Hauptinhalt

Indien

Außenpolitik

Stand: März 2016

Grundlinien der Außenpolitik

Unter Premierminister Modi strebt Indien eine aktivere Rolle als bisher in seiner Region und in der Welt an. Die frühere Strategie der "strategischen Autonomie" wird zunehmend durch eine Politik "multipler Partnerschaften" zu allen wichtigen Ländern in der Welt überlagert. Wichtigstes Ziel der indischen Außenpolitik ist die Schaffung eines friedlichen und stabilen globalen Umfelds für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes und die Profilierung zu einer aufstrebenden Weltmacht. Letzterem Ziel dient auch die Unterstützung der Reform der Vereinten Nationen mit dem Ziel eines ständigen Sitzes im VN-Sicherheitsrat. Indien arbeitet aktiv in der G-20 mit, auch als Schritt zur Herausbildung repräsentativerer Mechanismen zur Bewältigung globaler Herausforderungen. Zunehmend will Indien auch das wirtschaftliche Potential und den politischen Einfluss der rund 25 Millionen Auslandsinder in der Welt für seine Zwecke nutzen.

Zudem strebt Indien eine stärkere regionale Verflechtung mit seinen Nachbarn an. Indien ist Dialogpartner der südostasiatischen Staatengemeinschaft ASEAN und Mitglied im "ASEAN Regional Forum" (ARF). Auch bilateral hat Indien in den letzten Monaten seine Initiativen in den Nachbarländern verstärkt. Überdies nimmt Indien am East Asia Summit und seit 2007 auch am Asia-Europe Meeting (ASEM) teil. In der BRICS-Staatengruppe (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) hat Indien im Februar 2016 von Russland den diesjährigen Vorsitz übernommen. Beim ihrem Gipfel in Ufa im Juli 2015 beschloss die Shanghai Cooperation Organisation (SCO), Indien und Pakistan nach Abschluss der Beitrittsprozeduren als Vollmitglieder aufzunehmen. In der Regionalorganisation SAARC (South Asian Association for Regional Cooperation) spielt Indien die zentrale Rolle; SAARC wird in seiner Entwicklung allerdings durch den indo-pakistanischen Gegensatz gebremst.


Die Nuklearpolitik Indiens

Die indischen Nukleartests im Mai 1998 hatten die Außenbeziehungen Indiens erheblich belastet. New Delhi hat inzwischen den Verzicht auf den Ersteinsatz von Nuklearwaffen und auf weitere Tests erklärt, lehnt es aber weiterhin ab, dem Nichtverbreitungsvertrag als Nicht-Kernwaffenstaat beizutreten. Ein bilaterales Abkommen zwischen den USA und Indien über die zivil-nukleare Zusammenarbeit aus dem Jahr 2008 ebnete die Grundlage für eine Ausnahmeregelung durch die Gruppe der Lieferantenstaaten für Kerntechnologie (Nuclear Suppliers Group). Es ermöglicht Indien den Import von spaltbarem Material und Kerntechnologie.

Vereinbarungen über die zivil-nukleare Zusammenarbeit hat Indien auch mit Russland, Frankreich, Großbritannien, Australien, Kanada, Südkorea, Argentinien, Kasachstan, Usbekistan, der Mongolei und Sri Lanka abgeschlossen. Die USA und weitere internationale Partner haben Indien zugesagt, sich für die Aufnahme des Landes in die Gruppe der Nuklearen Lieferstaaten (Nuclear Suppliers Group) und die anderen internationalen Exportkontrollregime einzusetzen.


Pakistan

Die Beziehungen zum gleichfalls nuklear gerüsteten Nachbarn Pakistan bleiben kompliziert. Phasen des Dialogs und Spannungen bis hin zur kriegerischen Auseinandersetzung haben einander in den Jahrzehnten seit der Unabhängigkeit abgelöst.

Größtes Hindernis für eine Verbesserung der Beziehungen ist weiterhin das Kaschmirproblem. Pakistan erkennt weder den Beitritt Jammu und Kaschmirs zur indischen Union im Jahre 1947 noch die seit dem ersten Krieg im gleichen Jahr bestehende de-facto-Aufteilung der Region auf beide Staaten an. Indien hingegen vertritt den Standpunkt, dass die Zugehörigkeit Jammu und Kaschmirs in seiner Gesamtheit zu Indien nicht zur Disposition steht.

Indien wirft Pakistan vor, Infiltrationen von Terroristen auf indisches Staatsgebiet zumindest zu dulden, wenn nicht zu befördern. Größere Terroranschläge in Indien in den Jahren 2001 und 2008 hatten die Spannungen in den bilateralen Beziehungen erheblich verschärft und beide Staaten vorübergehend sogar an den Rand von bewaffneten Auseinandersetzungen geführt.

Auch in jüngster Zeit gab es immer wieder Schusswechsel zwischen Truppenteilen Indiens und Pakistans an der Grenzlinie zwischen beiden Teilen Kaschmirs und nach indischen Angaben auch Eindringungsversuche von extremistischen Kämpfern auf indisches Territorium. Indien schreibt die Urheberschaft für die terroristischen Bedrohungen an der Nordwestgrenze Pakistan zu.

