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Äthiopien

Kultur- und Bildungspolitik

Stand: März 2014

Bildungspolitik

Mit Hilfe internationaler Geber hat die äthiopische Regierung in den letzten Jahren wichtige Schritte unternommen, um den Bildungsrückstand im Land zu lindern. 92 Prozent der Mädchen und 99 Prozent der Jungen besuchen die Grundschule (Weltbank 2012), allerdings beenden diese nur etwa 51 Prozent der Schülerinnen und Schüler.

Nur 38,4 Prozent erhalten eine sekundäre Ausbildung. Das tertiäre Bildungssystem hat stark zugenommen. 2011 konnte ein Zuwachs bei den Studenten auf 7,3 Prozent verzeichnet werden. Nur etwa 29,8 Prozent der Erwachsenen (über 15 Jahre), aber rund die Hälfte der Personengruppe zwischen 15 und 24 Jahren können laut dem Bericht der Vereinten Nationen über menschliche Entwicklung von 2012 lesen und schreiben.

Der Anteil der Bildungsausgaben am Haushalt der Regierung beträgt 23,8 Prozent (2013/14: 22,5 Milliarden Äthiopische Birr, etwa 910 Millionen Euro). Im letzten Haushalt (2012/2013) wurden dabei 57,1 Prozent für Grund- und Erwachsenenbildung, 21,7 Prozent für berufliche Bildung und 13,2 Prozent für sektorübergreifende Unterstützungs- und Beratungsmaßnahmen veranschlagt.

Seit mehreren Jahren bemüht sich die Regierung, die Regionen stärker in das Hochschulwesen einzubinden. Neugründungen von 15 Universitäten (durch GIZ International Services errichtet) sind Ausdruck dieser Anstrengungen. Der für die nun gut 30 Universitäten bindende strategische Plan der äthiopischen Regierung sieht ein Verhältnis von 70:30 zwischen Studenten der Naturwissenschaften, Medizin und Maschinenbau und solchen der Wirtschafts- und Geisteswissenschaften vor. Angestrebt werden eine jährliche Aufnahme von 110.000 neuen Studenten und die Ausbildung von 10.000 Master- und 2.000 PhD-Absolventen. Dies bedeutet eine massive Erhöhung der Studentenzahlen, was die Ausbildungsqualität belasten wird, da weder der akademische Lehrkörper noch qualifizierte Studenten (infolge nicht ausreichender Ausbildungsqualität der Schulen) mitwachsen konnten. Der Mangel an Nachwuchsdozenten wird derzeit mit etwa 1.200 indischen Professoren überbrückt. Die Steigerung der Bildungsqualität im Hochschulbereich und bei der Berufsbildung steht im Zentrum des neuen Schwerpunkts 'Bildung' der deutsch-äthiopischen Entwicklungszusammenarbeit.

Das Bildungssystem sieht zehn allgemeinbildende Schuljahre vor. Nach dem zehnten Schuljahr erfolgt eine Differenzierung zwischen Schülern, die nach zwei weiteren Schuljahren zur Hochschul-reife geführt, und solchen, die in zwei berufsbildenden Schuljahren auf die Arbeitswelt vorbereitet werden. Für die äthiopische Regierung hat daher der Aufbau eines Berufsbildungswesens hohe Priorität. Derzeit bietet der Staat 12.000 Ausbildungsplätze an und strebt an, 20.000 zu erreichen. An den äthiopischen Schulen wird der Unterricht ab der 9. Klasse, in manchen Regionen bereits ab der 7. Klasse auf Englisch erteilt. Andere Fremdsprachen werden lediglich an ausländischen Schulen unterrichtet.

Kultur

Äthiopien ist eine Gesellschaft mit einer alten, traditionsbewussten Kultur. In der gegenwärtigen Phase intensiver Reformen stellen sich Fragen nach einem kulturellen Modernisierungskonzept verstärkt. Die Eigenständigkeitsbestrebungen verschiedener ethnischer Gruppen, denen im Rahmen der Regionalisierungspolitik der Regierung größerer Spielraum gewährt wird, wirken sich auch im Bildungsbereich aus. Die äthiopische Regierung hat Grundzüge einer staatlichen Kulturpolitik entworfen. Tragender Gesichtspunkt ist die Regionalisierung. Der Zentralstaat zieht sich auf eine Art Rahmenkompetenz in kulturellen Angelegenheiten zurück. Es obliegt den Regionen zu entscheiden, ob der Unterricht wie früher allgemein in Amharisch oder einer regionalen Sprache gehalten wird. In der Regel wählen die Regionen die Sprache der Titularethnie, wobei Amharisch als Nebenfach angeboten wird.

Hauptpartner in den auswärtigen Kulturbeziehungen Äthiopiens sind Italien, Frankreich, England, Russland und nicht zuletzt Deutschland. Wichtige Partnerinstitutionen sind die Alliance Ethio-Française, das Goethe Institut, das Italienische und Russische Kulturinstitut sowie der British Council. Das Goethe Institut Addis Abeba ist Gründungsmitglied des European Union National Institutes for Culture-Netzwerks EUNIC, das 2010 ins Leben gerufen wurde. China hat 2010 in Addis Abeba ein Konfuzius-Institut eröffnet. Wachsende Bedeutung kommt im Bildungsbereich dem Einfluss islamischer Länder zu. Dies zeigt sich vor allem im Bau neuer Koranschulen sowie in der steigenden Anzahl islamischer kultureller Veranstaltungen.

Die deutsche Kulturpolitik ist vielfältig: Das Goethe Institut ist ein aktiver Partner für äthiopische Kulturschaffende und feierte 2012 sein 50-jähriges Bestehen. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ist ein etablierter Partner für Hochschulen, 2013 wurde das vierte DAAD-Informationszentrum in Afrika (nach Kamerun, Ghana und Südafrika) eröffnet. Das Deutsche Archäologische Institut ist im Norden des Landes tätig, und das Kulturerhalt-Programm des Auswärtigen Amtes fördert eine Vielzahl von Projekten, von Wörterbüchern über Seminare zur Restauration von Kulturgütern bis hin zu Schutzmaßnahmen für antike Bauten. Die Alexander-von-Humboldt-Stiftung ist ebenfalls in Äthiopien tätig.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.