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Libanon

Beziehungen zu Deutschland

Stand: Juni 2017

Politische Beziehungen

Die Beziehungen zwischen Deutschland und Libanon sind traditionell freundschaftlich. Deutschland wird in Libanon für seine Hilfe bei der Bewältigung des Flüchtlingsansturms aus Syrien geschätzt. Insbesondere die Aufnahme syrischen Kriegsflüchtlingen in Deutschland (davon ca. 42.000 über Aufnahmeprogramme von Bund und Ländern) wird anerkannt. Der Stimme Deutschlands in der EU wird großes Gewicht beigemessen.

Bei der Konferenz "Supporting the Future of Syria and the Region" am 5. April 2017 in Brüssel hat Deutschland angekündigt, seine umfangreiche Unterstützung für Libanon fortzusetzen. Libanon hat mehr als eine Million syrische Flüchtlinge aufgenommen. Inhaltliche Schwerpunkte der Zusammenarbeit liegen auf humanitärer Hilfe, Bildung und dem Wassersektor. Die Bundesregierung baut damit auf ihren Vereinbarungen mit der libanesischen Regierung auf, die im Jahr 2016 bei der Londoner Geberkonferenz "Supporting Syria and the Region"  getroffen worden sind. , Bereits mit der internationalen Konferenz zur Lage der syrischen Flüchtlinge, die unter dem Titel "Stabilität in der Region stärken" am 28.10.2014 im Auswärtigen Amt in Berlin stattfand, hatte die Bundesregierung wichtige Grundlagen für eine stärkere Unterstützung von Syriens Nachbarländern gelegt.

Außenminister Steinmeier besuchte Libanon zuletzt im Dezember 2016 zu politischen Gesprächen im Rahmen einer Reise in die Region. Staatsminister Michael Roth war Anfang Mai 2016 zu Gesprächen über den Syrien-Konflikt und seine Auswirkungen auf Libanon in Beirut. Entwicklungshilfeminister Müller sagte Libanon bei seinem Besuch im Oktober 2016 eine Ausweitung der deutschen Unterstützung zu. Verteidigungsministerin von der Leyen stattete dem deutschen UNIFIL-Kontingent im April 2014 einen Besuch ab.


Wirtschaftsbeziehungen

Trotz seiner relativ kleinen Größe bietet Libanon interessante Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen. Zwar sind nur wenige Firmen wie die Lufthansa oder die Commerzbank selbst mit einer eigenen Niederlassung in Beirut präsent. Doch vertreten mehr als 300 Agenten Marken wie Mercedes, Bosch und Siemens oder auch weniger bekannte klein- und mittelständische Unternehmen aus verschiedenen Bundesländern. Einige dieser Agenten haben sich zum "Lebanese German Business Council" zusammengeschlossen. Es existiert derzeit keine deutsche Außenhandelskammer in Libanon.

Daneben nehmen deutsche Unternehmen regelmäßig an Ausschreibungen des libanesischen Staates und privater Investoren teil und sind dabei oft erfolgreich. So sind derzeit z.B. Unternehmen aus Hamburg und Ulm am Ausbau des Beiruter Hafens bzw. von Stromkraftwerken beteiligt. Informationen über laufende öffentliche Ausschreibungen können über die Internetauftritte der libanesischen Behörden abgerufen werden. Sollten Bohrlizenzen zur Erforschung der der vor der libanesischen Küste vermuteten Gas- und Ölressourcen vergeben werden, könnten sich weitere Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen eröffnen.

Der deutsch-libanesische Handelsaustausch weist ein deutliches Defizit für Libanon auf. Im Jahr 2015 importierte Libanon Waren im Wert von 872 Millionen Euro, vor allem Kraftwagen und Kraftwagenteile, Maschinen, pharmazeutische und chemische Erzeugnisse sowie Datenverarbeitungsgeräte. Dagegen exportierte Libanon Waren im Wert von 45,4 Millionen Euro, bestehend vor allem aus Rohstoffen (verarbeitete Juwelen), Mess- und Regeltechnik, Eisen und Stahl, Textilien, Nahrungs- und Futtermitteln.

Ein bilaterales Investitionsschutzabkommen wurde 1999 unterzeichnet. Es gibt jedoch kaum direkte deutsche Investitionen in Libanon. Ein Doppelbesteuerungsabkommen besteht derzeit nicht.


