Hauptinhalt

Frankreich

Wirtschaft

Stand: Oktober 2015

Grundlagen der Wirtschaftspolitik

Frankreich, die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt, ist neben Deutschland das wichtigste Industrieland Europas. Es verfügt über eine breit aufgestellte, modern ausgerichtete Volks­wirtschaft. Der Staat bleibt mit lenkendem Einfluss in der Wirtschafts- und Industrie­politik engagiert. Das zeigt sich unter anderem bei der Unterstützung der industriellen Entwicklung und der Förderung von Innovationsanstrengungen, Forschung und Entwicklung.

Die wichtigsten Leistungsträger der französischen Wirtschaft und des Außenhandels sind die Großunternehmen des Börsenindex CAC 40, die international erfolgreich und auch für ausländische Investoren interessant sind; über 50 Prozent der CAC 40 Unternehmensanteile sind in ausländischem Besitz. Hingegen ist der KMU-Bereich im Vergleich zu Deutschland sowohl hinsichtlich der Gesamtzahl der Unternehmen als auch bezüglich der internationalen Wettbewerbsfähigkeit trotz Anstrengungen zur Stärkung dieses Bereichs weniger präsent.

Besondere Stärken der französischen Wirtschaft sind Dienstleistungen/Tourismus, daneben die Branchen Luftfahrt, Energie, Landwirtschaft und Ernährung, Luxusartikel, pharmazeutische Produkte, Chemie und Elektronik.

Zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und als Anreiz für mehr Beschäftigung sollen die Unternehmen bis 2017 durch die „Steuergutschrift für Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung“ (CICE) und den Anfang 2014 von der Regierung ins Leben gerufenen „Verantwortungs- und Solidaritätspakt“ („Pacte de Responsabilité et de Solidarité“) um bis zu 41 Mrd. EUR entlastet werden.

Im August 2015 trat zudem das „Gesetz für Wachtsum und Aktivität“ („Loi pour la croissance et l’activité“) in Kraft, das ein Maßnahmenpaket zur Öffnung, Liberalisierung und Vereinfachung der Wirtschaft enthält (z.B. Liberalisierung des Fernbusverkehrs, Ladenöffnungen an bis zu zwölf Sonntagen im Jahr, Reform der Arbeitsgerichtsverfahren).

Bis zum Ende der Legislaturperiode 2017 sollen zudem der soziale Dialog reformiert und der Vertrag über die Arbeitslosenversicherung erneuert werden.


Aktuelle Wirtschaftslage

Das Wirtschaftswachstum betrug 2014 rund 0,2%. Für 2015 erwartet die Regierung ein Wachstum von 1,0 %. Die Arbeitslosigkeit lag im September 2015 bei rund 3,55 Millionen Personen. Die Erwerbslosenquote nach ILO (International Labour Organization) betrug im II. Quartal 2015 10,0 % – bei unter 25-Jährigen rund 25 %.

Das Haushaltsdefizit 2013 in Höhe von 4,1 % des Bruttoinlandsproduktes (BIP) wurde 2014 auf 3,9 % zurückgeführt. Im Jahr 2015 soll das Defizit noch 3,8%, 2016 3,3 % des BIP betragen. D Erreichung eines Defizits von unter 3% wird für 2017 angestrebt. 2015 bis 2017 sind Einsparungen (gegen den Anstiegstrend) in Höhe von insgesamt 50 Mrd. Euro vorgesehen.

Das Außenhandelsdefizit 2014 betrug 53,8 Mrd. Euro (zum Vergleich: 2013 61,2 Mrd. Euro). Die stärksten Exportbranchen sind die Hochtechnologie (Luft- und Raumfahrt), die metallverarbeitende sowie die pharmazeutische Industrie, Luxusgüter (Textilien, Accessoires, Kosmetik) und Agrarprodukte.

Deutschland war auch 2014 wichtigster bilateraler Handelspartner Frankreichs (Handelsvolumen 2014: rund 170 Milliarden Euro, 2013: rund 157 Milliarden Euro).
Weitere wichtige Handelspartner Frankreichs sind China, Italien, Belgien/Luxemburg, Spanien, Großbritannien und die USA.


Arbeitsmarkt und Sozialpolitik

Frankreich zählt zu den Staaten mit einem hohen Regulierungsniveau des Arbeitsmarktes und hochentwickelten Systemen der sozialen Sicherheit.

