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Chile

Wirtschaft

Stand: April 2014

Die Wirtschaft Chiles

Seit dem 19. Jahrhundert profitiert Chile von seinen Rohstoffen. Zunächst beherrschte der Salpeterabbau die wirtschaftlichen Aktivitäten. Doch längst sind der Abbau von Kupfer sowie weiterer Rohstoffe zur treibenden Kraft der wirtschaftlichen Entwicklung geworden. Seit Ende der 1970er Jahre ist die chilenische Wirtschaft konsequent privatwirtschaftlich und wettbewerbsorientiert organisiert und auf den Weltmarkt ausgerichtet. Seit Mai 2010 ist Chile nach Mexiko das zweite OECD-Land in Lateinamerika. 2013 lag der Andenstaat mit einem Pro-Kopf-Einkommen zu Kaufkraftparität laut IWF von rund 19.000 USD an der Spitze in Lateinamerika und weltweit an 37. Stelle. Dies wird sich mit der 2014 korrigierten Bevölkerungszahl von 16,3 Mio nochmals auf ein Pro-Kopf-Einkommen von rund 20.500 USD erhöhen. Chile ist Mitglied wichtiger internationaler Wirtschaftsorganisationen wie WTO, IWF und Weltbank.

Nach der globalen Finanzkrise und dem schweren Erdbeben vom 27. Februar 2010 mit materiellen Schäden von rund 30 Mrd. USD ist Chile mit einem durchschnittlichen Wachstum von 5,4 % in den letzten drei Jahren wieder auf einem stabilen Wachstumskurs. Das internationale Krisenszenario hat Chile vor allem aufgrund stabiler Staatsfinanzen bisher nur am Rande berührt. Allerdings macht der offenen, exportorientierten und stark auf Bergbau ausgerichteten Wirtschaft (1/3 des BIP) der 2013 gesunkene Kupferpreis erheblich zu schaffen. Nach den überdurchschnittlichen Wachstumsraten von 6,3 Prozent 2011 und 5,6 Prozent 2012 werden für 2013 nur noch  4 bis 4,4 % erwartet. Auch die Aussichten für 2014 wurden inzwischen wegen der schlechten Wirtschaftsdaten Ende 2013 (Dez 2,6 % Wachstum)  auf durchschnittlich 3,8 % reduziert.

Für Beunruhigung sorgt das steigende Leistungsbilanz­defizit, das 2013 3,2% des BIP erreichte und 2014 weiter auf 3,7 % steigen soll. Experten warnen bereits davor, dass die chilenische Wirtschaft nicht dauerhaft das bereits seit 2010 höhere Wachstum der Binnennachfrage als des BIP ohne Schaden verkraften wird. Bisher beruhigen Regierung und Zentralbank aber damit, dass sich das Defizit vor allem aus (ausländischen) Investitionen in Chile nährt, und dass Chile durch die im Übrigen soliden Staatsfinanzen und immer noch hohen Währungsreserven im Ausland für eine eventuelle Verschlechterung des internationalen Umfelds gut gerüstet ist.

Der Staatshaushalt blieb 2013 mit einem Defizit von 0,6  % des BIP unter der Fiskalregel von 1%.. Die Auslandsverschuldung bleibt mit ca. 12,9 % des BIP 2013 sehr gering, die Liquidität mit Devisenreserven im Ausland i.H.v. 41,1 Mrd. USD und Staatsfonds i.H.v.  rund 22 Mrd. USD traditionell hoch. .Die Kreditwürdigkeit der chilenischen Staatsanleihen gilt als die beste Lateinamerikas. Innerhalb von drei Jahren wurde sie von unterschiedlichen Rating-Agenturen drei Mal aufgewertet, zuletzt Ende 2012 durch Standard&Poors von A+ auf AA-. Damit befindet sich Chile in Gesellschaft mit Industriestaaten wie Japan und weitet seinen Abstand zu seinen lateinamerikanischen Nachbarn aus. Auch mit Blick auf eine rigorosere Geldpolitik der USA und Devisenschwankungen sehen Experten Chile weiterhin als ein Schwellenland an, das aufgrund seiner institutionellen und makroökonomischen Stabilität sowie seiner hohen Liquidität gut für externe Schocks gerüstet ist.  

