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Philippinen

Wirtschaft

Stand: November 2016

Wirtschaftsstruktur

Die philippinische Wirtschaft weist eine deutliche Zweiteilung auf: Moderne Elektronik-Industrie und boomender Dienstleistungssektor auf der einen Seite, Armut und Subsistenzlandwirtschaft andererseits. Hinzu kommt ein Entwicklungsgefälle zwischen Metro Manila, die vielerorts den Entwicklungsstand eines Schwellenlandes widerspiegelt, und den wirtschaftlich rückständigeren Provinzen.

Die Landwirtschaft beschäftigt noch rund ein Drittel aller Arbeitskräfte, ihr Anteil am Sozialprodukt beträgt jedoch nur noch etwa 15 Prozent. Aufgrund des hohen Anteils der Subsistenzlandwirtschaft ist die Produktivität des Agrarsektors niedrig. Die Industrie trägt ca. ein Drittel zur Entstehung des Sozialprodukts bei. Ein wichtiges Standbein ist dabei die Elektronik-Industrie. Die Montage im Bereich Halbleiter und elektronische Bauteile machte in den vergangenen Jahren ca. zwei Drittel der philippinischen Exporte aus. Wichtige Wachstumssektoren sind auch der Bausektor, die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie sowie der Bereich der Infrastruktur. Der Bergbausektor konnte zuletzt nicht an die positiven Entwicklungen der Vorjahre anknüpfen, hat aber erhebliches Potenzial; die Philippinen verfügen über große Lagerstätten an Gold, Kupfer und Nickel.

Der Dienstleistungssektor hat sich in den vergangenen Jahren zur tragenden Säule der philippinischen Wirtschaft entwickelt und trägt heute mehr als die Hälfte zur Entstehung des Bruttosozialprodukts bei. Einer der stärksten Sektoren ist die Telekommunikation. Manila rühmt sich die „Welthauptstadt des SMS-Versands“ zu sein. Die Philippinen sind mittlerweile außerdem die weltweit zweitgrößte Outsourcing-Destination (Call Center, Business Process Outsourcing) nach Indien. In den nächsten Jahren wird weiterhin mit Wachstumsraten zwischen 15 und 20 Prozent gerechnet.

Ein großes Potential bietet außerdem der Tourismus, zumal die Entwicklung des Tourismus hoch oben auf der Prioritätenliste der Regierung rangiert. Eine große Werbekampagne rund um den neuen Slogan ("It's more fun in the Philippines") will die Philippinen als Destination weltweit bekannter machen. 2013 sah mit ca. 4,6 Mio. Touristen ein Wachstum gegenüber dem Vorjahr um 9,6 Prozent.

Der direkte Einfluss des Staats auf das Wirtschaftsleben ist begrenzt. Durch die weitgehend abgeschlossene Privatisierung des Energiesektors spielen staatliche Unternehmen auch in diesem Bereich kaum mehr eine Rolle Allerdings existieren umfangreiche Beschränkungen für ausländische Investoren (kein Eigentum an Grund und Boden; in vielen Bereichen nur Minderheitsanteil von bis zu 40 Prozent möglich). Gesetzesvorschläge zur Verbesserung der Investitionsbedingungen liegen vor, ihre Erfolgsaussichten sind derzeit aber nicht absehbar. Korruption und intransparente Ausschreibungsverfahren bei öffentlichen Aufträgen haben in der Vergangenheit das Geschäftsklima für ausländische Investoren erheblich belastet. Das Bekenntnis der Regierung Aquino, hier nachdrücklich Abhilfe zu schaffen, wird von Investoren ausdrücklich begrüßt, erste Erfolge, die freilich noch an Tiefe und Nachhaltigkeit gewinnen müssen, haben die Stimmung der Wirtschaftsteilnehmer spürbar verbessert.


Wirtschaftslage

2015 überschritt das Bruttoinlandsprodukt der Philippinen erstmals die Marke von 300 Milliarden US Dollar. In den letzten Jahren sind die Philippinen auf einen stabilen Wachstumspfad mit Wachstumsraten von durchschnittlich 6 Prozent eingeschwenkt. Eine Ausnahme bildete das schwache Jahr 2011 (3,7 Prozent); für 2012 konnte ein Wachstum in Höhe von 6,6 Prozent erzielt werden, für 2013 von 7,2 Prozent – jeweils eines der höchsten in Asien nach China. 2014 wurden 6,1 Prozent, 2015 wurden 6,0 Prozent erreicht. Eine stabilisierende Wirkung entfalten die hohen Rücküberweisungen von Auslandsfilippinos, die den Binnenkonsum stützen. Zusammen mit dem Boom der Outsourcing-Industrie befeuerten diese Überweisungen auch den aktuellen Bauboom vor allem in Metro Manila. Die ausländischen Direktinvestitionen haben sich  im regionalen Vergleich schwach entwickelt, zeigen aber eine positive Tendenz.

