Hauptinhalt

Diplomaten der Zukunft

Um die Gestaltungs- und Innovationsfähigkeit Deutschlands durch eine handlungsfähige Außenpolitik zu sichern und zu flankieren, braucht es Sie – „Diplomaten der Zukunft“. Das war das Fazit von Staatssekretär Harald Braun, der am Donnerstag, 3. November 2011, mit einer Rede zu den Herausforderungen der deutschen Außenpolitik im 21. Jahrhundert die „Tegeler Gespräche“ eröffnet hat.

Diese Vortragsreihe soll den Diplomaten der Zukunft - den Anwärterinnen und Anwärtern aller Laufbahnen - Gelegenheit geben, im Rahmen ihrer Ausbildung an der Akademie Auswärtiger Dienst mit interessanten Persönlichkeiten aktuelle internationale Themen zu diskutieren. So soll die Akademie als Ort intellektuellen und fachlichen Austauschs noch stärker etabliert werden.

Was aber macht ihn aus, den Diplomaten 3.0, der in einer Welt leben und arbeiten wird, „in der Umbrüche alte Gewissheiten in Frage stellen und neue Orientierung gefordert ist“? Hohe und kontinuierliche Lernbereitschaft, aber auch Offenheit für neue Themen. Und schließlich auch die Bereitschaft zu dem, „was wir einen ,Krisendiplomaten’“ nennen, sagte Staatssekretär Dr. Braun: „Mit einer wachsenden Zahl fragiler Staaten werden Versetzungen an Orte wie Kabul, Kundus, Sanaa – sie mögen zukünftig auch anders heißen – letztlich so alltäglich wie eine Versetzung nach Brüssel.“ Aber nicht nur die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Auswärtigen Amts müssten sich immer neuen Herausforderungen stellen, auch das AA selbst müsse sich fit machen für die Zukunft und die Bereitschaft zu kontinuierlicher Veränderung in seiner „DNA“ verankern.

Einen Dreiklang aus E wie Europa, F wie Friedenspolitik und G wie Globalisierung legte der Staatssekretär dem diplomatischen Nachwuchs ans Herz. Es gelte, der Debatte um die Zukunft Europas die richtige Richtung zu geben: Die Antwort auf die Schuldenkrise und die Herausforderungen der Globalisierung liege nicht in weniger, sondern in mehr Europa. Nicht vernachlässigt werden dürften auch die Umwälzungen in Europas unmittelbarer Nachbarschaft: Es gelte ein langfristig stabiles Sicherheitsumfeld zu schaffen.

Im globalen Kontext stehe die Sicherheitspolitik im 21 Jahrhundert neuen Problemen und Gefahren gegenüber: den Folgen des Klimawandels, einem hohen Bevölkerungswachstum und ungesteuerter Urbanisierung, wachsender Konkurrenz um Nahrungsmittel und Rohstoffe, aber auch der Gefahr von Pandemien durch die erhöhte globale Mobilität und schließlich der ständig steigenden Verbreitung von Klein- wie Massenvernichtungswaffen. Aber auch Cyberspace und Cybersecurity seien Teil moderner Außen- und Sicherheitspolitik. Staatssekretär Dr. Braun plädierte in diesem Zusammenhang für eine zivil ausgerichtete Präventionspolitik.

Viele dieser Zukunftsthemen werden auch in der Ausbildung diskutiert. Im Rahmen des Projekts „Welt 2020“ erarbeiten z.B. die Attachés gemeinsam mit dem Planungsstab Themen, denen in ihrem Berufsleben voraussichtlich eine wachsende Bedeutung zukommen wird.

Vor allem aber hätten sich die Rahmenbedingungen für außenpolitisches Handeln in einem essentiellen Punkt geändert, sagte Staatssekretär Dr. Braun: Schwellenländer seien nicht länger abhängig von der Konjunktur der Industrieländer; im Gegenteil: die Konjunktur der Industrieländer ist abhängig von der Dynamik der Schwellenländer. Umso wichtiger sei es, bestehende Partnerschaften zu festigen, aber auch neue Partnerschaften zu begründen. Auch wenn Deutschland von den neuen Mitspielern im „Innovationswettbewerb“ bisher profitiert habe, so müsse „die volle Entfaltung unserer innovativen Kräfte durch Bildung, Forschungsförderung und internationale Kooperation prioritäres Ziel der deutschen Politik bleiben“.

Fixpunkt der anschließenden Diskussion war die Zukunft der Europäischen Union: Wie ist damit umzugehen, dass ein einheitliches Auftreten der Europäer nicht immer erreicht werden kann; welche Zukunftsperspektiven bietet der Europäische Auswärtige Dienst; wie lassen sich die sozialen, ökologischen und kulturellen Dimensionen des „European Way of Life“ stärken, gerade in Zeiten der Finanzkrise? Aber auch die chinesische Immobilienblase oder der verschäfte globale Wettbewerb um Ressourcen und Nahrungsmittel wurden diskutiert. Eines wurde dabei klar: Es gilt in jedem Einzelfall flexibel und situationsabhängig zu entscheiden, oder, wie StS Dr. Braun es ausdrückte: „Außenpolitik bleibt ein ‘moving target’.“

Die Reihe der „Tegeler Gespräche“ wird fortgesetzt. Und die Liste derer, die sich die Organisatoren in die Villa Borsig wünschen, um den klugen Köpfe von morgen Denkanstöße zu geben, ist noch lang.


Stand 23.11.2011