Im Hinblick auf Lebenserwartung und Lebensstandard gehört Chile zu den am weitesten entwickelten Schwellenländern. Laut dem Index der menschlichen Entwicklung (Human Development Index = HDI) des UNDP erreichte Chile 2013 den besten Rang (40) der Region und konnte erstmals mit Portugal sogar ein entwickeltes Land überholen. Der Anteil der Armen sank seit 1990 um mehr als die Hälfte, derjenige der absolut Armen um 2/3. Die Einkommens­unterschiede sind dennoch weiterhin markant: Der Gini-Koeffizient liegt bei 0,53 und damit deutlich entfernt vom OECD-Durchschnitt (0,31). Das oberste Einkommenszehntel verdient im Durchschnitt 30 Mal so viel wie das unterste Einkommenszehntel. Die Arbeitslosigkeit, die 2010 noch bei durchschnittlich 8,7% lag, sinkt kontinuierlich, 2013 bereits auf unter 6 %. Jedoch bleibt die Zahl derer, die nicht hinreichend verdienen oder drohen, in die Armut abzurutschen, weiterhin groß.


Struktur der Wirtschaft

Der chilenische Binnenmarkt zählt mit rund 16,3 Mio. Einwohnern zu den kleineren Märkten der Welt. Klassische Industrieproduktion (Maschinenbau, Fahrzeugbau, Schiffbau, usw.) hat nachrangige Bedeutung. Auch wenn die chilenische Wirtschaft über viele kleine und mittlere Unternehmen verfügt, dominieren in vielen Bereichen Oligopole von wenigen einflussreichen Unternehmen. Wertschöpfung erfolgt vor allem im Dienstleistungssektor.

Hauptwirtschaftssektor ist der Bergbau. Er trägt zu einem Drittel zu den Staatseinnahmen bei. Chile verfügt über die weltweit größten Kupferreserven (ca. 36 Prozent) und ist der größte Kupferproduzent der Welt. Auch bei dem an Bedeutung gewinnenden Rohstoff Lithium (und anderen wichtigen Bodenschätzen liegt es an vorderer Stelle. Insgesamt nimmt der Andenstaat weltweit bei etlichen mineralischen Rohstoffe eine führende Stellung ein: Kupfer: 34 Prozent, Jod: 53 Prozent, Lithium: 41 Prozent, Rhenium: 44 Prozent, Molybdän: 15 Prozent. In der Atacamawüste lagern ferner Salzvorkommen, die für mehrere Jahrtausende reichen. Das dort abgebaute Salz ist – wie das Kupfer – ein weiteres wichtiges Exportprodukt Chiles. Zu den gestiegenen Ausfuhren trugen in den letzten Jahren auch die Land-, Fisch- und Forstwirtschaft mit einer breiten Palette an Produkten (Obst, Beeren und insbesondere Wein, Zellulose, Zuchtlachs) bei. Nach der Kupferindustrie ist die Nahrungsmittelindustrie der zweitwichtigste Exportsektor.

Der Tourismus gewinnt weiter an Bedeutung. Die Zielgruppe ist vielfältig: Sie reicht von Rucksacktouristen bis zu Kreuzfahrtreisenden. Als weitere Wachstumsmärkte sind besonders der Bergbau- und Energiesektor (mehr als 70 % der Investitionen) zu nennen, daneben Infrastruktur, Wasserwirtschaft, Nahrungsmittelindustrie und Agroindustrie. Auch der Finanz- und Versicherungssektor sind auf stetigem Wachstumskurs. Die starke Abhängigkeit von der weltweiten Nachfrage nach Rohstoffen bleibt aber eine Achillesferse für die weitere Entwicklung. Immer größere Herausforderung für die Wettbewerbsfähigkeit der chilenischen Wirtschaft wird zudem die Stromversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen und der Mangel an qualifizierten Fachkräften.


Außenwirtschaft

Chile ist ein extrem auf Außenhandel ausgerichtetes Land und hat mehr Freihandelsabkommen abgeschlossen als jedes andere Land der Welt: Inzwischen 23 Verträge, die 61 Länder einbeziehen, zuletzt mit Vietnam. Mit dem Trans Pacific Partnership und der 2012 gegründeten Pazifikallianz erhofft man sich zudem weitere Erleichterungen für den grenzüberschreitenden Warenverkehr.

