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Wirtschaftspolitik
Stand: März 2013
Wirtschaftslage, Wirtschaftsstruktur
Die früher von Schwerindustrie und Landwirtschaft geprägte Wirtschaftsstruktur Luxemburgs hat sich seit Beginn der 70er Jahre tiefgreifend gewandelt. Vor dem absehbaren Rückgang der Bedeutung der Schwerindustrie hat die Luxemburger Regierung seit 1975 bewusst und konsequent eine Diversifizierungspolitik betrieben, neue Industrien angesiedelt und vor allem mit großem Erfolg den Banken- und Versicherungssektor entwickelt. Auch die Logistikindustrie spielt eine zunehmend wichtige Rolle. Zurzeit gelten die Bemühungen der Regierung vor allem der Ansiedlung eines High-Tech-Sektors und dem Ausbau der landeseigenen Forschung.
Die Wirtschafts- und Finanzkrise führte zu einer Vielzahl von Unternehmenskonkursen. Im Jahr 2011 wurden 961 Insolvenzen gemeldet, 2012 stieg die Zahl auf 1.033.
Das durchschnittliche jährliche BIP-Wachstum betrug 2010 2,7 Prozent. 2011 gab es ein Wachstum von 1,6 Prozent, 2012 ein Minus von 0,1 Prozent.
Die Inflationsrate lag 2012 bei 2,7 Prozent. Die Arbeitslosenquote betrug im Dezember 2012 6,4 Prozent. Luxemburg zählt weiterhin zu den Ländern mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt - 2011 betrug das BIP pro Kopf 82.700 Euro. Für die angrenzenden Regionen ist das Großherzogtum ein wichtiger Arbeitgeber. Täglich strömen rund 200.000 Grenzgänger in das Land.
Luxemburg verfügt nur über wenige Rohstoffe (Schiefer, Kalk, Sand und Kies). Erdöl, Erdgas und Kohle sowie elektrische Energie müssen zu 98 Prozent importiert werden. Zurzeit bemüht sich das Land darum, den Anteil an erneuerbaren Energien zu steigern.
Die wichtigsten Wirtschaftszweige
Dienstleistungen tragen zu 69,4 Prozent zur Bruttowertschöpfung im Großherzogtum bei: Die größte Gruppe in diesem Bereich ist das Finanzwesen, das mit 26,6 Prozent noch vor dem Sektor Handel, Gastgewerbe und Transport liegt, der auf 19,8 Prozent kommt.
Finanzplatz Luxemburg
Herzstück des luxemburgischen Wirtschaftsgefüges ist der Finanzsektor. Die Finanzkrise hatte deshalb für Luxemburg eine besondere Bedeutung. Der luxemburgische Staat hat sich an der Rettungsaktion für die Finanzinstitute Dexia und Fortis beteiligt. Die Luxemburger Fondsindustrie hat die wirtschaftlichen Turbulenzen der Finanzkrise bislang relativ gut überstanden.
Finanzdienstleistungen und unternehmensbezogene Dienstleistungen generieren heute knapp die Hälfte der luxemburgischen Bruttowertschöpfung. Im Finanzsektor arbeiten 40 Prozent der Beschäftigten.
Bergbau und verarbeitende Industrie
Die Schwerindustrie hat kontinuierlich an Bedeutung verloren. Hauptarbeitgeber war lange Zeit der Stahlkonzern ARBED, 2002 mit den Stahlfirmen USINOR (F) und ACERALIA (SP) zur ARCELOR vereinigt, die wiederum 2006 mit dem britisch-indischen Stahlgiganten Mittal zum größten Stahlkonzern der Welt, ARCELOR Mittal, fusioniert ist. Hinzugekommen sind weitere Industrien wie Logistik, Chemie, besonders Autoreifen (Goodyear) und andere Kautschukerzeugnisse sowie Kunststoffe und Kunstfasern, Maschinen- und Fahrzeugbau, keramische Industrie, Glas, Textilerzeugung und Lebensmittelproduktion. Der Anteil der Industrie an der Bruttowertschöpfung betrug im Jahr 2011 insgesamt noch 6,9 Prozent (neuere Zahlen liegen noch nicht vor).
Baugewerbe
Mit 5,6 Prozent Anteil an der Bruttowertschöpfung ist das Baugewerbe nur viertwichtigster Wirtschaftszweig. Es profitiert von der Ansiedlung neuer Industrien, Banken und Versicherungen sowie staatlichen Bauvorhaben zur Verbesserung der Infrastruktur.
