Hauptinhalt

Chile

Wirtschaft

Stand: September 2015

Überblick

Seit dem 19. Jahrhundert profitiert Chile von seinen Rohstoffen. Zunächst beherrschte der Salpeterabbau die wirtschaftlichen Aktivitäten. Doch längst sind der Abbau von Kupfer sowie weiterer Rohstoffe zur treibenden Kraft der wirtschaftlichen Entwicklung geworden. Seit Ende der 1970er Jahre ist die chilenische Wirtschaft privatwirtschaftlich und wettbewerbsorientiert organisiert und auf den Weltmarkt ausgerichtet. 2014 lag der Andenstaat mit einem Pro-Kopf-Einkommen zur Kaufkraftparität laut IWF von rund 23.100 USD an der Spitze in Lateinamerika. Chile ist Mitglied wichtiger internationaler Wirtschaftsorganisationen wie WTO, IWF und Weltbank.

Nach der globalen Finanzkrise und dem schweren Erdbeben vom 27.02.2010 mit materiellen Schäden von rund 30 Mrd. USD war die chilenische Wirtschaft  in den Folgejahren stark gewachsen (2011: 5,7%, 2012: 5,5 %). 2013 verlangsamte sich das Wachstum auf  4,3% des Bruttoinlandsprodukts. 2014 setze sich diese Tendenz fort: Das BIP-Wachstum  belief sich auf 1,9%. Schätzungen gehen davon aus, dass die chilenische Wirtschaft 2015 um ca. 2-2,5% wachsen wird.

Anders als in den Vorjahren nahm das Leistungsbilanzdefizit 2014 ab und betrug nur noch 1,2% des BIP (2013: 3,7%).

Der Staatshaushalt wies 2014 ein Defizit von 1,6% des BIP auf und lag damit über der Fiskalregel von 1%. Die Brutto-Staatsverschuldung stieg auf 13,8% des BIP. Die Gesamtauslandsverschuldung lag 2014 bei 60,1% und damit deutlich über den Werten der Vorjahre (2012: 44,7% und 2013: 50,7%). Die Devisenreserven nahmen in den letzten drei Jahren leicht ab: Von 41,6 Mrd. USD 2012 auf 40,4 Mrd.für 2014. Die Kreditwürdigkeit der chilenischen Staatsanleihen gilt als die beste Lateinamerikas. Innerhalb von drei Jahren wurde sie von unterschiedlichen Rating-Agenturen drei Mal aufgewertet, zuletzt Ende 2012 durch Standard&Poors von A+ auf AA-. Damit befindet sich Chile in Gesellschaft mit Industriestaaten wie Japan und weitet seinen Abstand zu seinen lateinamerikanischen Nachbarn aus.

Im Hinblick auf Lebenserwartung und Lebensstandard gehört Chile zu den am weitesten entwickelten Schwellenländern. Laut dem Index der menschlichen Entwicklung (Human Development Index = HDI) des UNDP erreichte Chile 2013 den besten Rang (41) der Region und konnte erstmals mit Portugal  ein westeuropäisches Land überholen. Der Anteil der Armen sank seit 1990 um mehr als die Hälfte, derjenige der absolut Armen um 2/3. Die Einkommensunterschiede sind dennoch weiterhin markant: Der Gini-Koeffizient liegt bei 0,5 und damit deutlich entfernt vom OECD-Durchschnitt (0,31). Das oberste Einkommenszehntel verdient im Durchschnitt 30 Mal so viel wie das unterste Einkommenszehntel. Die Arbeitslosigkeit, die 2010 noch bei durchschnittlich 8,7% lag, sank in den vergangenen Jahren kontinuierlich und lag 2014 bei 6,3%. Dennoch gab die Binnennachfrage nach und die Zahl derer, die nicht hinreichend verdienen oder drohen, in die Armut abzurutschen, bleibt weiterhin groß.


