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Norwegen

Beziehungen zu Deutschland

Stand: Oktober 2014

Politische Beziehungen

Das deutsch-norwegische Verhältnis ist sehr eng und freundschaftlich. Es basiert auf einer breiten Übereinstimmung zu vielen internationalen Fragen und äußert sich im gemeinsamen Vorgehen, z.B. in der Sicherheitspolitik oder auch der Umwelt- und Energiepolitik. Norwegen hat darüber hinaus hohe Erwartungen an Deutschland als Fürsprecher norwegischer Interessen in der EU. Die Konsultationsdichte auf allen Ebenen ist hoch. Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchte Norwegen im Februar 2013. Die neu gewählte norwegische Ministerpräsidentin Erna Solberg reiste zu ihrem ersten Auslandsbesuch im November 2013 nach Berlin. Der neue norwegische Außenminister Børge Brende traf im Januar 2014 in Berlin mit Außenminister Steinmeier zusammen, der seinerseits im April 2014 Oslo besuchte. Bundespräsident Gauck stattete im Juni 2014 Norwegen einen offiziellen Staatsbesuch ab. Die große Anteilnahme in der deutschen Öffentlichkeit nach den Terroranschlägen vom 22. Juli 2011 wurde in Norwegen dankbar registriert.

Die traditionell sehr engen Beziehungen zwischen Norwegen und Deutschland erfuhren durch die deutsche Besatzung während des Zweiten Weltkriegs eine tiefe Zäsur, die sich noch lange in erheblichen psychologischen Vorbehalten gegenüber Deutschland manifestierte. Eine zentrale Rolle im Aussöhnungsprozess nach dem Krieg spielte Willy Brandt, der die Jahre um 1933 bis 1940 als Emigrant in Norwegen verbracht hatte. Bereits vor der Wiederherstellung der deutschen Einheit war Deutschland wieder einer der wichtigsten Partner Norwegens in Europa.

Mit dem Ende des Kalten Krieges und der deutschen Teilung begann eine zunehmende Orientierung norwegischer Politik auf Deutschland. Die 1999 verabschiedete und im Frühjahr 2014 zuletzt aktualisierte "Deutschland-Strategie" ist Ausdruck der "Wiederentdeckung des nahen Nachbarn Deutschland" mit dem Ziel, insbesondere die zwischengesellschaftlichen Beziehungen beider Länder weiter auszubauen.


Wirtschaftliche Beziehungen

Rund 81 Prozent des gesamten norwegischen Exports gehen an Mitgliedstaaten der EU. Mit einem Anteil von 11,1% und einem Wert von 13,8 Mrd. Euro ist Deutschland das drittgrößte Exportland für norwegische Waren und Dienstleistungen. Bei den norwegischen Importen liegt Schweden mit 13,5% auch 2013 als Herkunftsland traditionell an der Spitze, Deutschland folgt knapp dahinter mit 12,4% und einem Wert von 7,8 Mrd. Euro.

Norwegen importiert aus Deutschland vor allem Maschinen, Kraftfahrzeuge sowie chemische und pharmazeutische Produkte, aber auch Büroausstattung. . Der Gesamtimport von Kraftfahrzeugen nach Norwegen macht derzeit knapp ein Drittel der deutschen Gesamtausfuhren nach Norwegen aus. Umgekehrt exportiert Norwegen neben Öl und Gas vor allem Fisch und chemische Produkte sowie Aluminiumprodukte für die deutsche Autoindustrie nach Deutschland und steht damit auf Platz 14 der Liste der wichtigsten Importländer für Deutschland.

Öl- und Gasexporte

Norwegen ist für Deutschland der zweitwichtigste Energielieferant. Norwegen besitzt ca. 42 Prozent der westeuropäischen konventionellen Öl- und Gasreserven. Der Anteil des Öl- und Gasexports am Bruttoinlandsprodukt betrug 2013 21,5 Prozent. Öl- und Gasprodukte machten 2013 knapp 60% des norwegischen Gesamtexports aus. 2013 war ein leichter Rückgang der Gasfördermenge auf 108,8 Mrd. Sm3 OE (Standardkubikmeter Öläquivalent) zu verzeichnen..

Tourismus

Norwegen ist traditionell ein sehr beliebtes Reiseziel für deutsche Urlauber. Sie stellen vor Dänen, Schweden, Niederländern und Briten die größte Gruppe ausländischer Touristen in Norwegen. 2013wurden circa 1,3 Millionen Übernachtungen deutscher Gäste in Norwegen gezählt.


Kulturelle Beziehungen

Die Beziehungen der Nachkriegszeit waren zunächst vom erfolgreichen Versöhnungswerk geprägt. Heute steht einer wachsenden Zahl deutscher Studenten in Norwegen eine sinkende Anzahl norwegischer Studenten in Deutschland gegenüber.

Die Zahl der norwegischen Schüler, die Deutsch lernen, ist in den letzten Jahren stark gesunken und stagniert auf niedrigem Niveau. Die Germanistik-Institute an den norwegischen Universitäten wurden mit den anderen Fremdsprachenabteilungen zusammengelegt.

Das bilaterale Abkommen zur Umwandlung der Deutschen Schule Oslo – Max Tau (DSO) in eine norwegische Begegnungsschule ist am 19. Juli 2011 in Kraft getreten. An der DSO kann neben dem deutschen internationalen Abitur auch die norwegische Hochschulzugangsberechtigung erworben werden.

Im Rahmen des Deutsch-Norwegischen Jugendforums (DNJF) haben seit 2007 jedes Jahr rund 100 Jugendliche aus beiden Ländern die Gelegenheit, das jeweils andere Land durch gemeinsame Projekte kennenzulernen. Das Forum wurde anlässlich des Besuchs des norwegischen Königspaares im Oktober 2007 von Königin Sonja in Essen eröffnet. Das 8. DNJF hat im September 2014 in Hamburg stattgefunden. Nähere Informationen bietet die Internetseite www.dnjf.org.

Der Förderung der kulturellen und politischen Beziehungen soll auch die im Jahr 2000 gegründete norwegisch-deutsche Willy-Brandt-Stiftung dienen. Die Stiftung verleiht jährlich den Willy-Brandt-Preis für Verdienste um die bilateralen Beziehungen. Im Dezember 2013 ist der Preis an den früheren norwegischen Außenminister Jonas Gahr Støre und an den damaligen Fraktionsvorsitzenden der SPD und heutigen Außenminister Frank-Walter Steinmeier übergeben worden.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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