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Sudan: Hathor-Kapelle in Naga – Symbol kultureller Begegnung damals und heute

In der Weite der Wüsten des Sudan schlummern noch unzählige Schätze der Vergangenheit, die erst nach und nach ihre Geheimnisse preisgeben. Die Stadt Naga war ein bedeutender Ort der antike, der im Laufe der Jahrtausende in Vergessenheit geriet. Erst jetzt legen Wissenschaftler ihre Zeugnisse frei.

1995 begann ein Forscherteam des ägyptischen Museums Berlin die Ausgrabung der seit zwei Jahrtausenden unberührten Stadt Naga in der Steppe nordöstlich von Khartum. Zahlreiche riesige Schutthügel markieren das Stadtareal. Vier gut erhaltene, mit Reliefs und Inschriften versehene Tempel weisen darauf hin, dass Naga von 300 v. Chr. bis 200 n. Chr. eine königliche Stadt des Reiches von Meroë war, des machtvollen südlichen Nachbarn des ptolemäischrömischen Ägypten.

In zehnjähriger Grabungsarbeit wurde der in dominanter Lage über der Stadt errichtete Amun-Tempel freigelegt. Eine Allee von zwölf monumentalen Widderstatuen vor dem Tempel und die Säulen des Hypostyls, unter Schutt und Flugsand entdeckt, wurden wieder aufgerichtet. Zahlreiche Funde im Tempel – Statuen, Stelen, bemalte und mit Reliefs geschmückte Altäre und Wandmalereien – stellen einen außergewöhnlich großen Zuwachs an neuem Forschungsmaterial dar.

Ein Hügel südlich des Amun-Tempels erwies sich als wahre Fundgrube. Aus über 1.500 Reliefblöcken konnte das Bildprogramm der eingestürzten Tempelwände wiedergewonnen werden. Drei Wandflächen mit lebensgroßen Darstellungen meroitischer Götter sind seit Oktober 2009 als Dauerleihgaben der Republik Sudan im Neuen Museum in Berlin ausgestellt – ein außergewöhnliches Zeichen kultureller Zusammenarbeit.

Seinen vorläufigen Abschluss findet das Naga-Projekt in der Restaurierung der Hathor-Kapelle aus Mitteln des Kulturerhalt-Programms des Auswärtigen Amts. In der Verbindung pharaonischer, griechisch-römischer und meroitischer Formen steht sie beispielhaft für die Brückenfunktion des Reiches von Meroë zwischen Afrika und der Welt des Mittelmeers.

Bei der Restaurierung wurde modernste Technologie eingesetzt. Mit 3-D-Streifenlichtscannern wurde die Architektur millimetergenau aufgenommen. Die stark geschädigten Kapitelle wurden aufgrund dieser digitalen Daten in Kunststein nachgeformt.

Die Originale sollen zusammen mit den Grabungsfunden in einem lokalen Grabungsmuseum ausgestellt werden, dessen Planung der britische Architekt David Chipperfield kostenfrei erstellt hat. So kann Naga wieder zu einem Ort der historischen und kulturellen Identität des Sudan werden.

Prof. Dr. Dietrich Wildung, Projektleiter, Ägyptisches Museum und Papyrussammlung, Berlin


Stand 27.01.2011

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03.03.2011

Sudan: Hathor-Kapelle in Naga

Die Stadt Naga war ein bedeutender Ort der Antike, der im Laufe der Jahrtausende in Vergessenheit geriet. Erst jetzt legen Wissenschaftler ihre Zeugnisse frei.

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Die Hathorkapelle (rechts) und der Löwen-Tempel (links) in Naga Sudan, 2005

Die Hathorkapelle (rechts) und der Löwen-Tempel (links) in Naga Sudan, 2005

"Naga Projekt", Ägyptisches Museum, Berlin Bild herunterladen

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