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Südafrika

Wirtschaft

Stand: April 2017

Überblick

Südafrika ist nach Nigeria und Ägypten derzeit die drittgrößte Volkswirtschaft des afrikanischen Kontinents und einziges afrikanisches Mitglied der G20.

Wichtige Standortvorteile sind die im regionalen Vergleich gute Infrastruktur, ein Finanzsektor auf Weltniveau, erhebliche Rohstoffreserven, in Teilbereichen exzellente Wissenschaft sowie ein verlässliches und unabhängiges Rechtssystem.

Andererseits ist das Erbe der Apartheid trotz vieler Fortschritte noch nicht überwunden. Ein Großteil der früher benachteiligten schwarzen Bevölkerungsmehrheit lebt weiterhin in Armut. Noch immer bleibt vielen Menschen der Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen wie Elektrizität, Wasser oder Krankenvorsorge verwehrt. 14,6 Prozent hatten laut World Bank 2012 keinen elektrischen Strom und 2015 7 Prozent keinen Zugang zu sauberem Wasser. Die häufig mangelhafte Bildung trägt zur hohen Arbeitslosigkeit bei, die offiziell bei 27 Prozent liegt. Die Schere zwischen arm und reich geht extrem auseinander: Der die ungleiche Verteilung von Einkommen messende Gini-Koeffizient der Weltbank erreicht für Südafrika einen der höchsten Werte weltweit. Immer noch müssen ca. 22  Prozent der Südafrikaner in absoluter Armut leben. 19,2 Prozent der Einwohner erhielten Anfang 2017 Sozialhilfe.

Wirtschaftsstruktur

Der Rohstoffsektor hatte 2016 einen Anteil von ca 10 Prozent am Bruttoinlandsprodukt (BIP). Im Bergbausektor waren 490 000 Menschen in 2015 beschäftigt. Dies sind ca. 50.000 weniger als in 2012. Über ein Drittel der Exporterlöse beruht auf dem Verkauf von Rohstoffen.

Quantitativ hat der Finanzsektor mit ca. 18,9 Prozent den größten Anteil am südafrikanischen BIP. Die Branche stützt sich auf eine hoch differenzierte, westlichen Standards entsprechende Banken- und Versicherungslandschaft und die Johannesburger Börse (Johannesburg Stock Exchange, JSE), an der an einem Tag mehr Umsatz erzielt wird als an allen anderen afrikanischen Wertpapierbörsen zusammen in mehreren Monaten. Der Leitindex der JSE stieg 2014 um 7,2 Prozent.

Das verarbeitende Gewerbe trägt ca. 12 Prozent zum BIP bei, ist aber steigenden Energiepreisen und einem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften ausgesetzt.

Der private Konsum (rund 60 Prozent des BIP) und der öffentliche Konsum sind seit dem Ende der Apartheid immer wichtigere Faktoren geworden, die Investitionsneigung des Privatsektors ist demgegenüber seit der internationalen Finanzkrise von 2008/2009 stark zurückgegangen.

Vor dem Hintergrund einer bewusst und langfristig angelegten Entwicklungspolitik zur Überwindung der Folgen der Apartheid ist der Staat als Arbeitgeber und Investor zunehmend bedeutend. Dabei stützt er sich auch auf öffentliche Unternehmen. Die bedeutendsten sind Eskom (Stromerzeugung), South African Airways (Fluggesellschaft), Sasol (Ölproduktion/Großchemie), Denel (Rüstung) und Transnet (Transport). 

Insbesondere mit großen Infrastrukturprojekten in den Bereichen Transport, Energie und Wasser beabsichtigt die südafrikanische Regierung die Bedingungen für die Wirtschaft weiter verbessern und so verstärkt private Investitionen aus dem In- und Ausland anziehen.

Das Investitionsklima wird allerdings belastet durch hohe Anforderungen an lokale Wertschöpfung, gesetzliche Regelungen zur Beteiligung von während der Apartheid benachteiligten Bevölkerungsgruppen und eine hohe politische Unsicherheit aufgrund einer zerstrittenen Regierungspartei unter Präsident Zuma. 2013 erfolgte die Kündigung der bilateralen Investitionsschutzverträge mit Deutschland und anderen EU-Mitgliedstaaten. Ab dem Inkrafttreten der Kündigung am 23. Oktober 2014 gilt für bis dahin getätigte Investitionen ein Bestandsschutz von 20 Jahren.
Am 03.11.2015 wurde die "Protection of Investment Bill" in finaler Fassung vom Handelsausschuss verabschiedet. Das Investitionsschutzgesetz, welches 2016 in Kraft getreten ist, soll für mehr Planungssicherheit sorgen und die bilateralen Investitionsschutzverträge ersetzen.