Landwirtschaft
Die Bedeutung der Landwirtschaft (Anteil an der Bruttowertschöpfung: 2009 nur noch 0,3 Prozent) ist im Vergleich mit anderen europäischen Ländern gering. Die Zahl der auf dem Lande lebenden Bevölkerung nimmt wie die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe kontinuierlich ab. Dafür steigt die durchschnittliche Betriebsgröße. Für den Weinbau werden gerade 1,0 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche genutzt. Die Erntemenge im langjährigen Vergleich schwankt beträchtlich, im Durchschnitt wurde in den vergangenen 10 Jahren eine Produktionsmenge von 136.000 Hektoliter Wein erzielt.
Außenhandel
Luxemburg hat 2011 in seiner Leistungsbilanz erzielt und einen Überschuss von über 2,25 Milliarden Euro erreicht, vor allem dank der Aktivitäten des Finanzsektors. (Handelsbilanzsaldo: minus 5,6 Milliarden Euro) Die wichtigsten Ausfuhrgüter des Landes nach den Finanzdienstleistungen sind Metalle und Metallerzeugnisse, Maschinen und Geräte, Kunststoff- und Gummierzeugnisse, Transportmaterial, Erzeugnisse aus Stein, Glas, Keramik und chemische Erzeugnisse.
Wichtigste Einfuhrgüter sind Maschinen und Apparate, Erzeugnisse der Eisen- und Stahlindustrie, Transportmaterial, Mineralstoffe einschl. Mineralölprodukten, chemische Erzeugnisse, Textilerzeugnisse und Bekleidung, Kunststoff- und Gummierzeugnisse.
Luxemburgs Handel konzentriert sich immer noch weitgehend auf die Nachbarländer Deutschland, Frankreich und Belgien.
Staatshaushalt
Luxemburg ist mit einem Verschuldungsgrad von ca.18,2 Prozent einer der am wenigsten verschuldeten EU-Mitgliedstaaten. Der öffentliche Haushalt schloss im Jahr 2012 mit einem Defizit von 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro. Damit liegt Luxemburg als einer von wenigen Euroländern im Rahmen der Maastricht-Kriterien. Der durch Finanzminister Luc Frieden eingereichte Haushaltsplan für das Jahr 2013 wurde erst nach langwierigen Verhandlungen verabschiedet. Die Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, eine weitere Konsolidierung des Haushalts bis 2014 zu erreichen.
Verkehrsinfrastruktur
Luxemburg verfügt über ein dichtes Netz von Nationalstraßen von 2.899 Kilometer Länge (2010), davon 152 Kilometer Autobahn. Im Schienenverkehr beträgt die Streckenlänge 275 Kilometer. Seit Juni 2007 ist Luxemburg an das TGV-Netz angeschlossen.
Nach Verabschiedung eines Gesetzes über die Errichtung eines luxemburgischen Schiffsregisters im November 1990, das als belgisches Zweitregister zählt, fahren circa 200 Seeschiffe und einige Moseldampfer unter der Flagge des Großherzogtums.
Der Internationale Verkehrsflughafen Findel bei Luxemburg verzeichnete in den letzten Jahren einen beachtlichen Verkehrszuwachs. Er gilt als fünftgrößter Frachtflughafen Europas.
Technologie und Umwelt
Luxemburg hat sich erfolgreich um die Ansiedlung von High-Tech-Unternehmen bemüht: So kam in das luxemburgische Betzdorf die Société Européenne des Satellites (SES-ASTRA-Satelliten). Forschungsintensive Unternehmen werden staatlich gefördert.
Die Umweltpolitik der luxemburgischen Regierung genießt einen hohen politischen Stellenwert und ist auf eine nachhaltige Entwicklung ausgelegt. Wegen des gewachsenen Energieverbrauchs und insbesondere aufgrund des Tanktourismus wird Luxemburg dennoch Mühe haben, die selbstübernommenen Verpflichtungen im Rahmen des Kyoto-Protokolls zu erfüllen.
Energieversorgung
Durch die Fusion der luxemburgischen Energieversorger Cegedel, Soteg und der deutschen SaarFerngas ist der neue Energieversorger Enovos mit Sitz in Luxemburg entstanden.
Der Zusammenschluss der Energieversorger ist für das Großherzogtum und die Großregion ein großer Schritt zur Sicherung der zukünftigen Energieversorgung. Im neuen Konzern (Enovos) ist der Luxemburger Staat mit 39 Prozent Hauptaktionär.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.
