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Argentinien

Beziehungen zu Deutschland

Stand: Mai 2015

Politik

Offizielle Beziehungen zwischen Deutschland und Argentinien bestehen seit 1857. Die bilateralen Beziehungen haben eine breite Grundlage in Wirtschaft, Kultur und ähnlichen Auffassungen zu wichtigen multilateralen Themen. Die Zusammenarbeit im universitären Bereich und in Wissenschaft und Forschung ist ein von beiden Seiten gesetzter Schwerpunkt der Beziehungen.

Bei den multilateralen Themen bestehen wichtige Gemeinsamkeiten in der Betonung von Multilateralismus und Völkerrecht, zur nuklearen Nichtverbreitung und insbesondere bei den Menschenrechten.


Wirtschaft

Argentinien ist insgesamt nach Brasilien und Mexiko der drittwichtigste Handelspartner Deutschlands in Lateinamerika. Knapp 5% aller argentinischen Einfuhren stammen aus Deutschland, das nach Brasilien, China und den USA unverändert viertwichtigstes Ursprungsland ist. Bei den argentinischen Exporten dagegen ist Deutschland 2014 auf Platz 12 gesunken, nachdem es zuvor etliche Jahre auf Platz 9 rangiert hatte. Das bilaterale Handelsvolumen ist 2014 gegenüber 2013 mit einem Einbruch von 10,2% auf knapp 4,05 Milliarden Euro nochmals deutlich zurückgegangen (2013: -3,2%/4,51 Milliarden Euro). Mit -13% gingen die deutschen Ausfuhren deutlich zurück und erreichten nur noch 2,453 Milliarden Euro (2013: 2,82 Milliarden Euro). Die Einfuhren aus Argentinien erlitten mit 5,5% geringere Einbußen und beliefen sich auf knapp 1,6 Milliarden Euro (2013: 1,96 Milliarden Euro). Das bilaterale Handelsvolumen zeigte im ersten Halbjahr 2015 mit +2% eine leichte Erholung. Im Gegensatz zum Vorjahr legten deutsche Ausfuhren nach Argentinien um 11% zu, während die Einfuhren aus Argentinien mit -12% starke Einbrüche erlitten. Deutschland wies in den ersten 6 Monaten 2015 einen Handelsbilanzüberschuss von 607,6 Millionen Euro auf, 37% mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum.

Deutschland bezieht aus Argentinien überwiegend Rohstoffe und landwirtschaftliche Erzeugnisse (herausragend: Kupfererze mit 24% sowie Fleisch und Fleischwaren mit 15% und Ölkuchen mit 14% der Einfuhren) und ist der größte Abnehmer argentinischen Rindfleischs in der EU. Die Einfuhr von Fahrzeugen und Kfz-Teilen aus Argentinien stellte 2014, wie auch 2013, 9% der gesamten deutschen Importe aus Argentinien (2012: 13,9%; 2011: 20%; 1. Halbjahr 2015: 14%).

Bei den deutschen Exporten nach Argentinien stehen traditionell industrielle Erzeugnisse im Vordergrund, wobei vermutlich aufgrund der argentinischen Importregulierungen 2014 der Ausfuhrwert von Halbfertigwaren sowie ihr Anteil am Gesamtwert deutscher Exporte nach Argentinien um über das 2,5-fache anstieg, während Enderzeugnisse im Jahresvergleich 18% einbüßten. Der drastische Einbruch argentinischer PKW-Importe seit Anfang 2014 durch neue Steuern vor allem im gehobenen Segment sowie allgemeine stärkere Restriktionen auf Fahrzeugeinfuhren machten sich für Deutschland stark bemerkbar. Der Werteinbruch von 41% bei Fahrzeugen und Fahrzeugteilen erklärt 2014 den größten Teil des gesamten Exporteinbruchs. Diese Produktgruppe stellt nunmehr nur noch 24% des gesamten Werts deutscher Exporte nach Argentinien; 2010 bis 2013 lag ihr Anteil noch bei 30-35%. Besonders betroffen waren fertige PKW mit -97%, dies betrifft vor allem Wagen der gehobenen Klasse. Weitere wichtige deutsche Exportprodukte  sind Maschinen und -teile (2014: 22%; 2013: 19,7%), sowie pharmazeutische und chemische Erzeugnisse (2014: 15%; 2013: 13,5%). Einen realen Wertzuwachs verzeichneten 2014 nur die Ausfuhren von Elektro- und Elektronikgeräten (+7%), sowie die Sparten Medizin-, Mess- und Steuertechnik und optische Geräte (+3%).

In der bilateralen deutsch-argentinischen Handelsbilanz fiel die Einfuhr argentinischer Agrar- und Ernährungsgüter 2014 mit -13% deutlich stärker als die gesamten Einfuhren (-5%). Mit 737 Millionen Euro fiel ihr Anteil an den Gesamteinfuhren von 50% auf 46%. Im 1. Halbjahr 2015 dagegen sank der Einfuhrwert von Gütern der Agrar- und Ernährungswirtschaft mit 9% weniger als der Wert der gesamten Einfuhren aus Argentinien nach Deutschland (-12%); ihr Anteil wuchs damit geringfügig auf knapp 46% des Gesamtwerts. Der Export von Gütern der Ernährungswirtschaft aus Deutschland nach Argentinien erhöhte sich 2014 um 6% und erzielte einen Exporterlös von 29 Millionen Euro (2013: 21,9 Millionen). Im 1. Halbjahr 2015 dagegen brachen Nahrungsmittelexporte nach Argentinien mit -24% drastisch ein.

