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Kulturelle Zusammenarbeit

Die Kulturzusammenarbeit spiegelt eindrucksvoll die bewegte Geschichte zwischen den beiden Ländern wider: der Kulturaustausch hat eine jahrhundertealte Tradition. Durch Kulturbegegnungen und Arbeit der Kulturmittlerorganisationen setzt sich die Bundesregierung dafür ein, dass dieses Erbe in Erinnerung bleibt. Auf dieser Grundlage sollen die Beziehungen weiter ausgebaut werden, nicht zuletzt durch einen Einblick auch in zeitgenössische Entwicklungen verschiedener Kulturbereiche. Russland ist ein Schwerpunktland unserer Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Wir setzen in unseren Aktivitäten vornehmlich auf Jugend, Bildung und Sprache.

Vielfalt der Kulturbeziehungen

Die vertragliche Grundlage für die Kulturbeziehungen bildet das Abkommen zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Russischen Föderation über kulturelle Zusammenarbeit vom 16. Dezember 1992. Am 4. Februar 2011 konnte nach langjährigen Verhandlungen das Abkommen über die Errichtung von Kulturinstituten in Deutschland und Russland abgeschlossen werden. 

Einige Beispiele sollen die Breite und Tiefe der kulturellen Beziehungen illustrieren. Im Fremdsprachenunterricht behauptet das Deutsche klar den zweiten Platz hinter dem Englischen, Im Rahmen der AA-Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH) werden insgesamt 90 Schulen gefördert, an denen Deutsch unterrichtet wird. Davon sind 40 Schulen – darunter die Deutsche Schule Sankt Petersburg – durch PASCH neu in die Förderung aufgenommen worden. Mehr als 12.000 junge russische Staatsbürger studieren inzwischen an deutschen Hochschulen. 

Seit Oktober 2005 stellt ein Abkommen über jugendpolitische Zusammenarbeit den bilateralen Schüler- und Jugendaustausch auf eine breitere Grundlage. Über die seit 2006 bestehende "Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch" werden Begegnungen von jungen Menschen aus beiden Ländern intensiv gefördert. Die Stiftung ist auch Ausrichterin des deutsch-russischen Jugendparlaments.

Das Goethe-Institut ist an vielen Orten in Russland präsent, in Moskau, St. Petersburg und seit März 2009 in Nowosibirsk mit eigenen Häusern. Die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Tätigkeit der Goethe-Institute in Russland wurden im Februar 2011 durch die Unterzeichnung des Abkommens über die Tätigkeit von Kulturinstituten verbessert. Daneben sind zahlreiche weitere deutsche Kulturmittler in Russland vertreten.

Die Problematik der Rückführung kriegsbedingt aus Deutschland verbrachter Kulturgüter harrt allerdings allerdings einer Lösung. 2004 wurden bilaterale Arbeitsgruppen zu Einzelfällen eingerichtet: "Baldin-Sammlung", Archive, Silbersammlung des Herzogs von Anhalt und Hardenbergsche Bibliothek.

Deutsch-Russische Kulturbegegnungen

Matrjoschkas

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© picture-alliance/dpa

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Die deutsch-russischen Kulturbegegnungen 2003/2004 waren der Impuls für ein verstärktes Interesse in den russischen Regionen an deutscher Kunst und Kultur. In den vergangenen Jahren konnten daher in zahlreichen Städten "Deutsche Tage in den russischen Regionen" durchgeführt werden, die von lokalen Initiativen ausgehen und von deutscher Seite unterstützt werden. Wir tragen auch den Erwartungen an das auf klassische Kultur bezogene Deutschlandbild in Russland Rechnung. Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit etablierten Kultureinrichtungen ergeben sich insbesondere für Musik, Tanz, Musiktheater und die bildende Kunst, wobei ein wachsender Teil dieser Aktivitäten bereits ohne staatliche Initiative oder finanzielle Unterstützung abgewickelt wird.

