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Kenia

Wirtschaftspolitik

Stand: Mai 2012

Allgemeine Wirtschaftslage

Wenngleich Kenia als typisches Entwicklungsland in Sub-Sahara-Afrika gilt, nimmt das Land dennoch eine herausragende Stellung innerhalb von Ost-Afrika ein. Kenia ist die leistungsfähigste Volkswirtschaft in der EAC (East African Community) mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Höhe von mehr als 35 Milliarden US-Dollar (2011). Damit ist seine Volkswirtschaft genauso groß wie die der übrigen EAC-Mitglieder Tansania, Uganda, Burundi und Ruanda zusammen. Kenias Vorzüge sind seine exponierte Lage in der Region und eine liberale Wirtschaftsordnung mit gut entwickeltem Privatsektor. Für 2012 wird in etwa das gleiche Wirtschaftswachstum wie 2011 (rund 5 %) erwartet, 2010 betrug dieses 5,6% und 2009 in Folge der Wahlausschreitungen (2008/2009) und der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise nur 2,6%. Rund 50 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze (ca. 25 Prozent müssen mit weniger als 1 US-Dollar pro Tag auskommen). 60 Prozent der Bevölkerung der Hauptstadt Nairobi leben in Slums. Das Haushaltsdefizit und die Auslandsverschuldung stiegen auch 2011 weiter an. Der im Juni 2011 vorgestellte Haushaltsplan sieht eine weitere Verschuldung vor.

Kenias Wirtschaft verfügt über einen modernen formellen Sektor (Teile der Landwirtschaft, Tourismus, Dienstleistung) mit starker Exportorientierung (Tee, Kaffee, Schnittblumen und Gartenbau) und einem wachsenden informellen Sektor (ca. 40 Prozent der Beschäftigten).

Trotz Wahlausschreitungen, Wirtschaftskrise und Dürre erholt sich die Wirtschaft seit 2009 zunehmend, die positive Entwicklung setzte sich 2010 und auch 2011 fort. Die Einnahmen, v.a. in der Tourismus- und Blumenindustrie stiegen 2011 weiter an. Der Tourismus profitierte dabei auch von Besuchern aus sog. Schwellenländern. Ein starker Anstieg der Öl- und Lebensmittelpreise führte im Herbst allerdings zu einer Inflationsrate von nahezu 20 % (berechnet nach einem kenianischen Warenkorb: hier wurden bestimmte, teure Produkte aus dem Warenkorb entfernt, um günstigere Inflationszahlen zu erzielen) und einer gleichzeitigen Abwertung des Schillings (im Oktober 2011 entsprach 1 EUR ca. 135 Schilling). Die Ölpreise sind in der Zwischenzeit wieder gesunken, auch der Kenianische Schilling hat sich seit Anfang des Jahres stabilisiert (1 EUR entspricht ca. 108 Ksh).


Wichtigste Wirtschaftszweige

Der wichtigste Wirtschaftssektor Kenias ist nach wie vor die Landwirtschaft (inklusive Fischerei und Forstwirtschaft), in der ca. 22 Prozent des BIP erwirtschaftet werden. Landwirtschaftliche Produkte (Gartenbau, Tee, Kaffee) sind Hauptexportgüter, wobei Tee wichtigstes Exportprodukt ist. Rund 70 Prozent der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft.

Der bedeutendste Wirtschaftszweig im Dienstleistungssektor ist die Tourismusbranche, die neben der Tee- und Schnittblumenindustrie auch die Hauptdeviseneinnahmequelle des Landes bildet. Die Tourismusbranche setzte 2011 ihren positiven Trend fort und konnte sowohl erneut die Besucherzahlen als auch die Einnahmen deutlich steigern. Um dieses Wachstum weiter zu steigern, nimmt der Kenya Tourist Board regelmäßig an der ITB in Berlin teil und versucht in Asien und in Russland neue Märkte zu erschließen. Dafür ist es allerdings unabdingbar, dass die nächsten Wahlen friedlich verlaufen.


