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Mit über 30 nochmal eine Ausbildung? Keine Frage!

Mein Name ist Anne Schäfer, ich bin mittlerweile 33 Jahre alt und komme aus dem Saarland.
Nach dem Abitur habe ich eine Ausbildung zur Bankkauffrau sowie zur Versicherungsfachwirtin gemacht und einige Jahre Berufserfahrung gesammelt. 

Meine Beweggründe für eine Ausbildung im gehobenen Auswärtigen Dienst?
Ich habe mich immer schon für fremde Länder und Kulturen interessiert, bei meinem Patenonkel konnte ich erleben, wie interessant Auslandseinsätze sind, ich wollte einen Beruf, der mich immer wieder fordert und nie langweilig wird.
Die Bewerbung beim Auswärtigen Amt war die logische Konsequenz!


Das sechsmonatigen Grundstudium in Bonn vermittelte uns Kenntnisse in Konsularrecht, Staatsrecht, Bürgerlichem Recht, Beamtenrecht, Verwaltungsrecht,... weiterhin hatten wir Sprachunterricht in Französisch und Englisch.

Daran schloss unser Inlandspraktikum (ebenfalls 6 Monate) im Auswärtigen Amt in Berlin an, welches ich in der Kulturabteilung in dem für außereuropäische Länder zuständigen Referat leistete. Hier konnte ich z.B. an der Vorbereitung von Kulturkonsultationen mit Indien, Bolivien und Äthiopien mitwirken, an Projekten wie "Deutschland in Japan 2005" oder auch bei dem Kulturerhaltprogramm des Auswärtigen Amts. Insbesondere auch die internen Arbeitsabläufe und Zusammenhänge in einem Ministerium lernt man im Rahmen des Praktikums kennen.

Den 1. Teil unseres Hauptstudiums haben wir an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege in Berlin absolviert. Inhalte waren hier u.a. Familienrecht, Nachlassrecht, Internationales Privatrecht, Wirtschafts- und Strafrecht.
Am Ende des Studiums standen interessante Exkursionen, wie ein Besuch in der Justizvollzugsanstalt, bei einer Gerichtsverhandlung und beim Standesamt.

Das neunmonatige Auslandspraktikum absolvierte ich an der Botschaft New Delhi, Indien. In einem speziellen Vorbereitungsmonat erhielten wir intensive Schulungen, um uns den Start im Ausland zu erleichtern. Im Vorfeld war es mir möglich, Hindi zu lernen und da meine Lehrerin selbst Inderin ist, konnte ich schon vieles über Indien aus erster Hand erfahren.

Während des Auslandspraktikums lernte ich den Alltag in einer Auslandsvertretung kennen und durchlief alle Abteilungen, wie Verwaltung, Kultur, Wirtschaft, Rechts- und Konsularwesen sowie Visastelle. Gefängnisbesuche sowie Rückführungen im Amtsbezirk der Botschaft verstorbener deutscher Staatsangehöriger waren nur einige der Aufgaben, die es zu bewältigen galt.

Nach Rückkehr aus New Delhi folgte dann das Hauptstudium II mit der anschließenden Laufbahnprüfung im Juli 2005, die ich erfolgreich absolvierte. Bereits im August 2005 wurde ich an die Botschaft Eriwan, Armenien, versetzt. Dort wurde ich im ersten Jahr als Sachbearbeiterin für Wirtschaft und entwicklungspolitische Zusammenarbeit eingesetzt. Anschließend wurde mir die Leitung der Visastelle übertragen.

Die mir oft gestellte Frage, ob man denn im Ausland nicht oft “schrecklich alleine“ sei, kann ich übrigens mit einem klaren Nein beantworten. Ich habe noch nie so schnell Kontakte geknüpft wie im Ausland, und die Kolleginnen und Kollegen vor Ort tun stets ihr Bestes, um einem den Neustart zu erleichtern.

Rückblickend auf die Ausbildung und den gegenwärtigen Auslandsposten kann ich nur sagen, dass ich mit diesem Beruf die optimale Wahl getroffen habe und nur jedem empfehle kann, sich bei ähnlichen Interessen ebenfalls für eine Tätigkeit im gehobenen Auswärtigen Dienst zu entscheiden.

Anne Schäfer