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Afghanistan

Kultur- und Bildungspolitik

Stand: August 2014

Schulwesen

Seit Ende der Talibanzeit nimmt die Schülerzahl an afghanischen Schulen stetig zu. Mädchen machen mittlerweile über ein Drittel der über sieben Millionen Schulkinder aus. Nach Englisch gehört Deutsch zu den beliebtesten Fremdsprachen im Land, was auch dem starken Engagement der Bundesregierung und der deutschen Kulturmittler zu verdanken ist. Die deutsche Zentralstelle für das Auslandsschulwesen entsendet sieben deutsche Auslandsdienstlehrkräfte an drei von Deutschland geförderte afghanische Schulen in Kabul, welches neben dem breit gefächerten Engagement des Goethe-Instituts im Bereich Deutsch als Fremdsprache eine solide Basis für eine positive Entwicklung im afghanischen Schulwesen bildet – nicht nur für den Deutschunterricht. 2013 fanden erstmalig und mit großem Erfolg Prüfungen zum Deutschen Sprachdiplom (DSD) an diesen von Deutschland unterstützen Schulen statt. Ab Herbst 2014 wird gemeinsam mit der afghanischen Seite an diesen drei Schulen, davon zwei Mädchenschulen, ein neues Schulförderkonzept entwicklet.

Neben der inhaltlichen Arbeit unterstützt Deutschland das afghanische Schulwesen auch strukturell. So wurden seit dem Neubeginn des deutschen Engagements in Afghanistan über 2.000 Schulen mit deutschen Geldern neu, beziehungsweise wieder aufgebaut. Deutschland engagiert sich weiterhin in der Lehreraus- und –fortbildung. Das Angebot richtet sich an afghanische Lehrkräfte aus verschiedenen Provinzen, die über die Deutschabteilung der Universität Kabul entsandt werden. Diese pädagogische und fachliche Weiterbildung im Rahmen der Bildungskooperation Deutsch (BKD) wird nachhaltig und mit Wirkung über Kabul hinaus zur Verbesserung des Unterrichts beitragen.


Hochschulwesen

Die Erfolge des landesweiten akademischen Wiederaufbaus und der Kooperation zwischen deutschen und afghanischen Hochschulen zeigt sich in Kabul am deutlichsten. Dort gibt es die Universität Kabul mit mehr als 10.000 Studenten, die Technische Universität, die Pädagogische Hochschule und mehrere private Universitäten. Von den weiteren Universitäten im Lande, deren Größe stark variiert, sind die Universitäten in Herat und in Balkh hervorzuheben. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) betreut mit Bundesmitteln zahlreiche Fachkoordinationen zwischen afghanischen und mehreren deutschen Universitäten und intensiviert Master- und PhD-Programme auf einem breiten akademischen Feld. Für die kommenden Jahre ist der Aufbau von Computerzentren an mehreren afghansichen Universitäten, die Einrichtung von Bibliotheken und Laboratorien sowie eine Kooperation bei der Überarbeitungs von Bildungsprogrammen beabsichtigt.


Kulturerhalt

Afghanistan ist mit Abstand das wichtigste Partnerland im Rahmen des Kulturerhalt-Programms des Auswärtigen Amtes. Nach vielfältigen Projekten während der vergangenen Jahre mit Konzentration zunächst auf die Hauptstadt Kabul und Herat als größte Stadt West-Afghanistans, wurde die Aufmerksamkeit mit Balkh auf weitere urbane Zentren Afghanistans gelenkt. Die historische Stadt wenige Kilometer von Mazar-e-Sharif, der größten Stadt Nord-Afghanistans entfernt, ist seit der Antike ein wichtiger Handelsknotenpunkt gewesen. Dementsprechend gibt es neben herausragenden Kulturdenkmälern, wie dem Khwaja Parsa-Schrein und der ihn umgebenden Parkanlage, eine Vielzahl historischer Monumente, die nur wenig erforscht sind.  Der integrative Ansatz dieses mehrjährigen Projekts berücksichtigt die kulturpolitischen Ziele des zivilgesellschaftlichen Wiederaufbaus. Die enge Verknüpfung der Kulturerhaltarbeit mit infrastruturellen Investitionen trägt zur Verbesserung der Lebensverhältnisse, zur Schaffung einer kulturellen Identität der Bevölkerung mit ihrem historischen Erbe sowie zum Ausbau des Verantwortungsbewusstseins hierfür bei. Dem Faktor Aus- und Forbildung kommt sowohl auf akademischer als auch auf technischer und handwerklicher Ebene große Bedeutung zu. Mit dem Institutionalisierungsansatz, der Einführung von Verwaltungsstrukturen mit transparenten Zuständigkeiten, Synergien durch Verlinkung von Einrichtungen erfährt das bisherige Engagement der Bundesregierung und alle darauf aufbauenden Aktivitäten eine sinnvolle Konsolidierung. Die starke Einbindung von lokaler Bevölkerung und Verwaltung wird zudem als wesentliche Grundlage für eine erfolgreiche und solide Zukunftsperspektive auch nach 2014 gesehen.

Nach wie vor engagiert sich Deutschland bei der Sicherung der von den Taliban zerstörten Buddhas von Bamiyan (in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Rat für Denkmalpflege).

Im Jahr 2013 ist Ghazni die von der UNESCO ausgewählte kulturelle Hauptstadt der islamischen Welt. Gegründet vor etwa 2.600 Jahren verfügt Ghazni mit seiner persischen, buddhistischen und islamischen Vergangenheit über eine Vielzahl erhaltener historischer Gebäude und Stadtstrukturen.  Der Sicherung der Stadtmauer Ghaznis, die aufgrund ihrer Größe und historischen Bedeutung ein außerordentliches Baudenkmal darstellt und die im Laufe der Jahrhunderte Kriegen und den harschen klimatischen Bedingungen ausgesetzt, wodurch sie beschädigt und teilweise zerstört wurde, wird im Rahmen des Kulturerhalt-Programms des Auswärtigen Amts seit 2011 Rechnung getragen.

Ab 2014 ist neben der Fortführung der laufenden Projekte geplant, im Rahmen der Kulturerhalt-Kooperation wichtige Filmdokumente des Afghan Film Archiv zu digitalisieren und zu konservieren.


Medienlandschaft

Seit einigen Jahren entwickelt sich die Medienlandschaft in Afghanistan zu einem äußerst vielfältigen Wirtschaftszweig. Auf dem Land ist das Radio noch das Medium mit der weitesten Verbreitung. In den Städten erfreuen sich die meist privat geführten Fernsehsender großer Beliebtheit. Die Nachrichtenberichterstattung ist gegenüber der afghanischen Regierung vielfach kritisch. Viele Machthaber aus den Provinzen haben ihre eigenen Medienanstalten gegründet, teilweise aus kommerziellen Motiven, teilweise aber auch um ihre Macht zu erhalten bzw. auszubauen.


Kulturelles Leben

Zumindest in großen Städten wie Kabul gedeiht auch das kulturelle Leben wieder, obgleich die kulturelle Infrastruktur noch sehr ausbaufähig ist. Viele Menschen zeigen ein Interesse an afghanischer Kunst, Musik und Filmen. Einer der Preisträger des bekannten US-Filmfestivals „Sundance“ war im Jahr 2009 der afghanische Dokumentarfilm „Afghan Star“. Der auf verschiedenen internationalen Filmfestivals gezeigte Film „The Precious Stone“ des afghanisch-französischen Regisseurs Afik Rahimi war 2012 der Beitrag Afghanistans für den US Motion Picture Award („Oscar“).

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Stand 01.09.2014

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