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Albanien

Wirtschaft

Stand: März 2014

Wirtschaftspolitik

Albanien hat seit 1998 bedeutende Fortschritte auf dem Weg der Transformation von einer kommunistischen in eine marktwirtschaftlich orientierte Wirtschaft erzielt. Dabei zeigte sich die Konjunktur inmitten der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise der letzten Jahre relativ stabil und wies - auch wegen des geringen Ausgangsniveaus - durchgehend Wachstum auf. Durch Wachstumsraten von im Mittel 5 Prozent über die vergangenen zehn Jahre (ein Spitzenwert in Europa) ist Albanien aufgerückt in die Reihe der "Länder mittleren Einkommens". Zuletzt ist Ernüchterung eingekehrt: Im Zuge der europäischen Schuldenkrise und regionaler Stagnation sank auch in Albanien das Wachstum von 6 Prozent (im Durchschnitt der Jahre 2000-2010) auf 0,7 Prozent 2013. 

Albanien gehört weiter zu den ärmsten Ländern Europas. Das Pro-Kopf BIP beträgt nach Weltbankangaben 3473 Euro. In „absoluter Armut“ (Pro-Kopf-Einkommen unter 60 USD pro Monat) leben 4,3 Prozent der Bevölkerung. Der Durchschnittslohn liegt bei 323 Euro. Die Arbeitslosenrate liegt offiziell bei 16,9 Prozent.

Rückgrat der Ökonomie bleibt die Landwirtschaft, deren Anteil am BIP sich in der letzten Dekade auf 19 Prozent halbiert hat, die aber noch 46 Prozent der Arbeitskräfte beschäftigt und zumeist in Subsistenz betrieben wird.

Die albanische Wirtschaft wird dominiert vom Handels- und Dienstleistungssektor. Wachstumsmotoren sind Textil- und Schuhindustrie (Lohnveredelung, vor allem für italienische Firmen), Tourismus, Telekommunikation, Bergbau und Energie.

Wirtschaftliche Aktivität verteilt sich regional sehr unterschiedlich. Der Großteil des BIP wird in der Küstenregion erwirtschaftet, insbesondere im Raum Tirana/Durrës. Dagegen ist in vielen unwegsamen Bergregionen, in denen sich Wirtschaft weitgehend auf Subsistenzlandwirtschaft beschränkt, soziale und ökonomische Entwicklung kaum spürbar. Es findet eine erhebliche Binnenwanderung aus strukturschwachen Gebieten in die Städte statt.

Im Mittelpunkt der Wirtschaftspolitik der neuen Regierung stehen Konjunktur- und Beschäftigungsförderung und Schuldenabbau. Maßnahmen stützen sich erklärtermaßen stark auf ausländische Expertise und Beratung  (IWF, Weltbank, Entwicklungsbanken) in Verbindung mit Anreizen für internationale Investoren. Premierminister Rama hat angekündigt, mit ausländischer Hilfe einen grundlegenden Kultur- und Bewusstseinswandel durchsetzen zu wollen und Korruption aus dem Wirtschaftsleben zu drängen.

Die neue Energie-, Industrie- und Handelspolitik, für deren Durchsetzung das ehemalige Wirtschaftsministerium im September zweigeteilt wurde, zielt auf Marktöffnung und Erhöhung von Transparenz und Rechtsstaatlichkeit. Die unklaren Eigentumsverhältnisse an Grund und Boden, vor allem außerhalb der Städte, bleiben neben einem schwachen Justizsystem und der damit einhergehenden Rechtsunsicherheit aber ein Hemmschuh für Entwicklung. Prioritär bleibt die Erneuerung der Infrastruktur.


Fiskalpolitik

Unter dem Eindruck der Schuldenlast räumt die Regierung in Absprache mit dem IWF Budgetkonsolidierung, Rückführung des Staatsdefizits und Eindämmung der Inflation Priorität ein, was keinen Raum für Lohnerhöhungen oder Steuersenkungen lässt. Der unter dieser Prämisse ausgearbeitete Haushalt 2014 wurde im Dezember verabschiedet. Angesichts von bis zu 50 Prozent Schattenwirtschaft und geringer Steuerdisziplin steht Albanien vor der Notwendigkeit, seine Steuereinnahmen erhöhen. Als eine der ersten Maßnahmen wurde eine Steuerreform mit Abkehr von der „Flat Tax“ durchgesetzt. Dadurch wurden die 10%-Einheitssteuer für Unternehmen auf 15% und andere Steuersätze auf bis zu 23% erhöht (z.B. der Einkommensteuer-Spitzensatz). Die Mehrwertsteuer bleibt bei 20%.


Geldpolitik

Die Zentralbank betreibt weiter eine umsichtige Geldpolitik und wirkt makroökonomisch als Stabilisator. Der Lek blieb gegenüber dem Euro auch 2013 stabil. Die Währung ist nicht frei konvertierbar, der Wechselkurs flexibel, was die Inflation eindämmt (aktuell 1,7%) und externe Schocks abfedert. Dabei kommt dem Kurs zugute, dass die begrenzte Integration Albaniens in die Kapitalmärkte die Spekulation mit dem Lek erschwert. Der Basiszinssatz liegt Anfang 2014 nach weiteren Senkungen mit 2,75% auf einem historischen Tiefststand, um die Konjunktur anzukurbeln. Maßnahmen im Bereich der Bankenaufsicht haben die Banken stabiler und unabhängiger von den ausländischen (oft griechischen) Mutterhäusern gemacht. Die Kreditvergabe geschieht aber weiter zögerlich.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.