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Kasachstan

Beziehungen zwischen Kasachstan und Deutschland

Stand: Mai 2015

Politische Beziehungen

Deutschland und Kasachstan sind auf vielfältige Weise miteinander verbunden; Deutschland nimmt für Kasachstan unter den EU-Mitgliedsstaaten eine zentrale Rolle ein. Dies zeigen zahlreiche hochrangige Besuche in beide Richtungen: Präsident Nasarbajew führte anlässlich eines Privatbesuchs am 09.01.2015 in Berlin Gespräche mit Bundeskanzlerin Merkel und Bundesaußenminister Steinmeier. Bundesaußenminister Steinmeier besuchte Astana am 9. und 10. November 2014 und traf dort unter  Anderem mit Präsident Nasarbajew und Außenminister Idrissow zusammen.

Eine besondere 'Brücke' zwischen beiden Ländern bilden die aus Kasachstan nach Deutschland eingewanderten Deutschen („Kasachstandeutsche“) (ca. 800.000) und die noch in Kasachstan lebende deutsche Minderheit (ca. 180.000).


Wirtschaft

Kasachstan ist für Deutschland der mit Abstand wichtigste Handelspartner in Zentralasien. Das bilaterale Handelsvolumen lag im Jahr 2014 bei 6,2 Mrd. EUR (Quelle: Statistisches Bundesamt) und damit um 8,7% niedriger als im Vorjahreszeitraum. Wesentlicher Grund hierfür ist die angesichts einer eingetrübten Konjunkturlage deutlich gesunkene Nachfrage nach deutschen Produkten in Kasachstan. Folglich ist der von Kasachstan gegenüber Deutschland traditionell erwirtschaftete Handelsbilanzüberschuss im Jahr 2014 weiter angewachsen (2,7 Mrd. EUR; +10,4%).

Die kasachischen Exporte umfassen vor allem Erdöl, Eisen/Stahlerzeugnisse und chemische Produkte. Kasachstan ist für Deutschland fünftgrößter Öllieferant. Die deutschen Exporte setzen sich aus Maschinen, elektrischen Ausrüstungen, chemischen Produkten, KfZ, KfZ-Teilen und pharmazeutischen Erzeugnissen zusammen. 

Der Wert deutscher Direktinvestitionen in Kasachstan ist mit ca. 1 Mrd. EUR vergleichsweise gering (Quelle: Kasachische Agentur für Statistik). Die wichtigsten deutschen Investitionen finden sich im Baustoffsektor und im Großhandel.

Die Deutsch-Kasachische Regierungsarbeitsgruppe Wirtschaft und Handel (RAG) unter Leitung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie und des kasachischen Ministeriums für Investitionen und Entwicklung tagt einmal jährlich und behandelt die Rahmenbedingungen für das wirtschaftliche Engagement deutscher Unternehmen in Kasachstan und kasachischer Unternehmen in Deutschland sowie Fragen der Zusammenarbeit unter Anderem in den Bereichen Finanzierung, Rohstoffe, Industrie, Energie, Landwirtschaft, Gesundheit, Umwelt und Tourismus. Die 8. Sitzung der RAG fand am 19. Juni 2014 in Berlin statt. Die nächste Sitzung ist für den 09./10.06.15 in Karaganda geplant.

Die Delegation der deutschen Wirtschaft für Zentralasien in Almaty betreut wirtschaftliche Aktivitäten deutscher Unternehmen in Kasachstan und den anderen zentralasiatischen Ländern. Sie unterstützt auch kasachische Firmen bei der Anbahnung von Geschäftskontakten nach Deutschland. Dem Verband der Deutschen Wirtschaft in der Republik Kasachstan gehören ca. 100 deutsche Repräsentanzen und Filialen an. Insgesamt sind über 200 deutsche Unternehmen in Kasachstan vertreten. Die GTAI (Germany Trade and Invest) ist in Almaty mit einer Repräsentanz vertreten.


