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Beziehungen zu Deutschland
Stand: Oktober 2012
Politische Beziehungen
Die politischen Beziehungen zwischen Ägypten und Deutschland sind durch intensive Zusammenarbeit und durch hochrangigen Besucheraustausch gekennzeichnet. Bundesaußenminister Westerwelle besuchte seit der Januarrevolution 2011 bereits viermal Ägypten zu politischen Gesprächen: am 23. und 24. Februar 2011, am 18. und 19. April 2011, vom 29. bis 31. Januar 2012 und zuletzt am 09. und 10. Juli 2012, kurz nach dem Amtsantritt von Staatspräsident Mursi.
Transformationspartnerschaft
Deutschland unterstützt den Demokratisierungsprozess in der Region und in Ägypten, einem Schlüsselland der arabischen Welt, aktiv. Bundesaußenminister Westerwelle hat deshalb bereits am 31. Januar 2011 Vorschläge für eine neue „Transformationspartnerschaft“ eingebracht, die breite Resonanz hatten – in Deutschland und auch in der EU: Ägypten erhält auf Augenhöhe Unterstützung beim demokratischen Wandel.
„Berliner Erklärung“
Am 12. August 2011 hat Außenminister Guido Westerwelle bei seinem Treffen mit dem ägyptischen Außenminister Mohammed Kamel Amr in Berlin den "außerordentlich hohen Stellenwert der Zusammenarbeit" beider Länder betont. Deutschland stehe an der Seite Ägyptens, damit der demokratische Umbruchprozess auch Früchte für die Menschen in Ägypten bringe.
Was dies bedeutet, wurde in einer "Berliner Erklärung" von beiden Außenministern vereinbart. "Wir wollen beim Aufbau demokratischer Institutionen helfen, wir werden Unterstützung leisten für mehr Rechtsstaatlichkeit und wir werden den Kulturdialog fördern", sagte Westerwelle.
Im Dezember 2008 wurde ein bilateraler Lenkungsausschuss vereinbart. Er soll den weiteren Ausbau der erfolgreichen Kooperation und des politischen Dialogs koordinieren.
Kontakte bestehen in nahezu allen Bereichen. Mitglieder des Deutschen Bundestages, andere Bundesminister, Landesminister und Delegationen aus verschiedenen deutschen Städten reisen regelmäßig zu Gesprächen und gemeinsamen Aktivitäten nach Ägypten.
Zudem besteht eine besonders intensive wirtschaftliche Zusammenarbeit und ein vielfältiger Kultur- und Wissenschaftsaustausch.
Wirtschaftsbeziehungen
Ägypten befindet sich seit Anfang 2011 in einer Transformationsphase. Dies betrifft auch die ägyptische Wirtschaft und Gesellschaft, was all denjenigen, die in Ägypten wirtschaftliche Interessen wahrnehmen, weiterhin Geduld abverlangen wird.
Deutschland bleibt 2012 drittwichtigster Handelspartner und wird auch in Zukunft eine vorrangige Position einnehmen. Nach einer erfolgreichen Steigerung des Warenaustauschs in den letzten Jahren, dürfte es nach den umbruchbedingten Einbrüchen gute Chancen für einen längerfristigen Konjunkturaufschwung geben, sofern die neuen Entscheidungsträger die nötigen Verbesserungen der Rahmenbedingungen (Wettbewerbsaufsicht, Unternehmenssteuern, Investitionsschutz, Infrastrukturmaßnahmen) in Angriff nehmen.
Als ganzjähriges Reiseziel hat Ägypten seit Jahren einen festen Platz im weltweiten Tourismus. Ägypten bietet neben einzigartigen Kulturdenkmälern malerische Strände und touristische Infrastruktur. Im März 2012 war das Land offizielles Partnerland der Internationalen Tourismus-Börse Berlin und hat Marketing und Werbekampagnen genutzt, um den Tourismus wieder anzukurbeln.
In Kairo befindet sich seit 60 Jahren die primär für Ägypten zuständige Deutsch-Arabische Industrie- und Handelskammer sowie ein Büro von Germany Trade & Invest (gtai).
Entwicklungszusammenarbeit
Ägypten ist ein Schwerpunktland der deutschen Entwicklungspolitik. Mit Gesamtzusagen von über 5,5 Milliarden Euro seit 1963 ist es eines der größten Empfängerländer der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Deutschland ist zusammen mit Weltbank, Afrikanischer Entwicklungsbank, USA, Frankreich, EU und Japan wichtigster EZ-Partner für Ägypten.
Bei den letzten Regierungsverhandlungen im Juni 2010 in Kairo wurden mit der ägyptischen Regierung folgende Schwerpunkte der bilateralen Zusammenarbeit abgestimmt:
- Wasserwirtschaft: Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung, Be- und Entwässerung der Landwirtschaft
- Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Klimawandel: Wind-, Solar-, Wasserkraft, Abfallwirtschaft, industrieller Umweltschutz
Außerdem stellt Deutschland Mittel für den Bau von Grundschulen, die Förderung der Beteiligung von Frauen am Wirtschaftsleben, Beschäftigungsförderung insb. für Jugendliche sowie für Maßnahmen in der Stadtteilsanierung im Großraum Kairo zur Verfügung.
