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Kroatien

Wirtschaftspolitik

Stand: März 2015

2014 ist das BIP (Bruttoinlandsprodukt) Kroatiens abermals um 0,4 Prozent geschrumpft. Seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 hat Kroatien damit über ein Sechstel seiner wirtschaftlichen Leistungskraft eingebüßt. Inzwischen mehren sich für 2015/2016 jedoch die Anzeichen für eine Trendwende. Dennoch verharrt die Arbeitslosigkeit mit knapp 20 Prozent auf Vorjahresniveau. Nur etwa zwei von drei Jugendlichen verfügen über einen Arbeitsplatz. Angesichts der angespannten Haushaltslage verbleibt der Regierung dennoch wenig Spielraum für Maßnahmen zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums. Die kroatische Währung Kuna ist wertstabil, sowohl binnenwirtschaftlich als auch im Verhältnis zum Euro. Trotz anhaltenden Abwertungsdrucks hält die Notenbank an einer engen Anbindung der Kuna am Euro fest.

Das Augenmerk der kroatischen Finanzpolitik gilt der Senkung des Haushaltsdefizits, das am 28. Januar 2014 zur Eröffnung eines Defizitverfahrens durch die EU (Europäische Union) führte. Zwar wurde das Verfahren im April schon wieder ausgesetzt. Dennoch wurden auch 2014 zwei Nachtragshaushalt notwendig. Zudem waren unvorhergesehene Mindereinnahmen zu verkraften, nachdem mehrere Privatisierungsvorhaben staatlicher Unternehmen in Ermangelung eines ernsthaften Käuferinteresses zurückgestellt werden mussten.

Hingegen wurde in mehreren Bereichen der Wirtschaft Strukturreformen initiert, die die EU-Kommission Kroatien in Form länderspezifischer Empfehlungen im Rahmen des Abstimmungsprozesses des Europäischen Semesters mit auf den Weg gegeben hat, darunter die Durchforstung der öffentlichen Unternehmen, Arbeitsmarktreformen und Maßnahmen zum Abbau der Zahlungsrückstände im gesamten Wirtschaftskreislauf.

Wirtschaftssektoren

Kroatien erwirtschaftete 2013 ein BIP von 43,9 Mrd Eur. Bestimmender Wirtschaftssektor sind die Dienstleistungen mit einem Anteil von 70 Prozent an der Wertschöpfung. Rund 20 Prozent des BIP generiert der Fremdenverkehr. 2013 besuchten 12,4 Mio Touristen Kroatien, 5,1 Prozent mehr als im Vorjahr, davon 1,93 Mio deutsche Touristen, 4,3 Prozent mehr als im Vorjahr.

In der verarbeitenden Industrie dominiert die Nahrungs­mittelindustrie, gefolgt von der Verlags- und Druckindustrie, der Produktion nichtmetallischer Mineralprodukte, der chemischen Industrie, der Herstellung von Metallprodukten, Transportmitteln, elektrischen Maschinen und Geräten, sowie der Holzverarbeitung und -herstellung. Land- und Forstwirtschaft sowie die Fischerei tragen ca. 5 Prozent zum BIP bei.

Außenhandel

Der Exportanteil gemessen am BIP--Bruttoinlandsprodukt beträgt nur 19 Prozent. Inzwischen werden aber rund zwei Drittel des Außenhandels mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union abgewickelt. 2013 waren Italien, Deutschland, Slowenien, Österreich, Bosnien und Herzegowina, Ungarn und Russland die wichtigsten Handelspartner.

Vom EU-Beitritt Kroatiens besonders belebt wurde der bilateralen Handel mit Deutschland. Mit deutschen Exporten nach Kroatien in Höhe von 2,318 Mrd Eur (+ 7,2 %) und deutschen Importen aus Kroatien in Höhe von 1,128 Mrd Eur (+ 15,1 %) konnte 2013 eine mehrjährige Stagnation überwunden werden. Der Zuwachs dürfte sich 2014 zweistellig fortsetzen (Exporte 1. Hj. 2014: + 20,2 %, Importe 1. Hj. 2014: + 11,4 %). Die Belebung des bilateralen Handelsaustausches schlägt sich auch in der inzwischen auf über 360 Unternehmen angewachsenen Mitgliederzahl in der Deutsch-Kroatischen Industrie- und Handelskammer nieder, die 2013 die weltweit höchsten Zuwachsraten im Netz der deutschen Auslandshandelskammern verzeichnen konnte.Die kroatische Leistungsbilanz weist für 2013 einen Saldo von -0,9 Prozent des BIP auf (Vorjahr: -0,2 Prozent). Die Devisenreserven der Kroatischen Nationalbank beliefen sich Ende 2013 auf € 12,9 Milliarden Euro und deckten die Importe von zehn Monaten ab.

Ausländische Investitionen

Im Zeitraum von 1993 bis 2013 beliefen sich die Auslandsinvestitionen auf etwa 27,2 Mrd Euro. Der deutsche Anteil daran beträgt rund 2,3 Mrd Euro. Damit steht Deutschland nach Österreich und den Niederlanden an dritter Stelle.

Ausländisches Kapital wurde insbesondere in den Bereichen Finanzen, Telekommunikation, Immobilienwirtschaft, Petrochemie, Erdöl- und Gasförderung, Hotel- und Gastgewerbe sowie pharmazeutische Industrie angelegt.

Seit dem Beitritt Kroatiens zur Europäischen Union am 1. Juli 2013 hofft das Land auf erhebliche Mittel aus EU-Fonds für Infrastrukturinvestitionen und Investitionen in die Landwirtschaft. Hierfür ist eine Erhöhung der Absorptionsfähigkeit zur Vorbereitung und Durchführung entsprechender Vorhaben erforderlich.

2013 und 2014 wurden mehrere branchenspezifische Rahmenpläne entwickelt und die Bedingungen für Auslandsinvestitionen durch die Verabschiedung von Investitionschutzgesetzen und Gesetzen zur Arbeitsmarktregulierung spürbar verbessert. Am 11.09.2014 wurde die bereits im Januar vorgestellte neue Industriestrategie vom Kabinett verabschiedet, die prioritäre Wirtschaftsbranchen nennt, für die Kroatien im Ausland um Investitionen wirbt. Zu diesem Zweck veranstalteten die kroatische Botschaft in Berlin und der Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft am 1. Oktober eine Investorenkonferenz in Berlin.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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