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Südafrika

Wirtschaft

Stand: November 2013 

Überblick

Südafrika ist die größte Volkswirtschaft des afrikanischen Kontinents und einziges afrikanisches Mitglied der BRICS-Staatengruppe und der G20.

Wichtige Standortvorteile sind: die im regionalen Vergleich gute Infrastruktur, ein Finanzsektor auf Weltniveau, erhebliche Rohstoffreserven, in Teilbereichen exzellente Wissenschaft sowie ein verlässliches und unabhängiges Rechtssystem.

Andererseits ist das Erbe der Apartheid trotz vieler Fortschritte noch nicht überwunden. Ein Großteil der früher benachteiligten schwarzen Bevölkerungsmehrheit lebt weiterhin in Armut. 

Vielen Menschen bleibt der Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen wie Elektrizität, Wasser oder Krankenvorsorge verwehrt. Die häufig mangelhafte Bildung trägt zur hohen Arbeitslosigkeit bei, die offiziell bei 25 Prozent liegt. Die Schere zwischen arm und reich geht extrem auseinander: Der Gini-Koeffizient Südafrikas, mit dem die Verteilung von Einkommen gemessen werden kann, liegt bei einem Wert um 0,69. "0" steht hier für perfekte Einkommensgleichheit und "1" für maximale Ungleichheit. Damit liegt Südafrika im Vergleich der Schwellenländer auf einem der hinteren Plätze.

Wirtschaftsstruktur

Bei einem Anteil von 8,3 Prozent am Bruttoinlandsprodukt (BIP) beschäftigt der Rohstoffsektor über 500.000 Menschen, darunter besonders viele gering Qualifizierte. Ein gutes Drittel der Exporterlöse beruht auf dem Verkauf von Rohstoffen.

Quantitativ hat der Finanzsektor mit 19,3 Prozent den größten Anteil am südafrikanischen BIP. Die Branche stützt sich auf eine hoch differenzierte, westlichen Standards entsprechende Banken- und Versicherungslandschaft und die Johannesburger Börse (JSE), an der an einem Tag mehr Umsatz erzielt wird als an allen anderen afrikanischen Wertpapierbörsen zusammen in mehreren Monaten.

Im Gegensatz dazu sieht sich das verarbeitende Gewerbe (11,1 Prozent des BIP) langfristig durch rasant steigende Energiepreise, Mangel an qualifizierten Arbeitskräften und die immer machtvoller auf den Markt drängende chinesische Konkurrenz starkem Druck ausgesetzt.

Der private Konsum (rund 60 Prozent des BIP) und der öffentliche Konsum sind seit dem Ende der Apartheid immer wichtigere Faktoren geworden, die Investitionsneigung des Privatsektors ist demgegenüber seit der internationalen Finanzkrise von 2008/2009 stark zurückgegangen.

Vor dem Hintergrund einer bewusst und langfristig angelegten Entwicklungspolitik zur Überwindung der Folgen der Apartheid ist der Staat als Arbeitgeber und Investor sehr bedeutend. Dabei stützt sich der Staat auch auf öffentliche Unternehmen - die bedeutendsten sind Eskom (Stromerzeugung), South African Airways (Fluggesellschaft), Sasol (Ölproduktion / Großchemie), Denel (Rüstung) und Transnet (Transport).

Insbesondere mit großen Infrastrukturprojekten in den Bereichen Transport, Energie und Wasser – angekündigt sind Investitionen in Höhe von 60 Milliarden Euro für die nächsten Jahre - möchte die südafrikanische Regierung in den kommenden Jahren die Bedingungen für die Wirtschaft weiter verbessern und so verstärkt private Investitionen aus dem In- und Ausland anziehen.

Das Investitionsklima wird allerdings belastet durch hohe Anforderungen an lokale Wertschöpfung, gesetzliche Regelungen zur Beteiligung von während der Apartheid benachteiligten Bevölkerungsgruppen, häufigen Streiks und der Kündigung der bilateralen Investitionsschutzverträge mit Deutschland und anderen EU-Mitgliedstaaten.

Außenwirtschaft

Der Außenhandel Südafrikas ist grundsätzlich frei. Im "Doing Business"-Index der Weltbank belegt das Land Platz 39, weit vor den anderen BRICS-Staaten. Besonders gut schneidet Südafrika bei Kreditbeschaffung und Investorenschutz ab, am schlechtesten bei der Stromversorgung.

Rohstoffe stellten den größten Anteil am südafrikanischen Export 2012, gefolgt von Produkten des Maschinenbaus und der Lebensmittelindustrie. Die südafrikanischen Importe wurden insbesondere von Fahrzeugen und Fahrzeugteilen, Öl und Kommunikationselektronik dominiert. Wichtigste Handelspartner Südafrikas 2012 – gemessen am Handelsvolumen – waren China, Deutschland, die USA und Japan.

Südafrika ist Mitglied diverser internationaler Wirtschaftsorganisationen, wie zum Beispiel Internationaler Währungsfonds, Welthandelsorganisation und Weltbank. Darüber hinaus besteht seit 2007 mit der OECD (in der Südafrika nicht Mitglied ist) eine enge – schriftlich vereinbarte – Kooperation. Des Weiteren ist Südafrika Teil der südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft SADC sowie des Entwicklungsprogramms NEPAD der Afrikanischen Union.

Haushalt und Finanzpolitik

Fiskal- und Geldpolitik sind im Vergleich der Schwellenländer vorbildlich. Südafrika ist im G20-Rahmen gerade bei Regulierungsfragen (Basel-III-Abkommen) ein wichtiger Partner. 

Das vor der Finanzkrise von 2008/09 sehr niedrige Haushaltsdefizit ist seitdem aufgrund antizyklischer Maßnahmen von Regierung wie Zentralbank stark angestiegen. Das schwache BIP-Wachstum (2013 voraussichtlich 2 Prozent) und das stark angestiegene Leistungsbilanzdefizit (6,6 Prozent) verringern den fiskalischen wie monetären Handlungsspielraum. Das Haushaltsdefizit lag 2012 bei 5,2 Prozent; der Abbau ist zwar geplant, kommt aber langsamer voran als erwartet.

Der Kurs des Rand, eine der weltweit am stärksten gehandelten Schwellenlandwährungen, ist seit der Abstufung Südafrikas durch drei internationale Rating-Agenturen 2012 und aufgrund der verbesserten Wirtschaftslage in der EU und den USA gegenüber Euro und Dollar signifikant gefallen. Starke Ausschläge im Rand-Kurs sind allerdings nicht außergewöhnlich.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.