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Iran

Wirtschaftspolitik

Stand: Mai 2014

Grundlagen

Die Wirtschaft Irans liegt überwiegend in den Händen des Staates beziehungsweise religiöser Stiftungen (geschätzt zu über 80 Prozent). Die iranische Regierung ist bestrebt, den privaten Anteil spürbar zu erhöhen. Die Regierung formuliert ihre wirtschaftlichen Ziele in Fünfjahresplänen. Derzeit gilt der 5. Fünfjahresplan.

Im Jahr 2013 betrug das Bruttoinlandsprodukt Schätzungen zufolge circa 438 Milliarden US-Dollar. Regierungsstellen sprechen von einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 5,4 Prozent. Zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen Irans zählen die Öl- und Gasindustrie, petrochemische Industrie, Landwirtschaft, Metallindustrie und Kfz-Industrie. Die Inflationsrate wird aktuell von offizieller Seite mit 35 Prozent angegeben. Die Arbeitslosenrate beträgt offiziellen Angaben zufolge 10 Prozent. Davon sind etwa drei Viertel zwischen 15 bis 29 Jahre alt. In Iran gilt jede Person als beschäftigt, die mindestens zwei Tage pro Woche tätig ist. Jedes Jahr drängen 750.000 neue Arbeitskräfte auf den Arbeitsmarkt. Die rechtlichen Bedingungen für ausländische Investoren haben sich durch die Verabschiedung eines Investitionsschutzgesetzes und die Implementierung einer Steuerreform in den letzten Jahren leicht verbessert. Dennoch belegt Iran im Doing-Business-Index der Weltbank von 2013 nur Rang 145 unter 185 Nationen. Die anhaltenden Diskussionen um das iranische Nukleardossier und das damit einhergehende, sich zunehmend verstärkende internationale Sanktionsregime belasten das Geschäftsklima erheblich.


Außenhandel

Der Außenhandel Irans steht stark unter dem Eindruck des internationalen Sanktionsregimes. Im Jahr 2013 hat Iran erstmals seit mehreren Jahren ein Leistungsbilanzdefizit verzeichnet.

201120122013
Exporte (Mrd. USD)144,998,061,4
Import (Mrd. USD)77,967,161,7
Handelsbilanz-Saldo (Mrd. USD)6730,9-0,3

* Daten der Economist Intelligence Unit

Der Öl- und Gassektor erwirtschaftete 2013 geschätzt fast 50 Prozent der Exporterlöse Irans. Die Gesamtexporterlöse brachen dabei gegenüber dem Vorjahr um etwa 40 Prozent ein. Besonders drastisch wirken hier internationalen Sanktionsmaßnahmen im Bereich der Ölexporte. Seit Juli 2012 importiert die EU auf Basis des Sanktionsbeschlusses vom 23. Januar 2012 kein iranisches Erdöl mehr. Auch andere wichtige Kunden für iranisches Erdöl, wie China, Indien, Japan, Süd-Korea und die Türkei, haben im Zuge der jüngsten Sanktionsbestimmungen ihre Abnahmemengen teils stark reduziert.

Weitere Ausfuhrgüter sind landwirtschaftliche und traditionelle Güter (Teppiche, Früchte, Pistazien) und zunehmend Industrieprodukte (Kfz und Kfz-Teile, Stahl, petrochemische Produkte). Die Nichtölexporte Irans lagen im Jahr 1392 des iranischen Kalenders (März 2013 bis März 2014) bei 41,6 Milliarden US-Dollar (etwa plus 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr).

Die deutsch-iranischen Handelsbeziehungen haben sich seit 2007 rückläufig entwickelt. Ein Großteil des von 2008 bis 2013 durchgeführten Handels war zudem bereits in den vorhergehenden Jahren kontrahiert worden. Bedeutende Handelspartner Irans außerhalb der EU sind China, die Vereinigten Arabischen Emirate, Süd-Korea und Indien. Der bilaterale Handel mit den Nachbarländern, vor allem mit Irak und der Türkei, hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen.

Im Dezember 2010 setzte die Regierung das Gesetz zum Subventionsabbau um. Im Rahmen dieser Reform kam es zu erheblichen Preissteigerungen, insbesondere bei Energieträgern. Zur Kompensation des Preisanstiegs erhält jeder Iraner seither eine monatliche Direktzahlung von etwa 15 USD. Die Reform gilt als unterfinanziert.

Im Jahre 2000 hatte die Regierung die Einrichtung eines Öl-Stabilisierungfonds (OSF), in den Einnahmen aus dem Export von Öl und Gas fließen, die über dem aufgrund einer Preisprognose errechneten Ansatz liegen, beschlossen. Er sollte als Puffer für Ölpreisfluktuationen dienen und Budgetdefizite ausgleichen. Tatsächlich ist er aber in den letzten Jahren immer wieder zweckentfremdet worden. Die Höhe des Gesamtbestandes ist unklar. Der OSF wurde 2011 durch den Nationalen Entwicklungsfonds (NDF) ersetzt, in den 30 Prozent der Einnahmen aus dem Export von Öl und Gas fließen. Zusätzliche Einnahmen aufgrund von Öl- und Gaspreisen höher als die budgetierte Preisprognose fließen auf ein Währungsreservekonto.


Mitgliedschaft in wirtschaftlichen Zusammenschlüssen

Iran hat seit 1995 wiederholt den Beitritt zur Welthandelsorganisation beantragt, bei der Iran seit Mai 2005 über einen Beobachterstatus verfügt. Das Land ist Mitglied der Economic Cooperation Organisation, einem regionalen Wirtschaftsbund der west- und mittelasiatischen Staaten Iran, Türkei, Pakistan, Aserbaidschan, Turkmenistan, Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan, Tadschikistan und Afghanistan. Iran ist außerdem Mitglied der OPEC.

Seit 2005 hat Iran Beobachterstatus bei der Shanghai Cooperation Organisation, einem Bündnis, das sich originär mit Sicherheits-, zunehmend aber auch mit Energiefragen befasst und dem die Staaten China, Russland, Usbekistan, Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan angehören. Darüber hinaus gehört Iran dem Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und den wichtigsten mit Wirtschaft befassten Organisationen (darunter Internationale Arbeitsorganisation ILO und Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung UNCTAD) an.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.