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Frankreich

Wirtschaft

Stand: April 2014

Grundlagen der Wirtschaftspolitik

Frankreich, die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt, ist neben Deutschland das wichtigste Industrieland Europas. Es verfügt über eine breit aufgestellte, modern ausgerichtete Volks­wirtschaft. Der Staat bleibt mit lenkendem Einfluss in der Wirtschafts- und Industrie­politik engagiert. Das zeigt sich unter anderem bei der Unterstützung der industriellen Entwicklung und der Förderung von Innovations­anstrengungen, Forschung und Entwicklung.

Die wichtigsten Leistungsträger der französischen Wirtschaft und des Außenhandels sind die Großunternehmen des Börsenindex CAC 40, die international erfolgreich und auch für ausländische Investoren interessant sind; über 50 Prozent der CAC 40 Unternehmensanteile sind in ausländischem Besitz. Hingegen ist der KMU-Bereich im Vergleich zu Deutschland sowohl hinsichtlich der Gesamtzahl der Unternehmen als auch bezüglich der internationalen Wettbewerbsfähigkeit trotz Anstrengungen zur Stärkung dieses Bereichs weniger präsent.

Besondere Stärken der französischen Wirtschaft sind Dienstleistungen/Tourismus, daneben die Branchen Luftfahrt, Automobilbau, Energie, Landwirtschaft und Ernährung, Luxusartikel, pharmazeutische Produkte, Chemie und Elektronik.

Am 6. November 2012 stellte die Regierung ein Wirtschaftsförderungsprogramm (Pakt für mehr Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung) vor und leitete Reformen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der französischen Wirtschaft ein. Ende Mai 2013 legten Deutschland und Frankreich ihren gemeinsam ausgearbeiteten Aktionsplan „Gemeinsam für ein gestärktes Europa der Stabilität und des Wachstums“ vor. Anfang 2014 gab die französische Regierung den „Pakt für Verantwortung“ bekannt, der auf der Einnahmenseite die Abschaffung der von den Arbeitgebern entrichteten Sozialversicherungsbeiträge für Leistungen an Familien (ca. 30 Mrd Euro) vorsieht.


Aktuelle Wirtschaftslage

Die Wirtschaft überwindet nur langsam die seit 2012 anhaltende Stagnationsphase bei hoher Arbeitslosigkeit und hohem Außenhandelsdefizit. Im Jahr 2013 erreichte das Wirtschaftswachstum 0,3 Prozent. Das Haushaltsdefizit 2012 in Höhe von 4,9 Prozent wurde 2013 auf 4,3 Prozent zurückgeführt. Im Jahr 2014 soll das Defizit noch 3,6 Prozent betragen und 2015 die Drei-Prozent-Defizitgrenze unterschreiten. Im Haushalt 2014 sind Anpassungsmaßnahmen in einer Größenordnung von 18 Milliarden Euro vorgesehen. Hiervon entfallen 15 Milliarden auf Einsparungen und 3 Milliarden auf Steuererhöhungen. Die Gesamtverschuldung der öffentlichen Hand steigt trotz der diversen Konsolidierungspakete weiter an und erreichte mit 93,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts einen neuen Höchststand.

Das Außenhandelsdefizit 2013 betrug 61,2 Milliarden Euro (zum Vergleich: 2012 67,1 Milliarden Euro). Als ein wesentlicher Faktor für das Außenhandelsdefizit wird die relative Exportschwäche des Mittelstands angesehen. Die stärksten Exportbranchen sind die Hochtechnologie (Luft- und Raumfahrt), die metallverarbeitende sowie die pharmazeutische Industrie, Luxusgüter (Textilien, Accessoires, Kosmetik) und Agrarprodukte.

Deutschland war auch 2013 wichtigster bilateraler Handelspartner Frankreichs (Handelsvolumen 2013: rund 157 Milliarden Euro, 2012: rund 161 Milliarden Euro). Weitere wichtige Handelspartner Frankreichs sind die VR China, Italien, Belgien/Luxemburg, Spanien, Großbritannien und die USA.


Arbeitsmarkt und Sozialpolitik

Frankreich zählt zu den Staaten mit einem hohen Regulierungsniveau des Arbeitsmarktes und hochentwickelten Systemen der sozialen Sicherheit.

