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Moldau, Republik

Wirtschaft

Stand: September 2016

Wirtschaftliche Lage

Die Republik Moldau hat eine in weiten Teilen freie Marktwirtschaft. Als Teil des Assoziierungsabkommens mit der EU ist die Einrichtung einer vertieften und umfassenden Freihandelszone (Deep and Comprehensive Free Trade Area - DCFTA) vereinbart worden. Diese Freihandelszone sowie die schrittweise Annäherung moldauischer Rechtsvorschriften an EU-Rechtsvorschriften ermöglichen der Republik Moldau eine enge Anbindung an den EU-Binnenmarkt. Das Abkommen wird seit Herbst 2014 in Teilen vorläufig angewendet. Am 1. Juli trat das Abkommen vollständig in Kraft.

Das BIP schrumpfte 2015 nach bisherigen Schätzungen im Vergleich zum Vorjahr um ca. 1% (real, 2014: +4,6%). Für 2016 gehen Prognosen von einem Wachstum zwischen 1% und 3% aus. Mit einem BIP pro Kopf von 2.233 USD (nominal, 2015) ist die Republik Moldau eines der ärmsten Länder Europas.

Die EU ist größter Handelspartner der Republik Moldau. Laut dem nationalen Statistikamt der Republik Moldau stammten 2014 48,3% der Importe aus der EU und 27,3% aus den GUS-Staaten. Das Land exportierte 53,3% der Ausfuhrgüter in die EU und 31,4% in die GUS-Region. Die enge Verflechtung mit Russland ist weiterhin von hoher Bedeutung für die Wirtschaft der Republik Moldau. Sie ist in hohem Maße auf russische Energieimporte, Rücküberweisungen von dort lebenden Gastarbeitern und Russland als wichtigem Absatzmarkt für Agrarerzeugnisse angewiesen.

Die Verbesserung des Geschäftsklimas und der Investitionsbedingungen, der Abbau von bürokratischen Hindernissen sowie der Kampf gegen die Korruption gehören zu den erklärten Prioritäten der Regierung. Gleichzeitig werden jedoch immer wieder Fälle der Veruntreuung von Staatsvermögen und des Missbrauchs von staatlichen Ämtern bekannt. Der nicht aufgeklärte Abfluss von bis zu 1 Mrd. USD aus dem moldauischen Bankensystem Ende 2014 hat dafür gesorgt, dass die EU und die Weltbank ihre Budgethilfeprogramme vorerst suspendiert haben.

Den Freien Wirtschaftszonen kommt für ausländische Unternehmen große Bedeutung zu, da sie ihnen Steuervorteile und eine verbesserte Infrastruktur bieten. Der Zufluss ausländischer Direktinvestitionen betrug in den ersten drei Quartalen 2014 296 Mio. USD. Etwas mehr als die Hälfte kamen aus der EU und 11% aus den GUS-Ländern. Die Russische Föderation bleibt größter Einzelinvestor in der Republik Moldau.


Wirtschaftszweige

Moldau ist mit seinen fruchtbaren Schwarzerde-Böden und mildem Klima traditionell landwirtschaftlich geprägt. Wein, Rüben, Sonnenblumen, Lavendel, Mais und Getreide spielen eine wesentliche Rolle.

Dienstleistungen machten 2015 insgesamt 63,2% des BIPs aus. Die Industrieproduktion und die Bauwirtschaft hatten einen Anteil von insgesamt 20,7%. Die Agrarwirtschaft belegte den dritten Platz mit 16,2% (zum Vergleich: 29% im Jahre 2000). In der Republik Moldau ist die Leichtindustrie (Textil, Schuhe, Teppiche) stark vertreten. In jüngster Zeit spielen Autozulieferer aus den EU-Mitgliedstaaten eine wachsende Rolle.50,5% der Beschäftigten arbeiteten 2015 im Dienstleistungssektor, 31,7% in der Landwirtschaft und in der Industrieproduktion sowie Bauwirtschaft insgesamt 17,7 %.


Außenhandel

Moldau bleibt von Importen abhängig; Das Handelsbilanzdefizit ist jedoch gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen: Die Exporte fielen im Jahr 2015 um 15.9% auf 1,97 Mrd. USD (2014: 2,34 Mrd. USD), die Importe um 25 % auf 3,98 Mrd. USD (2014: 5,32 Mrd. USD). Exportiert werden vor allem Agrarprodukte (Wein, Gemüse, Obst, Trockenfrüchte, Fleisch, Tiere), Schuhe und Textilien sowie in beschränktem Umfang Elektrotechnik. Seit 2014 ist Rumänien wichtigster bilateraler Handelspartner Moldaus und überholte damit Russland. Die Exporte nach Russland brachen 2015 im Vergleich zum Vorjahr erneut ein (Rückgang um 44%), die Importe um 25 %. Bei den Einfuhren waren 2015 nach Rumänien und Russland die wichtigsten Handelspartner die Ukraine und Deutschland. Italien folgt an fünfter Stelle. Bei den Ausfuhren stehen Rumänien, Russland und Italien vorn. Die Exporte nach Deutschland (an 6. Stelle) gingen stark zurück.

Im September 2013 suspendierte die Russische Föderation den Import moldauischer Weine, im Juli 2014 wurde ein Importverbot für verschiedene Früchte und Konserven ausgesprochen. Die EU reagierte mit der Liberalisierung des Weinhandels mit der Republik Moldau und zusätzlichen Marktöffnungen.


Energie

Moldau ist zu 100% abhängig von Gasimporten aus Russland. Rund 30% der Ausgaben für Importe entfallen auf Energieträger.

Im Herbst 2014 wurde eine Gaspipeline fertiggestellt, die Rumänien (Iaşi) und Moldau (Ungheni) verbindet. Das Projekt mit einem Finanzvolumen von ca. 20 Mio. EUR wurde maßgeblich von der EU und Rumänien finanziert.

Die Energieeffizienz zu erhöhen, erneuerbare Energien stärker zu gewichten und neue Energiepartnerschaften zu etablieren sind erklärte strategische Ziele der Regierung. Ein Gesetzentwurf zur Förderung erneuerbarer Energien und zur Regelung der dezentralen Einspeisung liegt aktuell dem Parlament vor.


Soziales

Die Republik Moldau rangiert beim Human Development Index auf Rang 114 von 187 Ländern. Das Stadt-Land-Gefälle ist beträchtlich. In den meisten Dörfern fehlt der Anschluss an das Wasser- und Abwassersystem, Straßen und Wege sind oft unbefestigt. Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie häusliche Gewalt sind keine Seltenheit. Zahlreiche Dörfer sind verwaist. Eltern gehen vielfach als Arbeitsmigranten ins Ausland und lassen Kinder („Sozialwaisen“) und alte Menschen zurück. Die Rücküberweisungen der ca. 800.000 Auslands-Moldauer belaufen sich auf etwa ein Viertel der Höhe des BIP. Dies stabilisiert den inländischen Konsum, allerdings fehlen qualifizierte Arbeitskräfte für nachhaltiges produktives Wachstum in Inland.

Die Arbeitslosenrate wurde für 2015 mit 4,9% angegeben. Diese Zahl berücksichtigt weder die Migranten noch die erhebliche Schattenwirtschaft. Das monatliche Durchschnittsgehalt von knapp 220 Euro reicht zum Leben nicht aus. Auf den Dörfern wird daher häufig Subsistenzwirtschaft betrieben; in den Städten sind Mehrfach- und Gelegenheitsjobs die Regel.


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