Struktur der Wirtschaft

Der chilenische Binnenmarkt ist mit rund 17,8 Mio. Einwohnern relativ klein. Klassische Industrieproduktion (Maschinenbau, Fahrzeugbau, Schiffbau, usw.) hat nachrangige Bedeutung. Auch wenn die chilenische Wirtschaft über viele kleine und mittlere Unternehmen verfügt, dominieren in vielen Bereichen Oligopole von wenigen einflussreichen Unternehmen. Wertschöpfung erfolgt vor allem im Dienstleistungssektor.

Hauptwirtschaftssektor ist der Bergbau. Er trug in der Vergangenheit erheblich zu den Staatseinnahmen bei. Aufgrund des Preisverfalls kann die staatliche Codelco allerdings immer weniger an den Fiskus überweisen. Chile verfügt über die weltweit größten Kupferreserven (ca. 36 Prozent) und ist der größte Kupferproduzent der Welt. Auch bei dem an Bedeutung gewinnenden Rohstoff Lithium (sowie anderen wichtigen Bodenschätzen) liegt es an vorderer Stelle. Insgesamt nimmt der Andenstaat weltweit bei etlichen mineralischen Rohstoffen eine führende Stellung ein: Kupfer: 34 Prozent, Jod: 53 Prozent, Lithium: 41 Prozent, Rhenium: 44 Prozent, Molybdän: 15 Prozent. In der Atacamawüste lagern ferner Salzvorkommen, die für mehrere Jahrtausende reichen. Das dort abgebaute Salz ist – wie das Kupfer – ein weiteres wichtiges Exportprodukt Chiles.

Der Agrarsektor erzielte 2014 einen Exporterlös von 15,9 Mrd. USD (+2,5%). Chiles Agrarexport steht auf drei Säulen: Fischwirtschaft (vor allem Aquakultur), Forstwirtschaft (hier vor allem Zellulose) und Obst- und Weinwirtschaft.

Der Tourismus gewinnt weiter an Bedeutung. Die Zielgruppe ist vielfältig: Sie reicht von Rucksacktouristen bis zu Kreuzfahrtreisenden. Als weitere Wachstumsmärkte sind besonders der Bergbau- und Energiesektor (mehr als 70 % der Investitionen) zu nennen, daneben Infrastruktur, Wasserwirtschaft, Nahrungsmittelindustrie und Agroindustrie. Auch Finanz- und Versicherungssektor sind auf Wachstumskurs. Die starke Abhängigkeit von der weltweiten Nachfrage nach Rohstoffen bleibt aber eine Achillesferse für die weitere Entwicklung. Immer größere Herausforderung für die Wettbewerbsfähigkeit der chilenischen Wirtschaft wird zudem die Energieversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen und der Mangel an qualifizierten Fachkräften.


Außenwirtschaft

Chile ist stark außenhandelsorientiert und hat mehr Freihandelsabkommen abgeschlossen als jedes andere Land der Welt: inzwischen 23 Verträge, die 61 Länder einbeziehen, zuletzt mit Vietnam. Mit der Trans Pacific Partnership und der 2012 gegründeten Pazifikallianz erhofft man sich zudem weitere Erleichterungen für den grenzüberschreitenden Warenverkehr.

