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Brasilien

Beziehungen zwischen Brasilien und Deutschland

Stand: Februar 2016

Politik

Brasilien ist das einzige Land in Lateinamerika, mit dem Deutschland durch eine strategische Partnerschaft verbunden ist. Im Aktionsplan dieser strategischen Partnerschaft (Mai 2008) haben beide Länder den weiteren Ausbau der Zusammenarbeit im bilateralen und multilateralen Bereich vereinbart. Einen vorläufigen Höhepunkt erreichte die Verdichtung der bilateralen Beziehungen durch die ersten Regierungskonsultationen im August 2015, zu denen Bundeskanzlerin Merkel mit 12 Kabinettsmitgliedern (oder deren Vertretern) nach Brasília anreiste.

Die bilaterale Zusammenarbeit ist vielfältig. Sie umfasst Themen wie Energie, Umwelt, Klima, Wissenschaft, Wirtschaft, Verteidigung, Arbeit und Soziales sowie Zusammenarbeit in den Vereinten Nationen und bei den Menschenrechten. Mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, des Bundesumweltministeriums und der Internationalen Klimainitiative arbeiten Deutschland und Brasilien beim Schutz des Tropenwaldes, sowie der Förderung von erneuerbaren Energien und Energieeffizienz zusammen. Besondere Aufmerksamkeit widmen beide Länder dem wissenschaftlich-technologischen und kulturellen Austausch. Die historisch starke deutsche Einwanderung nach Brasilien wirkt sich positiv auf die Zusammenarbeit aus.

Der Austausch politischer Besuche ist rege. 2014 war die Bundeskanzlerin gleich zweimal in Brasilien; beim ersten Mal (15.06.2014) führte sie umfangreiche Konsultationen mit Präsidentin Rousseff durch. Anlässlich des Finales der Fußball-WM besuchten dann Bundespräsident Gauck und Bundeskanzlerin Merkel gemeinsam Brasilien. Der erfolgreiche Auftritt der Nationalmannschaft wurde in Brasilien als Werbung für Deutschland wahrgenommen.

In vielen Fragen der internationalen Agenda - vor allem der Reform der Vereinten Nationen einschließlich der Sicherheitsratserweiterung um neue ständige wie nichtständige Mitglieder und der Reform der globalen Finanzordnung - arbeiten Brasilien und Deutschland zusammen. Hierzu zählen auch die Zusammenarbeit in der internationalen Klimaschutz- und Umweltpolitik, in den G20 (Finanz-, Währungs- und Weltwirtschaftsfragen) und im Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen in Genf. Hinzugekommen ist eine enge bilaterale Kooperation im Bereich von Urbanisierungsthemen und Cyberfragen.


Wirtschaft

Brasilien ist Deutschlands wichtigster Handelspartner in Lateinamerika. Der bilaterale Außenhandel hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten in beide Richtungen positiv entwickelt mit einem zeitweisen Rückgang im Zuge der Wirtschafts- und Währungskrise. Zuletzt hat die Dynamik aber nachgelassen. Die deutschen Exporte nach Brasilien betrugen 2014 etwa 11,8 Mrd. Euro (+1% gegenüber 2013). Die Einfuhren Deutschlands aus Brasilien waren 2014 mit 6,6 Mrd. Euro 7% niedriger als im Vorjahr. Brasilien lag damit 2014 als Abnehmer deutscher Waren auf Platz 23 und als Lieferland auf Platz 22. Das Jahr 2014 brachte nach Angaben des Statistischen Bundesamtes einen deutschen Handelsbilanzüberschuss von 1,1 Mrd. Euro. Die Handelszahlen für 2015 liegen noch nicht vor; es hat aber sowohl bei den Exporten als auch bei den Importen Rückgänge gegeben.

Brasilien exportiert nach Deutschland vor allem Eisenerz, Soja und Sojaprodukte, Kaffee und Kaffeeprodukte, Autoteile, Zivilflugzeuge, Maschinen, Fleisch, Kupfer und Rohöl. Bei den brasilianischen Importen aus Deutschland dominieren Maschinen, Autos und Autoteile, chemische Grundstoffe, pharmazeutische Produkte, Elektrotechnik und Metallwaren.