Die zahlreichen Sozialversicherungssysteme bieten (als allgemeines System oder als Sondersysteme) umfassende Leistungen für nahezu die gesamte Bevölkerung in Bezug auf Krankheit, Invalidität, Arbeitsunfälle, Alter, Mutterschaft und Familie. Dies gilt in besonderem Maße für die medizinische Versorgung. Auch die Leistungen der Altersversorgung liegen zum Teil über dem Niveau vergleichbarer Staaten in Europa. Vor allem aufgrund der Haushaltslage wurden einschneidende Sparmaßnahmen vorgenommen bzw. eingeleitet. Zur Konsolidierung der Finanzlage der allgemeinen Rentenversicherung wurden mit dem Reformgesetz vom 20. Januar 2014 Beitragserhöhungen und eine schrittweise Verlängerung der Mindestbeitragszeit auf 43 Jahre bis 2035 sowie zum Härteausgleich die Anrechnung von physisch belastenden Arbeitsbedingungen in Form eines persönlichen Punktekontos vorgesehen.

Die Arbeitslosigkeit betrug lt. Angaben des nationalen Statistikinstituts INSEE (ILO-Berechnungsmethode) im 2. Quartal 2015 10,0 Prozent (ohne Überseegebiete). Ende September 2015 waren ca. 3,55 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Hauptbetroffene sind ältere Arbeitnehmer über 50 Jahre, junge Menschen unter 25 Jahren und Langzeitarbeitslose.

Wichtige Elemente der französischen Arbeitsmarktregelungen sind der allgemeine Mindest­lohn SMIC (seit 1. Januar 2015: 9,61 Euro brutto pro Stunde, d.h. ein Bruttomonatslohn von 1.457,52 Euro bei einer Wochenarbeitszeit von 35 Stunden) und die 35-Stunden-Woche. Das Wiedereingliederungseinkommens RSA (revenu de solidarité active) für Bedürftige im Falle von Langzeitarbeitslosigkeit oder unzureichendem Erwerbseinkommen wird unter bestimmten Voraussetzungen auch jungen Erwerbslosen (unter 25 Jahren) gewährt. Damit sollen zusätzliche Anreize zu einer möglichst schnellen Aufnahme einer Beschäftigung geschaffen werden.


Familienpolitik und Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Die demografische Entwicklung Frankreichs ist vergleichsweise günstig, wenn auch leicht rückläufig. Die Geburtenziffer liegt 2014 bei 1,99 . Das sind ca. 818.000 Geburten pro Jahr (INSEE: 2014).

Regelungen zum Erziehungsurlaub und ein Netz von Kinderbetreuungseinrichtungen erleichtern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Der Erziehungsurlaub in Form einer Unterbrechung oder Reduzierung der Erwerbstätigkeit beträgt ein Jahr und kann auf bis zu drei Jahre verlängert werden. Dieser kann hälftig auf beide Elternteile aufgeteilt werden. Betreuungsmöglichkeiten werden für Kinder ab drei Monaten angeboten. Kleinkinder können in kommunalen Kinderkrippen, privaten Einrichtungen oder durch Tagesmütter betreut werden. 3-bis 5-jährige Kinder werden in Vorschulkindergärten (école maternelle) betreut und auf die Schule vorbereitet. In den Grundschulen und den weiterführenden Schulen gibt es ganztägig Unterricht bzw. Hausaufgaben- und Freizeitbetreuung.

Die Förderung der Familien erfolgt durch Geldleistungen und durch eine entsprechende steuerliche Behandlung. Die Palette der Familienleistungen umfasst neben Leistungen für alle Familien auch einkommensabhängige Beihilfen. Das einkommensabhängige allgemeine monatliche Kindergeld wird allen Familien, erst ab dem zweiten Kind gezahlt. Auch die Geburtsprämie, das Kleinkindergeld, Leistungen für Familien mit drei und mehr Kindern sowie Zusatzleistungen wegen Betreuungskosten sind Einkommensabhängig. Durch besondere steuerrechtliche Regelungen werden Familien, insbesondere ab drei Kindern, begünstigt.


Agrarsektor

Agrarpolitik ist traditionell für Frankreich von großer Bedeutung und erfährt anhaltendes Interesse von Seiten der französischen Öffentlichkeit. Mit 3,9 Prozent der Land- und Ernährungswirtschaft am Bruttoinlandsprodukt ), 515.000 landwirtschaftlichen Betrieben und über 800.000 Beschäftigten ist die Landwirtschaft ein wichtiger Wirtschaftssektor in Frankreich. Mit Exporten von 60 Mrd. Euro und einem Handelsüberschuss von 8,6 Mrd. Euro leistete die Land- und Ernährungswirtschaft unter den Wirtschaftssektoren 2014 einen großen Beitrag zur Minimierung des französischen Außenhandelsdefizits.

In der EU ist die französische Landwirtschaft mit einem Produktionsanteil von 18 % zwar weiterhin der größte Produzent, sie hat jedoch in wichtigen Bereichen wie Fleisch, Obst und Gemüse in den letzten Jahren Marktanteile im Inland und auf Exportmärkten verloren. Die schwierige Situation auf wichtigen Agrarmärkten, die Frankreich 2015 besonders getroffen hat, hat erneut Wettbewerbsprobleme der französischen Landwirtschaft im Fleischbereich offenbart. Sie betreffen besonders die Strukturen in Schlachtung und Verarbeitung und die Organisation der Wertschöpfungskette.

