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Estland

Wirtschaft

Stand: April 2016

Wirtschaftslage, Wirtschaftsstruktur

Estland verfolgt eine liberale Wirtschaftspolitik. Im Weltwirtschaftsforum-Ranking der wettbewerbsfähigsten Länder belegte Estland 2015/2016 den 30. Platz.

Nach der starken Rezession 2008/2009 hat die estnische Wirtschaft ihre Krise weitgehend hinter sich gelassen. Nach einem soliden Wachstum in den Jahren 2011 (7,6 %) und 2012 (5,2 %) blieb das Wachstum allerdings 2013 vor allem aufgrund der stark gesunkenen Exportnachfrage wichtiger Handelspartner (Finnland, Russland, Schweden) bei 1,6%. 2014 stieg das Wachstum auf 2,9%. Für  2015 betrug das Wachstum 1,1%. Für 2016 wird wieder ein leichter Anstieg auf 2,1% erwartet. Das russische Einfuhrverbot für EU-Lebensmittel trifft insbesondere die estnische Fischindustrie  (Quelle: EST Statistikamt).

Estland verfügt über ein weitgehend liberalisiertes Arbeitsrecht, das im Arbeitsvertragsgesetz 2009 umfassend modifiziert wurde. Damit verbunden sind die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und eine Verbesserung der Sozialversicherungsstandards von Arbeitnehmern.

Die Grundlage für die wirtschaftliche Erholung bildet zunehmend auch eine stärkere Inlandsnachfrage. Nach dem historischen Höchststand von 19% im 1. Quartal 2010 geht die registrierte Arbeitslosigkeit seitdem kontinuierlich zurück. Sie liegt heute bei 6,4 %   und somit unter dem EU-Durchschnitt von 9,5%. Angesichts niedriger Gehälter stellt die Abwanderung junger qualifizierter Kräfte ins Ausland ein Problem dar.


Wichtigste Wirtschaftszweige

Zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen gehören Finanzdienstleistungen, Transport/Logistik, Telekommunikation, Tourismus, Handel und die Immobilien- und Baubranche. Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei spielen hingegen eine eher untergeordnete Rolle.

Der Güterumschlag in den estnischen Häfen, auch der Transithandel mit Rohstoffen aus Russland, stieg 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 2,66% an. Insgesamt wurden 44,25 Millionen Tonnen umgeschlagen. Generell verschärft sich der Wettbewerb im Transport- und Logistikbereich, da vor allem Russland, aber auch die anderen baltischen Staaten den Ausbau ihrer Häfen und Logistikinfrastruktur stark vorantreiben. Estland reagiert darauf mit diversen Investitionsmaßnahmen sowie einer stärkeren Diversifizierung. Im Passagierbereich hingegen verzeichneten die estnischen Häfen 2014 erneut ein Rekordaufkommen von 9,9 Millionen Menschen.

In Estland genießen moderne Informations- und Kommunikationstechnologien eine hohe Akzeptanz; PCs, Mobiltelefone und Internetbanking sind weit verbreitet. Das Land ist stolz auf innovative Projekte wie die flächendeckende Anwendung von „e-government“ oder „e-learning“. Bei den Kommunalwahlen im Oktober 2005 wurde das „e-voting“ erstmals angewandt. Bei den Europawahlen am 25. Mai 2014 wurden 103.151 Stimmen (11,4%) elektronisch abgegeben, bei den Parlamentswahlen am 1.3.2015 stimmten 19,6% per Internet ab.

Estlands Tourismussektor zählte bis zur globalen Wirtschafts- und Finanzkrise zu den wachstumsstärksten Branchen des Landes (bis zu 8% des Bruttoinlandsprodukts). Die Erholung der Weltwirtschaft, die Einrichtung neuer Flugverbindungen und die vergleichsweise günstigen Übernachtungskosten haben den Auslandstourismus insgesamt ansteigen lassen (im Vergleich zu 2013 um 1%). Die Zahl der Übernachtungen ausländischer Gäste verringerte sich im Vergleich zum Vorjahr um 0,1% auf 1,92 Millionen. Darüber hinaus besuchten 2015 492.881 Kreuzfahrt-Touristen das Land.


Außenwirtschaft

Eine liberale Wirtschaftspolitik sowie die Rechtsangleichung an EU-Richtlinien gelten als gute Investitionsbedingungen für ausländische Unternehmen. Unabhängig von ihrer Herkunft werden Investoren und Unternehmer in Bezug auf Verwaltungsverfahren, Steuerpolitik etc. gleich behandelt.

Als Wettbewerbs- und Standortvorteil gilt eine attraktive Unternehmensbesteuerung. Für Körperschaften wird die Einkommensteuer von derzeit 20% erst dann erhoben, wenn Gewinne ausgeschüttet werden.