Die zahlreichen Sozialversicherungssysteme bieten (als allgemeines System oder als besondere Systeme) umfassende Leistungen für nahezu die gesamte Bevölkerung in Bezug auf Krankheit, Invalidität, Arbeitsunfälle, Alter, Mutterschaft und Familie. Dies gilt in besonderem Maße für die medizinische Versorgung und für Leistungen an Familien. Auch die Leistungen der Altersversorgung liegen zum Teil über dem Niveau vergleichbarer Staaten in Europa. Vor allem aufgrund der Haushaltslage wurden einschneidende Sparmaßnahmen vorgenommen bzw. eingeleitet, darunter die am 1. Juli 2011 in Kraft getretene umfassende Rentenreform, die sich sowohl auf Grundrenten wie Zusatzrenten erstreckt. Diese Reform umfasst im Wesentlichen die schrittweise Anhebung (bis 2018) des Renteneintrittsalters von 60 auf 62 Jahre, die Erhöhung der Mindestbeitragszeit auf 41,5 Jahre und die Anhebung der Altersgrenze für den abschlagsfreien Rentenbezug ab 2016 bis 2023 von 65 auf 67 Jahre. Langjährig Versicherte können aufgrund einer Neuregelung seit November 2012 bei Erfüllung der erforderlichen Beitragszeit ihre Rente bereits mit 60 Jahren beziehen. Zur weiteren Konsolidierung der Finanzlage der allgemeinen Rentenversicherung wurden mit dem Gesetz vom 20. Januar 2014 Beitragserhöhungen und eine schrittweise Verlängerung Mindestbeitragszeit auf 43 Jahre bis 2035 vorgesehen.

Die Arbeitslosigkeit betrug lt. Angaben des nationalen Statistik-instituts INSEE (ILO-Berechnungsmethode) im 4. Quartal 2013 10,2 Prozent (inkl. Übersee­gebiete) bzw. 9,8 Prozent (ohne Überseegebiete). Ende Februar 2014 waren im französischen Mutterland ca. 3,1 Millionen Menschen ohne Arbeit. Hauptbetroffene sind ältere Arbeitnehmer über 50 Jahre, junge Menschen unter 25 Jahren und Langzeitarbeitslose.

Wichtige Elemente der französischen Arbeitmarktregelungen sind der allgemeine Mindest­lohn SMIC (seit 1. Januar 2014: 9,53 Euro brutto pro Stunde, d.h. ein Bruttomonatslohn von 1.445,38 Euro bei einer Wochenarbeitszeit von 35 Stunden) und die 35-Stunden-Woche. Das Wiedereingliederungs­einkommen RSA (revenu de solidarité active) für Bedürftige im Falle von Langzeit­arbeitslosigkeit oder unzureichendem Erwerbseinkommen wird seit Herbst 2010 unter bestimmten Voraussetzungen auch jungen Erwerbslosen (unter 25 Jahren) gewährt. Damit sollen zusätzliche Anreize zu einer möglichst schnellen Aufnahme einer Beschäftigung geschaffen werden.

Im Rahmen des von Präsident Hollande ins Leben gerufenen neuen sozialen Dialogs wurden bei sogenannten Großen Sozialkonferenzen im Juli 2012 und im Juni 2013 von Arbeitnehmern und Arbeitgebern Reformen beschlossen. Eine der Konkretisierungen dieses Dialogs der Regierung mit den Sozialpartnern ist das Gesetz vom 14. Juni 2013, mit dem die Sozialpartnervereinbarung vom 11. Januar 2013 zur Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigungssicherung umgesetzt wurde.


Familienpolitik und Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Die demografische Entwicklung Frankreichs ist vergleichsweise günstig, wenn auch leicht rückläufig. Die Geburtenziffer liegt 2013 bei 1,99 (INSEE; 2010: 2,03). Das sind ca. 810.000 Geburten pro Jahr (INSEE: 2013)

Regelungen zum Erziehungsurlaub und ein Netz von Kinderbetreuungseinrichtungen erleichtern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Der Erziehungsurlaub in Form einer Unterbrechung oder Reduzierung der Erwerbstätigkeit beträgt ein Jahr und kann auf bis zu drei Jahre verlängert werden. Betreuungsmöglichkeiten werden für Kinder ab drei Monaten angeboten. Kleinkinder können in kommunalen Kinderkrippen, privaten Einrichtungen oder durch Tagesmütter betreut werden. 3-bis 5-jährige Kinder werden in Vorschulkindergärten (école maternelle) betreut und auf die Schule vorbereitet. In den Grundschulen und den weiterführenden Schulen gibt es ganztägig Unterricht bzw. Hausaufgaben- und Freizeitbetreuung.

Darüberhinaus werden Familien durch Geldleistungen und durch eine entsprechende steuerliche Behandlung unterstützt. Die Palette der Familienleistungen umfasst neben Leistungen für alle Familien auch einkommensabhängige Beihilfen. Das allgemeine Kindergeld wird allen Familien, allerdings erst ab dem zweiten Kind gezahlt. Einkommensabhängig sind unter anderem die Geburtsprämie, das Kleinkindergeld, Leistungen für Familien mit drei und mehr Kindern sowie Zusatzleistungen wegen Betreuungskosten. Auch durch steuerrechtliche Regelungen werden Familien, insbesondere ab drei Kindern, begünstigt.

Diese Familienpolitik wirkt sich auf die Erwerbstätigkeit von Eltern aus. So lag beispielsweise im Jahr 2010 die Erwerbstätigenquote der Mütter mit zwei Kindern bei 79 Prozent, die der Väter mit zwei Kindern bei 93 Prozent. Der Anteil der Teilzeit arbeitenden Mütter mit zwei Kindern betrug 37 Prozent, gegenüber 3 Prozent bei den Teilzeit arbeitenden Vätern mit zwei Kindern.


