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Moldau, Republik

Wirtschaftspolitik

Stand: August 2014

Charakterisierung der Wirtschaft Moldaus

Die Republik Moldau hat eine in weiten Teilen freie Marktwirtschaft. Mittel- und langfristig hat sich die Regierung das Ziel gesetzt, von einer konsum- und importbasierten Wirtschaftweise hin zu einem Wirtschaftswachstum zu kommen, das von Produktion und Innovation getrieben wird.

Als Teil des Assoziierungsabkommens mit der EU ist die Einrichtung einer vertieften und umfassenden Freihandelszone (DCFTA) vereinbart worden. Diese Freihandelszone sowie die schrittweise Annäherung moldauischer Rechtsvorschriften an EU-Rechtsvorschriften ermöglichen der Republik Moldau eine enge Anbindung an den EU-Binnenmarkt. Mit Beginn der vorläufigen Anwendung des Abkommens ab Herbst 2014 wird es Schritt für Schritt seine Wirkung entfalten.

Das BIP wuchs 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 8,9%. Für 2014 gehen Prognosen von einem Wachstum von bis zu 3,5% aus. Mit einem BIP pro Kopf von 1.675 EUR (nominal, 2013) ist die Republik Moldau eines der ärmsten Länder Europas.

Die EU ist größter Handelspartner der Republik Moldau. 2013 stammten 45% der moldauischen Importe aus der EU und 30% aus den GUS-Staaten. Die enge Verflechtung mit Russland ist weiterhin von hoher Bedeutung für die Wirtschaft der Republik Moldau. Sie ist in hohem Maße auf russische Energieimporte, Rücküberweisungen von Gastarbeitern aus Russland und Russland als wichtigem Absatzmarkt für Agrarerzeugnisse angewiesen.

Die Verbesserung des Geschäftsklimas und der Investitionsbedingungen, der Abbau von bürokratischen Hindernissen sowie der Kampf gegen die Korruption gehören zu den erklärten Prioritäten der Regierung. Gleichzeitig werden jedoch immer wieder Fälle der Veruntreuung von Staatsvermögen bzw. des Missbrauchs von staatlichen Ämtern bekannt. Die EU-Annäherung bleibt der wichtigste Motor für Reformen in Justiz und Verwaltung.

Den Freien Wirtschaftszonen kommt für ausländische Unternehmen große Bedeutung zu, da sie ihnen Steuervorteile und eine verbesserte Infrastruktur bieten. Die Höhe ausländischer Direktinvestitionen betrugen 2013 174 Mio. EUR. Etwas mehr als die Hälfte kamen aus der EU und 11% aus den GUS-Ländern. Die Russische Föderation bleibt größter Einzelinvestor in der Republik Moldau.


Wirtschaftszweige

Moldau ist mit seinen fruchtbaren Schwarzerde-Böden und mildem Klima traditionell landwirtschaftlich geprägt. Wein, Rüben, Sonnenblumen, Lavendel, Mais und Getreide spielen eine wesentliche Rolle. Die Agrarwirtschaft trug 2013 12% zum BIP bei (zum Vergleich: 29% im Jahre 2000), mehr als 21% aller moldauischen Arbeitnehmer sind in der Landwirtschaft beschäftigt.

Dienstleistungen machten 2013 insgesamt 59% des BIPs aus, mehr als 10% trägt der vor allem in Chişinău konzentrierte IT-Sektor zum BIP bei. Die Industrieproduktion hatte einen Anteil von 14%. In der Republik Moldau ist die Leichtindustrie (Textil, Schuhe, Teppiche) stark vertreten. In jüngster Zeit spielen Autozulieferer aus den EU-Mitgliedstaaten eine wachsende Rolle.


Außenhandel

Das Handelsbilanzdefizit ist groß, aber mit rückläufiger Tendenz. 2013 stiegen die Exporte aus Moldau mit 1,8 Mrd. EUR kräftig und die Importe mit 4,1 Mrd. EUR leicht an. Bei den Einfuhren sind Moldaus größte Handelspartner Russland, Rumänien und die Ukraine. China liegt bei den Einfuhren wie im Vorjahr auf dem vierten Platz. Bei den Ausfuhren führen Russland, Rumänien und Italien die Statistik an. Exportiert werden vor allem Agrarprodukte (Wein, Gemüse, Obst, Trockenfrüchte, Fleisch, Tiere), Schuhe und Textilien sowie in beschränktem Umfang Elektrotechnik. Die Exporte nach Deutschland stiegen 2013 wieder stark an. Die kontrollierte Abwertung gegenüber dem Euro und US-Dollar im zweiten Halbjahr 2013 hat den Export beflügelt.

Im September 2013 suspendierte die Russische Föderation den Import moldauischer Weine, im Juli 2014 wurde ein Importverbot für verschiedene Früchte und Konserven ausgesprochen. Die EU reagierte mit der Liberalisierung des Weinhandels mit der Republik Moldau und zusätzlichen Marktöffnungen.


Energie

Moldau ist zu 100% abhängig von Gasimporten aus Russland. Rund 30% der Ausgaben für Importe entfallen auf Energieträger.

Im Sommer 2013 wurde der Bau einer Gaspipeline begonnen, die Rumänien (Iaşi) und Moldau (Ungheni) verbinden wird. Die Fertigstellung wird im Spätsommer 2014 erwartet. Das Projekt mit einem Finanzvolumen von ca. 20 Mio. EUR wird maßgeblich von der EU und Rumänien finanziert.

Die Energieeffizienz zu erhöhen, erneuerbare Energien stärker zu gewichten und neue Energiepartnerschaften zu etablieren sind erklärte strategische Ziele der Regierung. Ein Gesetzentwurf zur Förderung erneuerbarer Energien und zur Regelung der dezentralen Einspeisung liegt aktuell dem Parlament vor.


Soziale Lage

Die Republik Moldau rangiert beim Human Development Index auf Rang 113 von 187 Ländern. Das Stadt-Land-Gefälle ist beträchtlich. In den meisten Dörfern fehlt der Anschluss an das Wasser- und Abwassersystem, Straßen und Wege sind oft unbefestigt. Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie häusliche Gewalt sind keine Seltenheit. Zahlreiche Dörfer sind verwaist. Eltern gehen vielfach als Arbeitsmigranten ins Ausland und lassen Kinder („Sozialwaisen“) und alte Menschen zurück. Die Rücküberweisungen der ca. 800.000 Auslands-Moldauer belaufen sich auf ca. ein Viertel der Höhe des BIP. Dies stabilisiert den inländischen Konsum, allerdings fehlen qualifizierte Arbeitskräfte für nachhaltiges produktives Wachstum in Inland.

Die Arbeitslosenrate wird für 2013 mit 5,2% angegeben. Diese Zahl berücksichtigt weder die Migranten noch die erhebliche Schattenwirtschaft. Das monatliche Durchschnittsgehalt von knapp 225 EUR reicht zum Leben nicht aus. Auf den Dörfern wird daher häufig Subsistenzwirtschaft betrieben; in den Städten sind Mehrfach- und Gelegenheitsjobs die Regel.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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