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Albanien

Wirtschaft

Stand: Oktober 2015

Wirtschaftspolitik

Albanien hat seit 1998 bedeutende Fortschritte auf dem Weg der Transformation von einer kommunistischen in eine marktwirtschaftlich orientierte Wirtschaft erzielt. Dabei zeigte sich die Konjunktur inmitten der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise der letzten Jahre relativ stabil und wies - auch wegen des geringen Ausgangsniveaus - durchgehend Wachstum auf. Durch Wachstumsraten von im Mittel 5 Prozent über die vergangenen zehn Jahre (ein Spitzenwert in Europa) ist Albanien aufgerückt in die Reihe der "Länder mittleren Einkommens". Zuletzt ist Ernüchterung eingekehrt: Im Zuge der europäischen Schuldenkrise und regionaler Stagnation, sank auch in Albanien das Wachstum von 6 Prozent (im Durchschnitt der Jahre 2000-2010) auf 1,1 Prozent 2013. Nach knapp 2%  2014 wird für 2015 mit einem Wachstum von 2,7 Prozent gerechnet.

Albanien gehört weiter zu den ärmsten Ländern Europas. Das Pro-Kopf BIP betrug  im Jahr 2014 nach Angaben des Finanzministeriums 3420,70 Euro. In „absoluter Armut“ (Pro-Kopf-Einkommen unter 60 USD pro Monat oder weniger als 2,5 USD pro Tag) leben 7 Prozent der Bevölkerung (Angaben der Weltbank). Der Durchschnittslohn (im staatlichen Sektor) liegt bei 379 Euro (2014). Die Arbeitslosenrate liegt offiziell bei 17,9 Prozent.

Rückgrat der Ökonomie bleibt die Landwirtschaft, deren Anteil am BIP sich in der letzten Dekade auf 20 Prozent halbiert hat, die aber noch 47,8 Prozent der Arbeitskräfte (INSTAT) beschäftigt und zumeist in Subsistenz betrieben wird.

Die albanische Wirtschaft wird dominiert vom Handels- und Dienstleistungssektor. Wachstumsmotoren sind Textil- und Schuhindustrie (Lohnveredelung, vor allem für italienische Firmen), Tourismus, Telekommunikation, Bergbau und Energie.

Wirtschaftliche Aktivität verteilt sich regional sehr unterschiedlich. Der Großteil des BIP wird in der Küstenregion erwirtschaftet, insbesondere im Raum Tirana/Durrës. Dagegen ist in vielen unwegsamen Bergregionen, in denen sich Wirtschaft weitgehend auf Subsistenzlandwirtschaft beschränkt, soziale und ökonomische Entwicklung kaum spürbar. Es findet eine erhebliche Binnenwanderung aus strukturschwachen Gebieten in die Städte statt.

Im Mittelpunkt der Wirtschaftspolitik der Regierung Rama stehen Konjunktur- und Beschäftigungsförderung und Schuldenabbau. Maßnahmen stützen sich stark auf ausländische Expertise und Beratung  (IWF, Weltbank, Entwicklungsbanken) in Verbindung mit Anreizen für internationale Investoren. Jüngste Gesetze sollen insbesondere ausländische Direktinvestitionen ankurbeln. Die Energie-, Industrie- und Handelspolitikzielt auf Marktöffnung und Erhöhung von Transparenz und Rechtsstaatlichkeit. Die unklaren Eigentumsverhältnisse an Grund und Boden, vor allem außerhalb der Städte, bleiben neben einem schwachen Justizsystem und der damit einhergehenden Rechtsunsicherheit ein Hemmschuh für Entwicklung. Prioritär bleibt die Erneuerung der Infrastruktur.


Fiskalpolitik

Unter dem Eindruck der Schuldenlast, räumt die Regierung in Absprache mit dem IWF Budgetkonsolidierung, Rückführung des Staatsdefizits und Eindämmung der Inflation Priorität ein, was keinen Raum für Lohnerhöhungen oder Steuersenkungen lässt. Der unter dieser Prämisse ausgearbeitete Haushalt 2015  wurde im Sommer 2015 aufgrund geringer Steuereinnahmen nachträglich verringert. Angesichts von bis zu 50 Prozent Schattenwirtschaft und geringer Steuerdisziplin, steht Albanien vor der Notwendigkeit, seine Steuereinnahmen erhöhen. Im Herbst 2015 wurden Gesetze erlassen, welche Steuerbetrug unter hohe Strafe stellen und so die Einnahmen vergrößern sollen. Zuvor hatte die seit 2013 amtierende Regierung Rama eine Steuerreform mit Abkehr von der „Flat Tax“ durchgesetzt. Dadurch wurden die 10%-Einheitssteuer für Unternehmen auf 15% und andere Steuersätze auf bis zu 23% erhöht (z.B. der Einkommensteuer-Spitzensatz). Die Mehrwertsteuer bleibt bei 20%. In den ersten neun Monaten des Jahres 2014 konnten so die Steuereinnahmen um 13,3% (im Vergleich zu Januar - September 2013) gesteigert werden.


Geldpolitik

Die Zentralbank betreibt weiter eine umsichtige Geldpolitik und wirkt makroökonomisch als Stabilisator. Der Lek blieb gegenüber dem Euro stabil. Die Währung ist nicht frei konvertierbar, der Wechselkurs flexibel, was die Inflation eindämmt ( 2014 1,7%, 2015 geschätzt 1,8%) und externe Schocks abfedert. Dabei kommt dem Kurs zugute, dass die begrenzte Integration Albaniens in die Kapitalmärkte die Spekulation mit dem Lek erschwert. Der Basiszinssatz lag Mitte 2015 nach weiteren Senkungen mit 2,50% auf einem historischen Tiefststand, um die Konjunktur anzukurbeln. Maßnahmen im Bereich der Bankenaufsicht haben die Banken stabiler und unabhängiger von den ausländischen (oft griechischen) Mutterhäusern gemacht. Die Kreditvergabe geschieht aber weiter zögernd. Das im Juli 2014 aufgedeckte Verschwinden von ca. 5 Mio. € aus den Depots der Zentralbank führte nach langem Abwarten zur Verhaftung des Zentralbankgouverneurs Fullani und der Inspektorin Golemi. Der Gouverneur wurde inzwischen freigesprochen.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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