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Norwegen

Wirtschaft

Stand: März 2015

Wirtschaftsstruktur

Seit der Erschließung seiner Öl- und Gasreserven Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts hat Norwegen eine enorme wirtschaftliche Entwicklung vollzogen. Aus einem der ärmeren westeuropäischen Länder, geprägt vor allem durch Schifffahrt, Fischfang, Land- und Forstwirtschaft, wurde einer der größten Öl- und Gasexporteure der Welt mit hohem Bedarf an Arbeitskräften, einem der höchsten Pro-Kopf-Einkommen und einer der teuersten Hauptstädte der Welt. Dem Land ist es gelungen, mit der Öl- und Gasindustrie als Rückgrat eine stabile und dynamische Wirtschaft zu formen, die jährlich hohe Leistungsbilanz- und Haushaltsüberschüsse aufweist. Damit einher ging eine rasante Entwicklung des öffentlichen und privaten Dienstleistungssektors. Grundlage des norwegischen Wohlstands bilden aber weiter der einzigartige Mix von Rohstoffen und deren effiziente Gewinnung und Nutzung (Öl, Gas, Strom aus Wasserkraft, Fisch und Holz).

Aufgrund ihres absoluten Volumens und der starken Abhängigkeit der Einkünfte der Öl- und Gaswirtschaft von den schwankenden Energiepreisen werden die Wirtschaftskennziffern Norwegens i.d.R. als sog. Festlandsziffern, d.h. ohne Einkünfte der Öl- und Gasbranche berechnet. Das Festlands-BIP stieg 2014 um 2,6%, das Gesamt-BIP um 2,1%.

1990 wurde ein Fonds (Pensionsfonds Ausland oder „Ölfonds“) etabliert, über den die Netto Öl- und Gaseinnahmen im Ausland angelegt werden. Dieser Fonds hat derzeit einen Marktwert von 6,515 Mrd. NOK (etwa 7,6 Mrd. Euro) und ist der größte Staatsfonds der Welt. Nach der sogenannten Handlungsregel darf die Regierung jährlich nur maximal 4% des Vermögens des Fonds im Haushalt einplanen. So soll sichergestellt werden, dass auch zukünftige Generationen vom Ölreichtum profitieren und das wirtschaftliche Gefüge des Landes intakt bleibt.


Wichtigste Wirtschaftszweige

Schlüsselsektor ist die Öl- und Gaswirtschaft. Norwegen besitzt große Öl- und Gasreserven und ist weltweit der fünftgrößte Lieferant für Öl sowie Europas zweitgrößter Gaslieferant. Der Öl- und Gasexport trug 2013 mit 21,5 Prozent zum BIP und einschließlich Mineralölprodukten ca. 60 Prozent zum Warenexport des Landes bei. Aufgrund der regelmäßigen Einnahmen aus der Öl- und Gaswirtschaft ist der norwegische Staat praktisch schuldenfrei. Die Petroleumfunde der letzten Jahre lassen erwarten, dass die norwegische Öl- und Gaswirtschaft noch über einen erheblichen Zeitraum hinweg maßgeblich zu den Haushaltseinnahmen beitragen kann. Norwegen verbraucht nur einen geringen Teil der auf dem norwegischen Kontinentalsockel geförderten fossilen Brennstoffe selbst und hat im europäischen Vergleich den höchsten Anteil erneuerbarer Energien in der Stromproduktion. Dank der großen Wasserressourcen und Höhenunterschiede des Landes kann Norwegen seinen eigenen Elektrizitätsbedarf zu über 95% aus Wasserkraft decken.

Norwegen besitzt mit 82 Terrawattstunden ca. 50 Prozent des Wasserspeicherpotentials in Europa und damit eine wichtige Stellung als möglicher Ausgleichsenergielieferant beim Umstieg auf erneuerbare Energien in der EU. Bis 2020 soll deshalb ein Hochspannungskabel zwischen Deutschland und Norwegen in Betrieb genommen werden. Projektpartner hierfür sind der norwegische Netzbetreiber Statnett, Netzbetreiber TenneT und die KfW. Die endgültige Investitionsentscheidung wurde am 10.02.2015 getroffen.

Durch günstige Windverhältnisse besitzt Norwegen das größte natürliche Potential (inkl. Offshore) in Europa für die Produktion von Windenergie. Der Gesamtanteil der Windkraftproduktion an der Stromversorgung Norwegens ist derzeit mit knapp einem Prozent dennoch nachrangig.

Die traditionelle Schifffahrtsnation Norwegen kontrolliert eine der größten Handelsflotten der Welt. 2013 befanden sich insgesamt 1.328 im In- sowie im Ausland registrierte Schiffe der norwegischen Handelsflotte (jeweils über 100 Bruttoregistertonnen) in Gebrauch. In der norwegischen Fischereiwirtschaft (inklusive Aquakultur) sind die Schwerpunkte Lachszucht und Fischverarbeitung. Trotz fehlender staatlicher Subventionen ist Norwegen weltweit einer der größten Exporteure im Bereich Meeresfrüchte und exportierte im Jahr 2014 Meeresdelikatessen im Wert von 68,8 Mrd. NOK (ca. 7,8 Mrd. Euro). Dabei stellen Fischexporte ca. 6% aller norwegischen Exporte dar.

