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Argentinien

Beziehungen zu Deutschland

Stand: Juli 2016

Politik

Offizielle Beziehungen zwischen Deutschland und Argentinien bestehen seit 1857. Die bilateralen Beziehungen haben eine breite Grundlage in Wirtschaft, Kultur und ähnlichen Auffassungen zu wichtigen multilateralen Themen. Die Zusammenarbeit im universitären Bereich und in Wissenschaft und Forschung ist ein von beiden Seiten gesetzter Schwerpunkt der Beziehungen.

Bei den multilateralen Themen bestehen wichtige Gemeinsamkeiten in der Betonung von Multilateralismus und Völkerrecht, zur nuklearen Nichtverbreitung und insbesondere bei den Menschenrechten. Argentinien ist neben Brasilien und Mexiko einer der drei lateinamerikanischen Vertreter in der G20, der Gruppe der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer.

Außenminister Steinmeier bereiste Argentinien am 02. und 03.06.2016 und unterzeichnete dort u.a. eine Absprache für ein Working-Holiday Programm, das es Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus beiden Ländern erleichtern wird, für ein Jahr im jeweils anderen Land zu leben und zu arbeiten. Vom 04. bis 06.07.2016 besuchte der argentinische Präsident Mauricio Macri Berlin und traf in diesem Zusammenhang mit Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesminister Steinmeier und Wirtschaftsminister Gabriel zusammen. Die Unterzeichnung von neun Erklärungen über die Verstärkung der deutsch-argentinischen Zusammenarbeit, nicht zuletzt in den Bereichen Wirtschaft und Wissenschaft, verdeutlicht das Interesse beider Seiten, die Beziehungen noch weiter zu intensivieren.


Wirtschaft

Argentinien ist insgesamt nach Brasilien und Mexiko der drittwichtigste Handelspartner Deutschlands in Lateinamerika. Gut 5% aller argentinischen Einfuhren stammen (2015) aus Deutschland, das nach Brasilien, China und den USA unverändert viertwichtigstes Ursprungsland ist. Bei den argentinischen Exporten  ist Deutschland 2014 auf Platz 12 gesunken, nachdem es zuvor etliche Jahre auf Platz 9 rangiert hatte. Das bilaterale Handelsvolumen ist 2015 wieder um 3,3% angewachsen, nachdem es in den beiden Vorjahren teilweise zweistellig eingebrochen war. Dieser Zuwachs wurde allein durch das Wachstum der deutschen Ausfuhren um 9% getragen, während die Einfuhren aus Argentinien um 5,1% zurückgingen. Deutschland wies 2015 einen Handelsbilanzüberschuss von 1,135 Milliarden Euro gegenüber Argentinien auf.

Deutschland bezieht aus Argentinien überwiegend Rohstoffe (24,3% der Importe) und Nahrungsmittel (38,8%)und ist der größte Abnehmer argentinischen Rindfleischs in der EU. Die Einfuhr von Fahrzeugen und Kfz-Teilen aus Argentinien stellte 2015 14,4% der deutschen Importe aus diesem Land.

Bei den deutschen Exporten nach Argentinien stehen traditionell industrielle Erzeugnisse im Vordergrund. Der Anteil der Kfz und KfZ-Teile an den deutschen Gesamtausfuhren nach Argentinien ist 2014/15 aber durch neue Steuern vor allem im gehobenen Segment sowie allgemein stärkere Restriktionen auf Fahrzeugeinfuhren von 30-35% (2010-2013) auf 14% gesunken. Es dominierten 2015 Maschinen (28,5%) und chemische Erzeugnisse (24,3%).

Unter den ausländischen Direktinvestoren in Argentinien nimmt die EU eine führende Rolle ein, als Einzelstaat sind die wichtigsten Investoren die USA und Brasilien. Innerhalb der EU liegt Deutschland nach Spanien und den Niederlanden auf Platz 3. Die wichtigsten Investitionen deutscher Unternehmen konzentrieren sich auf die Automobil- und Energiebranche sowie Dienstleistungen (Finanzen und Versicherungen). Die Deutsch-Argentinische Industrie- und Handelskammer zählt über 500 Mitglieder, darunter etwa 150 deutsche Firmen. Insgesamt sind etwa 200 Unternehmen mit deutschem Kapital in Argentinien tätig. Sie beschäftigen in direkter Form mehr als 22.000 Mitarbeiter.


