Hauptinhalt

Simbabwe

Kultur- und Bildungspolitik

Stand: April 2014

Kulturpolitik

Kulturell ist Simbabwe noch immer stark von der früheren Kolonialmacht Großbritannien geprägt. Sprache, Schulwesen, Habitus der gebildeten Schichten und Vorlieben für Fußballvereine sind mit dem britischen Erbe eng verbunden. Ein Erbe, das die Regierung bei der Unabhängigkeit 1980 einerseits bewusst übernommen hatte (auch um jungen Simbabwern den Weg an westliche, vor allem britische Universitäten zu ebnen), das sie andererseits aber als "kolonialistisches" Relikt abzulehnen begann und mittlerweile sogar bekämpft. An seine Stelle soll in bewusster Abkehr vom Westen eine aus lokalen Traditionen und panafrikanischen Vorstellungen gespeiste simbabwische kulturelle Identität treten. Einen wichtigen Einschnitt bedeutet insofern die Abschaffung der in Großbritannien und international anerkannten Schulabschlüsse im Schuljahr 2003. Der immer kleiner werdende Rest (geschätzt noch etwa 20.000) der weißen Bevölkerung orientiert sich dennoch weiterhin an westlicher, vor allem angelsächsischer Kultur, während die schwarze Bevölkerungsmehrheit außerhalb der großen Städte stark in ihren lokalen Traditionen verwurzelt bleibt. Auch aus diesen Gründen gelang es bisher nicht, eine eigene gemeinsame kulturelle Identität zwischen schwarzem und weißem Bevölkerungsteil zu bilden. Daraus ergeben sich Anknüpfungspunkte für die von der Regierung aus machtpolitischem Kalkül betriebene Ausgrenzung des weißen Bevölkerungsteils als "europäisch" oder "britisch". Die insbesondere zu Wahlkampfzeiten immer wieder betriebene offen rassistische Propaganda hat bislang jedoch in der Bevölkerung nicht verfangen.

Die Steinbildhauerei (unter dem Namen Shona-Skulpturen geläufig) ist zum Symbol für Kunst aus Simbabwe geworden und findet auch im Ausland ihren Markt. Private Publikationen beleben den Buch- und Medienmarkt.

Das Interesse an ausländischer, auch deutscher Kultur ist in Simbabwe beträchtlich. Veranstaltungen finden immer ein interessiertes Publikum, insbesondere in der gut ausgebildeten schwarzen Mittelschicht.


Bildungssystem

Das zur Kolonialzeit weitgehend von den Kirchen getragene Bildungssystem wurde von der Regierung seit der Unabhängigkeit weiter ausgebaut, leidet jedoch an starker Unterfinanzierung aufgrund der wirtschaftlichen Krise. Die Analphabetenquote beträgt rund 20 Prozent. Hungersnot und AIDS-Pandemie führten in ländlichen Gebieten in den letzten Jahren zu einem deutlichen Rückgang des Schulbesuchs. Die schwere wirtschaftliche Krise hatte einen Anstieg der Kinderarbeit zu Lasten des Schulbesuchs zur Folge.

Die University of Zimbabwe in Harare mit ca. 10.000 Studenten ist chronisch überlastet und nahezu mittellos. Weitere (Fach-)Hochschulen befinden sich in Harare, Masvingo, Gweru, Mutare, Chinhoyi, Bindura und Bulawayo. Die Studenten sind stark politisiert, die Hochschulen sind Hochburgen der gesellschaftlichen und politischen Opposition. Die Lehrtätigkeit wird durch häufig wiederkehrende Streiks von Professoren und Dozenten für höhere Löhne erheblich in Mitleidenschaft gezogen.

Nach jahrelanger Vernachlässigung bewegt sich das gesamte simbabwische Bildungssystem mittlerweile ständig am Rande des völligen Kollaps. 2008 musste für eine gesamte Schülergeneration als verlorenes Jahr gelten, die Universitäten stehen wegen chronischer Unterfinanzierung am Rande der Schließung. Seit Bildung der Übergangsregierung gibt es jedoch Stabilisierungstendenzen, auch dank westlicher Hilfe. Zahlreiche Geber – darunter auch Deutschland - haben in einen vom Erziehungsminister ins Leben gerufenen und von UNICEF verwalteten Bildungsfonds eingezahlt, um alle Schüler mit Schulbüchern auszustatten, benachteiligten Schülern zu helfen und begabte Schüler zu fördern. Seit 2012 sind Dank dieser internationalen Hilfe alle Grundschüler und Sekundarschüler vollständig mit eigenen Schulbüchern versorgt.


Medien

Die Wiederherstellung der Medienfreiheit durch Gesetzesänderung ist Teil des Reformprogramms aus dem Global Political Agreement  (GPA) von 2008. Die Medien sind jedoch weiterhin weitgehend staatlich gelenkt und verbreiten ZANU-PF-Propaganda. Bei den elektronischen Medien (Radio, Fernsehen), die am meisten verbreitet sind, verfügt ZANU-PF weiterhin über ein Monopol. Die von ihr kontrollierten Tageszeitungen "The Herald" (Harare) und "The Chronicle" (Bulawayo) sowie der regierungsnahe "Daily Mirror" beherrschten seit September 2003 den Markt. Inzwischen gibt es jedoch mehrere Tages- und Wochenzeitungen, die unabhängig und seriös der ZANU-PF Propaganda entgegensteuern. Seit Anfang 2010 die neue, im Allgemeinen Politischen Abkommen vereinbarte Medienkommission ihre Arbeit aufgenommen hat, sind nacheinander und mit einigem zeitlichen Abstand wieder zwei unabhängige Tageszeitungen auf dem Markt erschienen: die "NewsDay" und die seinerzeit verbotene "Daily News". Ausländische Printmedien (in erster Linie aus Südafrika und Großbritannien) sind mit gewisser Verspätung zumindest in der Hauptstadt Harare erhältlich. In den Städten findet die kritische und unabhängige Tages- und Wochenendpresse ihre Leserschaft. Auf dem Lande verfügen die regierungseigenen Medien hingegen de facto über ein Informationsmonopol, das der MDC bislang nicht brechen konnte. Die Wiederherstellung der Medienfreiheit durch Gesetzesänderung ist Teil des Reformprogramms aus dem GPA, sie gelang aber nur unvollständig. Simbabwe hat heute dennoch eine beeindruckende Meinungsvielfalt im Bereich der Printmedien aufzuweisen. In den vor allem für die Informationsversorgung der ländlichen Bevölkerung alles entscheidenden elektronischen Medien ist die ZANU-PF bisher dagegen nicht bereit, ihren eisernen Griff durch Umbau der Rundfunkräte u.ä. zu lockern, was sich zuletzt bei den Wahlen im Juni 2013 durch einseitige Berichterstattung zu Gunsten der ZANU-PF gravierend bemerkbar gemacht hat.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Seite teilen:

Einreise & Aufenthalt

Auswärtiges Amt

Reise & Sicherheit

Außen- und Europapolitik

Ausbildung & Karriere