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Wirtschaftspolitik
Stand: März 2013
Das konjunkturelle Umfeld birgt Herausforderungen. Im Jahr 2012 wurde ein Rückgang des BIP von ca. 2,0 Prozent (Industrieproduktion: -5,5 Prozent) und eine Arbeitslosigkeit von über 19 Prozent verzeichnet. Zusätzlich drückt eine Teuerungswelle (Erhöhung der Mehrwertsteuer, der Besteuerung der Lohneinkommen, der Preise für Strom, Gas und kommunale Dienstleistungen) bei gleichzeitigem Lohnrückgang (5,5 Prozent) auf die Konsumentenstimmung. Die Auslandsinvestitionen liegen danieder während das Außenhandelsdefizit hartnäckig oberhalb der Marke von € 6,6 Mrd verharrt. Die Kuna erweist sich sowohl binnenwirtschaftlich als auch im Verhältnis zum Euro als wertstabil. Trotz unverkennbaren Abwertungsdruckes hält die Notenbank an einer engen Anbindung der Kuna am Euro fest.
Das besondere Augenmerk der kroatischen Wirtschafts und Finanzpolitik gilt der Senkung des Haushaltsdefizits (2012: ca. -2 Prozent des BIP). Durch Ausgabenkürzungen, vor allem aber eine Verbesserung der Steuerzahlungsmoral und damit höhere Steuereinnahmen konnten die haushaltspolitischen Perspektiven aufgehellt werden. Zudem wurden Strukturreformen unternommen: Durchforstung der öffentlichen Unternehmen, Arbeitsmarktreformen, Maßnahmen zum Abbau der Zahlungsrückstände im gesamten Wirtschaftskreislauf.
Die Ratingagentur Fitch reagierte bereits mit einer Verbesserung des Ausblicks der Bonitätsbewertung kroatischer Staatsanleihen von „negativ“ auf „stabil“, bei unveränderter „BBB“-Einstufung des Länderrisikos.
Wirtschaftssektoren
Kroatien erwirtschaftete 2012 ein BIP von € 43,9 Mrd. Bestimmender Wirtschaftssektor sind die Dienstleistungen mit einem Anteil von 70 Prozent an der Wertschöpfung. Rund 20 Prozent des BIP generiert der Fremdenverkehr. 2012 besuchten 11,8 Millionen Touristen Kroatien, 3,3 Prozent mehr als im Vorjahr, davon 1,85 Millionen deutsche Touristen, 11,5 Prozent mehr als im Vorjahr.
Der zweitgrößte Industriezweig ist der Schiffsbau, der sich in einer Umstrukturierung befindet.
In der verarbeitenden Industrie dominiert die Nahrungsmittelindustrie, gefolgt von der Verlags- und Druckindustrie, der Produktion nichtmetallischer Mineralprodukte, der chemischen Industrie, der Herstellung von Metallprodukten, Transportmitteln, elektrischen Maschinen und Geräten, sowie der Holzverarbeitung und -herstellung. Land- und Forstwirtschaft sowie die Fischerei tragen ca. 5 Prozent zum BIP bei.
Die regionalen Unterschiede bei der Wirtschaftskraft sind deutlich. Das Hinterland Dalmatiens und die gebirgige Grenzregion zu Bosnien und Herzegowina liegen deutlich hinter dem relativ wohlhabenden Nordkroatien (Istrien und Zagreb) zurück.
Außenhandel
Der Exportanteil gemessen am BIP beträgt nur 21,9 Prozent. Inzwischen werden rund zwei Drittel des Außenhandels mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union abgewickelt. 2012 waren Italien, Deutschland, Bosnien und Herzegowina, Slowenien, Russland, Österreich, China und Ungarn die wichtigsten Handelspartner. Die Leistungsbilanz weist für 2011 ein Defizit von -1,0 Prozent des BIP auf (Vorjahr: -1,1 Prozent). Die Devisenreserven der Kroatischen Nationalbank beliefen sich Ende 2012 auf 11,3 Milliarden Euro und deckten die Importe von acht Monaten ab.
Ausländische Investitionen
Im Zeitraum von 1993 bis 2011 beliefen sich die Auslandsinvestitionen auf insgesamt etwa 25,7 Milliarden Euro. Der deutsche Anteil daran beträgt rund 12 Prozent. Damit steht Deutschland nach Österreich und den Niederlanden an dritter Stelle.
Ausländisches Kapital wurde insbesondere in den Bereichen Finanzen, Telekommunikation, Immobilienwirtschaft, Petrochemie, Erdöl- und Gasförderung, Hotel- und Gastgewerbe sowie pharmazeutische Industrie angelegt. Größter deutscher Investor ist die Deutsche Telekom, die eine Mehrheit an der Kroatischen Telekom hält.
Kroatien hofft auf erhebliche Mittel der EU für Infrastrukturinvestitionen und Investitionen in die Landwirtschaft. Dazu bedarf es einer merklichen Erhöhung der Absorptionsfähigkeit zur Vorbereitung und Durchführung entsprechender Vorhaben. Mehrere EU-Mitgliedstaaten wie auch die Bundesregierung und eine Reihe von Bundesländern haben Kroatien hierzu ihre Unterstützung (Kooperationen, Beratung, best-practice-Austausch) zugesagt.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.