Das Außenhandelsvolumen belief sich 2014 auf 143,6 Mrd. USD. Auf Grund sinkender Importausgaben um 9% auf 67,9 Mrd. US$, trotz eines zu 2013 um 1% gesunkenen Exportwerts von 75,7 Mrd. USD, fiel die chilenische Handelsbilanz 2014 mit einem Überschuss von ca. 7,8 Mrd. USD wieder positiv aus. Haupthandelspartner blieb 2014 China mit einem Handelsvolumen von rund 31 Mrd. USD, gefolgt von den USA mit knapp 22,6 Mrd. USD und der EU mit rund 20,8 Mrd. USD. Deutschland blieb 2014 mit einem Handelsvolumen von 3,6 Mrd. USD der wichtigste Handelspartner Chiles innerhalb der Europäischen Union. Während sich der stetig sinkende Kupferpreis 2014 rückläufig auf die Exporte ausgewirkt hat, führt  ein sinkender Ölpreis und ein schwacher chilenischer Peso in anderen Branchen (z.B. verarbeitendes Gewerbe) zu einem Anstieg der Ausfuhren. Hauptabnehmerland war weiterhin China (18,3 Mrd. USD), gefolgt von der EU (11,1 Mrd. USD) und den USA (9,2Mrd. USD). Die Exporte in die EU gingen 2014 zum dritten Mal in Folge zurück (2012:-17,2%, 2013: -5,9%, 2014: -2,34%), jedoch nicht so stark wie jene in die USA (-9,5%) und China (-4,1%). Wichtigste Güter des Handelsaustausches mit der EU sind Kupfer und Zellulose.

Die chilenischen Importe brachen 2014 um 8,7% kräftig ein, nachdem sie im Vorjahr erstmals zurückgegangen waren (-1,2%). Hauptherkunftsland der Importe blieben 2013 die USA mit knapp  13,5 Mrd. USD, immer dichter gefolgt von China mit 13,1 Mrd. USD und der EU mit 9,8 Mrd. USD.

Im Handelsaustausch mit Deutschland ist 2014, nach der Erholung 2013, wieder ein leichter Rückgang der Exporte zu verzeichnen (-2,9% auf 981 Mio. USD). Noch stärker rückläufig waren 2014 die chilenischen Importe aus Deutschland um -18,5% auf 2,6 Mrd. USD. Spitzenplätze bei den deutschen Ausfuhren nach Chile nahmen weiterhin Luftfahrzeuge, Pkw, Lkw, Geräte zur Elektrizitätserzeugung sowie Bergbau-, Bau- und Baustoffmaschinen ein. Bei den chilenischen Exportprodukten dominierten weiterhin Kupfer und Kupfererze sowie Frischobst, Zellulose und Wein.


Umwelt, Energie, Klima

In der Umweltpolitik hat Chile sich in den letzten Jahren nicht nur national sondern auch international ehrgeizige Ziele gesetzt. Der Andenstaat trägt zwar nur 0,3% zum weltweiten Ausstoß von Treibhausgas-Emissionen bei, doch liegen die CO2-Emissionen pro Kopf mit 4,35 Tonnen über dem Weltdurchschnitt, aufgrund des hohen Energieverbrauchs  mit steigender Tendenz. Chile engagiert sich unter anderem im multilateralen informellen Cartagena-Dialog zusammen mit anderen Staaten, die wie der Andenstaat das gemeinsame Ziel eines Rechtsabkommens zum Klimaschutz verfolgen. Bei der Erstellung und Umsetzung nationaler Minderungsmaßnahmen (NAMAs) strebt Chile international eine Vorreiterrolle an. Ende 2012 hat Chile die erste NAMA bei den Vereinten Nationen registriert. Die Regierung hat sich zudem freiwillig zu einer Reduktion ihrer Emissionen um 20% bis 2020 verpflichtet.

Regelungen und Institutionen zur internen Umsetzung einer ressourcenschonenden Politik sind derzeit in der Entwicklung. 2013 wurden drei Umweltgerichte eröffnet, die die seit 2010 existierende Umweltaufsichtsbehörde mit einer spezialisierten Rechtsprechung ergänzen sollen. 2013 hat die Regierung zudem diverse Änderungen vorgenommen, um das Umweltgenehmigungsverfahren zu beschleunigen und planbarer zu gestalten.