Im  Jahr 2015 betrug das Außenhandelsvolumen 24,7 Milliarden Euro (2014: 25,9 Milliarden Euro) mit einem Exportanteil von 11,6 Milliarden Euro (2014: 12,1 Milliarden Euro) und einem Importanteil von 13,1 Milliarden Euro (2014: 13,1 Milliarden Euro). Das Handelsbilanzdefizit betrug rund 1,4 Mrd. Euro(2014: 1,7 Milliarden Euro).

Die EU-Mitgliedstaaten und Russland sind die wichtigsten Handelspartner Estlands. Die Ausfuhren in die europäischen Länder bestehen im Wesentlichen aus Maschinen, Geräten und Anlagen, Holz(-produkten), Metall(-waren) und Textilien sowie Öl aus Ölschiefer und Elektroenergie.

Die Messeaktivitäten in Estland konzentrieren sich örtlich auf Tallinn und Tartu, inhaltlich auf den privaten Konsumbereich. Den größten Zulauf verzeichnen die jährliche Baumesse (Eesti Ehitab), die Maschinenbaumesse (Instrutec) und die Tourismusmesse.


Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen

Seit 9. Dezember 2010 ist Estland volles Mitglied der OECD. Estland ist Mitglied des Internationalen Währungsfonds und der Weltbankgruppe. Ende November 1999 trat Estland der Welthandelsorganisation bei.

Die regionale Kooperation orientiert sich in erster Linie im Ostseeraum. Estland ist Mitglied im Ostseerat sowie im 1994 geschaffenen Baltischen Ministerrat (Baltic Council of Ministers). Die Kooperation in der Ostsee-Region im Rahmen der „Nördlichen Dimension“ der EU hat für Estland zunehmende Bedeutung. Estland übernahm im Juli 2014 den Vorsitz in relevanten Foren der Ostseezusammenarbeit (z.B. Ostseerat).


Energiepolitik

Die Frage der Energiesicherheit ist eines der wichtigsten außen- und sicherheitspolitischen Themen, da Estlands Wirtschaft zu den energieintensivsten der EU gehört. Estland strebt in seinen langfristigen Planungen eine größtmögliche Energieunabhängigkeit von Russland an. Dazu konzentriert man sich auf folgende Schwerpunkte:

  •     Einbindung in europäische Netze (Strom, Gas)
  •     Effizientere und umweltschonendere Nutzung der eigenen Ölschiefer-Vorräte
  •     Bau eines regionalen Flüssiggas-Terminals
  •     Entwicklung erneuerbarer Energieträger (Windkraft, Biomasse)
  •     Steigerung der Energieeffizienz, besonders im Gebäudebereich

Noch immer dominiert bei der Primärenergieerzeugung der einheimische Ölschiefer mit gut 80%, wenn auch mit leicht abnehmender Tendenz zugunsten erneuerbarer Energien.

Durch den Einbau von Filteranlagen Anfang 2012 genügen die bestehenden mit Ölschiefer befeuerten Kraftwerke inzwischen strikten EU-Umweltnormen. Mit der Erweiterung der bereits bestehenden Estlink-Strombrücke nach Finnland durch ein weiteres Kabel soll die energetische Insellage des Landes weiter überwunden werden. Das Unterseekabel „Estlink-2“ wurde am 6. März 2014 in Betrieb genommen.

Zusätzlich arbeiten Estland und Finnland an einem Konzept für eine Gaspipeline (Balticconnector) und neuen LNG-Terminals in beiden Ländern. Nachdem die EU-Kommission den vorgelegten Förderantrag für das Projekt im Oktober 2014 abgelehnt hat, musste die Planung modifiziert und 2015 ein neuer Antrag gestellt werden.

Estland ist auch weiterhin grundsätzlich zur Beteiligung (von bis zu ca. 1 Milliarde Euro) an einem neuen Kernkraftwerk in Litauen bereit.


Umweltpolitik

Die EU-Vorgabe, bis 2020 den Anteil erneuerbarer Energien am Bruttoendenergieverbrauch auf 25% zu steigern, hat Estland bereits 2012 erfüllt. Umweltpolitisch problematisch ist die Ölschieferverbrennung. 60% des verbrannten Ölschiefers bleibt als Asche zurück, die auf Halden gelagert wird. Hinzu kommen Grundwasserverschmutzung und Landschaftszerstörung durch den Ölschiefer-Tagebau. Estland ist zuversichtlich, die EU-Grenzwerte für CO2 bis 2016 deutlich zu unterbieten.

2013 wurden aus Mitteln der EU im Umweltbereich 170 Millionen Euro investiert, davon 129 Millionen Euro in die Wasserwirtschaft.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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