Die Wachstumsaussichten für die nächsten Jahre sind grundsätzlich positiv. Insbesondere sind die Staatsfinanzen und der private Finanzsektor in einer stabilen Verfassung und sollten wirtschaftlichen Turbulenzen widerstehen können. Das entschlossenere Vorgehen des Präsidenten Aquino gegen die grassierende Korruption bietet die Chance, dass die Philippinen ihre langjährigen grundlegenden Probleme - mangelnde Good Governance, hohe Korruption und große Armut - Schritt für Schritt überwinden und verstärkt ausländische Direktinvestitionen ins Land fließen. Konkrete Verbesserungen im Kleinen sind spürbar, für eine Änderung des Investitionsklimas ist aber noch mehr Zeit und Einsatz erforderlich. Insbesondere die über 100 Sonderwirtschaftszonen (sog. PEZA-Zones) werden aber schon heute von Investoren als gut beurteilt.


Einkommensverteilung

Die Ungleichheit bei der Einkommensverteilung ist hoch. Und leider ist es der philippinischen Regierung trotz des starken Wirtschaftswachstums nicht gelungen, die Armut im Lande spürbar zu reduzieren. Nach Angaben der Weltbank stagniert sie bei rund 25%, und dies gegen den Trend der Südostasien-Region, in der die Armut allgemein rückläufig ist. Ein wesentlicher Grund ist das hohe Bevölkerungswachstum von etwa 2 Prozent (ca. 2 Mio. pro Jahr). Aktuellere Zahlen zur Armutsentwicklung liegen nicht vor, jedoch beklagen internationale Finanzinstitutionen, dass auch unter der neuen Regierung Aquino weite Teile der Bevölkerung von des Vorteilen des Wachstums ausgeschlossen bleiben.

Die Armut ist in den Philippinen regional unterschiedlich verteilt, insbesondere in ländlichen Gebieten ist sie wesentlich höher als in den Städten. Die ärmste Provinz liegt im muslimischen Teil der Philippinen (Autonome Region im muslimischen Mindanao, ARMM).

Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung bleiben drängende Probleme. Die Arbeitslosenquote auf den Philippinen ist nach offiziellen Angaben relativ moderat und lag in den letzten Jahren recht stabil bei ca. 7 Prozent. Dieser Wert ist auch bei aktuell kräftigem Wirtschaftswachstum grundsätzlich konstant, da angesichts eines Bevölkerungswachstums um die 2 Prozent p.a. bei einer Gesamtbevölkerung von 100 Mio. Einwohnern jährlich etwa 1 Mio. neue Stellen geschaffen werden müssen, um diese Quote stabil zu halten. Die offiziellen Angaben geben aber nur ein sehr unvollständiges Bild der Lage ab. Nur ca. 55 Prozent aller Beschäftigten sind im formalen Sektor tätig. Der Rest ist als Dienstleister im Haushaltsbereich, als Aushilfskräfte in der Landwirtschaft u.s.w. tätig. Dem nur leichten bis stagnierenden Rückgang der Arbeitslosigkeit steht ein starker Anstieg der Unterbeschäftigung gegenüber (ca. 23 Prozent). Außerdem verlassen über 1 Mio. Menschen jährlich das Land, um im Ausland Arbeit zu suchen – mit zunehmender Tendenz. Die Entsendung von Gastarbeitern ins Ausland hilft zwar einerseits, den heimischen Arbeitsmarkt zu entlasten und Devisen zu erwirtschaften. Sie führt andererseits aber zu einer immer ausgeprägteren Konzentration unterqualifizierter Arbeitnehmer im Inland, die sich in einem Mangel an Facharbeitern im Lande niederschlägt.


Umwelt

Der philippinische Archipel mit über 7000 Inseln ist eines der artenreichsten Ökosysteme der Welt. Bevölkerungswachstum, Siedlungsdruck und Raubbau an den natürlichen Ressourcen führen allerdings zu einer Verschlechterung des Zustands der philippinischen Umwelt. Die Regierung hat darauf mit einer Reihe relativ moderner und ambitionierter Umweltgesetze zum Schutz des Regenwalds, der maritimen Ressourcen, der Reinhaltung von Luft, Wasser und der Abfallbehandlung reagiert. Allerdings lässt die Durchsetzung der Regeln oft zu wünschen übrig. Da die Philippinen zu den von den Folgen des Klimawandels und Naturkatastrophen am meisten gefährdeten Ländern zählen, haben diese Versäumnisse immer wieder fatale Folgen.

Eine führende Rolle in Südostasien streben die Philippinen bei der Nutzung erneuerbarer Energien, im Klimaschutz und bei der Erhaltung der Biodiversität, v.a. der marinen Biodiversität, an. Schon heute sind sie der zweitgrößte Produzent geothermischer Energie nach den USA. Deutsche Unternehmen sind vor allem im Solarbereich erfolgreich. Deutschland engagiert sich mit Mitteln der technischen und finanziellen Zusammenarbeit vor allem beim Schutz natürlicher Ressourcen, beim Aufbau kommunaler Infrastruktur (Wasser, Abfall), beim industriellen Umweltschutz, beim Schutz von Klima und Biodiversität sowie bei der Entwicklung erneuerbarer Energien.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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