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Beziehungen zu Deutschland
Stand: April 2013
Politische Beziehungen
Das deutsch-norwegische Verhältnis ist sehr eng und freundschaftlich. Es basiert auf einer breiten Übereinstimmung zu vielen internationalen Fragen und äußert sich im gemeinsamen Vorgehen, z.B. in der Sicherheitspolitik oder auch der Umwelt- und Energiepolitik. Die Konsultationsdichte auf allen Ebenen ist hoch. Zuletzt besuchte Bundeskanzlerin angela Merkel Norwegen im Februar 2013. Norwegen hat darüber hinaus hohe Erwartungen an Deutschland als Fürsprecher norwegischer Interessen in der EU. Die große Anteilnahme in der deutschen Öffentlichkeit nach den Terroranschlägen vom 22. Juli 2011 wurde in Norwegen dankbar registriert.
Die traditionell sehr engen Beziehungen zwischen Norwegen und Deutschland erfuhren durch die deutsche Besatzung während des Zweiten Weltkriegs eine tiefe Zäsur, die sich noch lange in erheblichen psychologischen Vorbehalten gegenüber Deutschland manifestierte. Eine zentrale Rolle im Aussöhnungsprozess nach dem Krieg spielte Willy Brandt, der die Jahre um 1933 bis 1940 als Emigrant in Norwegen verbracht hatte. Bereits vor der Wiederherstellung der deutschen Einheit war Deutschland wieder einer der wichtigsten Partner Norwegens in Europa.
Mit dem Ende des Kalten Krieges und der deutschen Teilung begann eine zunehmende Orientierung norwegischer Politik auf Deutschland. Die 1999 verabschiedete und im Herbst 2009 zuletzt aktualisierte "Deutschland-Strategie" ist Ausdruck der "Wiederentdeckung des nahen Nachbarn Deutschland" mit dem Ziel, insbesondere die zwischengesellschaftlichen Beziehungen beider Länder weiter auszubauen.
Wirtschaftliche Beziehungen
Rund 81 Prozent des gesamten norwegischen Exports gehen an Mitgliedstaaten der EU. Deutschland lag 2011 auf Platz 3, nach Großbritannien und den Niederlanden. Bei den norwegischen Importen liegt Schweden traditionell an der Spitze, Deutschland folgt knapp dahinter an zweiter Stelle, danach China, Dänemark, Großbritannien und die USA.
Norwegen importierte 2012 aus Deutschland Waren in Höhe von 62,9 Mrd. NOK (Norwegische Kronen; ca. 8,46 Mrd. EUR, Kurs 1 NOK = 0,13 EUR), vor allem Maschinen, Kraftfahrzeuge sowie chemische und pharmazeutische Produkte, aber auch Büroausstattung. Dies bedeutet einen Anstieg um 3,16 Prozent ggü. 2011. Der Gesamtimport von Kraftfahrzeugen nach Norwegen stieg 2012 auf fast 20 Mrd. NOK (ca. 2,7 Mrd. EUR) und macht derzeit knapp ein Drittel der deutschen Gesamtausfuhren nach Norwegen aus. Umgekehrt exportiert Norwegen neben Öl und Gas vor allem Fisch und chemische Produkte sowie Aluminiumprodukte für die deutsche Autoindustrie nach Deutschland und steht damit auf Platz 15 der Liste der wichtigsten Importländer für Deutschland (Warenwert 2011: 20,6 Mrd Euro; +20 Prozent ggü. 2010).
Öl- und Gasexporte
Norwegen besitzt ca. 42 Prozent der westeuropäischen konventionellen Öl- und Gasreserven. Der Anteil des Öl- und Gasexports am Bruttoinlandsprodukt betrug 2010 19,2 Prozent. Deutschland gehört in diesem Bereich zu den wichtigsten Zielländern.
