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Libanon

Beziehungen zu Deutschland

Stand: April 2014

Politische Beziehungen

Die Beziehungen zwischen Deutschland und Libanon sind traditionell freundschaftlich. Deutschland wird in Libanon für seine humanitäre Hilfe bei der Bewältigung des Flüchtlingsansturms aus Syrien geschätzt. Insbesondere die Aufnahme von Syrern in Deutschland (2 Programme für je 5000 Flüchtlinge) wird anerkannt. Der Stimme Deutschlands in der EU wird großes Gewicht beigemessen. 

Der damalige Außenminister Westerwelle hat im Juni 2012 den Libanon besucht, Entwicklungshilfeminister Niebel war im Dezember 2012 im Libanon. Der frühere Premierminister Mikati traf im Juli 2012 mit Bundeskanzlerin Merkel in Berlin zusammen. 

Die deutsche Teilnahme am UNIFIL-Flottenverband, der die libanesische Küste sichert, wird ebenso geschätzt wie die deutsche Hilfe beim Aufbau eines Küstenradarsystems und der libanesische Marine.


Wirtschaftsbeziehungen

Trotz seiner relativ kleinen Größe bietet Libanon interessante Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen. Zwar sind nur wenige Firmen wie die Lufthansa oder die Commerzbank selbst mit einer eigenen Niederlassung in Beirut präsent. Doch vertreten mehr als 300 Agenten Marken wie Mercedes, Bosch und Siemens oder auch weniger bekannte klein- und mittelständische Unternehmen aus verschiedenen Bundesländern. Einige dieser Agenten haben sich zum Lebanese German Business Council zusammengeschlossen (siehe links unter „Ansprechpartner“). Es existiert derzeit keine deutsche Außenhandelskammer im Libanon. 

Daneben nehmen deutsche Unternehmen regelmäßig an Ausschreibungen des libanesischen Staates und privater Investoren teil und sind dabei oft erfolgreich. So sind derzeit z.B. Unternehmen aus Hamburg und Ulm am Ausbau des Beiruter Hafens bzw. von Stromkraftwerken beteiligt. Informationen über laufende öffentliche Ausschreibungen können auf den Webauftritten der libanesischen Behörden abgerufen werden (links unter „Ansprechpartner“). Sollten wie geplant 2014 Bohrlizenzen zur Erforschung der vor der libanesischen Küste vermuteten Gas- und Ölressourcen vergeben werden, könnten sich weitere Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen eröffnen. 

Der deutsch-libanesische Handelsaustausch weist ein deutliches Defizit auf. Im Jahr 2012 importierte der Libanon Waren im Wert von 862,2 Mio. Euro, vor allem Kraftwagen und Kraftwagenteile, Maschinen, pharmazeutische und chemische Erzeugnisse sowie Datenverarbeitungsgeräte. Dagegen exportierte der Libanon Waren im Wert von 47,1 Mio. Euro, bestehend vor allem aus Rohstoffen (verarbeitete Juwelen), Mess- und Regeltechnik, Eisen und Stahl, Textilien, Nahrungs- und Futtermitteln. 

Ein bilaterales Investitionsschutzabkommen wurde 1999 unterzeichnet. Es gibt jedoch kaum direkte deutsche Investitionen im Libanon. Ein Doppelbesteuerungsabkommen besteht derzeit nicht.


Entwicklungszusammenarbeit, Humanitäre Hilfe und Krisenprävention

Seit dem Ausbruch der Kämpfe im Nachbarland Syrien hat Libanon Hunderttausende syrische und palästinensische Flüchtlinge aufgenommen (im April 2014 wurde der einmillionste syrische Flüchtling vom VN-Flüchtlingswerk registriert). Deutschland finanziert die Versorgung von Flüchtlingen durch VN- und andere internationale, im Libanon tätige Organisationen. Für die Jahre 2012 und 2013 stellte die Bundesregierung ca. 100 Millionen Euro hierfür zur Verfügung. Damit werden syrische und palästinensische Flüchtlinge aus Syrien mit Unterkunft, Lebensmitteln und Medikamenten versorgt. Finanziert werden aber auch weitere Maßnahmen wie Bildung, Sanitäranlagen und psychosoziale Betreuung für Flüchtlingsfrauen und -kinder. Die 1600 libanesischen Aufnahmegemeinden werden auch mit besonderen Maßnahmen wie der Ausweitung der Abwasserinfrastruktur oder Schulrehabilitierung bedacht, um sie zu entlasten.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit (EZ) mit Libanon ist im Auslaufen begriffen.In den Jahren vor 2006 stellte Deutschland dem Libanon bilateral insgesamt auch rund 42,3 Millionen Euro als zinsgünstige Kredite im Rahmen der Finanziellen Zusammenarbeit und rund 23,2 Millionen Euro als Leistungen in Form von Erhaltungsmaßnahmen beziehungsweise Lieferung von Materialien im Rahmen der Technischen Zusammenarbeit im engeren Sinne zur Verfügung, den deutschen Finanzierungsbeitrag an EU-Maßnahmen nicht eingerechnet. Hinzu kam ein Betrag von circa 132 Millionen Euro im Rahmen der Technischen Zusammenarbeit im weiteren Sinne (Projekte über kirchliche Organisationen, Nichtregierungsorganisationen etc.).