Kultur und Bildung

Die deutschen Auslandsschulen gehören zu den angesehensten Privatschulen im Land und werden auch von Eltern ohne Deutschlandbezug geschätzt. Deutschland unterstützt im Rahmen der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft" (PASCH) insgesamt 30 Schulen, an denen Deutsch als Fremdsprache einen besonders hohen Stellenwert einnimmt. In Argentinien sind dies vier Deutsche Auslandsschulen im Großraum Buenos Aires: (eine mit Abitur-Zweig, drei mit dem optionalen Abschluss „Internationales Baccalauréat", davon eine mit integriertem Berufsbildungszentrum und dem optionalen Abschluss der deutschen Fachhochschulreife). Darüber hinaus bieten 16 argentinische Schulen im ganzen Land das „Deutsche Sprachdiplom" an; 11 weitere Schulen werden durch das Goethe-Institut betreut.

Deutsche Kultur ist auch dank des Goethe-Instituts und seines Netzwerks (Institute in Buenos Aires und Córdoba, zwei Goethe-Zentren in Mendoza und San Juan sowie neun weitere geförderte Kulturgesellschaften) im Land regelmäßig präsent und wird sehr geschätzt. Der deutsche Film ist regelmäßig mit breitem und positivem (Presse-) Echo bei den beiden bedeutendsten Filmfestivals des Landes vertreten (zuletzt im März/April 2016) und auch durch das jährliche einwöchige „Festival des deutschen Films" in Buenos Aires (im September) sehr präsent.


Wissenschaft

Die Intensivierung der Zusammenarbeit in Hochschullehre und Forschung ist ein von deutscher wie von argentinischer Seite verfolgtes Ziel der bilateralen Beziehungen. Deutschland genießt als Wissenschaftspartner einen sehr guten Ruf in Argentinien. Die bilaterale wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit basiert auf einer langjährigen Tradition (Rahmenabkommen vom 31.03.1969).

Neben der Max-Planck-Gesellschaft sind zahlreiche Großforschungseinrichtungen der Helmholtz-Gemeinschaft in Argentinien aktiv. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat ihre Zusammenarbeit in Argentinien in den zurückliegenden Jahren erheblich ausgebaut. Die Fraunhofer-Gesellschaft, die sich in der Vergangenheit in Lateinamerika auf die Kooperation mit Brasilien und Chile konzentriert hatte, will ihre Aktivitäten nun auch auf Argentinien ausdehnen und arbeitet im Rahmen ihrer„Morgenstadt-Initiative" mittlerweile mit der Stadt und Provinz Buenos Aires zusammen.


Hochschulen

Einen Schwerpunkt in der akademischen Zusammenarbeit stellt das Deutsch-Argentinische Hochschulzentrum (DAHZ) dar. Das Hochschulzentrum wurde 2010 durch die beiden Regierungen und eine Wissenschaftsvereinigung der deutschen Wirtschaft in Argentinien gegründet. Momentan werden rund 10 binationale Studiengänge (Promotions- und Masterprogramme) in den Bereichen Biomedizin, Logistik, Wirtschafts- und Ingenieurswissenschaften vom DAHZ gefördert. Ende 2013 lancierte das Hochschulzentrum zudem das Austauschprogramm I-DEAR (Ingenieros Deutschland Argentina) im Bereich der Ingenieurswissenschaften.

Im Jahr 2014 wurden rund 350 deutsche und 550 argentinische Studierende vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gefördert, das entspricht 10 Prozent der Aktivitäten des DAAD in Lateinamerika. Kofinanzierte Stipendienprogramme mit dem argentinischen Bildungsministerium und dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Produktive Innovation werden - vor allem in den Ingenieurswissenschaften - ausgebaut.

Weitere Aktivitäten des DAAD: Seit August 2015 ist die Langzeitdozentur an der Juristischen Fakultät der Universität von Buenos Aires (UBA) neu besetzt. Der DAAD ist zudem an der Philosophischen Fakultät der UBA mit einem Fachlektorat für Literaturwissenschaften (Freier Lehrstuhl „Walter Benjamin") vertreten. An der privaten Universidad Torcuato Di Tella ist der Walter-Gropius-Lehrstuhl für Architekturtheorie angesiedelt. Weitere DAAD-Lektoren arbeiten an der Verbesserung der Sprachlehrer- und Übersetzerausbildung in Buenos Aires, Córdoba und Tucumán.


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