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Brasilien

Beziehungen zu Deutschland

Stand: März 2017

Politik

Brasilien ist das einzige Land in Lateinamerika, mit dem Deutschland seit 2008 durch eine strategische Partnerschaft verbunden ist. Kernanliegen dieser strategischen Partnerschaft ist der weitere Ausbau der Zusammenarbeit zu bilateralen und multilateralen Themen. Einen vorläufigen Höhepunkt erreichte die Verdichtung der bilateralen Beziehungen durch die ersten Regierungskonsultationen im August 2015, zu denen Bundeskanzlerin Merkel mit 12 Kabinettsmitgliedern (oder deren Vertretern) nach Brasília anreiste.

Die Zusammenarbeit ist vielfältig. Sie umfasst Themen wie Energie, Umwelt, Klima, Wissenschaft, Wirtschaft und Handel, Verteidigung, Arbeit und Soziales sowie Zusammenarbeit in den Vereinten Nationen und bei den Menschenrechten. Mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, des Bundesumweltministeriums und der Internationalen Klimainitiative arbeiten Deutschland und Brasilien beim Schutz des Tropenwaldes, sowie der Förderung von erneuerbaren Energien und Energieeffizienz zusammen. Besondere Aufmerksamkeit widmen beide Länder dem wissenschaftlich-technologischen und kulturellen Austausch. Die historisch starke deutsche Einwanderung nach Brasilien wirkt sich positiv auf die Zusammenarbeit aus.

In vielen Fragen der internationalen Agenda - vor allem der Reform der Vereinten Nationen einschließlich der Sicherheitsratserweiterung um neue ständige wie nichtständige Mitglieder und der Reform der globalen Finanzordnung - arbeiten Brasilien und Deutschland zusammen. Hierzu zählen auch die Zusammenarbeit in der internationalen Klimaschutz- und Umweltpolitik, in den G20 und im Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen in Genf. Hinzugekommen ist eine enge bilaterale Kooperation im Bereich von Urbanisierung und Cyberpolitik.


Wirtschaft

Brasilien ist Deutschlands wichtigster Handelspartner in Lateinamerika. Der bilaterale Außenhandel hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten in beide Richtungen positiv entwickelt mit einem zeitweisen Rückgang im Zuge der Wirtschafts- und Währungskrise. Zuletzt hat die Dynamik aber erneut nachgelassen. Die deutschen Exporte nach Brasilien betrugen 2015 etwa 9,8 Mrd. Euro (-4,7% gegenüber 2014). Die Einfuhren Deutschlands aus Brasilien waren 2015 mit 8,5 Mrd. Euro 6,3% niedriger als im Vorjahr. Brasilien lag damit 2015 als Abnehmer deutscher Waren auf Platz 26 und als Lieferland auf Platz 24. Das Jahr 2015 brachte nach Angaben des Statistischen Bundesamtes einen deutschen Handelsbilanzüberschuss von fast 1,4 Mrd. Euro.

Brasilien exportiert nach Deutschland vor allem Eisenerz, Soja und Sojaprodukte, Kaffee und Kaffeeprodukte, Autoteile, Zivilflugzeuge, Maschinen, Fleisch, Kupfer und Rohöl. Bei den brasilianischen Importen aus Deutschland dominieren Maschinen, Autos und Autoteile, chemische Grundstoffe, pharmazeutische Produkte, Elektrotechnik und Metallwaren.

Der Bestand der deutschen Direktinvestitionen unter Einschluss von Reinvestitionen beläuft sich auf über 20 Mrd. EUR. In Brasilien beschäftigen über 1.300 deutsch-brasilianische Unternehmen etwa 250.000 Menschen. São Paulo ist mit etwa 900 deutsch-brasilianischen Unternehmen einer der großen Standorte der deutschen Wirtschaft weltweit. Brasilianische Direktinvestitionen in Deutschland waren bisher nur in bescheidenem Umfang zu verzeichnen.

