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Südafrika

Wirtschaft

Stand: März 2014

Überblick

Südafrika ist die größte Volkswirtschaft des afrikanischen Kontinents und einziges afrikanisches Mitglied der BRICS-Staatengruppe und der G20.

Wichtige Standortvorteile sind: die im regionalen Vergleich gute Infrastruktur, ein Finanzsektor auf Weltniveau, erhebliche Rohstoffreserven, in Teilbereichen exzellente Wissenschaft sowie ein verlässliches und unabhängiges Rechtssystem.

Andererseits ist das Erbe der Apartheid trotz vieler Fortschritte noch nicht überwunden. Ein Großteil der früher benachteiligten schwarzen Bevölkerungsmehrheit lebt weiterhin in Armut. 

Noch immer bleibt vielen Menschen der Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen wie Elektrizität, Wasser oder Krankenvorsorge verwehrt. 15,3 Prozent hatten laut Zensus 2011 keinen elektrischen Strom, 26,6 Prozent keinen direkten Zugang zu fließendem Wasser. Die häufig mangelhafte Bildung trägt zur hohen Arbeitslosigkeit bei, die offiziell bei knapp 25 Prozent liegt. Die Schere zwischen arm und reich geht extrem auseinander: Der die ungleiche Verteilung von Einkommen messende Gini-Koeffizient der Weltbank erreicht für Südafrika einen der höchsten Werte weltweit. Immer noch müssen 31 Prozent der Südafrikaner mit weniger als zwei US-Dollar pro Tag auskommen. Fast ein Drittel der Einwohner erhielten 2013 Sozialhilfe.

Wirtschaftsstruktur

Bei einem Anteil von 9,3 Prozent (2012) am Bruttoinlandsprodukt (BIP) beschäftigte der Rohstoffsektor im letzten Jahr rund 390.000 Menschen, darunter besonders viele gering Qualifizierte. Ein gutes Drittel der Exporterlöse beruht auf dem Verkauf von Rohstoffen.

Quantitativ hat der Finanzsektor mit 21,7 Prozent den größten Anteil am südafrikanischen BIP. Die Branche stützt sich auf eine hoch differenzierte, westlichen Standards entsprechende Banken- und Versicherungslandschaft und die Johannesburger Börse (Johannesburg Stock Exchange, JSE), an der an einem Tag mehr Umsatz erzielt wird als an allen anderen afrikanischen Wertpapierbörsen zusammen in mehreren Monaten. Der Leitindex der JSE stieg 2013 um 22,8 Prozent. Keine südafrikanische Bank benötigte während der internationalen Finanzkrise staatliche Hilfen.

Im Gegensatz dazu ist das verarbeitende Gewerbe (mit 11,1 Prozent am BIP) steigenden Energiepreisen und einem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften ausgesetzt.

Der private Konsum (rund 60 Prozent des BIP) und der öffentliche Konsum sind seit dem Ende der Apartheid immer wichtigere Faktoren geworden, die Investitionsneigung des Privatsektors ist demgegenüber seit der internationalen Finanzkrise von 2008/2009 stark zurückgegangen.

Vor dem Hintergrund einer bewusst und langfristig angelegten Entwicklungspolitik zur Überwindung der Folgen der Apartheid ist der Staat als Arbeitgeber und Investor sehr bedeutend. Dabei stützt sich der Staat auch auf öffentliche Unternehmen. Die bedeutendsten sind Eskom (Stromerzeugung), South African Airways (Fluggesellschaft), Sasol (Ölproduktion / Großchemie), Denel (Rüstung) und Transnet (Transport). Die Rolle des Staates als Arbeitgeber und Investor steigt weiter an.

Insbesondere mit großen Infrastrukturprojekten in den Bereichen Transport, Energie und Wasser – angekündigt sind Investitionen in Höhe von 60 Milliarden Euro für die nächsten Jahre - möchte die südafrikanische Regierung die Bedingungen für die Wirtschaft weiter verbessern und so verstärkt private Investitionen aus dem In- und Ausland anziehen.

Das Investitionsklima wird allerdings belastet durch hohe Anforderungen an lokale Wertschöpfung, gesetzliche Regelungen zur Beteiligung von während der Apartheid benachteiligten Bevölkerungsgruppen, häufige Streiks und die 2013 erfolgte Kündigung der bilateralen Investitionsschutzverträge mit Deutschland und anderen EU-Mitgliedstaaten. Ab dem Inkrafttreten der Kündigung am 23. Oktober 2014 gilt für bis dahin getätigte Investitionen ein Bestandsschutz von 20 Jahren.

Außenwirtschaft

Der Außenhandel Südafrikas ist grundsätzlich frei. Im "Doing Business"-Index der Weltbank belegt das Land Platz 41 von 189, weit vor den anderen BRICS-Staaten. Besonders gut schneidet Südafrika bei der Kreditbeschaffung, am schlechtesten bei der Stromversorgung ab.

Rohstoffe stellten den größten Anteil am südafrikanischen Export 2013, gefolgt von Fahrzeugen und Maschinen. Die südafrikanischen Importe wurden insbesondere von Fahrzeugen und Fahrzeugteilen, Öl und Kommunikationselektronik sowie pharmazeutischen Mitteln dominiert. Die Exporte erhöhten sich 2013 um 12,7 Prozent während die Importe um 16,8 Prozent zulegten. Das Außenhandelsdefizit verdoppelte sich im Vergleich zu 2012 auf ca. 5 Milliarden Euro. Wichtigste Handelspartner Südafrikas 2013 – gemessen am Handelsvolumen – waren China, Deutschland, die USA und Japan.

Südafrika ist Mitglied diverser internationaler Wirtschaftsorganisationen, wie zum Beispiel Internationaler Währungsfonds, Welthandelsorganisation und Weltbank. Darüber hinaus besteht seit 2007 mit der OECD (in der Südafrika nicht Mitglied ist) eine enge – schriftlich vereinbarte – Kooperation. Des Weiteren ist Südafrika Teil der südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft SADC sowie des Entwicklungsprogramms NEPAD der Afrikanischen Union.

Haushalt und Finanzpolitik

Fiskal- und Geldpolitik sind im Vergleich der Schwellenländer vorbildlich. Südafrika ist im G20-Rahmen gerade bei Regulierungsfragen (Basel-III-Abkommen) ein wichtiger Partner. 

Das vor der Finanzkrise von 2008/09 sehr niedrige Haushaltsdefizit ist aufgrund antizyklischer Maßnahmen von Regierung und Zentralbank stark angestiegen. Das schwache BIP-Wachstum (1,9 Prozent im Jahr 2013) und das stark angestiegene Leistungsbilanzdefizit (aktuell ca. 6 Prozent) verringern den fiskalischen wie monetären Handlungsspielraum. Das Haushaltsdefizit lag 2013 bei 5,2 Prozent; der Abbau ist zwar geplant, kommt aber langsamer voran als erwartet.

Der Kurs des Rand, eine der weltweit am stärksten gehandelten Schwellenlandwährungen, ist seit der Abstufung Südafrikas durch drei internationale Rating-Agenturen 2012 und aufgrund der verbesserten Wirtschaftslage in der EU und den USA gegenüber Euro und Dollar signifikant gefallen. 2013 verlor der Rand ca. 20 Prozent gegenüber den Leitwährungen. Starke Ausschläge im Rand-Kurs sind jedoch nicht außergewöhnlich.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.