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Norwegen

Beziehungen zu Deutschland

Stand: April 2017

Politische Beziehungen

Das deutsch-norwegische Verhältnis ist sehr eng und freundschaftlich. Es basiert auf einer breiten Übereinstimmung in vielen internationalen Fragen und äußert sich im gemeinsamen Vorgehen, z.B. in der Außen- und Sicherheitspolitik oder auch der Umwelt- und Energiepolitik und der humanitären Hilfe. Norwegen hat darüber hinaus hohe Erwartungen an Deutschland als Fürsprecher norwegischer Interessen in der EU. Die Konsultationsdichte auf allen Ebenen ist hoch. Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchte Norwegen im Februar 2013. Die norwegische Ministerpräsidentin Erna Solberg reiste zuletzt im November 2016 nach Berlin. Außenminister Børge Brende traf zuletzt im Februar 2017 in Oslo mit Außenminister Gabriel zusammen. Bundespräsident Gauck stattete im Juni 2014 Norwegen einen offiziellen Staatsbesuch ab. Die große Anteilnahme in der deutschen Öffentlichkeit nach den Terroranschlägen vom 22. Juli 2011 wurde in Norwegen dankbar registriert.

Die traditionell sehr engen Beziehungen zwischen Norwegen und Deutschland erfuhren durch die deutsche Besatzung während des Zweiten Weltkriegs eine tiefe Zäsur, die sich noch lange in erheblichen Vorbehalten gegenüber Deutschland manifestierte. Eine zentrale Rolle im Aussöhnungsprozess nach dem Krieg spielte Willy Brandt, der die Jahre 1933 bis 1940 als Emigrant in Norwegen verbracht hatte. Bereits vor der Wiederherstellung der deutschen Einheit war Deutschland wieder einer der wichtigsten Partner Norwegens in Europa.

Mit dem Ende des Kalten Krieges und der deutschen Teilung begann eine zunehmende Orientierung norwegischer Politik auf Deutschland. Die 1999 verabschiedete und im Frühjahr 2014 zuletzt aktualisierte "Deutschland-Strategie" ist Ausdruck der "Wiederentdeckung des nahen Nachbarn Deutschland" mit dem Ziel, insbesondere die zwischengesellschaftlichen Beziehungen beider Länder weiter auszubauen. Dazu gehört die von beiden Seiten gewünschte Förderung der deutschen Sprache.


Wirtschaftliche Beziehungen

Etwa 80 % des gesamten norwegischen Exports gehen  in die Mitgliedstaaten der EU. Umgekehrt bezieht Norwegen ca. 67% seiner Warenimporte aus Ländern der EU. Die größten Außenhandelspartner sind das Vereinigte Königsreich, Deutschland, Schweden, die Niederlande und die USA.  

Im bilateralen Handel importierte Norwegen 2016 aus Deutschland Waren in Höhe von rund 8,7 Mrd. Euro, vor allem Kraftfahrzeuge, Maschinen sowie chemische und pharmazeutische Produkte. Norwegen belegte damit Platz 29 unter den wichtigsten Exportländern für Deutschland. Der Export von Kraftfahrzeugen nach Norwegen macht etwa ein Drittel der deutschen Gesamtausfuhren nach Norwegen aus.

Norwegen exportierte nach Deutschland 2016 neben Öl und Gas vor allem Fisch und chemische Produkte sowie Aluminiumprodukte für die deutsche Autoindustrie. Das Exportvolumen betrug 2016 rund 12,5 Mrd. Euro. Norwegen belegte damit Platz 20 unter den wichtigsten Importländern für Deutschland.

Öl- und Gasexporte

Norwegen ist für Deutschland der zweitwichtigste Energielieferant. Norwegen besitzt ca. 42 % der westeuropäischen konventionellen Öl- und Gasreserven. Der Anteil des Öl- und Gasexports am Bruttoinlandsprodukt beträgt etwa 15 %.  Öl- und Gasprodukte machen  etwa 50% des norwegischen Gesamtexports aus. 2016 sind sowohl die Erdöl- als auch die Erdgasfördermenge gegenüber dem Vorjahr weiter gestiegen. Insgesamt wurden 1,62 Mio. Fass Öl pro Tag und 117 Mrd. m³ Gas gefördert.

Tourismus

Norwegen ist traditionell ein sehr beliebtes Reiseziel für deutsche Urlauber. Sie stellen vor Schweden, Dänen, Briten und Niederländern die größte Gruppe ausländischer Touristen in Norwegen. Jedes Jahr werden ca. 1,5  Millionen Übernachtungen deutscher Gäste in Norwegen gezählt.


Kulturelle Beziehungen

Die deutsch-norwegischen Kulturbeziehungen haben eine lange Tradition. So wie die bekannten Größen Edvard Munch, Edvard Grieg und Henrik Ibsen sich viele Jahre in Deutschland aufhielten, findet heute ebenfalls ein reger Austausch in beiden Richtungen statt. Gemeinsame deutsch-norwegische Ausstellungen oder Auftritte von norwegischen und deutschen Künstlern im jeweils anderen Land sind Beleg hierfür. Auch über herausragende deutsche Kunstveranstaltungen wird in den norwegischen Medien berichtet.

Das bilaterale Abkommen zur Umwandlung der Deutschen Schule Oslo – Max Tau (DSO) in eine norwegische Begegnungsschule ist am 19. Juli 2011 in Kraft getreten. An der DSO kann neben dem deutschen internationalen Abitur auch die norwegische Hochschulzugangsberechtigung erworben werden.

Im Rahmen des 2006 gegründeten Deutsch-Norwegischen Jugendforums (DNJF) haben seit 2007 jedes Jahr rund 100 Jugendliche aus beiden Ländern die Gelegenheit, das jeweils andere Land durch gemeinsame Projekte kennenzulernen.. 2016 feierte das Deutsch-Norwegische Jugendforum am "Europäischen Tag der Sprachen“ sein 10-jähriges Bestehen. Gastredner des in den Nordischen Botschaften Berlin begangenen Festaktes waren unter anderem der Europa-Staatsminister im Auswärtigen Amt Michael Roth,  Nähere Informationen zum Deutsch-Norwegischen Jugendforum bietet die Internetseite www.dnjf.org.

Der Förderung der kulturellen und politischen Beziehungen soll auch die im Jahr 2000 gegründete norwegisch-deutsche Willy-Brandt-Stiftung dienen. Die Stiftung verleiht jährlich den Willy-Brandt-Preis für Verdienste um die bilateralen Beziehungen.  2016 wurden der norwegische Dramatiker und Schriftsteller Jon Fosse sowie die deutsche Sprach- und Kulturmittlerin Julia Stöber mit dem Willy-Brandt Preis ausgezeichnet. Der Festakt in Oslo fand am 8. Dezember im norwegischen Parlament, dem Storting, statt.

Mit der Malereiausstellung „Dahl und Friedrich – romantische Landschaften“, die von Oktober 2014 bis Januar 2015 in der norwegischen Nationalgalerie ausgestellt wurde und von Februar bis Anfang Mai 2015 in der Staatlichen Kunstsammlung Dresden zu sehen war, gelang ein herausragendes bilaterales Museumsprojekt.

Das Goethe Institut Oslo setzt als Schwerpunkte auf Literaturvermittlung sowie in der Spracharbeit auf Fortbildung norwegischer Deutschlehrer. An der Universität Bergen gibt es das einzige DAAD-Lektorat in Norwegen.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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