Die deutsche Außenwirtschaft verfügt in Brasilien über deutsch-brasilianische Industrie- und Handelskammern mit Sitz in São Paulo, Rio de Janeiro und Porto Alegre sowie über einen Korrespondenten der Germany Trade and Invest (gtai) in São Paulo. Die Außenhandelskammern informieren und beraten deutsche Exporteure und Investoren. Zur Vertiefung der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen finden jährlich Deutsch-Brasilianische Wirtschaftstage mit Unternehmertreffen statt. Sie werden durch den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und den Brasilianischen Industrieverband (Confederação Nacional da Indústria – CNI) organisiert. Damit verbunden tagt die Deutsch-Brasilianische Gemischte Kommission für Wirtschaftliche Zusammenarbeit. Die 34. Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstage haben am 16. Oktober 2016 in Weimar stattgefunden. Vom 12. bis 14. November 2017 werden sie in Porto Alegre (Rio Grande do Sul) durchgeführt. Sowohl bei den Wirtschaftstagen als auch bei diversen Auslandsmessen ist ein großes brasilianisches Interesse an deutschen Technologien für Zukunftsthemen wie Transport, Infrastruktur, urbane Entwicklung, Gesundheit, erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Klimaschutz zu beobachten.


Kultur und Bildung

Schwerpunkte der Zusammenarbeit bilden die Bereiche Förderung von Deutsch als Fremdsprache unter besonderer Berücksichtigung der Deutschen Schulen, die kulturelle Programmarbeit sowie der Wissenschafts- und Hochschulaustausch. 

Die Eröffnung eines Zentrums für Deutschland- und Europastudien (ZDES) in Porto Alegre an den beiden renommierten Universitäten Pontifícia Universidade Católica do Rio Grande do Sul (PUCRS) und Universidade Federal do Rio Grande do Sul (UFRGS) im April 2017 wird die bilaterale akademische Ausbildung und Forschung nachhaltig stärken und neue Netzwerke zwischen Brasilien, Deutschland und Europa schaffen. Das aus Mitteln des Auswärtigen Amts geförderte Projekt hat großes Potential, in die gesamte Region auszustrahlen.

Die deutsch-brasilianischen Kulturbeziehungen haben durch das Deutschlandjahr in Brasilien 2013/2014 besondere Impulse erhalten. Über 1100 Veranstaltungen waren Teil dieses Projekts. Die Fußball-WM 2014 hat dem Deutschlandbild in Brasilien einen weiteren positiven Schub gegeben.

Das Netzwerk des Goethe-Instituts in Brasilien umfasst insgesamt fünf Goethe-Institute (São Paulo, Rio de Janeiro, Salvador, Porto Alegre, Curitiba). Daneben gibt es das Goethe-Zentrum Brasília. Im Mittelpunkt der Tätigkeit steht die Spracharbeit, die durch umfangreiche Programmarbeit flankiert wird. Vor allem in den Siedlungsgebieten deutscher Einwanderer im Süden des Landes (Blumenau, Joinville, São Bento do Sul), aber auch im Nordosten (Recife, Fortaleza, Bélem) leisten zudem deutsch-brasilianische Kulturgesellschaften einen wertvollen Beitrag zur kulturellen Präsenz Deutschlands.

In Brasilien existieren vier deutsche Auslandsschulen, die zum deutschen Abitur führen (drei in São Paulo und eine in Rio de Janeiro). Rund 50 sogenannte PASCH-Schulen (Initiative "Schulen Partner der Zukunft") bieten als öffentliche und private brasilianische Schulen Deutsch als Fremdsprache an. Deutsch wird in Brasilien zunehmend auch als Schlüssel zu beruflichem und wissenschaftlichem Erfolg gesehen. Bei den Deutsch-Brasilianischen Regierungskonsultationen 2015 unterzeichneten Bundesaußenminister Steinmeier und der brasilianische Bildungsminister eine gemeinsame Absichtserklärung zur Förderung von Deutsch als Fremdsprache an brasilianischen Schulen. Seit 2016 findet eine jährliche Woche der Deutschen Sprache in ganz Brasilien statt.

Viele deutsche Universitäten haben eigenständige Kooperationsabkommen mit brasilianischen Universitäten. Die rd. 570 formalisierten Hochschulkooperationen bilden auch für den Studentenaustauch eine wichtige institutionelle Basis. Insgesamt studierten im WS 2015/16 4.811 Brasilianer an deutschen Hochschulen. 

