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Heiliger Stuhl Vatikan

Innenpolitik

Stand: Juni 2017

Heiliger Stuhl und Römische Kirche

Der Papst ist als Bischof von Rom „Haupt des Bischofskollegiums und oberster Hirte der Gesamtkirche“, über die er die oberste, volle, unmittelbare und universale Leitungsgewalt hat. Er verkörpert die Einheit der katholischen Weltkirche mit 1,2 Milliarden Gläubigen in fünf Kontinenten. Laut dem Annuario Pontificio, dem Vatikanischen Jahrbuch, trägt der Papst folgende  Titel: Bischof von Rom, Stellvertreter Jesu Christi, Nachfolger des Apostelfürsten, Pontifex Maximus (Oberster Brückenbauer), Primas von Italien Erzbischof und Metropolit der Kirchenprovinz Rom, Souverän des Staates der Vatikanstadt sowie Diener der Diener Gottes.

Das Kardinalskollegium, das den Papst bei der Leitung der Gesamtkirche berät und diesen im Konklave auch wählt, umfasst zum August 2016 112 wahlberechtigte Mitglieder (das heißt Kardinäle, die das 80. Lebensjahr noch nicht vollendet haben). Insgesamt gehören dem Kardinalskollegium 212 Kardinäle an (Stand 11. Juli 2016). Deutsche Kardinäle, die das aktive und passive Wahlrecht innehaben, sind derzeit  Kardinal Gerhard Ludwig Müller (Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre) Kardinal Rainer Maria Woelki  (Erzbischof von Köln) sowie Kardinal Reinhard Marx (Erzbischof von München und Freising).

Die Römische Kurie, durch die der Papst die Gesamtkirche leitet, besteht aus: dem Staatssekretariat und den (für die verschiedenen Sachgebiete der Kirche) zuständigen Kongregationen, Päpstlichen Räten, Kommissionen/Komitees, Gerichtshöfen und Ämtern. Diese „Dikasterien“ (Zentralbehörden der Kurie) werden meist von Kardinälen geleitet und sind in ihrer Funktion mit Ministerien vergleichbar. Unter der Bezeichnung „Apostolischer Stuhl“ oder „Heiliger Stuhl“ ist nicht nur der Papst, sondern die Gesamtheit der Römischen Kurie zu verstehen.

Unter den Kurienbehörden hat das Staatssekretariat eine besondere Stellung. Es unterstützt den Papst in der Leitung der Weltkirche und koordiniert die Arbeit der übrigen kurialen Behörden. An der Spitze des Staatssekretariats steht der Kardinalstaatssekretär, der mit einem Regierungschef vergleichbar ist. Am 15. Oktober 2013 wurde Tarcisio Bertone durch Pietro Parolin als neuer Kardinalstaatssekretär abgelöst. „Außenminister“ des Vatikans ist seit November 2014 Erzbischof Paul Gallagher.

Papst Franziskus, erster Lateinamerikaner sowie erster Jesuit auf dem Papststuhl, hat im April 2013 einen „Rat der Kardinäle“ (K9) berufen, welcher ihn in Fragen, die die Leitung der Universalkirche betreffen, berät und ein Projekt zur Überarbeitung der Apostolischen Konstitution „Pastor Bonus“ über die Römische Kurie ausarbeiten soll. Diesem Gremium gehören derzeit neun Kardinäle aus aller Welt an, als einziger europäischer Ortsbischof auch der deutsche Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising.

Staat der Vatikanstadt

Der Heilige Stuhl und der Staat der Vatikanstadt haben trotz ihrer umgangssprachlichen Bezeichnung Vatikan ihre jeweils eigene Völkerrechtssubjektivität. Die diplomatischen Beziehungen werden jedoch nur mit dem Heiligen Stuhl geführt. Das Staatsgebiet des Staates der Vatikanstadt umfasst die Petersbasilika, den Petersplatz, den Apostolischen Palast, die Vatikanischen Museen und Gärten sowie weitere Gebäude in Rom (darunter der Lateran), ferner die Sommerresidenz Castel Gandolfo (rund 60 Hektar). Der Staat der Vatikanstadt verfügt über eine eigene Justiz, Polizei, Eisenbahnstation, Bank (IOR), Post- und Münzamt, Supermarkt, Apotheke, Verlag, Rundfunk, Bibliothek und Archiv.

Staatsform des Staates der Vatikanstadt ist die Wahlmonarchie. Staatsoberhaupt und Souverän des Staates der Vatikanstadt ist der Papst. Er übt die gesetzgebende, ausführende und richterliche Gewalt aus. Die Verwaltung des Staates der Vatikanstadt liegt in den Händen einer aus sieben Kurienkardinälen bestehenden päpstlichen Kommission, die vom Papst jeweils für fünf Jahre ernannt wird und deren Vorsitzender der Präsident des Governatorates des Vatikans ist. Seit 1. Oktober 2011 hat dieses Amt Kardinal Giuseppe Bertello inne.

Für die Sicherheit des Papstes ist die Schweizergarde verantwortlich. Die Schweizergarde entstand im Jahre 1506 unter Papst Julius II., der die Schweizer nach Rom kommen ließ, da sie durch ihren Mut, ihre edle Gesinnung und ihre Treue als unbesiegbar galten. Der offizielle Gründungstag der Schweizergarde ist der 22. Januar 1506, der Tag an dem 150 Schweizer Soldaten durch die Porta del Popolo in Rom einzogen und von Papst Julius II. gesegnet wurden.

Im Jahre 1970 löste Papst Paul VI. alle noch verbliebenen militärischen Formationen auf, außer der Schweizergarde. Das galt insbesondere für das von Papst Pius VII. im Jahre 1816 gegründete Vatikanische Korps der Gendarmerie. Es wurde allerdings im Governatorat des Vatikans ein Zentralbüro für Überwachung und Sicherheit gegründet, welches neben der Durchsetzung der Gesetze innerhalb des Vatikanstaates auch für die Sicherheit der Bewohner zuständig war. 2002 wurde dieses Büro umbenannt in das „Korps der Gendarmerie des Staates der Vatikanstadt“. Die päpstliche Gendarmerie, in blauer Uniform, nimmt seitdem neben der Schweizer Garde Polizeiaufgaben im Vatikanstaat wahr und umfasst ca. 130 Gendarmen.

Im Staat der Vatikanstadt wurde am 1. Januar 2002 der Euro als Währung eingeführt und ein eigener Satz Münzen mit dem Bild des Papstes herausgegeben. Bedingt durch das rege Sammlerinteresse gelangen die Münzen selten in den Umlauf.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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