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Argentinien

Beziehungen zu Deutschland

Stand: Februar 2015

Politische Beziehungen

Offizielle Beziehungen zwischen Deutschland und Argentinien bestehen seit 1857. Die bilateralen Beziehungen haben eine breite Grundlage in Wirtschaft, Kultur und ähnlichen Auffassungen zu wichtigen multilateralen Themen. Die Zusammenarbeit im universitären Bereich und in Wissenschaft und Forschung ist ein von beiden Seiten gesetzter Schwerpunkt der Beziehungen.

Bei den multilateralen Themen bestehen wichtige Gemeinsamkeiten in der Betonung von Multilateralismus und Völkerrecht, zur nuklearen Nichtverbreitung und insbesondere bei den Menschenrechten.


Wirtschaftsbeziehungen

Argentinien ist insgesamt nach Brasilien und Mexiko der drittwichtigste Handelspartner Deutschlands in Lateinamerika, liegt bei Einfuhren Deutschlands aus der Region aber erstmals auf Platz 4 hinter Chile. Über 5 % aller argentinischen Einfuhren stammen aus Deutschland, das nach Brasilien, China und USA viertwichtigstes Ursprungsland ist. Bei den argentinischen Exporten liegt Deutschland unverändert auf Platz 9. Das bilaterale Handelsvolumen ist 2013 gegenüber 2012 um 3,2% auf 4,52 Mrd. Euro zurückgegangen (2012: 4,67Mrd. Euro). Während die deutschen Ausfuhren mit +5% deutlich zulegen konnten und 2,85 Mrd. Euro erreichten (2012: 2,71 Mrd. Euro), gingen die Einfuhren aus Argentinien um -14,5% auf 1,68 Mrd. Euro zurück (2012: 1,96 Mrd. Euro). Diese rückläufige Tendenz deutscher Importe aus Argentinien setzte sich im ersten Halbjahr 2014 fort. Im Gegensatz zu 2013 sank im 1. Halbjahr 2014 auch der Gesamtwert deutscher Exporte nach Argentinien (-14% im Jahresvergleich), während die Ausfuhrmengen als Konsequenz eines veränderten Portfolios stiegen. Deutschland weist in den ersten 10 Monaten 2014 einen Handelsbilanzüberschuss von 807,6 Mrd. Euro auf.

Deutschland bezieht aus Argentinien überwiegend Rohstoffe und landwirtschaftliche Erzeugnisse (herausragend: Kupfererze mit 25 Prozent sowie Fleisch und Fleischwaren mit 15 Prozent und Ölkuchen mit 12 Prozent der Einfuhren) und ist der größte Abnehmer argentinischen Rindfleischs in der EU. Der Rückgang der Einfuhr von Fahrzeugen und Kfz-Teilen aus Argentinien hält an: 2013 machten sie nur noch 9% der gesamten deutschen Importe aus Argentinien aus, im 1. Hj. 2014 7,6% (Gesamtjahre 2012: 13,9%; 2011: 20%).

Bei den deutschen Exporten nach Argentinien stehen traditionell industrielle Erzeugnisse im Vordergrund, wobei sich – möglicherweise aufgrund der argentinischen Importregulierungen – im 1. Halbjahr 2014 der Ausfuhrwert von Halbfertigwaren sowie ihr Anteil am Gesamtwert dt. Exporte nach Argentinien verdoppelten, während Enderzeugnisse um 18% einbüßten (jeweils zu gleichem Vorjahreszeitraum). Der drastische Einbruch argentinischer Pkw-Importe seit Anfang 2014 durch neue Steuern vor allem im gehobenen Segment sowie allgemeine stärkere Restriktionen auf Fahrzeugeinfuhren machten sich für Deutschland stark bemerkbar. Während sich 2013 mit einem Zuwachs von 14,6% bei Fahrzeugen- und Fahrzeugteilen deren Anteil am Gesamtwert der deutschen Ausfuhren nach Argentinien auf über 35% erhöhte (2012: 32%; 2011 und 2010: 30%), brach dieses Segment im 1. Halbjahr 2014 mit -53% überdurchschnittlich stark ein und macht  nur noch 25% aller deutschen Exporte nach Argentinien aus. Besonders betroffen waren fertige PKW mit -93%. Weitere wichtige deutsche Exportprodukte  sind Maschinen und -teile (1. Halbjahr 2014: 21%;  2013: 19,7%), sowie pharmazeutische und chemische Erzeugnisse (1. Halbjahr 2014: 16%; 2013: 13,5%).

