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Heiliger Stuhl Vatikan

Beziehungen zu Deutschland

Stand: Juni 2017

Zwischen dem Heiligen Stuhl und der Bundesrepublik Deutschland bestehen traditionell gute Beziehungen. Die Bundespräsidenten waren 1957, 1973, 1982 und 1994 zu Staatsbesuchen im Vatikan. Bundespräsident Herzog reiste 1995 zu einem offiziellen Besuch in den Vatikan, Bundespräsident Rau im März 2004. Bundespräsident Köhler nahm an der Beisetzung von Papst Johannes Paul II. und an der Amtsübernahmefeier von Papst Benedikt XVI. im April 2005 teil und traf den Papst am 17. November 2006 im Vatikan zu einem Konzert mit Privataudienz. Am 4. Dezember 2009 wurde zu Ehren von Papst Benedikt XVI. und in Anwesenheit von Bundespräsident Horst Köhler das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach von den Augsburger Domsingknaben und dem Residenz Kammerorchester München in der Sixtinischen Kapelle aufgeführt. Bundespräsident Köhler wurde von Papst Benedikt XVI. am 5. Dezember 2009 in einer Privataudienz empfangen. Bundespräsident Gauck war 2012 zu einem offiziellen Besuch im Vatikan. Bundeskanzlerin Merkel wohnte der feierlichen Amtseinführung von Papst Franziskus am 19. März 2013 bei und traf den Papst am 18. Mai 2013 zu einer Privataudienz. Die Bundeskanzlerin wurde als erste Regierungschefin am 21. Februar 2015 zum zweiten Mal von Papst Franziskus in einer Privataudienz empfangen. Ebenso nahm Bundeskanzlerin Merkel an der Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen an Papst Franziskus am 6. Mai 2016 im Vatikan teil, dem die dritte Privataudienz vorausging. Bundestagspräsident Lammert lud den Papst bei seiner Amtseinführung nach Deutschland ein und war aus Anlass von 25 Jahre Deutscher Einheit am 14. und 15. September 2015 erneut für einen offiziellen Besuch im Vatikan. Ebenso wurden  eine Reihe von  Ministerpräsidenten auf Grundlage der Konkordate mit den Bundesländern von Papst Franziskus empfangen.

Papstbesuch 2011

Vom 22. bis zum 25. September 2011 besuchte Papst Benedikt XVI. Deutschland. Nachdem Papst Benedikt XVI. 2005 am Weltjugendtag in Köln teilnahm und 2006 einige Tage in seiner bayerischen Heimat verbrachte, war der offizielle Besuch auf Einladung von Bundespräsident Christian Wulff nicht nur für viele Katholiken in Deutschland von großer Bedeutung. Der Besuch war ein Höhepunkt in den Beziehungen zwischen Deutschland und dem Heiligen Stuhl. Der Deutschland-Besuch führte den Papst nach Berlin, Erfurt und Freiburg.

In Berlin, das vorher zuletzt 1996 von Papst Johannes Paul. II besucht wurde, fanden vor allem offizielle Programmelemente statt (u.a. Begrüßung mit militärischen Ehren durch den Bundespräsidenten, Gespräch mit der Bundeskanzlerin und eine Rede vor dem Bundestag auf Einladung des Bundestagspräsidenten, sowie pastorale Elemente und weitere Gespräche). In Erfurt setzte das Gespräch mit der Evangelischen Kirche in Deutschland im historischen Erfurter Augustinerkloster, dem Martin Luther vor 1517 angehörte, einen deutlichen ökumenischen Akzent im "Land der Reformation". In Freiburg lagen pastorale Schwerpunkte; Medienniederschlag fand neben seiner Rede im Bundestag die Rede von Papst Benedikt XVI. im Freiburger Konzerthaus.

Konkordate mit Deutschland und deutschen Bundesländern

Mit Deutschland und deutschen Ländern bestehen folgende Konkordate:

Reichskonkordat: 20. Juli 1933 (Rechtsbestand und Weitergeltung durch Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 26. März 1957 anerkannt und bestätigt); Bayerisches Konkordat: 29. März 1924; Preußisches Konkordat: 14. Juni 1929; Badisches Konkordat: 12. Oktober 1932.