Einen Schwerpunkt der Politik des Landwirtschaftsministeriums bildet die bessere Vereinbarkeit von Ökonomie und Ökologie in der Landwirtschaft. Unter dem Begriff der Agroökologie hat die Regierung in Abstimmung und in Kooperation mit, Regionalverwaltungen, Forschungseinrichtungen, Agrarverbänden und anderen Nicht-Regierungsorganisationen einen Aktionsplan zur Anpassung von Ausbildung, Beratung, Forschung und Förderanreizen gestartet.

Bei der Umsetzung der 2013 vereinbarten Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik hat Frankreich die Arbeitsplatzsicherung in der Landwirtschaft und die Stärkung der Tierhaltung in den Mittelpunkt gestellt. Frankreich nutzt in hohem Maße vorhandene Spielräume zur Umverteilung von Direktzahlungen, um kleinere Betriebe zu unterstützen und um Tierhaltungsbetriebe zulasten der Ackerbaubetriebe zu fördern. Dabei schöpft es die Obergrenze für produktionsgekoppelte Direktzahlungen voll aus.

Prioritäten bei der mittelfristigen Weiterentwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik sind für Frankreich die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Wertschöpfungsketten, eine kohlenstoffarme Landwirtschaft und die Anpassung an den Klimawandel sowie eine bessere Absicherung gegenüber der Volatilität der Preise.


Verkehrswesen

Die französische Infrastruktur ist gut, in Ballungsgebieten und industriellen Zentren sehr gut. Frankreich verfügt über ein weit verzweigtes, qualitativ hervorragendes Fernstraßennetz und über ein im Vergleich mit Deutschland zwar weniger dichtes, aber neuwertigeres - zu großen Teilen privat finanziertes - Autobahnnetz. Bei der Elektromobilität hält die Regierung an dem sehr ehrgeizigen Ziel fest, bis 2020 in Frankreich 2 Mio. E-Fahrzeuge in Betrieb zu nehmen.

Das französische Netz von Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnen ist das größte in Europa und wird weiter ausgebaut. 2011 ging die TGV-Verbindungstrasse (140 km) Rhein-Rhône in Betrieb. Sie verkürzt die Fahrtzeit für die Strecke Straßburg-Marseille um 1 Stunde 40’ und schafft durchgehende TGV/ICE-Anschlüsse der ostfranzösischen Zentren von Marseille-Lyon-Straßburg mit Deutschland nach Köln bzw. Frankfurt. Im Sommer 2015 wurde die direkte TGV-Verbindung zwischen Frankfurt am Main und Paris eingeweiht.


Energie und Umwelt

Ziele französischer Energiepolitik sind die sichere und preiswerte Energieversorgung, eine effizientere Energienutzung und eine Verringerung der Abhängigkeit von Energieeinfuhren. Frankreich setzt unverändert auf die Nutzung der Kernkraft, allerdings soll deren Anteil von derzeit 75% an der Stromerzeugung bis 2025 auf 50% gesenkt und durch erneuerbare Energien ausgeglichen werden. Der Gesetzentwurf zum zukünftigen Energiemix Frankreichs wurde zwei Jahre lang auf nationaler, regionaler und kommunaler Ebene diskutiert. Das Gesetz (Loi de transition énergétique et pour la croissance verte) ist im August 2015 in Kraft getreten.

Der Umweltschutz genießt in Frankreich seit 2005 Verfassungsrang. Das Land ist Unterzeich­ner des Kyoto-Protokolls und setzt sich für die im EU-Rahmen festgelegte Emissions-Redu­­zierung ein. Die Chancen der Nutzung von erneuerbaren Energien für die Umwelt und die Schaffung von Arbeitsplätzen, auch in der Landwirtschaft, werden inzwischen allgemein erkannt..Das neue Gesetz  beinhaltet umfangreiche Maßnahmen zur Reduzierung der Klimaerwärmung und des CO2-Ausstoßes mit den Schwerpunkten Gebäudeenergieeffizienz, Verkehr, Förderung der erneuerbaren Energien, Schutz der Biodiversität, Abfallwirtschaft sowie ökologische Regierungsführung.

Frankreich wird die VN-Klimavertragsstaatenkonferenz COP21 vom 30. 11. bis 11. 12.2015 in Paris ausrichten.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Seite teilen:

Einreise & Aufenthalt

Auswärtiges Amt

Reise & Sicherheit

Außen- und Europapolitik

Ausbildung & Karriere