Deutschland nahm die Entwicklungszusammenarbeit nach dem Krieg im Juli 2006 und nach der Zerstörung des palästinensischen Flüchtlingslagers Nahr Al-Bared bei Kämpfen im Sommer 2007 wieder auf. Für den Zeitraum 2006-2009 summiert sich die bilaterale deutsche EZ mit dem Libanon auf insgesamt 85,2 Millionen Euro. Schwerpunkte der technischen Zusammenarbeit waren der Wasser- und Abwassersektor, die duale Berufsausbildung mit Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen, sowie Umweltschutz und ziviler Friedensdienst (nur noch diese Komponente wird über das Jahr 2014 hinaus bestehen bleiben). Deutschland fördert außerdem einen 12 Kilometer langen Abwasserhauptsammler, der sowohl der Bevölkerung des Lagers Nahr Al-Bared als auch den benachbarten libanesischen Gemeinden zugute kommen wird.

Aus Mitteln der Krisenprävention des Auswärtigen Amtes wurden in den letzten Jahren mehrere Projekte gefördert, u.a. Berufliche Bildung für palästinensische Jugendliche im Lager Nahr El Bared (Kooperation mit UNRWA und Mercy Corps), der Wiederaufbau des libanesischen Küstenradars und dazugehörige Ausbildungsmaßnahmen für die libanesische Marine, Maßnahmen zur Sicherung und Modernisierung der Grenze zu Syrien, Unterstützung des „Nationalen Dialogs im Libanon“ und Beiträge zur Finanzierung des Internationalen Sondertribunals für den Libanon. Das Auswärtige Amt unterstützt außerdem die Aufarbeitung von politischen und konfessionellen Konflikten in Libanon durch verschiedene Projektförderungen. Ein bilaterales Rahmenabkommen zwischen Deutschland und Libanon im Bereich der Wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Entwicklung besteht nicht.


Kulturelle Beziehungen

Die kulturellen Beziehungen zwischen Libanon und Deutschland sind traditionell eng und vielfältig. Schwerpunkte sind der Kulturerhalt und archäologische Arbeiten in Baalbek, Anjjar, Tell el-Burak und Kamid el-Loz. Beide Schulen mit verstärktem Deutschunterricht haben 2010 Austauschprogramme mit deutschen Schulen begonnen. Austauschprogramme werden zunehmend auch zwischen deutschen und libanesischen universitären Fakultäten initiiert. Ein bilaterales Kulturabkommen wurde am 9. April 2003 unterzeichnet, und vom libanesischen Kabinett am 05. Juni 2010 angenommen.

Folgende deutsche Kulturinstitutionen und private Initiativen mit Deutschlandbezug sind im Libanon vertreten:

  • das Goethe-Institut in Beirut mit Außenstelle in Tripoli (Dialogpunkt Deutsch)
  • das Orient-Institut der DGIA (Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland)
  • der Deutsche Akademische Austauschdienst DAAD mit einer Lektorin für Deutsch als Fremdsprache an der Universität St. Joseph. Das Lektorat ist beratend für alle libanesischen Studierenden und Universitäten tätig.
  • Dokumentation des Deutschen Archäologischen Instituts in Baalbek 
  • die deutschsprachige Evangelische Gemeinde Beirut
  • die Deutsche Schule mit verstärktem Deutschunterricht (mit Kindergarten) in Beirut/Doha
  • die Deutsche Schule mit verstärktem Deutschunterricht (mit Kindergarten) in Jounieh
  • Repräsentanzen der Konrad-Adenauer-Stiftung, Friedrich-Ebert-Stiftung und der Heinrich-Böll-Stiftung
  • die vom Evangelischen Missionswerk Südwestdeutschland unterstützte Schneller-Schule (inkl. Gewerbeschule) in Khirbet Kanafar (Bekaa-Ebene) und die Neuapostolische Kirchengemeinde in Sin el-Fil, Beirut
  • die Vereinigung Deutschsprachiger Frauen im Libanon
  • die von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) unterstützte berufsbildende Amilieh-Schule in Bourj el-Barajneh (Süd-Beirut)
  • die Deutsch-Libanesische Vereinigung zur Förderung der Kultur in Jounieh (ALAC)
  • das Deutsch-Libanesische Begegnungszentrum Dar as-Salam in Wardaniyeh im Schuf-Gebirge

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Nahost-Konflikt

Die innenpolitische Situation im Libanon ist komplex. Eine konfessionell stark zersplitterte Gesellschaft, der lange Bürgerkrieg (1975 - 1990), die syrische Besatzung bis 2005 und die Auswirkungen regionaler Konflikte prägen das Land. Die Bundesregierung setzt sich für einen demokratischen, unabhängigen und souveränen Libanon ein.

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