2011 stiegen die Einnahmen für Erdgas von 155 Milliarden auf 190 Milliarden NOK (ca. 25,5 Milliarden EUR), bei gesunkenen Fördermengen 2011. 2012 war ein Anstieg der Fördermenge zu verzeichnen, in den ersten drei Quartalen 2012 um 14,9% auf 83,8 Mrd. Kubikmeter. Zweitgrößter Abnehmer von Erdgas ist hier Deutschland mit einem Abnahmevolumen von 25,3 Milliarden Kubikmetern (50,3 Milliarden NOK) nach Großbritannien (28,3 Milliarden Kubikmeter) und gefolgt von Frankreich an dritter Stelle (10,3 Milliarden Kubikmeter) in 2011. In der Rangfolge der für Deutschland wichtigsten Lieferländer von Erdgas lag Norwegen 2011 mit einem Anteil von 34,4 Prozent auf Rang 2 hinter Russland (39,8 Prozent) und vor den Niederlanden (22,1 Prozent).
Die Einnahmen für Rohöl stiegen 2011 von 282 Milliarden auf 321 Milliaden NOK (ca. 43,2 Mrd. EUR), bei seit 2000 jährlich sinkenden Fördermengen. So ist die Fördermenge in den ersten drei Quartalen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7,4% auf 67,7 Mio. Kubikmeter gesunken. Deutschland war mit einem Volumen von 20,5 Millionen Barrel 2011 sechstgrößter Abnehmer nach Großbritannien (263,3 Millionen Barrel), den Niederlanden (82 Millionen Barrel), Frankreich (32,4 Millionen Barrel), den USA (27,6 Millionen Barrel) und Schweden (27,4 Millionen Barrel).
Tourismus
Norwegen ist traditionell ein sehr beliebtes Reiseziel für deutsche Urlauber. Sie stellen vor Dänen, Schweden, Niederländern und Briten die größte Gruppe ausländischer Touristen in Norwegen. 2011 wurden circa 1,59 Millionen Übernachtungen deutscher Gäste (20 Prozent aller Übernachtungen ausländischer Touristen) in Norwegen gezählt.
Kulturelle Beziehungen
Die Beziehungen der Nachkriegszeit waren zunächst vom erfolgreichen Versöhnungswerk geprägt. Heute steht einer wachsenden Zahl deutscher Studenten in Norwegen eine sinkende Anzahl norwegischer Studenten in Deutschland gegenüber.
Die Zahl der norwegischen Schüler, die Deutsch lernen, ist in den letzten Jahren stark gesunken und stagniert auf niedrigem Niveau. Die Germanistik-Institute an den norwegischen Universitäten wurden mit den anderen Fremdsprachenabteilungen zusammengelegt.
Das bilaterale Abkommen zur Umwandlung der Deutschen Schule Oslo – Max Tau (DSO) in eine norwegische Begegnungsschule ist am 19. Juli 2011 in Kraft getreten. An der DSO kann neben dem deutschen internationalen Abitur auch die norwegische Hochschulzugangsberechtigung erworben werden.
Im Rahmen des Deutsch-Norwegischen Jugendforums (DNJF) haben seit 2007 jedes Jahr rund 100 Jugendliche aus beiden Ländern die Gelegenheit, das jeweils andere Land durch gemeinsame Projekte kennenzulernen. Das Forum wurde anlässlich des Besuchs des norwegischen Königspaares im Oktober 2007 von Königin Sonja in Essen eröffnet. Das 7. DNJF wird im September 2013 in Hamburg stattfinden. Nähere Informationen bietet die Internetseite www.dnjf.org.
Der Förderung der kulturellen und politischen Beziehungen soll auch die im Jahr 2000 gegründete norwegisch-deutsche Willy-Brandt-Stiftung dienen. Die Stiftung verleiht jährlich den Willy-Brandt-Preis für Verdienste um die bilateralen Beziehungen. Im Oktober 2012 ist der Preis an die Organisation "Aktion Sühnezeichen Friedensdienste", die auch in Norwegen tätig ist, und an den norwegischen Schriftsteller und Jugendbuchautor Ingvar Ambjørnsen übergeben worden.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.
