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Kasachstan

Beziehungen zwischen Kasachstan und Deutschland

Stand: Oktober 2016

Politik

Deutschland und Kasachstan sind auf vielfältige Weise miteinander verbunden; Deutschland nimmt für Kasachstan unter den EU-Mitgliedsstaaten eine zentrale Rolle ein. Dies zeigen zahlreiche hochrangige Besuche in beide Richtungen.

Eine besondere 'Brücke' zwischen beiden Ländern bilden die aus Kasachstan nach Deutschland eingewanderten Deutschen ('Kasachstandeutsche') (etwa 800.000) und die noch in Kasachstan lebende deutsche Minderheit (etwa 180.000).


Wirtschaft

Kasachstan ist für Deutschland der mit Abstand wichtigste Handelspartner in Zentralasien, jedoch stand das Jahr 2015 für das Land im Zeichen der Wirtschaftskrise. Das bilaterale Handelsvolumen lag im Jahr 2015 bei 6,1 Mrd. EUR (Quelle: Statistisches Bundesamt) und ging damit um ca. 20% gegenüber dem Vorjahr zurück. Wesentliche Gründe hierfür sind der Wertverlust des Tenge gegenüber dem Euro und US-Dollar um etwa 70% sowie Haushaltskürzungen auf kasachischer Seite und das Problem der Hermesdeckungen (Exportkreditgarantien), die weiterhin nur eingeschränkt zur Verfügung stehen.

Sowohl Deutschland als auch Kasachstan haben großes Interesse an einer Zusammenarbeit im Rohstoffbereich. Bereits im Februar 2012 wurde eine Regierungsvereinbarung über eine Partnerschaft im Rohstoff-, Industrie- und Technologiebereich mit dem Ziel unterschrieben, die Rohstoffversorgung der deutschen Wirtschaft zu sichern sowie mittels Technologietranfers die kasachische Industrialisierung voranzutreiben.

Die kasachischen Exporte umfassen vor allem Erdöl, Eisen-/Stahlerzeugnisse und chemische Produkte. Kasachstan ist für Deutschland fünftgrößter Öllieferant. Die deutschen Exporte setzen sich aus Maschinen, elektrischen Ausrüstungen, chemischen Produkten, Autos, Auto-Teilen und pharmazeutischen Erzeugnissen zusammen.

Die Deutsch-Kasachische Regierungsarbeitsgruppe Wirtschaft und Handel (RAG) unter Leitung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie und des kasachischen Ministeriums für Investitionen und Entwicklung tagt einmal jährlich und behandelt die Rahmenbedingungen für das wirtschaftliche Engagement deutscher Unternehmen in Kasachstan und kasachischer Unternehmen in Deutschland sowie Fragen der Zusammenarbeit unter Anderem in den Bereichen Finanzierung, Rohstoffe, Industrie, Energie, Landwirtschaft, Gesundheit, Umwelt und Tourismus. Die 9. Sitzung der RAG fand am 23. Juni 2016 in Schwerin statt.

Die Delegation der deutschen Wirtschaft für Zentralasien in Almaty betreut wirtschaftliche Aktivitäten deutscher Unternehmen in Kasachstan und den anderen zentralasiatischen Ländern. Sie unterstützt auch kasachische Firmen bei der Anbahnung von Geschäftskontakten nach Deutschland. Dem Verband der Deutschen Wirtschaft in der Republik Kasachstan gehören etwa 100 deutsche Repräsentanzen und Filialen an. Insgesamt sind über 200 deutsche Unternehmen in Kasachstan vertreten. Die GTAI (Germany Trade and Invest) ist in Almaty mit einer Repräsentanz vertreten.

Durch das Managerfortbildungsprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, welches seit nunmehr zehn Jahren existiert, wurden bereits 530 kasachische Manager in Deutschland fortgebildet.

Die Weltausstellung EXPO wird 2017 in Astana stattfinden. Der Rohbau des Deutschen Pavillons wurde im Oktober 2016 der Regierung Kasachstans präsentiert.

Am 30. November 2015 trat Kasachstan als 162. Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO) bei, womit sich das Land verpflichtet, Handelshemmnisse (vor allem Zölle) abzubauen.


Entwicklungszusammenarbeit

Deutschland ist im Rahmen von regionalen Programmen der Entwicklungszusammenarbeit in Zentralasien in Kasachstan aktiv. Schwerpunkte dieser Programme sind neben der Beratung der kasachischen Regierung beim Aufbau eines Berufsbildungssystems unter Anderem 'Gute Regierungsführung' (Rechtsberatung), nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und Katastrophenprävention. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ist in Astana und Almaty mit Repräsentanzen vertreten. Das Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM) und der Senior Expert Service (SES) entsenden deutsche Experten nach Kasachstan.