Unter den ausländischen Direktinvestoren in Argentinien nimmt die EU eine führende Rolle ein, als Einzelstaat sind die wichtigsten Investoren die USA und Brasilien. Innerhalb der EU liegt Deutschland nach Spanien und den Niederlanden auf Platz 3. Im Gesamtbestand der ausländischen Direktinvestitionen in Argentinien ist  Deutschland 2013 vom bisherigen 9. auf den 7. Platz vorgerückt (Daten 2014 liegen noch nicht vor). Die wichtigsten Investitionen deutscher Unternehmen konzentrieren sich auf die Automobil- und Energiebranche sowie Dienstleistungen (Finanzen und Versicherungen). Die Deutsch-Argentinische Industrie- und Handelskammer zählt über 500 Mitglieder, darunter etwa 150 deutsche Firmen. Insgesamt sind etwa 200 Unternehmen mit deutschem Kapital in Argentinien tätig. Sie beschäftigen in direkter Form mehr als 22.000 Mitarbeiter.


Kultur und Bildung

Die deutschen Auslandsschulen gehören zu den angesehensten Privatschulen im Land und werden auch von Eltern ohne Deutschlandbezug geschätzt. Deutschland unterstützt im Rahmen der Initiative "Schulen: Partner der Zukunft" (PASCH) insgesamt 30 Schulen, an denen Deutsch als Fremdsprache einen besonders hohen Stellenwert einnimmt. In Argentinien sind dies vier Deutsche Auslandsschulen im Großraum Buenos Aires: (eine mit Abitur-Zweig, drei mit dem optionalen Abschluss "Internationales Baccalauréat", davon eine mit integriertem Berufsbildungszentrum und dem optionalen Abschluss der deutschen Fachhochschulreife). Darüber hinaus bieten 16 argentinische Schulen im ganzen Land das "Deutsche Sprachdiplom" an; 11 weitere Schulen werden durch das Goethe-Institut betreut.

Deutsche Kultur ist auch dank des Goethe-Instituts und seines Netzwerks (Institute in Buenos Aires und Córdoba, zwei Goethe-Zentren in Mendoza und San Juan sowie neun weitere geförderte Kulturgesellschaften) im Land regelmäßig präsent und wird sehr geschätzt. Der deutsche Film ist regelmäßig mit breitem und positivem (Presse-) Echo bei den beiden bedeutendsten Filmfestivals des Landes vertreten (zuletzt im März/April 2016) und auch durch das jährliche einwöchige "Festival des deutschen Films" in Buenos Aires (im September) sehr präsent.


Wissenschaft

Die Intensivierung der Zusammenarbeit in Hochschullehre und Forschung ist ein von deutscher wie von argentinischer Seite verfolgtes Ziel der bilateralen Beziehungen. Deutschland genießt als Wissenschaftspartner einen sehr guten Ruf in Argentinien. Die bilaterale wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit basiert auf einer langjährigen Tradition (Rahmenabkommen vom 31.03.1969).

Neben der Max-Planck-Gesellschaft sind zahlreiche Großforschungseinrichtungen der Helmholtz-Gemeinschaft in Argentinien aktiv. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat ihre Zusammenarbeit in Argentinien in den zurückliegenden Jahren erheblich ausgebaut. Die Fraunhofer-Gesellschaft, die sich in der Vergangenheit in Lateinamerika auf die Kooperation mit Brasilien und Chile konzentriert hatte, will ihre Aktivitäten nun auch auf Argentinien ausdehnen und arbeitet im Rahmen ihrer "Morgenstadt-Initiative" mittlerweile mit der Stadt und Provinz Buenos Aires zusammen..


Hochschulen

Einen Schwerpunkt in der akademischen Zusammenarbeit stellt das Deutsch-Argentinische Hochschulzentrum (DAHZ) dar. Das Hochschulzentrum wurde 2010 durch die beiden Regierungen und eine Wissenschaftsvereinigung der deutschen Wirtschaft in Argentinien gegründet. Momentan werden rund 10 binationale Studiengänge (Promotions- und Masterprogramme) in den Bereichen Biomedizin, Logistik, Wirtschafts- und Ingenieurswissenschaften vom DAHZ gefördert. Ende 2013 lancierte das Hochschulzentrum zudem das Austauschprogramm I-DEAR (Ingenieros Deutschland Argentina) im Bereich der Ingenieurswissenschaften.

Im Jahr 2014 wurden rund 350 deutsche und 550 argentinische Studierende vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gefördert, das entspricht 10 Prozent der Aktivitäten des DAAD in Lateinamerika. Kofinanzierte Stipendienprogramme mit dem argentinischen Bildungsministerium und dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Produktive Innovation werden - vor allem in den Ingenieurswissenschaften - ausgebaut.

Weitere Aktivitäten des DAAD: Seit August 2015 ist die Langzeitdozentur an der Juristischen Fakultät der Universität von Buenos Aires (UBA) neu besetzt. Der DAAD ist zudem an der Philosophischen Fakultät der UBA mit einem Fachlektorat für Literaturwissenschaften (Freier Lehrstuhl "Walter Benjamin") vertreten. An der privaten Universidad Torcuato Di Tella ist der Walter-Gropius-Lehrstuhl für Architekturtheorie angesiedelt. Weitere DAAD-Lektoren arbeiten an der Verbesserung der Sprachlehrer- und Übersetzerausbildung in Buenos Aires, Córdoba und Tucumán.


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