In der bilateralen deutsch-argentinischen Handelsbilanz ging die Einfuhr argentinischer Agrar- und Ernährungsgüter 2013 mit -9% deutlich weniger zurück als die gesamten Einfuhren (-14,5%) und konnte mit  834,5  Mio. Euro ihren Anteil auf fast 50% erhöhen. Im 1. Halbjahr 2014 dagegen verloren die Importe von Gütern der Agrar- und Ernährungswirtschaft mit -16% deutlich mehr als die gesamten Einfuhren aus Argentinien nach Deutschland (-11%) und machten damit nur noch 46% des Gesamtwerts aus. Der Export von Gütern der Ernährungswirtschaft aus Deutschland nach Argentinien verringerte sich 2013 um 4% und erzielte einen Exporterlös von knapp 22 Mio. Euro (2012: 22,7 Mio.), im 1. Halbjahr 2014 legten Nahrungsmittelexporte nach Argentinien überraschenderweise um 7% zu.

Unter den ausländischen Direktinvestoren in Argentinien nimmt die EU eine führende Rolle ein, als Einzelstaat sind die wichtigsten Investoren die USA und Brasilien. Innerhalb der EU liegt Deutschland nach Spanien und den Niederlanden auf Platz 3.  Im Gesamtbestand der ausländischen Direktinvestitionen in Argentinien ist  Deutschland 2013 vom bisherigen 9. auf den 7. Platz vorgerückt. Die wichtigsten Investitionen deutscher Unternehmen konzentrieren sich auf die Automobil-, und Energiebranche sowie Dienstleistungen (Finanzen und Versicherungen). Die Deutsch-Argentinische Industrie- und Handelskammer zählt über 500 Mitglieder, darunter etwa 150 deutsche Firmen. Insgesamt sind über 200 Unternehmen mit deutschem Kapital in Argentinien tätig. Sie beschäftigen in direkter Form mehr als 22.000 Mitarbeiter.


Kultur und Bildung

Die deutschen Auslandsschulen gehören zu den angesehensten Privatschulen im Land und werden auch von Eltern ohne Deutschlandbezug geschätzt. Deutschland unterstützt im Rahmen der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ insgesamt 31 (PASCH) Schulen, an denen Deutsch als Fremdsprache einen besonders hohen Stellenwert hat. In Argentinien sind dies vier Deutsche Auslandsschulen (eine mit Abitur-Zweig, drei mit dem optionalen Abschluss „Internationales Baccalauréat“, davon eine mit integriertem Berufsbildungszentrum und dem optionalen Abschluss der deutschen Fachhochschulreife) sowie 16 weitere argentinische Schulen, die das „Deutsche Sprachdiplom“ anbieten, darüber hinaus 11 durch das Goethe-Institut betreute Schulen.

Deutsche Kultur ist auch dank des Goethe-Instituts Buenos Aires und des Goethe-Institut-Netzwerks (ein weiteres Institut in Córdoba, zwei Goethe-Zentren in Mendoza und San Juan sowie neun weitere geförderte Kulturgesellschaften) im Land regelmäßig präsent und wird geschätzt. Der deutsche Film ist regelmäßig mit breitem und positivem (Presse-) Echo bei den beiden bedeutendsten Filmfestivals des Landes vertreten (zuletzt im März/April 2014) und auch durch das jährliche einwöchige „Festival des deutschen Films“ in Buenos Aires sehr präsent.


Wissenschaftliche Zusammenarbeit

Die Intensivierung der Zusammenarbeit in Hochschullehre und Forschung ist ein von deutscher wie von argentinischer Seite verfolgtes Ziel der bilateralen Beziehungen. Deutschland genießt als Wissenschaftspartner einen sehr guten Ruf in Argentinien. Die bilaterale wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit basiert auf einer langjährigen Tradition (Rahmenabkommen vom 31.03.1969).