Ende 2015 kam eine neue Dynamik im bilateralen Verhältnis in Gang, nachdem zunächst die beiden Premierminister am Rande des Klimagipfels in Paris miteinander sprachen, sodann ein Treffen der Nationalen Sicherheitsberater in Bangkok zustande kam und schließlich die indische Außenministerin Sushma Swaraj mit ihrem pakistanischen Amtskollegen in Islamabad einen "Umfassenden Bilateralen Dialog" zwischen beiden Ländern ankündigte. Diese Entwicklung gipfelte in einem Überraschungsbesuch von Premierminister Modi bei seinem pakistanischen Amtskollegen Nawaz Sharif am Weihnachtstag in Lahore. Ein Terrorangriff Anfang Januar auf eine indische Luftwaffenbasis, den Indien einer pakistanischen Terrorgruppe zuschreibt, brachte einen Rückschlag. Bislang halten aber beide Seiten grundsätzlich am beschlossenen Dialogprozess fest.


China

Bestimmender Faktor des indischen Verhältnisses zu China ist das immer wieder auch in Rivalität mündende Neben- und Miteinander zweier alter Kulturen, die heute die beiden bevölkerungsreichsten Staaten der Welt sind. Das bilaterale Verhältnis ist von einem signifikanten Ungleichgewicht zu Gunsten Chinas gekennzeichnet. Vor allem das militärische Übergewicht Chinas und das wachsende wirtschaftliche Engagement Pekings in südasiatischen Nachbarstaaten Indiens sowie das Ausgreifen Chinas im Indischen Ozean betrachtet Indien mit Sorge.

Das wiederholte Eindringen chinesischer Soldaten in von Indien beanspruchtes Territorium unterstreicht das Problem ungelöster Grenzfragen. Weitere Divergenzen bestehen mit Blick auf das Leben und Wirken des Dalai Lama in Indien, chinesische Ansprüche auf indisches Territorium, die Nutzung von grenzüberschreitenden Flüssen sowie die chinesisch-pakistanische Zusammenarbeit vor allem bei der zivilen Nutzung der Kernenergie, der Lieferung von Rüstungsgütern und beim Bau von Infrastruktur im von Pakistan verwalteten Teil Kaschmirs.

Die wirtschaftliche Liberalisierungspolitik in beiden Staaten hat zu einem Anstieg des bilateralen Handels geführt. China ist der wichtigste bilaterale Handelspartner Indiens, wenn auch mit für Indien stark negativer Bilanz. China ist mittlerweile auch ein wichtiger Partner für Investitionen in die indische Infrastruktur. Die meisten bei den Staatsbesuchen der letzten Jahre verkündeten Projekte bestehen bislang allerdings nur auf Papier.


Europäische Union

Europa wird in Indien in erster Linie als ein supranationaler wirtschaftlicher Block wahrgenommen. So ist die EU in ihrer Gesamtheit einer der wichtigsten Handels- und Investitionspartner Indiens. Seit 2004 besteht eine "Strategische Partnerschaft" zwischen der EU und Indien. Ein umfassender Aktionsplan für eine Strategische Partnerschaft ("Joint Action Plan") wurde auf dem EU-Indien-Gipfel im Herbst 2005 verabschiedet. Der EU-Indien Gipfel im Dezember 2010 vereinbarte auch die Erweiterung der Zusammenarbeit auf sicherheitspolitische Themen, wie den Kampf gegen den Terrorismus und die Piraterie. Die EU und Indien verhandeln ein ambitioniertes Freihandels- und Investitionsabkommen. Der Abschluss wird von beiden Seiten grundsätzlich gewünscht. Nachdem die Verhandlungen 2013 ins Stocken gerieten, wird derzeit ein neuer Versuch unternommen, den Prozess wieder in Gang zu setzen. Für Ende März 2016 ist nach vierjähriger Pause wieder ein EU-Indien Gipfel geplant.


USA

Die seit der Unabhängigkeit eher schwierigen Beziehungen zu den USA wurden seit 2000 schrittweise verbessert. Seit dem Amtsantritt von Premierminister Modi haben die bilateralen Beziehungen eine neue Intensität erreicht. Diese kam bei den Staatsbesuchen von Modi 2014 in den USA und dem Gegenbesuch von Präsident Obama Anfang 2015 in Indien zum Ausdruck. Für Indien sind die USA ein Garant für Frieden und Stabilität in Asien und vor allem auch eine wichtige Quelle für Technologie und Investitionen. Zunehmend ist Indien an hochwertigen Rüstungsgütern und Nukleartechnik aus den USA interessiert. Damit will man auch die bisher dominierende Stellung Russlands in diesen Bereichen durch Diversifikation ausbalancieren.


Seite teilen:

Einreise & Aufenthalt

Auswärtiges Amt

Reise & Sicherheit

Außen- und Europapolitik

Ausbildung & Karriere