Außenhandel

Kenias Exporte sind in den letzten Jahren gestiegen und lagen 2011 bei rund 5,4 Milliarden US-Dollar. 2010 hatte der Handel mit anderen Ländern der EAC ein Volumen von mehr als 1,5 Milliarden US-Dollar. 24 Prozent der kenianischen Exporten entfallen dabei auf die EAC, während noch immer rund 26 Prozent der kenianischen Exporte in die EU gehen. Deutschland spielt hier mit einem Anteil von 123,1 Millionen Euro keine dominierende Rolle. Gartenbau, Tee, Kaffee und Re-Exporte auf Erdölbasis stellen die Hauptexportprodukte Kenias dar. Kenias Einfuhren stammen vor allem aus Indien, der VR China, den Vereinten Arabischen Emiraten, Südafrika, Saudi-Arabien und Japan. Importiert werden besonders Erdöl(-produkte), Autos, Maschinen und Chemikalien.


Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen

Kenia ist Gründungsmitglied des Common Market für Eastern and Southern Africa COMESA (1993) und der East African Community EAC. Die regionale Kooperation in Ostafrika geht zurück bis ins Jahr 1917. 1999 wurde die 1977 zunächst gescheiterte EAC von Kenia zusammen mit Uganda und Tansania wiederbelebt, im Juli 2007 traten Burundi und Ruanda bei. Mit der Zeichnung des „Common Market Protocol“ durch die EAC-Staaten am 25.09.2009 in Kampala ist man dem Ziel der Gründung einer Wirtschafts- und Währungsunion einen großen Schritt näher gekommen. Offiziell wurde damit ein gemeinsamer Binnenmarkt für ca. 130 Millionen Bürger aus den EAC-Staaten mit freiem Waren- und Personenverkehr ohne Grenzen und Beschränkungen eingeführt. Bei der Umsetzung des gemeinsamen Binnenmarktes gibt es allerdings erhebliche Schwierigkeiten; die Einführung einer gemeinsamen Währung ist auf unbestimmte Zeit ausgesetzt worden.


Umweltschutz

Kenia hat durch die Annahme der neuen Verfassung das „Recht auf saubere und gesunde Umwelt“ als Grundrecht verankert. Die Verfassung enthält außerdem ein eigenes Kapitel zum Thema Umwelt und natürliche Resourcen. Doch schon vor dem Inkrafttreten der Verfassung hat die kenianische Regierung aktive Umweltpolitik betrieben. In der Vision 2030 hat die Regierung Umweltziele festgelegt, um zu erreichen, dass Kenia ein Land mit sauberer, sicherer und nachhaltiger Umwelt wird. Bis 2012 soll u.a. die Waldfläche von derzeit 3% auf 4% vergrößert sowie von negativen Umwelteinflüssen ausgelöste Krankheitsfälle halbiert werden. Kenia ist zudem IRENA – einer internationalen Initiative der Bundesregierung zur Förderung erneuerbarer Energie – beigetreten.

Die größten Umweltprobleme stellen die Luftverschmutzung, Abfallbeseitigung und -verbrennung, Bodenschutz sowie der illegale Holzeinschlag dar. Der Waldbestand des Landes ist mittlerweile auf 1,7 Prozent der Gesamtfläche geschrumpft, in besonders dramatischer Weise etwa im Mau Forest in Zentral-Kenia. Dieser Entwicklung versucht die Regierung mit einem Umsiedlungs- und Wiederaufforstungsprogramm entgegenzuwirken. Auch das von Wangari Maathai gegründete "Green Belt Movement" engagiert sich auch nach ihrem Tod weiter bei der Aufforstung insbesondere im Mau Forest. Um die zunehmenden Umweltprobleme angehen zu können, wurde 1999 die "National Environmental Management Authority (NEMA)“ eingesetzt.

Der Schutz der natürlichen Umwelt ist für Kenia von großer wirtschaftlicher Bedeutung, besonders im Tourismus. Das Land verfügt weltweit über die höchste Konzentration geschützter Nationalparks (59). Mit dem Erlös von hohen Parkeintrittsgebühren wird durch Parkwächter versucht, die Nationalparks zu schützen und den Wildtierbestand zu erhalten. Gleichwohl wird regelmäßig in diese Nationalparks und auch in die sog. „Conservancies“ immer wieder eingedrungen, um sie für die Viehwirtschaft von Nomaden (Massai) zu nutzen, bzw. werden Elefanten und Nashörner von Wilderern abgeschossen, um das Elfenbein teuer zu verkaufen .

Kenia ist Sitzstaat des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) und regelmäßig Gastgeber wichtiger Konferenzen im Umweltbereich.


Wirtschaftsdatenblatt Kenia



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.