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Italien

Beziehungen zu Deutschland

Stand: März 2014

Politische Beziehungen

Die deutsch-italienischen Beziehungen sind eng. Gemeinsamkeiten in der historischen Entwicklung (Deutschland und Italien als "späte Nationen"), die heutige Position beider Länder in der Mitte Europas und ihre Mitgliedschaft in der NATO in der Europäischen Union, der umfangreiche Handelsaustausch sowie die Vielschichtigkeit der Kontakte (u.a. Kultur, Tourismus, Sport, gesellschaftliche Gruppen, Gewerkschaften) stellen eine exzellente Basis dar. Gelegentlich auftretende Meinungsverschiedenheiten in Einzelfragen betreffen derzeit in erster Linie Fragen den Bereich der Europapolitik, unterschiedliche Vorstellungen bei der Erweiterung der EU oder Einzelfragen bei der Überwindung der Euro- und Finanzkrise.

Die Regierungen und Parlamentarier aus Deutschland und Italien stehen in einem regelmäßigen intensiven Meinungsaustausch, der durch zahlreiche Begegnungen im Rahmen internationaler Konferenzen oder bei Europäischen Räten ergänzt wird. Auch auf Ebene der Staatsoberhäupter wird ein enger Kontakt gepflegt. Am Comer See liegt mit der „Villa Vigoni“ eine eigens zur Pflege des bilateralen Austauschs ins Leben gerufene deutsch-italienische Begegnungsstätte, in der zahlreiche Veranstaltungen zu Fragen der Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft stattfinden. Die politischen Stiftungen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle für die deutsch-italienischen Beziehungen.

Wirtschaftliche Beziehungen

Die deutsch-italienischen Wirtschaftsbeziehungen sind traditionell sehr eng. Deutschland ist mit Abstand Italiens wichtigster Handelspartner mit einem Anteil an den italienischen Importen von 14,5 Prozent und einem Anteil an den italienischen Exporten von 12,5 Prozent (2013). Umgekehrt steht Italien für Deutschland als Importland an fünfter, als Exportland an siebter Stelle. 2012 betrug der gesamte bilaterale Handelsaustausch ca. 104 Mrd. Euro. Deutschlands Haupt-Exportgüter waren 2012 Kraftwagen und Kraftwagenteile, Maschinen und chemische Erzeugnisse. Die wichtigsten italienischen Exportgüter waren 2012 Maschinen und Geräte, Metalle und Metallerzeugnisse sowie Textilien/Bekleidung samt Accessoires. Die deutschen Direktinvestitionen beliefen sich 2011 (laut Angaben der Banca d'Italia in ihrem Jahresbericht vom Mai 2013) auf ca. 26 Mrd. Euro. Der Schwerpunkt dieser deutschen Auslandsinvestitionen entfällt hierbei auf Norditalien. Umgekehrt betrugen die italienischen Direktinvestitionen in Deutschland (gemäß derselben Quelle) ca. 34 Mrd. Euro.

Militärische Beziehungen

Neben der gemeinsamen Einbindung in die NATO, EU (im Rahmen der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU), OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) und die Vereinten Nationen bestehen traditionell enge bilaterale Beziehungen zwischen den Streitkräften. Dies beinhaltet auch regelmäßige Gespräche auf militärpolitischer Ebene und zwischen den Kommandos der Teilstreitkräfte, ständige Austausch- und Ausbildungsprogramme von Soldatinnen und Soldaten und eine enge Zusammenarbeit im Rahmen der internationalen Einsätze von NATO, EU und VN. Besondere Bedeutung hat das gemeinsam betriebene taktische Ausbildungskommando für Luftstreitkräfte in Decimomannu/ Sardinien. Es bestehen enge rüstungswirtschaftliche Kooperationen.

Kulturelle Beziehungen

Die kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Italien sind in ihrer Dichte weltweit einzigartig.

In keinem anderen Land unterhält Deutschland so viele kulturelle Institutionen wie in Italien. Einige von ihnen gehören zu den ersten Gründungen ihrer Art überhaupt:

  • fünf wissenschaftliche Institute: Deutsches Archäologisches Institut/DAI seit 1829; 2 kunsthistorische Max-Planck-Institute "Bibliotheca Hertziana" in Rom seit 1913 und Kunsthistorisches Institut in Florenz/KHI seit 1897; Deutsches Historisches Institut/DHI Rom seit 1888, außerdem Deutsches Studienzentrum Venedig seit 1972;
  • vier Häuser mit Künstlerstipendien: Villa Massimo Rom seit 1913, mit zwei Dependancen Villa Serpentara und Casa Baldi in Olevano Romano, Villa Romana in Florenz seit 1905, Europäische Akademie für Musik und Darstellende Kunst in Montepulciano 2001
  • zwei größere Goethe-Institute (Rom, Mailand) und fünf kleinere Institute (Genua, Turin, Triest, Neapel, Palermo); 6 Goethe-Zentren, 32 Prüfungslizenznehmer; 
  • drei Deutsche Schulen (Rom seit 1861, Mailand, Genua)
  • die Casa di Goethe als Museum und Ausstellungsort (gegr. 1997);
  • die deutsch-italienische Exzellenzzentrum Villa Vigoni am Comer See;
  • das deutsch-italienische Büro für den Jugendaustausch ("Ciao-Tschau") in Rom (Projekt der Villa Vigoni)

Das weltweit präzedenzlos dichte Netz der knapp 40 deutsch-italienischen Kulturgesell­schaften (davon 25 von Deutschland gefördert) ermöglicht es, Kulturangebote sowie die Spracharbeit auch in die Provinz zu tragen.

Wichtiges Netzwerk für die Förderung von Deutsch an italienischen Schulen sind die über 33 Partnerschulen (PASCH), zu denen neben den drei Deutschen Schulen (mit insgesamt 2500 Schülern) 23 Sprachdiplom-Schulen, fünf vom Goethe-Institut betreute Partnerschulen sowie sechs Schulen mit bilingualer Abteilung (sogenannte Bologna-Schulen, davon zwei Sprachdiplom-Schulen) gehören. Insgesamt lernten an italienischen Schulen im Schuljahr 2012/2013 ca. 400.000 Schüler Deutsch (zumeist als zweite oder dritte Fremdsprache). An den über 300 Schulen, die von der Werbekampagne "Deutschwagen" besucht wurden, ist ein gestiegenes Interesse an Deutschunterricht zu verzeichnen.

Seit 2004 berät in Rom ein Informationsbüro des DAAD italienische Studierende, junge Wissenschaftler und Professoren über das deutsche Hochschulsystem, Studien- und For­schungsmöglichkeiten sowie Stipendien. Außerdem organisiert der DAAD die Vergabe des Ladislao-Mittner-Preises für italienische Deutschstudien.

Seit 2008 vergeben das Auswärtige Amt und der Beauftragte für Kultur und Medien den Deutsch-Italieni­schen Übersetzerpreis im jährlichen Wechsel an italienische bzw. deutsche Übersetzer/innen, seit 2010 auch mit Beteiligung des italienischen Kulturministeriums.

Mit dem Ziel, den Jugendaustausch zwischen Deutschland und Italien zu fördern, besteht seit 2009 als Projekt der Villa Vigoni das deutsch-italienische Jugendbüro (Büro in Rom und Internetplattform). Es wird vom Auswärtigen Amt und dem italienischen Außenministerium finanziell gefördert. Die Plattform umfasst Informationen rund um Austauschaktionen, Begegnungsprogramme und Partnerorganisationen in Deutschland und Italien. Sie ist unter www.ciao-tschau.eu zu erreichen.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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