Im Jahr 2013 flossen deutsche Direktinvestitionen in Höhe von geschätzt 2,2 Mrd. USD nach Brasilien; insgesamt beläuft sich der Bestand der deutschen Direktinvestitionen unter Einschluss von Reinvestitionen auf über 24 Mrd. USD. In Brasilien beschäftigen über 1.300 deutsch-brasilianische Unternehmen etwa 250.000 Menschen. São Paulo ist mit etwa 900 deutsch-brasilianischen Unternehmen einer der großen Standorte der deutschen Wirtschaft weltweit. Brasilianische Direktinvestitionen in Deutschland waren bisher nur in bescheidenem Umfang zu verzeichnen. Die massive Präsenz deutscher Unternehmen in Brasilien und ihre Waren-/Güterproduktion im Lande erklären auch, warum das bilaterale Handelsvolumen nicht noch höher ausfällt.

Die deutsche Außenwirtschaft verfügt in Brasilien über deutsch-brasilianische Industrie- und Handelskammern mit Sitz in São Paulo, Rio de Janeiro und Porto Alegre sowie über einen Korrespondenten der Germany Trade and Invest (gtai) in São Paulo. Die Außenhandelskammern informieren und beraten deutsche Exporteure und Investoren. Zur Vertiefung der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen finden jährlich Deutsch-Brasilianische Wirtschaftstage mit Unternehmertreffen statt. Sie werden durch den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und den Brasilianischen Industrieverband (Confederação Nacional da Indústria – CNI) organisiert. Damit verbunden tagt die Deutsch-Brasilianische Gemischte Kommission für Wirtschaftliche Zusammenarbeit. Die 33. Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstage haben am 20.-22. September 2015 in Joinville in Brasilien stattgefunden. (Die nächste Tagung soll am September dieses Jahres in Thüringen stattfinden). Sowohl bei den Wirtschaftstagen als auch bei diversen Auslandsmessen ist ein großes brasilianisches Interesse an deutschen Technologien für Zukunftsthemen wie Transport, Infrastruktur, urbane Entwicklung, Gesundheit, erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Klimaschutz zu beobachten.


Kultur und Bildung

Schwerpunkte der Zusammenarbeit bilden die Bereiche Förderung von Deutsch als Fremdsprache unter besonderer Berücksichtigung der Deutschen Schulen, die kulturelle Programmarbeit sowie der Wissenschafts- und Hochschulaustausch.

Die deutsch-brasilianischen Kulturbeziehungen haben durch das Deutschlandjahr in Brasilien 2013/2014 neue Impulse erhalten. Über 1100 Veranstaltungen – Ausstellungen wie der Science Tunnel mit über 40.000 Besuchern, Tourneen deutscher Sinfonie- und Kammermusikorchester, das Open-Air-Konzert der Pop-Band SEEED sowie der deutsche Gastlandauftritt auf der Buchmesse 2013 in Rio de Janeiro – haben stattgefunden. Die Fußball-WM 2014 hat dem Deutschlandbild in Brasilien einen weiteren positiven Schub gegeben.

Das Netzwerk des Goethe-Instituts in Brasilien umfasst insgesamt fünf Goethe-Institute (São Paulo, Rio de Janeiro, Salvador, Porto Alegre, Curitiba). Daneben gibt es das Goethe-Zentrum Brasília. Im Mittelpunkt der Tätigkeit steht die Spracharbeit, die durch umfangreiche Programmarbeit flankiert wird. Vor allem in den Siedlungsgebieten deutscher Einwanderer im Süden des Landes (Blumenau, Joinville, São Bento do Sul), aber auch im Nordosten (Recife, Fortaleza, Bélem) leisten zudem deutsch-brasilianische Kulturgesellschaften einen wertvollen Beitrag zur kulturellen Präsenz Deutschlands.

