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Ukraine

Kultur und Bildung

Stand: Februar 2017

Bildung

Das ukrainische Schul- und Hochschulsystem steht weiter unter starkem Reformdruck im Hinblick auf Korruptionsbekämpfung, Europäisierung und Internationalisierung. Im Hochschulbereich wurden einige Reformen umgesetzt und rechtlich eingerahmt. Im Schulbereich war die Einführung einer verpflichtenden Fremdsprache ab der 1. Klasse seit dem Schuljahr 2012/13 und ab dem Schuljahr 2013/14 die einer zweiten verpflichtenden Fremdsprache ab Klasse 5 ein wichtiger Schritt zur Stärkung der Fremdsprachenkompetenz und dabei auch des Deutschen im ukrainischen Schulsystem. Die Ukraine ist Teil des Bologna-Prozesses und das Bildungsministerium verfolgt eine nachdrückliche Qualitätsoffensive, um die gesetzten Reformziele zu erreichen.

Zentrale Probleme im Hochschulbereich bleiben neben der Korruption vor allem die mangelnde finanzielle Ausstattung der Institutionen und die große, unübersichtliche Anzahl an höheren Bildungseinrichtungen mit geringer Vernetzung. Durch die instabile Lage im Osten der Ukraine und die Annexion der Krim wurden einige Hochschulen an andere Standorte verlagert. Zahlreiche Studenten haben ihre bisherigen Studienorte verlassen, Ausstattung und Unterrichtsmaterialien konnten nicht im gleichen Umfang bewegt werden. Dadurch stehen Universitäten im ganzen Land unter teils erheblichem Anpassungsdruck.

Da die Gehälter im Bildungsbereich  oft  nicht zur Deckung der Lebenshaltungskosten reichen, geben viele qualifizierte Lehrkräfte ihren Beruf auf. Die Krise im Land verschärft die Lage durchgehend.

Mit der Eröffnung der Deutschen Schule Kiew (DSK) im September 2008 konnte das schulische Angebot für deutschsprachige Kinder weiter ausgebaut werden. Die DSK bietet im Schuljahr 2015/2016 Unterricht in den Klassenstufen 1 bis 10 an und wird in den kommenden Jahren sukzessive weitere Klassenstufen einrichten, auch mit Abituroption. Die deutsche Kita in Kiew betreut inzwischen mehr als 60 Kinder aus Deutschland, der Ukraine und anderen Ländern.


Sprachpolitik

Ukrainisch ist einzige Staatssprache. Mit Verabschiedung des Sprachengesetzes im Sommer 2012 wurden einige Minderheitensprachen als Regionalsprachen aufgewertet. Faktisch stärkte dies vor allem die Rolle des Russischen, aber auch des Krimtatarischen auf der Krim (bis zu deren völkerrechtswidrigen Annexion) sowie des Rumänischen und Ungarischen in Teilen der Westukraine. Das Gesetz ist weiterhin in Kraft; es gibt Initiativen zu dessen Ersetzung mit dem Ziel der Aufwertung des Urkainischen. Der ukrainischsprachige Unterrichtsanteil an Schulen und Hochschulen hat in den letzten Jahren mehr als 85 Prozent erreicht, während Russisch als Verkehrssprache nach wie vor sehr verbreitet ist. Verallgemeinernd gesagt, ist der Westen des Landes eher ukrainischsprachig, der Osten und Süden eher russischsprachig geprägt, wobei bei vielen Kenntnisse beider Sprachen vorhanden sind.


Kultur

Der Sektor nicht-staatlich geförderter Kultur (private Theater, Tanz- und Musikfestivals, Kino und vieles mehr) in der Ukraine ist sehr aktiv. Besonders seit dem Umsturz in der Ukraine sind nicht-staatliche Organisationen zu wichtigen Akteuren mit großen Gestaltungsmöglichkeiten geworden.

Mittlerweile verfügt die Ukraine über zwei große internationale Filmfestivals: das traditionsreiche „Molodist“-Filmfest in Kiew, das jährlich im Oktober stattfindet, sowie das Filmfestival in Odessa im Juli. Zahlreiche kleinere Festivals zu besonderen Themen haben sich ebenfalls etabliert, zum Beispiel die „DocuDays“ mit Menschenrechtsschwerpunkt.

Die ukrainische und ukrainischsprachige Literatur entwickelt sich rasant, was sich auch in zahlreichen deutschen Übersetzungen widerspiegelt. In den letzten Jahren wurden auch in Deutschland Autoren wie Andrej Kurkow, Juri Andruchowitsch, aber auch Schriftsteller der jüngeren Generation wie Serhij Zhadan, Taras Prochasko, Oxana Sabushko und Tanja Maljartschuk  zunehmend populär. In den Jahren 2012 bis 2014 war die Ukraine mit Polen und Belarus Schwerpunktland auf der Leipziger Buchmesse. Wichtige Buchmessen des Landes in Lemberg und Kiew erfahren jährlich wachsende Beachtung; zudem existieren zahlreiche Literatur- und Poesiefestivals.

Die Ukraine verfügt über eine vielfältige Musikszene, die gerade im Bereich zeitgenössischer Musik auch durch internationale Festivals (insbesondere in Odessa, Lemberg und Kiew) auf sich aufmerksam macht.

Wichtiges Element in den kulturellen Verbindungen sind die zivilgesellschaftlichen Beziehungen unterhalb der staatlichen Ebene. Zahlreiche aktive Städtepartnerschaften fördern den Austausch mit einem breiten Spektrum an Angeboten. Die traditionsreichste Kooperation, die 2011 ihr 50-jähriges Bestehen feierte, besteht zwischen Kiew und Leipzig.


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