Die Energiepolitik wird zu einer immer größeren Herausforderung in Chile. Anfang 2012 verabschiedete Chile eine Energiestrategie für die nächsten 20 Jahre, die vor allem auf den Ausbau erneuerbarer Energien und Energieeffizienzmaßnahmen setzt. Chiles Hauptenergiequellen sind neben Wasserkraft (rund 30-40%) thermische Kraftwerke (rund 60-70%), wobei sich der Anteil an Kohle aufgrund der anhaltenden Trockenheit auf inzwischen 33% erhöht hat. Mangels großer Mengen eigener Vorkommen ist Chile auf die Einfuhr fossiler Brennstoffe angewiesen.

Der Anteil erneuerbarer Energien nimmt trotz ihrer angekündigten Stärkung und der optimalen geografischen Bedingungen nur langsam zu. 2014 erreichten sie 5% des Energiemixes, die Mehrzahl Kleinwasserkraft, daneben Windkraft und Biomasse. Sonnenenergiegewinnung gewinnt erst in jüngster Zeit an Dynamik. Geothermie steckt noch in der Explorationsphase.

In Chile gibt es bisher keine systematische staatliche Förderung erneuerbarer Energien. Stromunternehmen sind seit 2010 verpflichtet, jährlich 5% des gehandelten Stroms aus nicht-konventionellen erneuerbaren Energien zu beziehen. Dies soll nach einem 2013 verabschiedeten Gesetz bis 2025 schrittweise auf 20% hochgefahren werden. Seit August 2010 besteht zudem die Möglichkeit der Steuerbefreiung für die Installation von Solarkollektoren in neuen Wohngebäuden. Mit der Förderung eines Leuchtturmprojekts im Bereich Concentrated Solar Power (CSP) will Chile nicht nur die Bergbauindustrie von Sonnenenergie überzeugen, sondern auch zu einem Vorreiterland in diesem Bereich werden. Im Norden des Landes entsteht die erste kommerzielle CSP-Anlage (Concentrated Solar Power) in Lateinamerika. Neben einem Zuschuss der chilenischen Regierung in Höhe von 20 Mio. USD stehen dafür weitere internationale Gelder in Höhe von rund 300 Mio. EUR zur Verfügung. Mit Hilfe des Solarexzellenzzentrums von Fraunhofer in Chile erhofft sich die chilenische Regierung zudem Forschung und Industrie im Solarbereich voranzutreiben.


Aktuelle Wirtschaftsentwicklung und konjunkturelle Lage

Nach Jahren des Wachstums mit Raten von über  5% verlangsamte sich die Entwicklung 2013 auf 4,3%, 2014 nahm die Wirtschaftskraft nur noch um 1,9% zu. 2015 wird ein Wachstum von 2-2,5% erwartet. Allerdings macht der offenen, exportorientierten und stark auf Bergbau ausgerichteten Wirtschaft (1/3 des BIP) der sinkende Kupferpreis und die nachlassende Nachfrage aus China erheblich zu schaffen. Der Preis des chilenischen Hauptexportprodukts Kupfer ist historisch niedrig, eine Trendwende ist nicht absehbar. Um die sinkende Binnennachfrage anzukurbeln, hat die Zentralbank seit 2013 mehrfach den Leitzins von knapp 5% auf 3,75% (Durchschnitt 2014) gesenkt, seit November 2014 sogar auf 3%. Die Inflationsrate schätzt die Zentralbank für 2015 auf 3,4 - 4,6%.

Entscheidend für die weitere konjunkturelle Lage wird neben dem Wachstum Chinas und den Rohstoffpreisen vor allem auch die Zurückgewinnung des Vertrauens der Investoren sein. Langfristig wird es darauf ankommen, dass Chile gegenüber anderen rohstoffexportierenden Ländern seine Wettbewerbsfähigkeit durch entsprechende Produktivitätssteigerungen, Innovationen, wertschöpfende Prozesse und geringere Energiepreise halten bzw. steigern und gleichzeitig seine Wirtschaft diversifizieren kann.


Seite teilen:

Einreise & Aufenthalt

Auswärtiges Amt

Reise & Sicherheit

Außen- und Europapolitik

Ausbildung & Karriere