Im Juni 2012 wurde das Deutschlandjahr in Russland, das parallel zum Russlandjahr in Deutschland stattfindet, mit einer gemeinsamen Ausstellung "Deutsche und Russen – 1000 Jahre Geschichte, Kunst und Kultur" in Moskau eröffnet. Der gemeinsame Abschluss wird voraussichtlich im Juni 2013 in Berlin stattfinden.

Akademischer Austausch und Zusammenarbeit in Bildung und Forschung

Die bilateralen akademischen Austauschbeziehungen und die Zusammenarbeit mit Russland in Bildung und Forschung sind seit vielen Jahren sehr eng und vielfältig. Deutschland ist im Hochschulbereich für Russland ein wichtiges Partnerland innerhalb der Europäischen Union. Hiervon zeugen die annähernd 700 Kooperationen zwischen deutschen und russischen Hochschuleinrichtungen aber auch die Zahlen im Personenaustausch. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) förderte 2010 über 3000 russische Studierende und Graduierte für ein Studium in Deutschland. Damit vergibt der DAAD weltweit die meisten Stipendien an russische Studierende. Darüber hinaus förderte der DAAD 2010 mehr als 700 russische Wissenschaftler mit einem Forschungsaufenthalt in Deutschland. Die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH), die hochqualifizierte ausländische Wissenschaftler bei Forschungsvorhaben in Deutschland fördert, hat seit 1953 fast 900 Forschungsstipendiaten aus Russland gefördert.

Strategische Partnerschaft

Russland ist Schwerpunktpartner für die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit. Am 15. Juli 2009 wurde ein aktualisiertes Abkommen über die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit unterzeichnet, das die intensive und vielfältige Zusammenarbeit auf eine neue völkerrechtliche Grundlage stellt. Russland ist Deutschlands wichtigstes Partnerland bei den internationalen Großforschungsanlagen „XFEL“ in Hamburg und „FAIR“ in Darmstadt.

Im Rahmen der deutsch-russischen Modernisierungspartnerschaft wurde in Moskau ein bisher noch virtuelles Deutsches Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) aufgebaut. Im Juli 2011 wurde eine gemeinsame Erklärung der Außenminister zur Errichtung eines DWIH unterzeichnet. Der Aufbaustab des DWIH führt seit 2009 bereits einzelne Projekte durch. Deutschland und Russland begehen 2011/12 ein gemeinsames Deutsch-Russisches Wissenschaftsjahr.

Die strategische Partnerschaft wird auch deutlich in der engen Zusammenarbeit in Forschung und Lehre. Zwischen der Universität St. Petersburg und der TU Berlin (Fachbereich Physik) wurde am 22. März 2010 in St. Petersburg das "German-Russian Interdisciplinary Science Center (G-RISC) im Rahmen der Außenwissenschaftsinitiative gegründet. Es ist ein "Exzellenzzentrum der Forschung und Lehre", bei dem Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik und Spitzenforschung miteinander vernetzt werden sollen.

Werbekampagne für die deutsche Sprache in Russland

Obwohl die deutsche Sprache im russischen Bildungssystem mit rund 1,6 Mio. Deutsch lernenden Schülern weiter eine herausragende Rolle spielt, geht Deutsch als Schul- und Universitätsfach  - und damit die Zahl der Deutschlerner – vor dem Hintergrund der zunehmenden Vormachtstellung von Englisch als 1. Fremdsprache stark zurück. (Deutschlerner insgesamt 2005: 3,3 Mio. 2011: 2,3 Mio.). Die Ursache liegt vor allem in der Reduktion des Fremdsprachenangebots in den Schulen auf eine Sprache, meist Englisch. Erfreulich ist, dass Deutsch als zweite Fremdsprache absolut und relativ ansteigt.

Mit einer groß angelegten landesweiten mehrstufigen Werbekampagne des Goethe-Instituts wollen wir eine Trendwende in der Zahl der Deutschschüler herbeiführen. Die Kampagne soll der gegenwärtig laufenden Umstellung auf Einsprachigkeit (Englisch als Fremdsprache) im russischen Schulwesen begegnen durch Werbung für das Konzept der Mehrsprachigkeit. Sie wurde am 29. November 2010 in Moskau eröffnet und läuft bis Ende 2012.


Stand 20.01.2012

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