Konkordatäre Einzelvereinbarungen zwischen dem Heiligen Stuhl und einzelnen Bundesländern bestehen mit den Ländern Niedersachsen (26. Februar 1965), Rheinland-Pfalz (15. Mai 1973), Nordrhein-Westfalen (26. März 1984), Saarland (12. Februar 1985), Sachsen (03. Juli 1996), Thüringen (11. Juni 1997), Mecklenburg-Vorpommern (22. Dezember 1997), Sachsen-Anhalt (22. April 1998), Bremen (14. Mai 2004), Brandenburg (25. Mai 2004), Hamburg (Oktober 2006), Schleswig-Holstein (12. Januar 2009).

Konkordate und konkordatäre Einzelvereinbarungen befassen sich vor allem mit folgenden Bereichen:

  • Religionsfreiheit, freie Ämterverleihung, Garantie des Kirchenguts und der Vermögensverwaltung;
  • gemeinsame Angelegenheiten von Staat und Kirche (Religionsunterricht, Theologische Fakultäten, Anstalts- und Militärseelsorge, Friedhofsrecht, Eherecht, kirchliches Besteuerungsrecht), Staatsleistungen, Baulasten und Staatszuschüsse sowie Ablösung staatlicher Leistungen.

Neue Bistumsgrenzen:

1994 wurden in Folge der deutschen Einheit die Bistumsgrenzen auf dem Gebiet der neuen Bundesländer und - damit verbunden - in Norddeutschland neu festgesetzt. In Hamburg wurde ein Erzbistum errichtet, Berlin zum Erzbistum erhoben, Magdeburg, Erfurt und Görlitz erhielten Bischofssitze.

Wichtige deutschsprachige katholische Institutionen in Rom

  • Collegium Germanicum et Hungaricum (Kolleg für Priesteramtskandidaten), Rektor: P. Stefan Dartmann SJ.
  • Priesterkolleg "Santa Maria in Campo Santo Teutonico" (Priesterkolleg für Spezialstudien), Rektor: Dr. Hans-Peter Fischer
  • Römisches Institut der Görres-Gesellschaft, geschäftsführender Direktor:  Mons. Prof. Dr. Stefan Heid
  • Priesterkolleg "Santa Maria dell'Anima" (Priesterkolleg für Spezialstudien), Rektor: Mons. Franz Xaver Brandmayr

Deutsche Mitglieder des Kardinalskollegiums

(10 Kardinäle, davon sieben jenseits der Wahlberechtigung im Konklave, aufgeführt nach Datum der Kardinalsernennung)

  • 1983 Kardinal Joachim Meisner; bis 2014 Erzbischof von Köln.
  • 1985 Kardinal Friedrich Wetter; bis 2007 Erzbischof von München und Freising.
  • 2002 Kardinal Walter Kasper; emeritierter Kurienkardinal und bis 2010 Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen.
  • 2002 Kardinal Karl Lehmann; emeritierter Bischof von Mainz und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz von 1987 – 2008.
  • 2007 Kardinal Paul-Josef Cordes; emeritierter Kurienkardinal und bis 2010 Präsident des Päpstlichen Rates "Cor Unum".
  • 2010 Kardinal Reinhard Marx; Erzbischof von München und Freising und seit 2014 auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, Mitglied des Rates der Kardinäle und Vorsitzender des Wirtschaftsrates im Vatikan, Vorsitzender der Konferenz der Bischofskonferenzen der EU (COMECE).
  • 2010 Kardinal Walter Brandmüller; emeritierter Kurienkardinal und bis 2009 Präsident des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften.
  • 2012 Kardinal Rainer Maria Woelki; Erzbischof von Köln.
  • 2014 Kardinal Gerhard Ludwig Müller; Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre und bis 2012 Bischof von Regensburg.
  • 2015 Kardinal Karl Josef Rauber; emeritierter Titularerzbischof von Lubaltiana und bis 2009 Apostolischer Nuntius in Belgien und Luxemburg.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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