Brasilien ist für den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) ein Schwerpunktland und gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Kooperationsländern im Bereich der Hochschulzusammenarbeit. Der DAAD ist in Brasilien durch seine Außenstelle in Rio de Janeiro, sein Informationszentrum in São Paulo und sieben Lektorate (Belém, Belo Horizonte, Campinas, Curitiba, Fortaleza, (unbesetzt), Rio de Janeiro, Porto Alegre, São Paulo) vertreten. Neben der Lehre sind die Lektoren mit Studienberatung und Werbung für den Forschungs- und Hochschulstandort Deutschland betraut.

Der DAAD koordiniert derzeit in BRA ca. 30 Austauschprogramme für Studenten und Wissenschaftler. Zur Sprachvorbereitung für ein Studium in DEU legte der DAAD 2016 zusammen mit dem brasilianischen Bildungsministerium das Programm „Sprachen ohne Grenzen – Deutsch“ auf. Das Programm wird zunächst an 11 brasilianischen Universitäten angeboten. Bis 2018 sollen 1.000 brasilianische Studierende mit Online-Sprachkursen auf einen Aufenthalt an einer deutschen Universität vorbereitet werden.  

Außerdem ist der DAAD für die Konsortialführung des Dt. Wissenschafts- und Innovationshauses in São Paulo (DWIH) zuständig und war maßgeblich an der Umsetzung des Mobilitätsprogramms „Wissenschaft ohne Grenzen“ beteiligt, mit dem BRA seit 2011 über 100.000 Stipendien für ein Studium im Ausland bereitgestellt hat. DEU hat ca. 6.500 bras. Studierende, Doktoranden und Nachwuchswissenschaftler aufgenommen. Ende Juni 2016 wurde das Stipendienprogramm aufgrund aktueller bras. Sparmaßnahmen eingestellt. Derzeit wird ein neues Förderprogramm zur Internationalisierung der Universitäten entworfen. 


Forschung

Deutschland konnte mit politischen Initiativen wie dem 'Deutsch-Brasilianischen Jahr der Wissenschaft, Technologie und Innovation 2010/2011', dem 'Deutschlandjahr in Brasilien 2013/14' und der Einrichtung des Deutschen Wissenschafts- und Innovationshauses in São Paulo seine Präsenz in Brasilien weiter ausbauen und der Kooperation neue Impulse geben. 

Das Deutschen Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) in São Paulo wird seit 2009 vom Auswärtigen Amt gefördert und beherbergt deutsche Förderagenturen, Forschungseinrichtungen und Hochschulen (www.dwih.com.br).Das DWIH fördert die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft, informiert über deutsche Wissenschaft und Forschung und wirbt für die Zusammenarbeit mit innovativen deutschen Organisationen und Firmen. Einmal jährlich organisiert das DWIH São Paulo eine Konferenz zu wissenschaftlich relevanten Themen. Im letzten Jahr stand das Thema Urbanisierung im Fokus der Konferenz und dieses Jahr sich die dt.-bras. Wissenschaftsgemeinde zum Thema Bioökonomie austauschen.  

Brasilien ist zum geschätzten Partner der projektbezogenen Zusammenarbeit geworden. Neben den bilateralen Kooperationen von Forschungseinrichtungen und Universitäten, engagieren sich in Brasilien besonders stark die Helmholtz Forschungsgemeinschaft, die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Fraunhofer Gesellschaft, die Max-Planck-Gesellschaft, die Alexander von Humboldt Stiftung und die Leopoldina. Herausragende bilaterale Forschungsprojekte sind beispielsweise der 320m hohe Klimamessturm ATTO (Amazonian Tall Tower Observatory), der in Ko-Finanzierung mit Brasilien vom Max Planck Institut für Chemie eingerichtet wird und Daten zur Analyse der Klimafunktion des Regenwalds liefert sowie der Forschungsverbund BRAGECRIM ,in dem über 400 Wissenschaftler aus über 30 deutschen und brasilianischen Universitäten, Forschungseinrichtungen und Industrie die Entwicklung von nachhaltigen und innovativen Produktionstechnologien erforschen. BRAGECRIM wird von deutscher Seite von der DFG gefördert.


