Hauptinhalt

Iran

Wirtschaftspolitik

Stand: März 2015

Grundlagen

Die Wirtschaft Irans liegt überwiegend in den Händen des Staates beziehungsweise religiöser Stiftungen (geschätzt bis zu  80 Prozent). Die iranische Regierung ist bestrebt, den privaten Anteil spürbar zu erhöhen. Die Regierung formuliert ihre wirtschaftlichen Ziele in Fünfjahresplänen. Derzeit gilt der 5. Fünfjahresplan.

Im Jahr 2014 betrug das Bruttoinlandsprodukt Schätzungen zufolge circa 407  Milliarden US-Dollar.  Nach einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts in 2012 und 2013 (-6,6% u. -1,9%) wird von der iranischen Regierung für 2014 erstmals wieder ein Anstieg erwartet (+2%). Zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen Irans zählen die Öl- und Gasindustrie, petrochemische Industrie, Landwirtschaft, Metallindustrie und Kfz-Industrie. Die Inflationsrate wird aktuell von offizieller Seite mit 17,2  Prozent angegeben. Die Arbeitslosenrate beträgt offiziellen Angaben zufolge 10,5 Prozent. Davon sind etwa drei Viertel zwischen 15 bis 29 Jahre alt. In Iran gilt jede Person als beschäftigt, die mindestens zwei Tage pro Woche tätig ist. Jedes Jahr drängen 750.000 neue Arbeitskräfte auf den Arbeitsmarkt. Die rechtlichen Bedingungen für ausländische Investoren haben sich durch die Verabschiedung eines Investitionsschutzgesetzes und die Implementierung einer Steuerreform in den letzten Jahren leicht verbessert. Dennoch belegt Iran im Doing-Business-Index der Weltbank von 2014 nur Rang 130 unter 189 Nationen. Die anhaltenden Diskussionen um das iranische Nukleardossier und das damit einhergehende, sich zunehmend verstärkende internationale Sanktionsregime belasten das Geschäftsklima erheblich.


Außenhandel

Der Außenhandel Irans steht stark unter dem Eindruck des internationalen Sanktionsregimes, hat sich aber letztes Jahr stabilisiert.

20132014
Exporte (Mrd. USD)61,493,8
Import (Mrd. USD)61,766,0
Handelsbilanz-Saldo (Mrd. USD)-0,327,8

* Daten der Economist Intelligence Unit

Der Öl- und Gassektor erwirtschaftete 2014 mehr als 50 Prozent der Exporterlöse Irans. Die Gesamtexporterlöse im Vergleich zum Vorjahr unverändert geblieben sind. Seit Juli 2012 importiert die EU auf Basis des Sanktionsbeschlusses vom 23. Januar 2012 kein iranisches Erdöl mehr. Allerdings sind die iranischen Erdöl-Exporte nach Asian seit einer ersten Lockerung der Sanktionen Ende 2013 um 20% auf insgesamt 1,1 Mio bpd (Barrel pro Tag) angestiegen. (China 550 Mio bpd, +28%; Indien 275 Mio bpd, +41%;  Japan 169 Mio bpd, -21%; Korea 123 Mio bpd, -1,3%).

Weitere Ausfuhrgüter sind landwirtschaftliche und traditionelle Güter (Teppiche, Früchte, Pistazien) und zunehmend Industrieprodukte (Kfz und Kfz-Teile, Stahl, petrochemische Produkte). Die Nichtölexporte Irans lagen in den ersten 11 Monaten im Jahr 1393  des iranischen Kalenders (März 2014 bis Februar 2015) bei 48,3 Milliarden US-Dollar.

Die deutsch-iranischen Handelsbeziehungen, seit 2007 rückläufig, haben sich 2014  erstmals wieder positiv entwickelt. Deutschland lieferte Waren im Wert von € 2,391 Mio (+30%) nach Iran und bezog im Gegenzug Waren im Wert von € 295 Mio (+8%). Gleiches gilt für den Handel zwischen Iran und der EU. Die Exporte nach Iran beliefen sich auf einen Wert von € 6,4 Mrd (+18%), die Importe in die EU auf € 1,16 Mrd (+48%).  Bedeutende Handelspartner Irans außerhalb der EU sind China, die Vereinigten Arabischen Emirate, der Irak, die Türkei, Süd-Korea, Indien und Afghanistan.

Im Dezember 2010 setzte die Regierung das Gesetz zum Subventionsabbau um. Im Rahmen dieser Reform kam es zu erheblichen Preissteigerungen, insbesondere bei Energieträgern. Zur Kompensation des Preisanstiegs erhält jeder Iraner seither eine monatliche Direktzahlung von etwa 15 USD. Die Reform gilt als unterfinanziert.

2011 wurde der Nationale Entwicklungsfonds (NDF) eingerichtet, in den 20% der Einnahmen aus dem Export von Öl und Gas fließen, die über dem aufgrund einer Preisprognose errechneten Ansatz liegen. Er soll als Puffer für Ölpreisfluktuationen dienen und Budgetdefizite ausgleichen. Tatsächlich ist er aber in den letzten Jahren immer wieder zweckentfremdet worden.  


Mitgliedschaft in wirtschaftlichen Zusammenschlüssen

Iran hat seit 1995 wiederholt den Beitritt zur Welthandelsorganisation beantragt, bei der Iran seit Mai 2005 über einen Beobachterstatus verfügt. Das Land ist Mitglied der Economic Cooperation Organisation, einem regionalen Wirtschaftsbund der west- und mittelasiatischen Staaten Iran, Türkei, Pakistan, Aserbaidschan, Turkmenistan, Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan, Tadschikistan und Afghanistan. Iran ist außerdem Mitglied der OPEC.

Seit 2005 hat Iran Beobachterstatus bei der Shanghai Cooperation Organisation, einem Bündnis, das sich originär mit Sicherheits-, zunehmend aber auch mit Energiefragen befasst und dem die Staaten China, Russland, Usbekistan, Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan angehören. Darüber hinaus gehört Iran dem Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und den wichtigsten mit Wirtschaft befassten Organisationen (darunter Internationale Arbeitsorganisation ILO und Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung UNCTAD) an.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Seite teilen:

Einreise & Aufenthalt

Auswärtiges Amt

Reise & Sicherheit

Außen- und Europapolitik

Ausbildung & Karriere