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Südafrika

Wirtschaft

Stand: November 2015

Überblick

Südafrika ist nach Nigeria die zweitgrößte Volkswirtschaft des afrikanischen Kontinents und einziges afrikanisches Mitglied der G20.

Wichtige Standortvorteile sind die im regionalen Vergleich gute Infrastruktur, ein Finanzsektor auf Weltniveau, erhebliche Rohstoffreserven, in Teilbereichen exzellente Wissenschaft sowie ein verlässliches und unabhängiges Rechtssystem.

Andererseits ist das Erbe der Apartheid trotz vieler Fortschritte noch nicht überwunden. Ein Großteil der früher benachteiligten schwarzen Bevölkerungsmehrheit lebt weiterhin in Armut. 

Noch immer bleibt vielen Menschen der Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen wie Elektrizität, Wasser oder Krankenvorsorge verwehrt. 15,3 Prozent hatten laut Zensus 2011 keinen elektrischen Strom, 26,6 Prozent keinen direkten Zugang zu fließendem Wasser. Die häufig mangelhafte Bildung trägt zur hohen Arbeitslosigkeit bei, die offiziell bei knapp 25 Prozent liegt. Die Schere zwischen arm und reich geht extrem auseinander: Der die ungleiche Verteilung von Einkommen messende Gini-Koeffizient der Weltbank erreicht für Südafrika einen der höchsten Werte weltweit. Immer noch müssen 31 Prozent der Südafrikaner mit weniger als zwei US-Dollar pro Tag auskommen. Fast ein Drittel der Einwohner erhielten 2014 Sozialhilfe.

Wirtschaftsstruktur

Bei einem Anteil von 11,6 Prozent (2014) am Bruttoinlandsprodukt (BIP) beschäftigte der Rohstoffsektor im letzten Jahr rund 390.000 Menschen, darunter besonders viele gering Qualifizierte. Ein gutes Drittel der Exporterlöse beruht auf dem Verkauf von Rohstoffen.

Quantitativ hat der Finanzsektor mit 21,7 Prozent den größten Anteil am südafrikanischen BIP. Die Branche stützt sich auf eine hoch differenzierte, westlichen Standards entsprechende Banken- und Versicherungslandschaft und die Johannesburger Börse (Johannesburg Stock Exchange, JSE), an der an einem Tag mehr Umsatz erzielt wird als an allen anderen afrikanischen Wertpapierbörsen zusammen in mehreren Monaten. Der Leitindex der JSE stieg 2014 um 7,2 Prozent. Keine südafrikanische Bank benötigte während der internationalen Finanzkrise staatliche Hilfen.

2014 benötigte erstmals eine südafrikanische Bank staatliche Unterstützung, das schnelle und qualifizierte Eingreifen der südafrikanischen Zentralbank und anderer Partner, zeigte die Qualität des südafrikanischen Finanzsektors und Aufsichtssystems.

Das verarbeitende Gewerbe trägt 5,3 Prozent zum BIP bei, ist aber steigenden Energiepreisen und einem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften ausgesetzt.

Der private Konsum (rund 60 Prozent des BIP) und der öffentliche Konsum sind seit dem Ende der Apartheid immer wichtigere Faktoren geworden, die Investitionsneigung des Privatsektors ist demgegenüber seit der internationalen Finanzkrise von 2008/2009 stark zurückgegangen.

Vor dem Hintergrund einer bewusst und langfristig angelegten Entwicklungspolitik zur Überwindung der Folgen der Apartheid ist der Staat als Arbeitgeber und Investor zunehmend bedeutend. Dabei stützt er sich auch auf öffentliche Unternehmen. Die bedeutendsten sind Eskom (Stromerzeugung), South African Airways (Fluggesellschaft), Sasol (Ölproduktion/Großchemie), Denel (Rüstung) und Transnet (Transport). 

Insbesondere mit großen Infrastrukturprojekten in den Bereichen Transport, Energie und Wasser – angekündigt sind Investitionen in Höhe von ca. 60 Milliarden Euro für die nächsten Jahre - möchte die südafrikanische Regierung die Bedingungen für die Wirtschaft weiter verbessern und so verstärkt private Investitionen aus dem In- und Ausland anziehen.