In Brasilien bestehen vier deutsche Begegnungsschulen, die zum deutschen Abitur führen (drei in São Paulo und eine in Rio de Janeiro). Mit ca. 10.000 größtenteils brasilianischen Schülerinnen und Schülern ist die Porto-Seguro-Schule in São Paulo die größte deutsche Auslandsschule weltweit. 50 sogenannte 'Schulen Partner der Zukunft' bieten als öffentliche und private Schulen Deutsch als Fremdsprache an. Über 2.100 Schülerinnen nehmen jährlich an Deutsch-Sprachtests und 750 an Austauschprogrammen mit Deutschland teil.  Deutsch wird in Brasilien als wichtige europäische Kultursprache, aber zunehmend auch als Schlüssel zu beruflichem und wissenschaftlichem Erfolg gesehen. Wo Deutsch als Fremdsprache angeboten wird, übersteigt die Nachfrage das Angebot. Als reguläres Unterrichtsfach an öffentlichen Schulen wird Deutsch als Fremdsprache allerdings fast ausschließlich im Süden des Landes unterrichtet.

Brasilien ist für den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) ein Schwerpunktland und gehört seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Kooperationsländern im Bereich der Hochschulzusammenarbeit. Zu den Austauschprogrammen, die der DAAD gemeinsam mit seinen brasilianischen Partnern durchführt, zählen das Stipendienprogramm für brasilianische Doktoranden, die Programme des Projektbezogenen Personenaustauschs (PROBRAL) und die Integrierten Projekte der Hochschulzusammenarbeit (UNIBRAL). In den letzten 10 Jahren (2005 bis 2014) haben insgesamt 21.905 brasilianische und deutsche Studenten sowie Wissenschaftler die DAAD-Stipendienprogramme in Anspruch genommen. Der DAAD wirkt auch in zentraler Funktion bei der Umsetzung des brasilianischen Mobilitätsprogramms 'Wissenschaft ohne Grenzen' mit. Seit 2011 wurde über 90.000 brasilianischen Studenten, Doktoranden und Nachwuchswissenschaftlern ein Studien- oder Forschungsaufenthalt im Ausland ermöglicht, davon rund 6.595 an deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen. Zur Sprachvorbereitung der Stipendiaten wurden pro Jahr zwischen zehn und 20 Lehrassistenten des DAAD an brasilianischen Hochschulen eingesetzt sowie Sprachkurse an deutschen Hochschulen angeboten.

Im Rahmen der Deutsch-Brasilianischen Regierungskonsultationen 2015 wurde zudem eine Absichtserklärung zum Sprachförderprogramm 'Deutsch ohne Grenzen' unterzeichnet, das gezielt die Sprachqualifikationen von brasilianischen Teilnehmern mit Blick auf einen Studienaufenthalt in Deutschland unterstützen soll.

Derzeit sind 7 entsandte DAAD-Lektoren in Brasilien (in Belém, Fortaleza, Rio de Janeiro, São Paulo (2), Porto Alegre und Belo Horizonte) eingesetzt. Sie sind auch mit Studienberatung und Werbung für den Forschungs- und Hochschulstandort Deutschland betraut.

Viele deutsche Universitäten haben eigenständige Kooperationsabkommen mit brasilianischen Universitäten auf den unterschiedlichsten Fachgebieten. Dass Deutschland für brasilianische Studenten ein immer attraktiverer Studienstandort ist, zeigt sich auch daran, dass Brasilien 2013 erstmals den Sprung unter die Top 20 bei der Erfassung der Herkunftsländer von ausländischen Studenten in Deutschland geschafft hat.


Forschung

Deutschland konnte mit politischen Initiativen wie dem 'Deutsch-Brasilianischen Jahr der Wissenschaft, Technologie und Innovation 2010/2011', dem 'Deutschlandjahr in Brasilien 2013/14' und der Einrichtung des Deutschen Wissenschafts- und Innovationshauses in São Paulo (www.dwih.com.br) seine Präsenz in Brasilien weiter ausbauen und der Kooperation neue Impulse geben. Im Laufe des Wissenschaftsjahres fanden weit über 100 Veranstaltungen statt und auch das Deutschlandjahr umfasste mit 140 Veranstaltungen ein umfangreiches Wissenschaftsprogramm. Im Deutschen Wissenschafts- und Innovationshaus São Paulo sind der DAAD, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die Fraunhofer-Gesellschaft (FhG) sowie fünf Vertreter (Freie Universität Berlin, Technische Universität München, Universitätsallianz Metropole Ruhr, UAS7 - German Universities of Applied Sciences, Westfälische Wilhelms-Universität Münster) von 13 Hochschulen untergebracht. Mit Moskau, New Delhi, New York und Tokio ist es der weltweit fünfte Standort, an dem in dieser Form über deutsche Wissenschaft und Forschung informiert und für die Zusammenarbeit mit innovativen deutschen Organisationen und Firmen geworben wird.