Höhepunkte der Wissenschaftskooperation waren in den letzten Jahren:

  • November 2014: Einweihung des Max-Planck-Labors für Strukturbiologie und biophysikalische Chemie (LMPbioR) in Rosario, Provinz Santa Fe. Die Max-Planck-Gesellschaft wird damit ihr Engagement in Argentinien weiter ausbauen.
  • 2013 unterzeichneten der argentinischen Wissenschaftsrat CONICET und das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie einen Vertrag über ein gemeinsames geodätisches  Observatorium (AGGO: Argentine-German Geodetic Observatory), das 2015 in La Plata eröffnet werden wird. AGGO ist als einziges geodätisches Observatorium seiner Art in Lateinamerika Teil einer globalen Infrastruktur zur Erdbeobachtung und Aktualisierung globaler Referenzsysteme.
  • 2012: Eröffnung des weltweit erst zweiten Max-Planck-Partnerinstituts im Ausland, das im neuen Wissenschaftszentrum "Polo Científico Tecnológico" in Buenos Aires untergebracht ist. Schwerpunkt der Forschung ist Biomedizin. Ende 2013 wurde dort zudem ein Max-Planck-Verbindungsbüro für ganz Lateinamerika eröffnet. 
  • 2008: Eröffnung des 3.000 km2 großen Pierre-Auger-Observatoriums in der Nähe von Mendoza zur Untersuchung der kosmischen Strahlung höchster Energie. Deutsche Mitglieder des Pierre-Auger-Observatoriums sind: RWTH Aachen, Max-Planck-Institut für Radioastronomie Bonn, Universität Hamburg, Karlsruher Institut für Technologie, Universität Siegen und Bergische Universität Wuppertal.

Neben der Max-Planck-Gesellschaft sind zahlreiche Großforschungseinrichtungen der Helmholtz-Gemeinschaft in Argentinien aktiv. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat ihre Zusammenarbeit mit CONICET in den zurückliegenden Jahren erheblich ausgebaut. Die Fraunhofer-Gesellschaft, die sich in der Vergangenheit in Lateinamerika auf die Kooperation mit Brasilien und Chile konzentriert hatte, will ihre Aktivitäten nun auch auf Argentinien ausdehnen.


Hochschulzusammenarbeit

Einen Schwerpunkt in der akademischen Zusammenarbeit stellt das Deutsch-Argentinische Hochschulzentrum (DAHZ) dar. Das Hochschulzentrum wurde 2010 durch die beiden Regierungen und eine Wissenschaftsvereinigung der deutschen Wirtschaft in Argentinien – nach Vorbild der deutsch-französischen Hochschule - gegründet. Momentan werden rund 10  binationale Studiengänge (Promotions- und Masterprogramme) in den Bereichen Biomedizin, Logistik, Wirtschafts- und Ingenieurswissenschaften vom DAHZ gefördert.

Im Jahr 2013 wurden rund 350 deutsche und 550 argentinische Studierende vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gefördert, das entspricht 10 Prozent der Aktivitäten des DAAD in Lateinamerika. Kofinanzierte Stipendienprogramme mit dem argentinischen Bildungsministerium und dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Produktive Innovation werden – vor allem in den Ingenieurswissenschaften - ausgebaut.

Nach Angaben der Hochschulrektorenkonferenz bestehen derzeit über 150 Kooperationen zwischen deutschen und argentinischen Hochschulen. Der DAAD ist zudem an der Philosophischen Fakultät der Universität von Buenos Aires mit einem Fachlektorat für Literaturwissenschaften (Freier Lehrstuhl "Walter Benjamin") vertreten. An der privaten Universidad Torcuato Di Tella ist der DAAD-finanzierte Walter-Gropius-Lehrstuhl für Architekturtheorie angesiedelt. Weitere DAAD-Lektoren arbeiten an der Verbesserung der Sprachlehrer- und Übersetzerausbildung in Buenos Aires, Córdoba und Tucumán.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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