Das Außenhandelsvolumen belief sich 2013 auf 153,4 Mrd. USD mit einem weiterhin abnehmenden Handelsbilanzüberschuss von 2,4 Mrd. USD (-30 %).Haupthandelspartner blieb 2013 China mit einem Handelsvolumen von rund 34 Mrd. USD, gefolgt von den USA mit knapp 26 Mrd. und der EU mit rund 22 Mrd. Deutschland blieb 2013 der wichtigste Handelspartner Chiles innerhalb der Europäischen Union.Auch 2013 musste Chile einen leichten Exportrückgang (1,2 %; 2012 -3,2 %) hinnehmen, der vor allem dem gesunkenen Kupferpreis geschuldet ist. Mit Blick auf eine leichte Verbesserung des internationalen Marktes rechnet die Zentralbank für 2014 aber mit einem erneuten Anstieg um 3,1 %. . Hauptabnehmerland war weiterhin China (19,22 Mrd. USD), gefolgt von der EU (11,28 Mrd. USD) und den USA (9,76 Mrd. USD), wobei  die Ausfuhren in die EU 2012 weiterhin – wenn auch deutlich weniger – rückläufig waren (-5,8 %) und jene in die USA (+1,8%) und China (+5,5 %) wieder ansteigend. Wichtigste Güter des Handelsaustauschs mit der EU sind Kupfer und Zellulose.

Die chilenischen Importe verloren mit nur noch 0,2 % Steigerung weiter an Dynamik  (+5,8%  2012 und 25,9 % 2011 . Haupt­herkunftsland der Einfuhren blieben auch 2013 die USA (16  Mrd. USD), allerdings inzwischen deutlich dichter gefolgt von China (15,7 Mrd. USD) und der EU (13,2 Mrd. USD).

Im Handelsaustausch mit Deutschland ist 2013 wieder ein leichter Rückgang (-9%) der Exporte nach Deutschland zu verzeichnen (auf 2,1 Mrd USD) . Gleichzeitig stiegen die chilenischen Importe aus Deutschland  wieder deutlich um 12% auf 3,7 Mrd. USD.[1] Spitzenplätze bei den deutschen Ausfuhren nach Chile nahmen weiterhin Luftfahrzeuge, Pkw, Lkw, Geräte zur Elektrizitätserzeugung sowie Bergbau-, Bau- und Baustoffmaschinen ein. Bei den chilenischen Exportprodukten dominierten weiterhin Kupfer und Kupfererze sowie Frischobst, Zellulose und Wein.


Umwelt-, Energie- und Klimapolitik

In der Umweltpolitik hat Chile in den letzten Jahren nicht nur national sondern auch international eine ehrgeizige Position an den Tag gelegt. Der Andenstaat trägt zwar nur 0,3% zum weltweiten Ausstoß von Treibhausgas-Emissionen bei, doch liegen die CO2-Emissionen pro Kopf mit 4,35 Tonnen über dem Weltdurchschnitt, aufgrund des steigenden Energieverbrauchs  mit steigender Tendenz. Chile engagiert sich unter anderem im multilateralen informellen Cartagena-Dialog zusammen mit anderen Staaten, die wie der Andenstaat das gemeinsame Ziel eines Rechtsabkommens zum Klimaschutz verfolgen. Bei der Erstellung und Umsetzung nationaler Minderungsmaßnahmen (NAMAs) strebt Chile international eine Vorreiterrolle an. Ende 2012 hat Chile die erste NAMA bei den Vereinten Nationen registriert, inzwischen sind es 10. Die Regierung hat sich zudem freiwillig zu einer Reduktion von 20% ihrer „business-as-usual“-Emissionen bis 2020 verpflichtet.

Regelungen und Institutionen zur internen Umsetzung einer ressourcenschonenden Politik sind derzeit in der Entwicklung. 2013 wurden drei Umweltgerichte eröffnet, die die seit 2010 existierende Umweltaufsichtsbehörde mit einer spezialisierten Rechtsprechung ergänzen sollen. 2013 hat die Regierung zudem diverse Änderungen vorgenommen, um das Umweltgenehmigungsverfahren zu beschleunigen und planbarer zu gestalten.  .

Die Energiepolitik wird zu einer immer größeren Herausforderung in Chile. Anfang 2012 verabschiedete Chile eine Energiestrategie für die nächsten 20 Jahre, die vor allem auf den Ausbau erneuerbarer Energien und Energieeffizienzmaßnahmen setzt.  Chiles Hauptenergiequelle sind neben Wasserkraft (rund 30-40 %) thermische Kraftwerke (rund 70 %), wobei sich der Anteil an Kohle aufgrund der anhaltenden Trockenheit auf inzwischen 33 % erhöht hat. Mangels großer Mengen eigener Vorkommen ist Chile auf die Einfuhr fossiler Brennstoffe angewiesen..