Humanitäre Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit und Krisenprävention

Humanitäre Hilfe

Seit dem Ausbruch des Konflikts im Nachbarland Syrien hat Libanon 1,01 Millionen beim Hilfswerk der Vereinten Nationen registrierte Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen - bei einer Einwohnerzahl von rund 4 Millionen. Deutschland unterstützt die Versorgung von Flüchtlingen durch UN- und andere im Libanon tätige Organisationen.

Allein im Jahr 2016 hat die Bundesregierung insgesamt 386 Millionen Euro für die Unterstützung Libanons bei der Bewältigung der Auswirkungen der Syrienkrise sowie für die Stärkung libanesischer Institutionen bereitgestellt. Zu den Schwerpunkten der deutschen Unterstützung gehören die Bereiche humanitäre Hilfe und Bildung. Die Mittel werden durch das Auswärtige Amt und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zur Verfügung gestellt.

Entwicklungszusammenarbeit

Angesichts der großen Flüchtlingsbevölkerung in Libanon hat die Bundesregierung die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit wieder aufgenommen.

Der Schwerpunkt wird auf Maßnahmen zur Versorgung von Flüchtlingen und Aufnahmegemeinden in den Feldern Bildung, Berufsbildung und Wasserversorgung liegen.

Krisenprävention

Aus Mitteln der Krisenprävention des Auswärtigen Amtes wurden in den letzten Jahren mehrere Projekte gefördert, u.a. Berufliche Bildung für palästinensische Jugendliche im Lager Nahr El Bared (Kooperation mit dem UN-Hilfswerk für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten UNRWA und der Hilfsorganisation Mercy Corps), der Wiederaufbau des libanesischen Küstenradars und dazugehörige Ausbildungsmaßnahmen für die libanesische Marine, Maßnahmen zur Sicherung und Modernisierung der Grenze zu Syrien, Unterstützung des "Nationalen Dialogs in Libanon" und Beiträge zur Finanzierung des Internationalen Sondertribunals für den Libanon.

Das Auswärtige Amt unterstützt außerdem die Aufarbeitung von politischen und konfessionellen Konflikten in Libanon.


Kulturelle Beziehungen

Die kulturellen Beziehungen zwischen Libanon und Deutschland sind traditionell eng und vielfältig. Schwerpunkte sind der Kulturerhalt und archäologische Arbeiten in Baalbek, Anjar, Tell el-Burak und Kamid el-Loz. Beide Schulen mit verstärktem Deutschunterricht haben 2010 Austauschprogramme mit deutschen Schulen begonnen. Austauschprogramme werden zunehmend auch zwischen deutschen und libanesischen Universitäten initiiert. Ein bilaterales Kulturabkommen wurde vom libanesischen Kabinett im Juni 2010 angenommen.

Folgende deutsche Kulturinstitutionen und private Initiativen mit Deutschlandbezug sind in Libanon vertreten:

  •     das Goethe-Institut in Beirut mit Außenstelle in Tripoli (Dialogpunkt Deutsch)
  •     das Orient-Institut Beirut (OIB) der Max Weber Stiftung – Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland
  •     der Deutsche Akademische Austauschdienst DAAD mit zwei Lektoren; das Lektorat ist beratend für alle libanesischen Studierenden und Universitäten tätig.
  •     Dokumentation des Deutschen Archäologischen Instituts in Baalbek
  •     die deutschsprachige Evangelische Gemeinde Beirut
  •     die Deutsche Schule mit verstärktem Deutschunterricht (mit Kindergarten) in Beirut/Doha
  •     die Deutsche Schule mit verstärktem Deutschunterricht (mit Kindergarten) in Jounieh
  •     Repräsentanzen der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Heinrich-Böll-Stiftung
  •     die von der Evangelischen Mission in Solidarität unterstützte Schneller-Schule (inkl. Gewerbeschule) in Khirbet Kanafar (Bekaa-Ebene) und die Neuapostolische Kirchengemeinde in Sin el-Fil, Beirut
  •     die Vereinigung Deutschsprachiger Frauen in Libanon
  •     die von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) unterstützte berufsbildende Amilieh-Schule in Bourj el-Barajneh (Süd-Beirut)
  •     die Deutsch-Libanesische Vereinigung zur Förderung der Kultur in Jounieh (ALAC)
  •     das Deutsch-Libanesische Begegnungszentrum Dar as-Salam in Wardaniyeh im Schuf-Gebirge

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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