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Argentinien

Beziehungen zu Deutschland

Stand: März 2014


Politische Beziehungen

Offizielle Beziehungen zwischen Deutschland und Argentinien bestehen seit 1857. Die bilateralen Beziehungen haben eine breite Grundlage in Wirtschaft, Kultur und ähnlichen Auffassungen zu wichtigen multilateralen Themen. Die Zusammenarbeit im universitären Bereich und in Wissenschaft und Forschung ist ein von beiden Seiten gesetzter Schwerpunkt der Beziehungen.

Politische Gespräche und gegenseitige Besuche auf allen Ebenen finden regelmäßig statt.
Der letzte bilaterale Besuch der argentinischen Staatspräsidentin fand vom 5. bis 7. Oktober 2010 anlässlich der Frankfurter Buchmesse statt, die letzte Begegnung zwischen der Bundeskanzlerin und der Staatspräsidentin im Januar 2013 in Santiago de Chile.

Im August 2012 reiste die damalige Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Ilse Aigner nach Argentinien, im April 2013 besuchte ihr Parlamentarischer Staatssekretär Dr. Müller das Land. Ende September 2013 hielt sich die damalige Staatsministerin im Auswärtigen Amt Cornelia Pieper in Buenos Aires auf und traf u.a. mit Staatspräsidentin Fernández de Kirchner zusammen. Von argentinischer Seite stattete Wissenschaftsminister Barañao im Mai 2013 Deutschland einen Besuch ab.

Intensive Kontakte bestehen auch zwischen den Parlamenten: 2012 hielten sich MdB Dr. Andreas Schockenhoff, eine Delegation der Deutsch-Südamerikanischen Parlamentariergruppe im Deutschen Bundestag unter Leitung von MdB Ingrid Hönlinger, Bundestagsvizepräsident Eduard Oswald in Begleitung von MdB Steffen-Claudio Lemme und MdB Stephan Mayer sowie MdB Reiner Deutschmann und MdB Dr. Philipp Murmann zu Gesprächen in Buenos Aires auf. 2013 besuchte der argentinische Parlamentspräsident Julián Domínguez Deutschland, begleitet von einer Delegation der Freundesgruppe Deutschland im argentinischen Parlament, sowie von den Vorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden der Wissenschaftsausschüsse im Senat und im Abgeordnetenhaus Argentiniens.

Aus den Bundesländern besuchten seit 2011 die Ministerpräsidenten oder stellvertretenden Ministerpräsidenten aus Niedersachsen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen und Hamburg mit großen Delegationen Argentinien, ferner Landesminister, zuletzt der bayerische Staatsminister für Wissenschaft Heubisch mit großer Wissenschaftsdelegation. Ende März reist der Berliner Regierende Bürgermeister Wowereit nach Buenos Aires. Darüber hinaus fanden Besuche der Gouverneure mehrerer argentinischer Provinzen in Deutschland statt. Der Bürgermeister von Buenos Aires Macri plant für Anfang Mai einen Deutschland-Besuch.

Bei den multilateralen Themen bestehen wichtige Gemeinsamkeiten in der Betonung von Multilateralismus und Völkerrecht, zur nuklearen Nichtverbreitung und insbesondere bei den Menschenrechten.


Wirtschaftsbeziehungen

Argentinien ist nach Brasilien und Mexiko der drittwichtigste Handelspartner Deutschlands in Lateinamerika. Über 5 % aller argentinischen Einfuhren stammen aus Deutschland, das nach Brasilien, China und USA viertwichtigstes Ursprungsland ist. Bei den argentinischen Exporten liegt Deutschland unverändert auf Platz 9. Das bilaterale Handelsvolumen ist 2013 gegenüber 2012 um 3,2% auf 4,52 Mrd. Euro zurückgegangen (2012: 4,67Mrd. Euro). Während die deutschen Ausfuhren mit +5% deutlich zulegen konnten und 2,85 Mrd. Euro erreichten (2012: 2,71 Mrd. Euro), gingen die Einfuhren aus Argentinien um -14,5% auf 1,68 Mrd. Euro zurück (2012: 1,96 Mrd. Euro).

