % an der Wertschöpfung. Rund 20 % des BIP generiert der Fremdenverkehr. 2015 besuchten 14,3 Mio. Touristen Kroatien, 9,3 Prozent mehr als im Vorjahr, davon 2,13 Mio. deutsche Touristen (+6,8 Prozent).

In der verarbeitenden Industrie dominiert die Nahrungsmittelindustrie, gefolgt von der Verlags- und Druckindustrie, der Produktion nichtmetallischer Mineralprodukte, der chemischen Industrie, der Herstellung von Metallprodukten, Transportmitteln, elektrischen Maschinen und Geräten, sowie der Holzverarbeitung. Land- und Forstwirtschaft sowie die Fischerei tragen ca. 5 Prozent zum BIP bei.

Außenhandel

Der Exportanteil gemessen am BIP beträgt nur 26,5 Prozent. Über 73 Prozent des Außenhandels werden mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union abgewickelt. 2015 waren Deutschland, Italien, Slowenien, Österreich, Ungarn und Bosnien und Herzegowina die wichtigsten Handelspartner.

Der bilaterale Handel mit Deutschland wurde seit dem EU-Beitritt Kroatiens besonders belebt. Deutsche Exporte nach Kroatien stiegen 2015 um 9,5 Prozent auf 2,629 Mrd. Euro an, deutsche Importen aus Kroatien um 12,2 Prozent auf 1,195 Mrd. Euro. Ein weiterer Anstieg wird für 2016 prognostiziert. Die Belebung des bilateralen Handelsaustausches schlägt sich auch in der inzwischen auf über 350 Unternehmen angewachsenen Mitgliederzahl in der Deutsch-Kroatischen Industrie- und Handelskammer nieder, die weltweit eine der höchsten Zuwachsraten im Netz der deutschen Auslandshandelskammern verzeichnen konnte.

Die kroatische Leistungsbilanz weist für 2015 einen Saldo von ca. 0,6 Prozent des BIP auf (2014: 0,7 Prozent). Die Devisenreserven der Kroatischen Nationalbank beliefen sich Ende 2015 auf 13,7 Mrd. Euro und deckten die Importe von neun Monaten ab.

Ausländische Investitionen

Im Zeitraum von 1993 bis zum dritten Quartal 2015 beliefen sich die Auslandsinvestitionen auf etwa 30 Mrd. Euro. Der deutsche Anteil daran beträgt rund 2,56 Mrd. Euro, nach den Niederlanden und Österreich an dritter Stelle ausländischer Investoren. Präferierte Bereiche waren hierbei Finanzwirtschaft/Banken, Telekommunikation, Immobilienwirtschaft, Petrochemie, Erdöl- und Gasförderung, Hotel- und Gastgewerbe sowie pharmazeutische Industrie.

Der Beitritt Kroatiens zur Europäischen Union (1. Juli 2013) ermöglicht den Einsatz von Mitteln aus EU-Fonds für Infrastrukturinvestitionen und Investitionen in die Landwirtschaft. Kroatien ist zunehmend bestrebt, die Absorptionsfähigkeit der Fördermittel und die Abwicklung entsprechender Vorhaben spürbar zu verbessern.

Bereits 2013 und 2014 wurden mehrere branchenspezifische Rahmenpläne entwickelt und die Bedingungen für Auslandsinvestitionen durch die Verabschiedung von Gesetzen zum Investitionsschutz und zur Arbeitsmarktregulierung erleichtert. Die im Januar 2016 vereidigte Regierung plant zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung des Investitionsklimas.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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