Agrarsektor

Agrarpolitik ist traditionell für Frankreich von großer Bedeutung und erfährt anhaltendes Interesse von Seiten der französischen Öffentlichkeit. Mit 3,5 Prozent Anteil dieses Sektors am Bruttoinlandsprodukt (67,7 Milliarden Euro für Land- und Ernährungswirtschaft), knapp 600.000 landwirtschaftlichen Betrieben und über 800.000 Beschäftigten ist die Landwirtschaft ein wichtiger Wirtschaftssektor in Frankreich.

In der EU ist die französische Landwirtschaft mit einem Produktionsanteil von 18 Prozent zwar weiterhin der größte Produzent, sie hat jedoch in den letzten Jahren Marktanteile verloren. Ein viel diskutiertes Thema ist deshalb die Wettbewerbsfähigkeit der Land- und Ernährungswirtschaft. In Abstimmung mit der Wirtschaft bereitet das Landwirtschaftsministerium Strategien für die Modernisierung und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit von Land- und Ernährungswirtschaft vor. Diese Arbeiten sollen das in Vorbereitung befindliche Zukunftsgesetz („ Loi d’avenir“) ergänzen, das den Schwerpunkt darauf setzt, Ökonomie und Ökologie in der Landwirtschaft besser zu vereinen.

Bei der Umsetzung der 2013 vereinbarten Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik stellt Frankreich die Arbeitsplatzsicherung in der Landwirtschaft und die Stärkung der Tierhaltung in den Mittelpunkt. Frankreich nutzt in hohem Maße vorhandene Spielräume zur Umverteilung von Direktzahlungen, um kleinere Betriebe zu unterstützen und um Tierhaltungsbetriebe zulasten der Ackernbaubetriebe zu fördern. Dabei schöpft es die Obergrenze für produktionsgekoppelte Direktzahlungen voll aus.

Im Zuge der fortschreitenden Liberalisierung der Agrarmärkte und volatiler Weltmarktpreise tritt Frankreich sowohl in der Gemeinsamen Agrarpolitik wie auch international für Mechanismen zur Verbesserung der der Markttransparenz und zur Absicherung gegen zu starke Preisschwankungen ein.


Verkehrswesen

Die französische Infrastruktur ist gut, in Ballungsgebieten und industriellen Zentren sehr gut. Frankreich verfügt über ein weit verzweigtes, qualitativ hervorragendes Fernstraßennetz und über ein im Vergleich mit Deutschland zwar weniger dichtes, aber neuwertigeres - zu großen Teilen privat finanziertes - Autobahnnetz.

Bei der Elektromobilität hält die Regierung an dem sehr ehrgeizigen Ziel fest, bis 2020 in Frankreich 2 Millionen E-Fahrzeuge in Betrieb zu nehmen.

Das französische Netz von Hochgeschwindig­keits-Eisenbahnen ist das größte in Europa und wird weiter ausgebaut. 2011 ging die TGV-Verbindungstrasse Rhein-Rhone (140 km) in Betrieb. Sie verkürzt die Fahrzeit Straßburg-Marseille um 1 Stunde 40 Minuten und schafft durchgehende TGV/ICE-Anschlüsse der ostfranzösischen Zentren von Marseille - Lyon - Straßburg mit Deutschland nach Köln bzw. Frankfurt/Main.


Energie und Umwelt

Ziele französischer Energiepolitik sind die sichere und preiswerte Energieversorgung, eine effizientere Energienutzung und eine Verringerung der Abhängigkeit von Energieeinfuhren. Frankreich setzt unverändert auf die Nutzung der Kernkraft, allerdings soll deren Anteil von derzeit 75 Prozent an der Stromerzeugung bis 2025 auf 50 Prozent gesenkt und durch erneuerbare Energien ausgeglichen werden. Der zukünftige Energiemix Frankreichs wird auf nationaler, regionaler und kommunaler Ebene diskutiert und soll Ende 2014 in Gesetzesform verabschiedet werden.

Der Umweltschutz genießt in Frankreich seit 2005 Verfassungsrang. Das Land ist Unterzeich­ner des Kyoto-Protokolls und setzt sich für die im EU-Rahmen festgelegte Emissions-Reduzierung ein. Die Chancen der Nutzung von erneuerbaren Energien für die Umwelt und die Schaffung von Arbeitsplätzen, auch in der Landwirtschaft, werden inzwischen allgemein erkannt. 2010 wurde das Gesetzespaket „Grenelle de l'environnement“ verabschiedet. Es beinhaltet umfangreiche Maßnahmen zur Reduzierung der Klimaerwärmung und des CO2-Ausstoßes mit den Schwerpunkten Gebäudeenergieeffizienz, Verkehr, Förderung der erneuerbaren Energien, Schutz der Biodiversität, Abfallwirtschaft sowie ökologische Regierungsführung.

Frankreich wird die VN-Klimavertragsstaatenkonferenz COP21 im Jahr 2015 in Paris ausrichten.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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