Deutschland bezieht aus Argentinien überwiegend Rohstoffe und landwirtschaftliche Erzeugnisse (herausragend: Kupfererze mit knapp 20 Prozent sowie Fleisch und Fleischwaren mit 15,5 Prozent und Ölkuchen mit 13,8 Prozent der Einfuhren) und ist der größte Abnehmer argentinischen Rindfleischs in der EU. Einen abermaligen starken Rückgang auf nur noch 9% der gesamten deutschen Importe aus Argentinien verzeichneten 2013 Fahrzeuge und Fahrzeugteile (Gesamtjahre 2012: 13,9%; 2011: 20%).

Bei den deutschen Exporten nach Argentinien stehen traditionell industrielle Erzeugnisse im Vordergrund. Besonders stark stiegen 2013 mit 14,6% Fahrzeuge und Fahrzeugteile, die damit über 35% am Gesamtwert der dt. Ausfuhren nach Argentinien einnahmen (2012: 32%; 2011 und 2010: 30%). Weitere wichtige deutsche Exportprodukte sind Maschinen (2013: 19,7%; Gesamtjahre 2012: 21%; 2011: 24%; 2010: 20%), sowie pharmazeutische und chemische Erzeugnisse (2013: 13,5%; Gesamtjahre 2012: 13%; 2011: 12%; 2010: 13% der argentinischen Einfuhren aus Deutschland).

Unter den ausländischen Direktinvestoren in Argentinien nimmt die EU eine führende Rolle ein.Innerhalb der EU liegt Deutschland nach Spanien und den Niederlanden auf Platz 3.  Im Gesamtbestand der ausländischen Direktinvestitionen in Argentinien liegt  Deutschland auf Platz 9. Die wichtigsten Investitionen deutscher Unternehmen konzentrieren sich auf die Automobil-,und Energiebranche sowie Dienstleistungen (Finanzen u. Versicherungen).

Die Deutsch-Argentinische Industrie- und Handelskammer zählt rund 600 Mitglieder, darunter ca. 150 deutsche Firmen. Insgesamt sind über 200 Unternehmen mit deutschem Kapital in Argentinien tätig. Sie beschäftigen in direkter Form mehr als 22.000 Mitarbeiter.


Entwicklungszusammenarbeit

Die letzten bilateralen Vorhaben der Technischen Zusammenarbeit wurden Ende 2006 abgeschlossen. Die Zusammenarbeit wird jetzt durch das CIM-Programm (Zentrum für Internationale Migration) fortgeführt. Schwerpunkt sind effiziente Energienutzung, erneuerbare Energien und Klimaschutz. Derzeit sind noch 9 CIM-Experten in öffentlichen und privaten Institutionen in Argentinien tätig.


Wissenschaftliche Zusammenarbeit

Deutschland genießt in den Bereichen Technologie, Wissenschaft und Innovation einen sehr guten Ruf in Argentinien und wird als Partner geschätzt. Die bilaterale wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit basiert auf einer langjährigen Tradition (Rahmenabkommen vom 31.03.1969). Die strategische Ausrichtung der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit (WTZ) wurden im Mai 2013 beim vierten Treffen der Gemischten WTZ-Kommission in Berlin diskutiert. Die Themen Bioökonomie und Biomedizin, Umweltforschung und Ingenieurwissenschaften standen dabei im Vordergrund.

Im Oktober 2011 wurde in Buenos Aires das erste Partner-Institut der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) in Lateinamerika und dritte weltweit offiziell eingeweiht. Das Institut für Biomedizin hat seinen Sitz im neuen Wissenschaftszentrum, dem "Polo Científico Tecnológico". Dort ist auch das Verbindungsbüro der Max-Planck-Gesellschaft für ganz Lateinamerika untergebracht, das im September 2013 seine Tätigkeit aufgenommen hat und im März 2014 vom Vizepräsidenten der MPG eröffnet wird.