Unmittelbar nach den historischen Veränderungen im Frühjahr 2011 wurden Ägypten weitere Mittel im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit zur Verfügung gestellt, um die demokratische Entwicklung zu unterstützen. Dazu kam im Rahmen der G8/Deauville-Partnerschaft die Zusage, Ägypten eine Schuldenumwandlung i.d.H. von bis zu € 240 Mio. zu gewähren.
Ende 2011 wurden zur Förderung erneuerbarer Energien zusätzliche € 112 Mio. in der Finanziellen Zusammenarbeit bereitgestellt sowie rd. € 12 Mio. für 4 Vorhaben der Technischen Zusammenarbeit.
Kulturelle und wissenschaftliche Beziehungen
Unterstützung für den demokratischen Wandel
Zahlreiche Maßnahmen im Rahmen der Transformationspartnerschaft sind angelaufen. Das Auswärtige Amt hat in Zusammenarbeit mit ägyptischen und deutschen Nichtregierungsorganisationen Projekte unter anderem zur Förderung des demokratischen Austauschs, einer unabhängigen Menschenrechtsarbeit und einer freien und professionellen Medienarbeit auf den Weg gebracht.
Mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes wurde in den Räumlichkeiten des Goethe-Instituts in Kairo im April 2011 die „Tahrir-Lounge“ eröffnet. Mit diesem Versammlungsort wird denjenigen, die den demokratischen Wandel in Ägypten maßgeblich mit angestoßen haben, im Herzen von Kairo ein Treffpunkt geboten, um sich über die Zukunft Ägyptens auszutauschen. Aktivisten von Nichtregierungsorganisationen über Menschenrechtsgruppen bis hin zu Bloggern erhalten so ein Forum, mit dessen Hilfe sie sich in den laufenden Transformationsprozess in Ägypten wirksam einbringen können.
Wichtigste Grundlage für die bilateralen Kultur- und Wissenschaftsbeziehungen ist das deutsch-ägyptische Kulturabkommen vom 16. Oktober 1960 mit seiner Zusatzvereinbarung vom 10. April 1984. In Ägypten sind alle wichtigen deutschen Kulturmittlerorganisationen prominent vertreten.
Kultur und Bildung
Vier deutsche Schulen, gegründet 1873, 1884, 1904 und 1999 führen zum deutschen Abitur. Daneben gibt es vier weitere amtlich anerkannte deutsche Schulen (Kairo, Alexandria, Hurghada), die sich noch in der Aufbauphase befinden. Die Schülerzahl beträgt insgesamt etwa 4500. Außerdem gibt es zahlreiche private und staatliche Partnerschulen, die verstärkt Deutschunterricht, teilweise auch das Deutsche Sprachdiplom, anbieten. Zum weltweiten Netzwerk von Partnerschulen (PASCH-Initiative) gehören in Ägypten inzwischen 28 Schulen. Seit 2008 unterhält auch die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen in Kairo ein Regionalbüro.
Externer Link, öffnet in neuem Fensterwww.pasch-net.de
Die Kairo-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) wurde 1907 gegründet. Sie führt vor allem Grabungsprojekte bei antiken pharaonischen Stätten durch und war auch mit der Restaurierung islamischer Baudenkmäler in der Altstadt von Kairo betraut. Weitere Grabungen werden von deutschen Archäologen außerhalb des DAI-Rahmens durchgeführt. Außerdem ist das DAI an der Dokumentation, wissenschaftlichen Bearbeitung, Veröffentlichung und Erhaltung ausgewählter Kunstwerke und Denkmäler in verschiedenen Museen Ägyptens beteiligt.
Wissenschaft
Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) unterhält eine Außenstelle in Kairo und beging im Mai 2010 sein 50-jähriges Jubiläum in Ägypten. Die Fraunhofer Gesellschaft sowie mehrere deutsche Universitäten sind mit Büros in Kairo vertreten.
Im Deutsch-Ägyptischen Jahr der Wissenschaften und Technologie 2007 schlossen Deutschland und Ägypten drei Kooperationsabkommen zur Förderung zusätzlicher Stipendien. Seit 2008 existiert der gemeinsame deutsch-ägyptische Forschungsfonds, mit dem gemeinsame Forschungsprojekte gefördert werden. Im Rahmen der Transformationspartnerschaft mit Ägypten bietet Deutschland zusätzliche Stipendien- und Austauschprogramme an.
Deutschland unterstützt die „German University Cairo“ (GUC), eine ägyptische Privatuniversität nach dortigem Recht. Sie wird vollständig durch Mittel privater ägyptischer Investoren und Studiengebühren finanziert, erhält jedoch die Unterstützung der Bundesregierung und beteiligter deutscher Hochschulen (Ulm, Stuttgart, Tübingen) am Lehrbetrieb der GUC im Rahmen des DAAD-Programms „Studienangebote deutscher Hochschulen im Ausland“ seit 2001 (BMBF-Mittel). Hinzu kommen Mittel des Auswärtigen Amts insbesondere für die Entsendung von deutschen Lektoren und Langzeitdozenten sowie seit 2011 für Stipendien. Die GUC zählt zu den besten Universitäten Ägyptens mit derzeit über 8.000 Studierenden. Zahlreiche ihrer insgesamt 71 Studiengänge sind von deutschen Akkreditierungsagenturen anerkannt. GUC-Studierende, die während oder nach ihrem Studium in Kairo zu einem Studienaufenthalt oder weiterführenden Studium an deutsche Hochschulen kommen, haben in der Regel großen Studienerfolg.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.