Das Investitionsklima wird allerdings belastet durch hohe Anforderungen an lokale Wertschöpfung, gesetzliche Regelungen zur Beteiligung von während der Apartheid benachteiligten Bevölkerungsgruppen, häufige Streiks und die 2013 erfolgte Kündigung der bilateralen Investitionsschutzverträge mit Deutschland und anderen EU-Mitgliedstaaten. Ab dem Inkrafttreten der Kündigung am 23. Oktober 2014 gilt für bis dahin getätigte Investitionen ein Bestandsschutz von 20 Jahren.
Am 03.11.2015 wurde die "Protection of Investment Bill" in finaler Fassung vom Handelsausschuss verabschiedet. Das Investitionsschutzgesetz soll für mehr Planungssicherheit sorgen und die bilateralen Investitionsschutzverträge ersetzen. Mit dem Inkrafttreten ist 2016 zu rechnen.

Außenwirtschaft

Der Außenhandel Südafrikas ist grundsätzlich frei. Im "Doing Business"-Index der Weltbank belegt das Land Platz 73 von 189. Damit liegt das Land weit über dem Durchschnitt der Region südlich der Sahara und vor Indien, Brasilien und China. Nur Russland ist die einzige BRICS-Nation, die Südafrika im Ranking überholt hat. Besonders gut schneidet Südafrika beim Schutz von Minderheitsinvestoren, am schlechtesten bei der Stromversorgung ab.

Rohstoffe stellten den größten Anteil am südafrikanischen Export 2014, gefolgt von Fahrzeugen und Maschinen. Die südafrikanischen Importe wurden insbesondere von Öl, Fahrzeugen und Fahrzeugteilen, Kommunikationselektronik sowie pharmazeutischen Mitteln dominiert. Die Exporte erhöhten sich 2014 um 6,1 Prozent während die Importe um 8,6 Prozent zulegten. Das Außenhandelsdefizit nahm im Vergleich zum Vorjahr um 33,5 Prozent zu und betrug circa 6,5 Milliarden Euro. Wichtigste bilaterale Handelspartner Südafrikas 2014 – gemessen am Handelsvolumen – waren China, Deutschland, die USA und Japan.

Südafrika ist Mitglied diverser internationaler Wirtschaftsorganisationen, wie zum Beispiel des Internationalen Währungsfonds, der Welthandelsorganisation und der Weltbank. Darüber hinaus besteht seit 2007 mit der OECD (in der Südafrika nicht Mitglied ist) eine enge – schriftlich vereinbarte – Kooperation. Des Weiteren ist Südafrika Teil der südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft SADC, der Zollunion SACU sowie des Entwicklungsprogramms NEPAD der Afrikanischen Union.

Ein im Juli 2014 unterzeichnetes Wirtschaftspartnerschaftsabkommen zwischen der Europäischen Union, der Republik Südafrika und weiteren Staaten in der Region südliches Afrika verleiht den gegenseitigen Handelsbeziehungen neue Impulse.

Haushalt und Finanzpolitik

Fiskal- und Geldpolitik sind im Vergleich der Schwellenländer vorbildlich. Südafrika ist im G20-Rahmen gerade bei Regulierungsfragen (Basel-III-Abkommen) ein wichtiger Partner. 

Das vor der Finanzkrise von 2008/09 sehr niedrige Haushaltsdefizit ist aufgrund antizyklischer Maßnahmen von Regierung und Zentralbank stark angestiegen. Das schwache BIP-Wachstum (1,5 Prozent im Jahr 2014) und das stark angestiegene Leistungsbilanzdefizit (5,4 Prozent, 2014) verringern den fiskalischen wie monetären Handlungsspielraum. Das Haushaltsdefizit lag 2014 bei 3,8 Prozent; der Abbau ist zwar geplant, kommt aber langsamer voran als erwartet.

Der Kurs des Rand, eine der weltweit am stärksten gehandelten Schwellenlandwährungen, ist seit der Abstufung Südafrikas durch drei internationale Rating-Agenturen 2012 und aufgrund der verbesserten Wirtschaftslage in der EU und den USA gegenüber Euro und US-Dollar signifikant gefallen. Bislang ist es der südafrikanischen Industrie nicht gelungen, vom schwachen Wechselkurs gegenüber dem US-Dollar zu profitieren und die Exporte nennenswert zu steigern. Der Rand erreichte im August 2015 einen Rekordwert von R 14,32 zum US-Dollar. Zum Vergleich stand der Wechselkurs im Jahr 2014 im Jahresdurchschnitt R 10,54 zum US-Dollar. Starke Ausschläge im Rand-Kurs sind jedoch nicht außergewöhnlich. Der derzeitige Kurs bewegt sich laut IWF derzeit noch in vertretbarem Rahmen.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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