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Deutschlandexperten aus 23 Außenministerien zu Gast in Berlin: Internationaler Diplomatenlehrgang 2011

„Um die Globalisierung mit zu gestalten, sind wir auf verlässliche Partner angewiesen. Denn anders als durch eine globale Verständigung, durch gemeinsame Ideen für gemeinsame Lösungen können wir globale Fragen nicht beantworten.“ Mit diesen Worten verabschiedete Harald Braun, Leiter der Zentralabteilung des Auswärtigen Amts, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 34. Internationalen Diplomatenlehrgangs am 18. Mai bei ihrer Abschiedsveranstaltung im Auswärtigen Amt. 

Die fließend Deutsch sprechenden jungen Diplomatinnen und Diplomaten aus 23 verschiedenen Ländern waren im Rahmen des zehnwöchigen Lehrgangs von Anfang März bis Mitte Mai in Berlin zu Gast. Im Jahr 1992 hatte der damalige Außenminister Hans Dietrich Genscher den Internationalen Diplomatenlehrgang vornehmlich für junge Diplomatinnen und Diplomaten aus Mittel- und Osteuropa ins Leben gerufen. Dieses Jahr war er erstmals nicht regional beschränkt, sondern umfasste neben Deutschlands europäischen Nachbarländern Länder aus Asien (China, Japan), Afrika (Namibia) und Lateinamerika (Mexiko, Chile, Brasilien). 

Deutschlandexperten für kooperative Außenpolitik

Das hatte auch Einfluss auf die Gestaltung der Kurse, die sich neben EU-Themen auch verstärkt globalen Fragen gewidmet haben. Die Leiterin der Akademie Auswärtiger Dienst Jutta Wolke nannte die ausländischen Jungdiplomaten bei der feierlichen Abschlussveranstaltung die„Deutschlandexperten“ ihrer Außenministerien, die gemeinsam mit deutschen Diplomaten „zu einer kooperativen Außenpolitik, die auf Dialog, Frieden und Menschenrechten aufbaut“, beitragen können.

MD Prof. Braun übergibt Abschlussurkunde an Christina Tudor vom rumänischen Außenministerium

MD Prof. Braun übergibt Abschlussurkunde an Christina Tudor vom rumänischen Außenministerium
© Dirk Enters

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MD Prof. Braun übergibt Abschlussurkunde an Christina Tudor vom rumänischen Außenministerium

MD Prof. Braun übergibt Abschlussurkunde an Christina Tudor vom rumänischen Außenministerium

MD Prof. Braun übergibt Abschlussurkunde an Christina Tudor vom rumänischen Außenministerium

Das Programm umfasste drei Phasen:

Zunächst gaben Hochschulprofessoren verschiedener Universitäten (u.a. Göttingen, Bochum, Erlangen, FU Berlin, Viadrina) einen Überblick über unterschiedliche globale Themen.

Dann folgten Diskussionsrunden mit Kolleginnen und Kollegen aus nahezu allen Abteilungen des Auswärtigen Amts statt, wobei der Meinungsaustausch zwischen deutschen und ausländischen Berufskollegen im Mittelpunkt stand. Jeder Teilnehmer hielt einen Vortrag über sein jeweiliges Land; die entsprechenden Länderreferenten aus dem Auswärtigen Land wurden dazu geladen, so dass beide Seiten Neues erfahren konnten.

Schließlich wurde es besonders anschaulich. Zum Thema Klimaveränderung etwa diskutierten die Gäste mit dem bekannten Klimaforscher Mojib Latif in Kiel. Außerdem hatten sie die Gelegenheit, zahlreiche Institutionen zu besuchen und mit den dortigen Mitarbeitern zu sprechen. Zum Beispiel wurden Einrichtungen der Vereinten Nationen in Wien besucht sowie die EU-Kommission und Nato in Brüssel. Außerdem besuchte die Gruppe den Deutschen Industrie- und Handelstag, das BMW-Werk in Leipzig und die deutsche Hochtechnologiefirma Dräger in Lübeck.

Besuche bei Medien und Ländervertretungen

Um unterschiedlichen Standpunkten gerecht zu werden, fanden Gespräche mit Abgeordneten aller Parteien im Bundestag und Bundesrat, mit Wissenschaftlern und Journalisten statt. In einer Diskussion mit der außenpolitischen Redaktion des „Spiegel“ kritisierten einige junge Berufskollegen die ihrer Ansicht nach zu einseitige Berichterstattung des Nachrichtenmagazins zu ihren Ländern. 

Bemerkenswert ist das Engagement der Landesregierungen: Nachdem der Kurs in den vergangenen Jahren nach Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg gefahren war, besuchte der diesjährige Lehrgang den Norden. Die Senatskanzlei Hamburg lud zu einem Empfang mit dem konsularischen Corps. In Kiel informierte die Staatssekretärin im Kultusministerium ausführlich über die Lage der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein, ein Thema, das die Berufskollegen aus den Ländern Mittel- und Osteuropas mit zahlreichen Minderheiten besonders interessierte.

Abschied mit einem Koffer in Berlin

Abschiedsrede von Patricia von Wartenberg Salgado aus Mexiko

Abschiedsrede von Patricia von Wartenberg Salgado aus Mexiko
© Dirk Enters

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Abschiedsrede von Patricia von Wartenberg Salgado aus Mexiko

Abschiedsrede von Patricia von Wartenberg Salgado aus Mexiko

Abschiedsrede von Patricia von Wartenberg Salgado aus Mexiko

Die Dankesrede des Lehrgangs, die gemeinsam von der mexikanischen Teilnehmerin Patricia Gabriela von Wartenberg Salgado und dem kroatischen Teilnehmer Sebastian Rogač gehalten wurde, ließ keinen Zweifel daran, dass die jungen Diplomatinnen und Diplomaten ihre Zeit in Berlin nicht nur in bester Erinnerung halten werden, sondern auch die gewonnenen Eindrücke, die neuen Perspektiven und Kontakte im Sinne einer kooperativen und partnerschaftlichen Außenpolitik nutzen werden. Ihr Resumee beendeten die ausländischen Berufskollegen mit einem Verweis auf Marlene Dietrich, denn von nun an hätten auch sie “noch einen Koffer in Berlin”.


Stand 25.05.2011