Norwegen schützt seine Landwirtschaft weitgehend vor internationaler Konkurrenz. Norwegische Landwirte beziehen 63% ihrer Bruttoeinkünfte aus Subventionen (OECD 2012), das ist im weltweiten Vergleich der höchste Anteil (Schweiz 57%, Japan 56% und Südkorea 54%). Die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe betrug im Jahr 2014 42.876, die landwirtschaftlich genutzte Fläche 9.6 Mio. ha, d.h. etwa 3 % der Gesamtfläche. Norwegen nimmt nicht am gemeinsamen Agrarmarkt der EU teil.

In der Holzwirtschaft beträgt die produktive Nutzfläche aufgrund geographischer Besonderheiten nur 25 Prozent der norwegischen Landesfläche. Eine effiziente Forstwirtschaft scheitert häufig an schwierigen natürlichen Verhältnissen (steile Hänge, keine Transportwege) und fehlenden finanziellen Anreizen.

Die Tourismusbranche ist in Norwegen über viele Jahre hinweg stark gewachsen. Sie beschäftigte 2013 ca. 109.000 Arbeitnehmer, was über 6% aller Beschäftigten entspricht. Deutsche Gäste stellten 2014 mit circa 1,3 Millionen Übernachtungen (19%) die größte Gruppe dar.

Der Bankensektor ist relativ klein, aber robust und ausreichend kapitalisiert. Die Marktführer sind ausnahmslos skandinavische Banken. Die Auswirkungen von Risiken in der Eurozone sind gering.


Starke Rolle des Staates

Eine starke Rolle des Staates in der Wirtschaft gehört zum Grundkonsens der norwegischen Politik. Viele bedeutende Akteure der Wirtschaft befinden sich deshalb noch ausschließlich oder mehrheitlich in öffentlicher Hand. Bedeutende Staatsunternehmen sind der Öl- und Gasproduzent Statoil (67 Prozent), der Energieerzeuger Statkraft (100 Prozent), die Netzgesellschaft Statnett (100 Prozent), der Telekomkonzern Telenor (54 Prozent) sowie die Düngemittelfirma Yara (36,2 Prozent) und der Rüstungsproduzent Kongsberg Gruppen (50,001%).  Von Telenor sollen weitere Teile privatisiert werden; der Flughafenzubringerzug Flytoget bleibt entgegen anderslautender Ankündigungen vorerst in Staatshand.


Umweltpolitik

Auf internationalen Umwelt- und Klimakonferenzen gehört Norwegen zu den engagiertesten Teilnehmern. Dies gilt auch auf dem Gebiet der umweltorientierten Entwicklungshilfe, für die es regelmäßig mehr als ein Prozent des BIP aufwendet. Norwegen hat sich in erheblichem Maße politisch und finanziell dafür eingesetzt, ein neues verbindliches Klimaabkommen auszuhandeln, das auch die USA und die Entwicklungsländer einschließt und so eine wirklich weltweite Kooperation zustande kommen lässt. Um hier die Verhandlungen durch konkrete Initiativen voranzubringen, hat die norwegische Regierung sowohl mit Brasilien als auch Indonesien Programme gegen die Abholzung des Regenwaldes vereinbart, die Projekte und finanzielle Anreize in Höhe von jeweils 1 Milliarde US-Dollar beinhalten.

Die Regierung kündigte im Februar 2015 an, sich in der Klimapolitik der EU anzuschließen und die gleichen Reduktionsziele verfolgen zu wollen.

Ambitioniert ist Norwegen auch im Bereich Elektromobilität. In Oslo waren bis März 2014 über 5.400 Elektroautos zugelassen, das waren knapp 30% mehr als Ende 2013. Ermöglicht wird der Boom durch eine massive Förderung: So entfallen beim Kauf eines Elektro-Neuwagens – zumindest bis 2017 – nicht nur die 25%ige Mehrwertsteuer, sondern auch Importabgaben. Dazu können E-Autos öffentliche Parkplätze und Busspuren kostenlos benutzen sowie an rund 4.000 Ladestationen Ökostrom gratis tanken.

Adressat internationaler Kritik wird das Land immer wieder beim Thema Walfang. Seit 1986 besteht weltweit ein von der Internationalen Walfangkommission (IWC) beschlossenes Verbot des kommerziellen Walfangs. Das Moratorium soll eine Erholung der jahrzehntelang dezimierten Walbestände ermöglichen. Norwegen hat einen Vorbehalt gegen das Moratorium der IWC eingelegt und praktiziert weiterhin den Fang von Zwergwalen. Gegenüber seinen Kritikern verweist Norwegen darauf, dass die Jagd auf Minkwale nachhaltig und nicht bestandsgefährdend sei, alten Traditionen des Landes entspreche und dass die Anzahl der getöteten Tiere stets deutlich unter den von der Internationalen Walfangkommission (IWC) auf wissenschaftlicher Basis ermittelten Quoten (1286 Tiere) liege. 2014 hat Norwegen 729 Wale gefangen.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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