Kultur und Bildung

Schwerpunkte bilden die Programm- und Spracharbeit des Goethe-Instituts in Almaty, das Austausch- und Lektorenprogramm des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) und das Lehrerentsendeprogramm (fünf Entsandte) der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen. Sie nehmen das Deutsche Sprachdiplom II der Kultusministerkonferenz an ausgewählten Schulen Kasachstans ab. Die Robert-Bosch-Stiftung hat einen Lektor in Kasachstan.

In Kasachstan gibt es keine deutsche Auslandsschule. An mehreren Schulen wird Deutsch als Fremdsprache unterrichtet. Auch gibt es Gymnasien mit erweitertem Deutschunterricht.

Sprachlernzentren als Partnereinrichtungen des Goethe-Instituts mit der Möglichkeit des Erwerbs international anerkannter Zertifikate bestehen in Astana, Karaganda, Pawlodar, Kostanai und Ust-Kamenogorsk. In den Deutschen Lesesälen in Astana und Ust-Kamenogorsk sind Informationen über Deutschland sowie Print-, Audio- und Video-Medien aus und über Deutschland erhältlich. Der DAAD ermöglicht jährlich etwa 60-70 kasachischen Studenten einen Studienaufenthalt in Deutschland (Hochschulsommerkurse, Teil- und Vollstipendien von zum Teil mehrjähriger Dauer) und betreut Stipendiaten des kasachischen Regierungsprogramms 'Bolaschak' (Zukunft) in Deutschland.

Die deutsch-kasachische Hochschulzusammenarbeit ist vielfältig:

Die Deutsch-Kasachische Universität (DKU) wurde 1999 in Almaty als Privatuniversität gegründet. Das Studienangebot umfasst Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftsingenieurswesen, Internationale Beziehungen sowie Finanzen, zudem seit 2011 auch der vom Auswärtigen Amt finanzierte M.A.-Studiengang 'Integriertes Wassermanagement' in Kooperation mit der Freien Universität Berlin. Seit 2009 finanziert sich die DKU hälftig aus Förderung des Auswärtigen Amtes (über DAAD) und durch Studiengebühren der rund 570 Studierenden. Bis Ende 2013 investierte Deutschland insgesamt rund 11 Mio. Euro in die DKU.

Es gibt daneben mehrere Hochschulpartnerschaften und Austauschprogramme. Viele kasachische Hochschulen bieten studienbegleitenden Deutschunterricht an. Es gibt sieben Germanistiklehrstühle (Eurasisch Nationale Universität Astana, Staatliche Bukhetov Universität Karaganda, Al-Farabi Universität Almaty) in Kaschstan. Die Alexander-von-Humboldt-Stiftung vergibt Forschungsstipendien an besonders qualifizierte kasachische Wissenschaftler. Deutsche und kasachische Partnerschulen verbinden Schüleraustausch und Begegnungsprogramme.

Das Auswärtige Amt lädt regelmäßig kasachische Nachwuchsdiplomaten zur Fortbildung nach Deutschland ein.

Seit 2004 nimmt Kasachstan am Internationalen Parlamentspraktikum des Deutschen Bundestages teil. Jährlich werden bis zu fünf Stipendiaten aus Kasachstan ausgewählt, um im Bundestag zu hospitieren.


Deutsche Minderheit

Die ethnisch deutsche Minderheit wird aus Mitteln des Bundesinnenministeriums über die 'Wiedergeburt-Gesellschaften' im ganzen Land gefördert. Deren Begegnungszentren werden vom Goethe-Institut unterstützt. Das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) fördert die Deutsche Allgemeine Zeitung (DAZ) durch eine Medienassistenten-Stelle, die aus Deutschland besetzt wird. Am 8. September fand die Regierungskommissionssitzung zur Deutschen Minderheit unter Leitung des Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, MdB Hartmut Koschyk, in Berlin statt.

In Deutschland leben etwa 800.000 Kasachstandeutsche, in Kasachstan etwa 180.000 (entspricht 1,1% der Gesamtbevölkerung), die gesellschaftlich gut integriert sind. Überwiegend geht die Präsenz einer deutschen Minderheit in Kasachstan auf den Stalin-Erlass zur Deportation der Russlanddeutschen aus dem Wolgagebiet vom 28. August 1941 zurück.


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