Entwicklungszusammenarbeit

Kasachstan ist seit April 2008 kein Partnerland der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit mehr. Allerdings ist Deutschland im Rahmen von regionalen Programmen der Entwicklungszusammenarbeit in Zentralasien weiterhin in Kasachstan aktiv. Schwerpunkte dieser Programme sind neben der Beratung der kasachischen Regierung beim Aufbau eines Berufsbildungssystems unter Anderem Gute Regierungsführung (Rechtsberatung), nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und Katastrophenprävention. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ist in Astana und Almaty mit Repräsentanzen vertreten. Das Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM) und der Senior Expert Service (SES) entsenden deutsche Experten nach Kasachstan.


Kultur und Bildung

Schwerpunkte bilden die Programm- und Spracharbeit des Goethe-Instituts in Almaty, das Austausch- und Lektorenprogramm des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) und das Lehrerentsendeprogramm (fünf Entsandte) der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen. Sie nehmen das Deutsche Sprachdiplom II der Kultusministerkonferenz an ausgewählten Schulen Kasachstans ab. Die Robert-Bosch-Stiftung hat einen Lektor in Kasachstan.

In Kasachstan gibt es keine deutsche Auslandsschule. An mehreren Schulen wird Deutsch als Fremdsprache unterrichtet. Auch gibt es Gymnasien mit erweitertem Deutschunterricht.

Sprachlernzentren als Partnereinrichtungen des Goethe-Instituts mit der Möglichkeit des Erwerbs international anerkannter Zertifikate bestehen in Astana, Karaganda, Pawlodar, Kostanai und Ust-Kamenogorsk. In den Deutschen Lesesälen in Astana und Ust-Kamenogorsk sind Informationen über Deutschland sowie Print-, Audio- und Video-Medien aus und über Deutschland erhältlich. Der DAAD ermöglicht jährlich ca. 60-70 kasachischen Studenten einen Studienaufenthalt in Deutschland (Hochschulsommerkurse, Teil- und Vollstipendien von zum Teil mehrjähriger Dauer) und betreut Stipendiaten des kasachischen Regierungsprogramms „Bolaschak“ (Zukunft) in Deutschland.

Die deutsch-kasachische Hochschulzusammenarbeit ist vielfältig. Es gibt mehrere Hochschulpartnerschaften und Austauschprogramme. Viele kasachische Hochschulen bieten studienbegleitenden Deutschunterricht an. Es gibt sieben Germanistiklehrstühle (u.a. Eurasisch Nationale Universität Astana, Staatliche Bukhetov Universität Karaganda und Al-Farabi Universität Almaty) in Kaschstan. Die Alexander-von-Humboldt-Stiftung vergibt Forschungsstipendien an besonders qualifizierte kasachische Wissenschaftler. Deutsche und kasachische Partnerschulen verbinden Schüleraustausch und Begegnungsprogramme.

Das Auswärtige Amt lädt regelmäßig kasachische Nachwuchsdiplomaten zur Fortbildung nach Deutschland ein.

Seit 2004 nimmt Kasachstan am Internationalen Parlamentspraktikum des Deutschen Bundestages teil. Jährlich werden bis zu fünf Stipendiaten aus Kasachstan ausgewählt, um im Bundestag zu hospitieren.

Die Deutsch-Kasachische Universität (DKU) in Almaty wurde 1999 auf private Initiative von kasachischen und deutschen Lektoren gegründet. Sie bietet in enger Zusammenarbeit mit deutschen Partnerhochschulen technisch ausgerichtete Studiengänge an und erhält Zuwendungen des DAAD.

Die ethnisch deutsche Minderheit wird aus Mitteln des Bundesinnenministeriums über die "Wiedergeburt-Gesellschaften" im ganzen Land gefördert. Deren Begegnungszentren werden vom Goethe-Institut unterstützt. Das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) fördert die "Deutsche Allgemeine Zeitung" (DAZ) durch einen deutschen Medienassistenten.

In Deutschland leben ca. 800.000 Kasachstandeutsche, in Kasachstan etwa 180.000 (entspricht 1,1% der Gesamtbevölkerung), die gesellschaftlich gut integriert sind. Überwiegend geht die Präsenz einer deutschen Minderheit in Kasachstan auf den Stalin-Erlass zur Deportation der Russlanddeutschen aus dem Wolgagebiet vom 28. August 1941 zurück. 


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