Im Oktober 2013 wurde zudem ein Max-Planck-Labor für Strukturbiologie und biophysikalische Chemie in Rosario (Provinz Santa Fe) eröffnet.

In Malargüe, Provinz Mendoza, besteht seit 2008 das Pierre-Auger-Observatorium, die weltweit größte Anlage für die Messung von kosmischer Strahlung höchster Energie. Neben dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sind die Universitäten Aachen, Siegen und Wuppertal sowie das Max Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn sowie verschiedene Forschungseinrichtungen aus rd. 18 weiteren Ländern beteiligt.

Das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) plant für 2014 die Verlegung des Transportablen Integrierten Geodätischen Observatoriums (TIGO) von Chile nach Argentinien, in die Nähe von La Plata. Der argentinische Partner, der Nationale Rat für Forschung und Technologie (CONICET) und die BKG haben bereits einen Vertrag unterzeichnet. TIGO wurde in Argentinien als AGGO (Argentine-German Geodetic Observatory) umgetauft und ist als einziges geodätische Observatorium seiner Art in Lateinamerika Teil einer globalen Infrastruktur zur Erdbeobachtung und Aktualisierung globaler Referenzsysteme. Die Anlage soll noch 2014 am Rande der Stadt La Plata, Prov. Buenos Aires, aufgestellt werden.


Hochschulzusammenarbeit

Einen weiteren Schwerpunkt der bilateralen Kooperation bildet das im Jahre 2009 initiierte Deutsch-Argentinische Hochschulzentrum (DAHZ). Das Hochschulzentrum fördert - nach dem Vorbild der deutsch-französischen Hochschule - Projekte zur Entwicklung und Durchführung binationaler Studiengänge mit Doppel-Abschluss und wird von den Regierungen beider Länder sowie der Wissenschaftsvereinigung deutscher Unternehmen in Argentinien finanziert. Ende November 2012 fand die Unterzeichnung eines Ressortabkommens zur formalen Gründung des DAHZ zwischen dem BMBF und den beiden argentinischen Ministerien (Bildung und Wissenschaft) statt. Im Juli 2013 wurden öffentlichkeitswirksam – im Beisein von Staatspräsidentin Christina Fernández de Kirchner -  der Startschuss für die ersten fünf  binationalen Master- und Promotionsprogramme in den Bereichen Wirtschafts- und Ingenieurswissenschaften, Biomedizin, Stadtplanung und Logistik gegeben. Ende 2013 lancierte das DAHZ zudem ein neues Austauschprogramm im Bereich der Ingenieurwissenschaften. I-DEAR (Ingenieros Deutschland Argentina) bietet Studierenden der grundständigen Studiengänge die Möglichkeit, mehrere Semester und ein Firmenpraktikum im jeweils anderen Land zu absolvieren.

Im Jahr 2012 wurden 350 deutsche und knapp 600 argentinische Studierende und Forscher vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und den 12 bedeutendsten staatlichen Universitäten. Der ) und den 12 bedeutendsten staatlichen Universitäten. Der ) durch Einzel- oder Projektstipendien gefördert. Kofinanzierte Stipendienprogramme mit dem argentinischen Bildungsministerium und dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Produktive Innovation werden – vor allem in den Ingenieurswissenschaften - ausgebaut.

Nach Angaben der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) bestehen derzeit 169 Kooperationen zwischen deutschen und argentinischen Hochschulen. Der DAAD ist an der Universität von Buenos Aires mit einem Fachlektorat für Medien- und Kulturwissenschaft (Freier Lehrstuhl "Walter Benjamin") an der Philosophischen Fakultät vertreten. An der privaten Universidad Torcuato Di Tella ist der Walter-Gropius-Lehrstuhl Architekturtheorie angesiedelt. Weitere DAAD-Lektoren arbeiten an der Verbesserung der Sprachlehrer- und Übersetzerausbildung in Buenos Aires, Córdoba und Tucumán.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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