Brasilien ist zum geschätzten Partner der projektbezogenen Zusammenarbeit geworden. Neben den bilateralen Kooperationen von Forschungseinrichtungen und Universitäten, engagieren sich in Brasilien besonders stark die Helmholtz Forschungsgemeinschaft, die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Fraunhofer Gesellschaft, die Max-Planck-Gesellschaft, die Alexander von Humboldt Stiftung und die Leopoldina. Ein herausragendes bilaterales Forschungsprojekt stellt der 320m hohe Klimamessturm ATTO (Amazonian Tall Tower Observatory) dar, der in Ko-Finanzierung mit Brasilien vom Max Planck Institut für Chemie eingerichtet wird und Daten zur Analyse der Klimafunktion des Regenwalds liefert.


Entwicklungszusammenarbeit

Die entwicklungspolitische Zusammenarbeit mit Brasilien konzentriert sich auf die gemeinsame Bearbeitung globaler Themen. Schwerpunkte der umfangreichen Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung (ZnE) sind der Schutz und die nachhaltige Nutzung des Tropenwaldes und die Förderung von erneuerbaren Energien und Energieeffizienz.

Mit einer Fläche von 4,8 Millionen km² umfassen die brasilianischen Tropenwälder rund zehn Prozent der weltweiten Tropenwaldfläche, und mit 2,5 Millionen Tier- und Pflanzenarten machen sie Brasilien zum artenreichsten Land weltweit. Sie sind ein gigantischer Kohlenstoff-Speicher und regulieren regionale und globale Wasserkreisläufe. Deutschland kooperiert seit den 90er Jahren mit Brasilien zum Erhalt der Tropenwälder und engagiert sich heute in den Bereichen Schutz und Management von Indigenen-Gebieten, Boden- und Landrechtsfragen, Umweltmanagement und nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen.

Durch Beratung, Finanzierung und Pilotierung von Anlagen in den Bereichen Windkraft, Photovoltaik, Biogas, 'Concentrated Solar Power' und Energieeffizienz unterstützt Deutschlanddie Etablierung eines klimafreundlichen Energiemixes in Brasilien. Im Sinne der bei den Regierungskonsultationen verabschiedeten 'Gemeinsamen Absichtserklärung zur Zusammenarbeit im Rahmen einer Deutsch-Brasilianischen Urbanisierungspartnerschaft' rücken dabei zunehmend auch Fragen einer energieeffizienten und nachhaltigen Stadtentwicklung in den Fokus

Angesichts der Entwicklungserfolge Brasiliens spielen auch Dreieckskooperationen zur Weitergabe der eigenen Erfahrungen eine Rolle in der Kooperation.


Militär

Die brasilianischen und deutschen Streitkräfte pflegen seit 1962 gute und enge Beziehungen. 

Im Rahmen des Bilateralen Jahresprogrammes 2016 gibt es zwischen Brasilien und Deutschland 29 abgestimmte Maßnahmen im Bereich der bilateralen Kooperation. Dies betrifft Aspekte der Sicherheitspolitik, der allgemeinen Einsatzführung und Führungsunterstützung, der Durchführung von Projekten innerhalb der Teilstreitkräfte, der Sanität und der Ausbildung. Es gibt einen regen Personalaustausch im Bereich der Offiziers- und Unteroffiziersaus- und Weiterbildung. 


Entwicklungs­zusammenarbeit

Brasilien ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungs­zusammenarbeit.
Schwerpunkte der deutschen Entwicklungs­zusammenarbeit sind der Schutz des Tropenwaldes sowie die Förderung von erneuerbaren Energien und Energieeffizienz. Mehr dazu beim Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung:

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