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Estland

Kultur- und Bildungspolitik

Stand: März 2014

Grundlinien der Kulturpolitik

Estland ist ein Land mit einer international ausgerichteten, vielfältigen und lebendigen Kulturszene, das sich im Verlauf seiner wechselhaften Geschichte immer den großen Kulturnationen zugehörig fühlte. Herausragende Bedeutung kommt der großen Musiktradition zu, aber auch Film, Theater und darstellende Kunst befinden sich seit Jahren im Aufwärtstrend. 2011 war Tallinn gemeinsam mit Turku in Finnland Europäische Kulturhauptstadt.

Die staatliche Stiftung "Kultuurkapital" unterstützt estnische Kulturprojekte in allen Sparten. Zahlreiche Projekte, wie die Renovierung des historischen Guts Palmse (Palms), der Wiederaufbau der Tartuer Johanneskirche und die Restaurierung der Wappenepitaphe in der Tallinner Domkirche, knüpfen an die 700-jährige gemeinsame deutsch-estnische Kulturgeschichte an und erfolgten mit Unterstützung aus Deutschland. In der Hauptstadt und auch zunehmend in den Regionen sind günstige Bedingungen im Kulturbereich vorhanden, die sich im vielfältigen und anspruchsvollen kulturellen Angebot widerspiegeln. Im Bildungsbereich bemüht sich der estnische Staat um strukturelle Reformen, um die Schul- und Hochschullandschaft der demographischen Entwicklung mit insgesamt rückläufigen Schüler- und Studentenzahlen anzupassen.

Wissenschaft und Hochschulen

Die estnische Hochschullandschaft wird maßgeblich von der traditionsreichen Universität Tartu (Dorpat) bestimmt. Aus der ältesten Universität des Landes sind in den letzten Jahrhunderten zahlreiche Forscher, Wissenschaftler und Professoren von internationalem Rang und Namen hervorgegangen. Neben der Universität Tartu nehmen die Technische Universität Tallinn und die 2005 in „Universität Tallinn“ umbenannte ehemalige Pädagogische Hochschule Tallinn prominente Plätze auf der Liste der 29 Hoch- und Fachhochschulen des Landes ein.

Viele der genannten Hochschulen pflegen enge wissenschaftliche Kontakte zu deutschen Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen. Der Austausch von Wissenschaftlern, Forschern und Studenten nimmt seit Jahren einen festen Platz in diesen Beziehungen ein. An der Universität Tartu findet seit 1996 jedes Jahr im Herbst die deutsch-estnische akademische Woche (Academica) statt.

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) entsendet auf Antrag Dozenten verschiedener Fachrichtungen für Kurz- und Langzeitdozenturen und ermöglicht zurzeit zwei Germanistik-Lektoren, - und je eine Fachdozentur Jura, Wirtschaft und Germanistik in Estland. Die regulären Förderprogramme umfassen Forschungsstipendien für Graduierte aller Fachrichtungen, Semesterstipendien für Germanisten, Stipendien für Masterprogramme in Deutschland, Hochschulsommerkurse, Forschungsaufenthalte für Wissenschaftler sowie Studienreisen und Studienpraktika. 

Deutsch als Fremdsprache in Estland

In Estnischen Schulen ist Deutsch nach Englisch und Russisch die meist gelernte Fremdsprache. Insgesamt lernen 12% der estnischen Schüler Deutsch. An 12 Schulen in Estland, die der Initiative „Schulen – Partner der Zukunft“ angehören, können sie ihre Deutschkenntnisse in Form des international anerkannten Deutschen Sprachdiploms (DSD) nachweisen. Das Deutsche Gymnasium Tallinn (Tallinna Saksa Gümnaasium) bietet darüberhinaus die Möglichkeit des deutsch-estnischen Doppelabiturs. Seit dem Schuljahr 2013/14 sind die Sprachprüfungen des Goethe-Instituts offizielle Abiturprüfungen im Fach Deutsch. Estnische Schulen und Lehrer werden von Deutschen Sprachmittlern (Goethe-Institut, Deutsche Kulturinstitute Tallinn und Tartu, Fachberatung der Zentralstelle für Auslandsschulwesen, Pädagogischer Austauschdienst) mit Lehrmaterialien und Fortbildungen unterstützt.

Für Deutschlerner werden zahlreiche Projekte und Wett­bewerbe angeboten, in denen sie ihre Deutsch­kenntnisse praktisch anwenden können. Der Deutsch­unterricht beginnt bereits bei den Jüngsten: derzeit bieten mit Unterstützung des Projekts „Frühes Deutsch“ des Goethe Instituts 23 Kindergärten und 15 Schulen in der 1. und 2. Klasse spielerischen Deutschunterricht. Mit dem 2013 gestarteten Projekt „Tag der Deutschen Sprache“ und einem Sprachmotivationsspiel werben deutsche Institutionen gemeinsam an Schulen in ganz Estland für die deutsche Sprache.

Medien

Die Pressefreiheit ist in Estland uneingeschränkt gewährleistet (Platz 11 von 180des „World Press Freedom Index“). Im Bereich der elektronischen Medien haben sich neben dem öffentlich-rechtlichen Hörfunk- und Fernsehsystem, die inzwischen zu einer Sendeanstalt verschmolzen sind, zahlreiche kommerzielle Rundfunkanbieter etabliert. Estland hat sich seit Juni 2010 komplett vom analogen auf den digitalen Rundfunk umgestellt. Die wichtigsten estnischsprachigen Tageszeitungen sind „Postimees“, „Eesti Päevaleht“, die Boulevardzeitung „Õhtuleht“, die Wirtschaftszeitung Äripäev sowie das Wochenblatt "Eesti Ekspress" („Postimees“ und „Äripäev“ erscheinen auch als russischsprachige Ausgabe). 

Alle Zeitungen verfügen über ein (teils kostenpflichtiges) Online-Angebot. Das beliebteste Online-Nachrichtenportal delfi.ee bietet Meldungen aus verschiedenen Printausgaben (Eesti Express, Eesti Päevaleht, Maaleht).

Daneben gibt es zwei russischsprachige Tageszeitungen, die wegen der wirtschaftlichen Lage seit Frühling 2009 jedoch nur noch als Online-Ausgabe erscheinen, sowie drei russischsprachige Wochenzeitungen und eine englischsprachige Wochenzeitung („The Baltic Times“). Die Nachrichtenagenturen “Baltic News Service“ und Äripäev/Bonnier Group bieten englischsprachige Nachrichten an. Der russischsprachige Bevölkerungsteil sieht größtenteils russisches Fernsehen, das in Estland empfangen werden kann.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.