Entwicklungszusammenarbeit

In keinem anderen Land der Erde gibt es so viele Pflanzen- und Tierarten wie in Brasilien. Der amazonische Regenwald ist die größte Kohlenstoffsenke weltweit. Obwohl ein Großteil der Energie in Brasilien bereits aus klimaschonenden erneuerbaren Quellen stammt, bietet Brasiliens Reichtum an Wasser, Wind, Sonne und Biomasse enorme weitere Potenziale zur umweltfreundlichen Energieerzeugung. Kurzum: Brasilien ist für den Erhalt der Artenvielfalt und die Stabilisierung des Klimas ein Land von herausragender Bedeutung. Die nationalen Politiken Brasiliens in diesen Bereichen haben globale Relevanz und Brasilien hat sich auch international ambitionierte Ziele gesetzt – zuletzt mit seinem nationalen Beitrag (NDC) im Rahmen des Klimaabkommens von Paris.

Deutschland wiederum ist mit seinen Innovationen in der Klima- und Umwelttechnologie, mit der „Energiewende“ und mit seinen Anstrengungen zum Umbau der Wirtschaft in eine „Green Economy“ weltweit führend. International engagiert sich Deutschland in hohem Maße für die nachhaltige Entwicklung, insbesondere für den Schutz des Klimas und den Erhalt der Artenvielfalt. Vor diesem Hintergrund konzentriert sich auch die entwicklungspolitische Zusammenarbeit mit Brasilien auf die gemeinsame Bearbeitung dieser globalen Themen - Klima- und Biodiversitätsschutz. Inhaltliche Schwerpunkte der umfangreichen Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung (ZnE) sind der Schutz und die nachhaltige Nutzung des Tropenwaldes und die Förderung von erneuerbaren Energien und Energieeffizienz.

Mit einer Fläche von 4,8 Millionen km² umfassen die brasilianischen Tropenwälder rund zehn Prozent der weltweiten Tropenwaldfläche und mit 2,5 Millionen Tier- und Pflanzenarten machen sie Brasilien zum artenreichsten Land weltweit. Sie sind ein gigantischer Kohlenstoffspeicher und regulieren regionale und globale Wasserkreisläufe. Deutschland kooperiert seit den 90er Jahren mit Brasilien zum Erhalt der Tropenwälder und engagiert sich heute in den Bereichen Schutzgebietsmanagement, Boden- und Landrechtsfragen, nachhaltige Nutzung (Produktion und Vermarktung) natürlicher Ressourcen, Wiederherstellung von Wäldern, Management von Indigenen-Gebieten und Klimafinanzierung im Rahmen von REDD+.

Durch Beratung, Finanzierung und Pilotierung von Anlagen in den Bereichen Windkraft, Photovoltaik, Biogas, "Concentrated Solar Power" und Energieeffizienz unterstützt Deutschland die Etablierung eines klimafreundlichen Energiemixes in Brasilien. Im Sinne der bei den Regierungskonsultationen verabschiedeten 'Gemeinsamen Absichtserklärung zur Zusammenarbeit im Rahmen einer Deutsch-Brasilianischen Urbanisierungspartnerschaft' rücken dabei zunehmend auch Fragen einer energieeffizienten und nachhaltigen Stadtentwicklung in den Fokus.

Angesichts der Entwicklungserfolge Brasiliens spielen auch Dreieckskooperationen zur Weitergabe der eigenen Erfahrungen eine Rolle in der Kooperation.


Militär

Die brasilianischen und deutschen Streitkräfte pflegen seit 1962 gute und enge Beziehungen.

Brasilien erhält im Rahmen der Militärischen Ausbildungshilfe ein jährliches Angebot von Ausbildungsplätzen für hochrangige Mitglieder des brasilianischen Militärsin Deutschland. Auch darüber hinaus besteht ein reger fachlicher und personeller Austausch.  

Seit 2012 unterhalten Deutschland und Brasilien im Rahmen der Vertrauensbildung ein „Bilaterales Jahresprogramm“, das für 2017 34 abgestimmte Maßnahmen umfasst. Dies betrifft Aspekte der Sicherheitspolitik, der allgemeinen Einsatzführung und Führungsunterstützung, der Durchführung von Projekten innerhalb der Teilstreitkräfte, der Sanität und der Ausbildung. Innerhalb des Programmes gibt einen regen Personalaustausch im Bereich der Offiziers- und Unteroffiziersaus- und Weiterbildung.


Entwicklungs­zusammenarbeit

Brasilien ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungs­zusammenarbeit.
Schwerpunkte der deutschen Entwicklungs­zusammenarbeit sind der Schutz des Tropenwaldes sowie die Förderung von erneuerbaren Energien und Energieeffizienz. Mehr dazu beim Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung:

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