Der Anteil erneuerbarer Energien nimmt trotz ihrer angekündigten Stärkung und der optimalen geografischen Bedingungen nur langsam zu. 2013 erreichten sie 5% des Energiemixes, die Mehrzahl Kleinwasserkraft, daneben Eolik und Biomasse. Solarkraft gewinnt erst in jüngster Zeit an Dynamik. Geothermie steckt noch in der Explorationsphase.

In Chile gibt es bisher keine systematische staatliche Förderung erneuerbarer Energien. Stromunternehmen sind seit 2010 verpflichtet, jährlich 5% des gehandelten Stroms aus nicht-konventionellen erneuerbaren Energien zu beziehen. Dies soll nach einem 2013 verabschiedeten Gesetz bis 2025 schrittweise auf 20% hochgefahren werden. Seit August 2010 besteht zudem die Möglichkeit der Steuerbefreiung für die Installation von Solarkollektoren in neuen Wohngebäuden. Ein Gesetz zum Netmetering soll noch im ersten Quartal 2014 in Kraft treten und die Eigenproduktion weiter ankurbeln. Mit der Förderung eines Leuchtturmprojekts im Bereich Concentrated Solar Power (CSP) will Chile nicht nur die Bergbauindustrie von Solarkraft überzeugen, sondern auch zu einem Vorreiterland im Bereich der Solarenergie werden.  Ab 2015  soll im Norden des Landes die erste kommerzielle CSP-Anlage (Concentrated Solar Power) der gesamten Region entstehen. Neben einem Zuschuss der chilenischen Regierung i.H.v. 20 Mio. USD stehen dafür weitere internationale Gelder i.H.v. rund 300 Mio. EUR zur Verfügung (u.a. KfW 100 Mio EUR und TZ 8 Mio). Von der Ende 2013 bekannt gegebenen Förderung eines Solarexzellenzzentrums von Fraunhofer Solar in Chile erhofft sich die chilenische Regierung zudem Forschung und Industrie im Solarbereich voranzutreiben.


Aktuelle Wirtschaftsentwicklung / Konjunkturelle Lage

Nach einem realen Wachstum von 6,0 Prozent im Jahr 2011 und 5,6 Prozent in 2012 werden für 2013 nur noch 4 bis 4,4 % erwartet. Die Prognosen für 2014 hat die Zentralbank nach einem deutlichen Einbruch im Dezember 2013 (2,6 %) nochmals nach unten auf 3,8 % korrigiert. Um die sinkende Binnennachfrage anzukurbeln und die Inflation beim Zielwert von rund 3% zu halten, hat die Zentralbank in den letzten Monaten bereits mehrfach den Leitzins von 5 % auf inzwischen 4,25 % reduziert und weitere Reduzierungen angekündigt.

Mittelfristig sagen Experten für Chile aber ein mit rund 4 % stabiles Wachstum voraus. Bereits für das zweite Quartal 2014 wird ein erneuter Anstieg des Wachstums erwartet.   Damit wird Chile laut Experten hinter Peru und Kolumbien erneut zur Gruppe der Volkswirtschaften Lateinamerikas mit dem größten Wachstum gehören. Entscheidend für die weitere konjunkturelle Lage wird neben  der Entwicklung bei den Haupthandelspartnern und auf dem Rohstoffmarkt vor allem auch die Zurückgewinnung des Vertrauens der Investoren sein. Hier sind die Lösung der Energieproblematik, klare Hinweise zu den tatsächlich zu erwartenden Reformen unter der Regierung Bachelet sowie das Vertrauen der Investoren in die Stabilität der chilenischen Wirtschafts- und Finanzpolitik entscheidend. Langfristig wird es darauf ankommen, dass Chile gegenüber anderen rohstoff­exportierenden Ländern seine Wettbewerbsfähigkeit durch entsprechende Produktivitätssteigerungen, Innovationen, wertschöpfende Prozesse und geringere Energiepreise halten bzw. steigern und gleichzeitig seine Wirtschaft diversifizieren kann.

[1] Da die chilen. Zollbehörden grds. eine andere Berechnungsgrundlage nehmen, ergeben sich allg. geringere Zahlen als jene des GTAI. Zum Vergleich wurden deshalb auch die geringeren 2012er Zahlen des chilen. Zolls herangezogen.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.