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Kroatien

Wirtschaftspolitik

Stand: September 2015

Im Jahr 2014 ist das BIP (Bruttoinlandsprodukt) Kroatiens abermals um 0,4 Prozent geschrumpft. Seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 hat Kroatien damit über ein Sechstel seiner wirtschaftlichen Leistungskraft eingebüßt. Inzwischen mehren sich für 2015/2016 jedoch die Anzeichen für eine Erholung:Im ersten Quartal 2015 ist das BIP um 0,5 % und in dem zweiten Quartal 2015 um 1,2 % gestiegen, das Außenhandelsvolumen verzeichnete in den ersten sechs Monaten 2015 ein Plus von 8,4 %,  die Industrieproduktion ist um 1,9 % gestiegen.

Weiterhin stehen wichtige Strukturreformen aus, das Staatshaushaltsdefizit beträgt – 5,7 Prozent des BIP, die öffentlichen Schulden über 85 % des BIP. Im Jahr 2014 betrug die registrierte Arbeitslosigkeitsrate hohe 19,6 % (ILO: 17,3 %) bei einer  Jugendarbeitslosigkeit von 45%. Angesichts der angespannten Haushaltslage bleibt der Regierung wenig Spielraum für Maßnahmen zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums. Die kroatische Währung Kuna ist wertstabil, sowohl binnenwirtschaftlich als auch im Verhältnis zum Euro. Trotz anhaltenden Abwertungsdrucks hält die Notenbank an einer engen Anbindung der Kuna am Euro fest.

Das Augenmerk der kroatischen Finanzpolitik gilt der Senkung des Haushaltsdefizits, das am 28. Januar 2014 zur Eröffnung eines Defizitverfahrens durch die EU (Europäische Union) führte. Zwar wurde das Verfahren im April schon wieder ausgesetzt. Dennoch wurden auch 2014 zwei Nachtragshaushalt verabschiedet. Zudem waren unvorhergesehene Mindereinnahmen zu verkraften, nachdem mehrere Privatisierungsvorhaben staatlicher Unternehmen in Ermangelung eines ernsthaften Käuferinteresses zurückgestellt werden mussten.

Hingegen wurde in mehreren Bereichen der Wirtschaft Strukturreformen initiiert, die die EU-Kommission Kroatien in Form länderspezifischer Empfehlungen im Rahmen des Abstimmungsprozesses des Europäischen Semesters auf den Weg gegeben hat, darunter die Reform öffentlicher Unternehmen, Arbeitsmarktreformen und Maßnahmen zum Abbau der Zahlungsrückstände im gesamten Wirtschaftskreislauf.

Wirtschaftssektoren

Kroatien erwirtschaftete 2014 ein BIP von 43,0 Mrd Euro. Bestimmender Wirtschaftssektor sind die Dienstleistungen mit einem Anteil von 70 % an der Wertschöpfung. Rund 20 % des BIP generiert der Fremdenverkehr. 2014 besuchten 13,1 Mio. Touristen Kroatien, 5,6 Prozent mehr als im Vorjahr, davon 1,98 Mio. deutsche Touristen, 3 % mehr als im Vorjahr.

In der verarbeitenden Industrie dominiert die Nahrungsmittelindustrie, gefolgt von der Verlags- und Druckindustrie, der Produktion nichtmetallischer Mineralprodukte, der chemischen Industrie, der Herstellung von Metallprodukten, Transportmitteln, elektrischen Maschinen und Geräten, sowie der Holzverarbeitung und -herstellung. Land- und Forstwirtschaft sowie die Fischerei tragen ca. 5 % zum BIP bei.

Außenhandel

Der Exportanteil gemessen am BIP--Bruttoinlandsprodukt beträgt nur 24 %. Inzwischen werden aber rund zwei Drittel des Außenhandels mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union abgewickelt. 2014 waren Italien, Deutschland, Slowenien, Österreich, Bosnien und Herzegowina undUngarn und in ersten sechs Monaten 2015 waren Deutschland, Italien, Slowenien, Österreich, Ungarn und Bosnien und Herzegowina die wichtigsten Handelspartner.

Vom EU-Beitritt Kroatiens besonders belebt wurde der bilaterale Handel mit Deutschland. Mit deutschen Exporten nach Kroatien in Höhe von 2,593 Mrd. Euro (+ 11,9 %) und deutschen Importen aus Kroatien in Höhe von 1,161 Mrd. Euro (+ 2,9 %) konnte 2014 eine mehrjährige Stagnation überwunden werden. Der Zuwachs dürfte sich 2015 zweistellig fortsetzen (Exporte 1. Hj. 2015: + 7,0 %, Importe 1. Hj. 2015: + 9,6 %). Die Belebung des bilateralen Handelsaustausches schlägt sich auch in der inzwischen auf über 370 Unternehmen angewachsenen Mitgliederzahl in der Deutsch-Kroatischen Industrie- und Handelskammer nieder, die 2013 die weltweit höchsten Zuwachsraten im Netz der deutschen Auslandshandelskammern verzeichnen konnte. Die kroatische Leistungsbilanz weist für 2014 einen Saldo von 0,7 % des BIP auf (Vorjahr: 0,8 %). Die Devisenreserven der Kroatischen Nationalbank beliefen sich Ende 2014 auf 12,7 Mrd. Euro und deckten die Importe von neun Monaten ab. Die Devisenreserven der Kroatischen Nationalbank beliefen sich Mitte 2015 auf 14,9 Mrd. Euro.

Ausländische Investitionen

Im Zeitraum von 1993 bis zum ersten Quartal 2015 beliefen sich die Auslandsinvestitionen auf etwa  28,8 Mrd. Euro. Der deutsche Anteil daran beträgt rund 2,5 Mrd. Euro. Damit steht Deutschland nach Österreich und den Niederlanden an dritter Stelle.

Ausländisches Kapital wurde insbesondere in den Bereichen Finanzen, Telekommunikation, Immobilienwirtschaft, Petrochemie, Erdöl- und Gasförderung, Hotel- und Gastgewerbe sowie pharmazeutische Industrie angelegt.

Seit dem Beitritt Kroatiens zur Europäischen Union (1. Juli 2013) hat das Land Zugriff auf erhebliche Mittel aus EU-Fonds für Infrastrukturinvestitionen und Investitionen in die Landwirtschaft. Zur Umsetzung  ist eine Erhöhung der Absorptionsfähigkeit zur Vorbereitung und Durchführung entsprechender Vorhaben dringend erforderlich.

2013 und 2014 wurden mehrere branchenspezifische Rahmenpläne entwickelt und die Bedingungen für Auslandsinvestitionen durch die Verabschiedung von Investitionsschutzgesetzen und Gesetzen zur Arbeitsmarktregulierung verbessert. Am 11.09.2014 wurde die bereits im Januar vorgestellte neue Industriestrategie vom Kabinett verabschiedet, die prioritäre Wirtschaftsbranchen nennt, für die Kroatien im Ausland um Investitionen wirbt.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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