Außenwirtschaft

Der Außenhandel Südafrikas ist grundsätzlich frei. Im "Doing Business"-Index der Weltbank belegt das Land Platz 74 von 189. Damit liegt das Land weit über dem Durchschnitt der Region südlich der Sahara und vor Indien, Brasilien und China. Nur Russland ist die einzige BRICS-Nation, die Südafrika im Ranking überholt hat. Besonders gut schneidet Südafrika beim Schutz von Minderheitsinvestoren, am schlechtesten bei der Stromversorgung ab.

Rohstoffe stellten den größten Anteil am südafrikanischen Export 2016  gefolgt von Fahrzeugen (ca. 12%) und Maschinen (7%). Die südafrikanischen Importe wurden insbesondere von Öl, Fahrzeugen und Fahrzeugteilen, Kommunikationselektronik sowie pharmazeutischen Mitteln dominiert. Der Wert der Exporte erhöhte sich 2016 um ca. 6,3 Prozent , während die Importe um ca. 1,3 Prozent zulegten. Die Handelsbilanz t hat sich  von  einem Defizit von ca. 1% des BIP in 2015 auf einen Überschuss von ca. 0,4% des BIP in 2016 verbessert. Diese Verbesserung hat wesentlich zum Abbau des Leistungsbilanzdefizits von 4,4 % des BIP in 2015 auf 3,3% in 2016 beigetragen. Wichtigste bilaterale Handelspartner Südafrikas 2016 – gemessen am Handelsvolumen – waren China, Deutschland, die USA, Indien und Japan.

Südafrika ist Mitglied diverser internationaler Wirtschaftsorganisationen, wie zum Beispiel des Internationalen Währungsfonds, der Welthandelsorganisation und der Weltbank. Darüber hinaus besteht seit 2007 mit der OECD (in der Südafrika nicht Mitglied ist) eine enge – schriftlich vereinbarte – Kooperation. Des Weiteren ist Südafrika Teil der südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft SADC, der Zollunion SACU sowie des Entwicklungsprogramms NEPAD der Afrikanischen Union.

Ein seit Oktober 2016 vorläufig angewendetes Wirtschaftspartnerschaftsabkommen zwischen der Europäischen Union, der Republik Südafrika und weiteren Staaten in der Region südliches Afrika verleiht den gegenseitigen Handelsbeziehungen neue Impulse.

Haushalt und Finanzpolitik

Fiskal- und Geldpolitik sind im Vergleich der Schwellenländer vorbildlich. Südafrika ist im G20-Rahmen gerade bei Regulierungsfragen (Basel-III-Abkommen) ein wichtiger Partner. 

Das vor der Finanzkrise von 2008/09 sehr niedrige Haushaltsdefizit ist aufgrund antizyklischer Maßnahmen von Regierung und Zentralbank stark angestiegen. Das schwache BIP-Wachstum (0,3 Prozent im Jahr 2016) und das nach wie vor hohe Leistungsbilanzdefizit (3,3 Prozent), 2016 verringern den fiskalischen Handlungsspielraum und begründen einen hohen externen Finanzierungsbedarf, der überwiegend durch Portfolio-Zuflüsse gedeckt wird. Das Haushaltsdefizit für das Fiskaljahr 2016/17 beträgt 3,4 Prozent. Der Abbau des Defizits geht weiterhin nur langsam voran. 

Der Kurs des Rand, eine der weltweit am stärksten gehandelten Schwellenlandwährungen, hat sich seit der massiven Abwertung Ende des Jahres 2015 wieder erholt und liegt zu Beginn des Jahres 2017 bei ca. 13 Rand pro US-Dollar. Zum Vergleich stand der Wechselkurs im Jahr 2014 im Jahresdurchschnitt R 10,54 zum US-Dollar. Starke Ausschläge im Rand-Kurs sind jedoch nicht außergewöhnlich und ergeben sich insbesondere aus unerwarteten externen Entwicklungen in den USA sowie von innenpolitischen Ereignissen, die die politische Stabilität des Landes beeinflussen.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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