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Neuseeland

Wirtschaft

Stand: September 2013

Wirtschaftsstruktur

Neuseelands Volkswirtschaft ist am Freihandel orientiert und in hohem Maße exportabhängig. Das Land hat seit Mitte der 1980er Jahre Anstrengungen zur Diversifizierung seines Außenhandels unternommen und seine Wirtschaft, einschließlich der Landwirtschaft, nahezu vollständig dereguliert. Die neuseeländische Wirtschaft bleibt im Exportsektor dennoch stark landwirtschaftlich geprägt. Der Tourismus ist mit einem Anteil von 15,4 Prozent an den Exporterlösen der zweitwichtigste Exportzweig. Jährlich besuchen ca. 2,5 Millionen Touristen Neuseeland. Durch die Dreharbeiten zur Trilogie „Der Hobbit“, dessen erster Film am 28.11.2012 in Wellington uraufgeführt wurde, erwartet Neuseeland einen weiteren Anstieg der Touristenzahlen.

Nachdem sich Neuseeland Anfang 2010 von den Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise langsam erholte, verlor der wirtschaftliche Aufwind 2011 vor allem verursacht durch die Erdbeben in Christchurch an Kraft. Die verheerenden Erdbeben im September 2010 mit einer Stärke von 7,1 und im Februar 2011 mit einer Stärke von 6,3 auf der Richterskala bremsten den wirtschaftlichen Erholungskurs Neuseelands zunächst vollständig aus. Neuseelands größte Naturkatastrophe der letzten 80 Jahre führte das Land beinahe in eine Rezession. Mit den beginnenden Wiederaufbauarbeiten in der Region Canterbury hat die Wirtschaft –  vor allem die Baubranche – im letzten Quartal 2012 an Schwung gewonnen. Vor allem begründet durch den Export lag das Wirtschaftswachstum 2012 bei 2,5 Prozent.

Neuseelands Arbeitsmarkt reagiert insgesamt sehr verhalten auf die äußeren Umstände. Die Arbeitslosenquote betrug 2012 6,2 Prozent und lag damit 0,3 Prozent unter der Vorjahresquote von 6,5 Prozent. Für 2013 wird mit einer fortdauernden Erholung des Arbeitsmarktes und einem Rückgang der Arbeitslosenquote auf 6 Prozent gerechnet.

Die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Neuseeland und Deutschland gestalten sich nach wie vor problemlos. Die wichtigsten Ausfuhrgüter Neuseelands nach Deutschland sind land- und forstwirtschaftliche Produkte, insbesondere Schaf- und Wildfleisch, Früchte und Molkereiprodukte. Aus Deutschland werden vor allem Fahrzeuge und Maschinen sowie medizinische und pharmazeutische Produkte importiert. Deutschland steht an 14. Stelle der wichtigsten Exportmärkte und auf Platz 6 für Importe nach Neuseeland. Innerhalb Europas hat Deutschland Großbritannien als wichtigsten Handelspartner abgelöst. 2012 exportierte Neuseeland Waren im Wert von 574,2 Mio. Euro nach Deutschland. Das Importvolumen betrug 1,005 Mrd. Euro.

Für die Kapitaleinfuhr auf dem Bankweg oder in Form legal importierter Waren wird keine Genehmigung benötigt. Ausländer können ihr eingeführtes Kapital wie auch in Neuseeland erzielte Zinsen, Gewinne und Dividenden frei ausführen, wenn dies durch eine hierzu befugte Stelle (Handelsbank oder Devisenhändler) erfolgt. Die Devisenkurse sind frei veränderlich und werden durch Angebot und Nachfrage festgelegt. Der über Jahre hohe Basiszinssatz wurde in raschen Schritten wegen der weltweiten Finanzmarktkrise von 8,3 Prozent im Juli 2008 auf 2,5 Prozent im Juni 2009 gesenkt.Nach zwei Erhöhungen im Juni und Juli 2010 um je 0,25 Prozent wurde der Leitzins nach den Erdbeben in Christchurch im März 2011 wieder auf 2,5 Prozent gesenkt. Seit Ende 2009 hat sich der aufgrund von Devisenspekulationen stark schwankende NZD wieder erholt. Der Wechselkurs ist seit Beginn 2010 massiv gegenüber dem USD und dem Euro gestiegen und erreichte im Februar 2013 mit 0,67 Eurocent pro NZD einen Höchststand. Zur Zeit liegt der Kurs bei etwa 0,62 Eurocent pro NZD.


Wirtschaftszweige

Die Agrarwirtschaft hat für den Export nach wie vor eine überragende Bedeutung. Aber auch in Neuseeland nimmt der Dienstleistungssektor eine immer stärkere Rolle ein. Der sektorale Aufbau des BIP gliederte sich zuletzt in einen Anteil von 8 Prozent an der Produktion des primären Sektors, 18,6 Prozent an der Güterproduktion und 71 Prozent an Dienstleistungen. Insgesamt sind 95 Prozent der landwirtschaftlichen Produkte für den Export bestimmt.


Außenwirtschaft

Wichtigster bilateraler Handelspartner ist Australien mit einem Anteil von 21,5 Prozent an den neuseeländischen Exporten und 15,2 Prozent an den neuseeländischen Importen, gefolgt von China, USA, Japan, Südkorea, Singapur und Deutschland. Die EU bezieht 9,9 Prozent von Neuseelands Exporten. Neuseeland verzeichnete 2012 ein Handelsbilanzdefizit von 1,155 Mrd NZD, bei dem Exporte in Höhe von 46,06 Mrd NZD Importen in Höhe von 47,21 Mrd NZD gegenüber standen.

Die wichtigsten Exportgüter Neuseelands sind land- und forstwirtschaftliche Produkte (insb. Milchprodukte, Fleisch und Holz, Äpfel, Kiwis). Der Anteil von Primärprodukten am Export liegt bei über 60 Prozent. Unter den Importen dominieren Mineralprodukte und Chemikalien, mechanische und elektrische Maschinen sowie Fahrzeuge, Flugzeuge und Schiffe.


Mitgliedschaft in internationalen und regionalen Wirtschaftsgruppierungen

Neuseeland ist unter anderem Mitglied der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der Welthandelsorganisation (WTO), des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank, der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) und der Asia-Pacific Economic Cooperation (APEC). Zudem hat Neuseeland das South Pacific Regional Trade and Economic Cooperation Agreement (SPARTECA) sowie Ende 2002 das Pacific Agreement on Closer Economic Relations (PACER) unterzeichnet.

Bei dem Abschluss von Freihandelsabkommen (FTA) nimmt Neuseeland weiterhin eine Vorreiterrolle ein.
Mit dem wichtigsten Handelspartner Australien herrscht seit dem 1. Juli 1990 freier Warenverkehr im Rahmen des CER-Abkommens (Closer Economic Relations). Die im Februar 2004 mit Australien aufgenommen Verhandlungen über die Einführung eines gemeinsamen Binnenmarktes werden weiter vorangetrieben. Nach dem Abschluss eines FTA mit Taiwan im Juli 2013 ist Neuseeland das erste Land, das mit China (2008), Hongkong (2010) und Taiwan Freihandelsabkommen unterhält.

Ebenfalls 2008 wurde ein Freihandelsabkommen zwischen Australien, Neuseeland und den ASEAN-Staaten abgeschlossen, das im Januar 2012 auch in Indonesien, dem letzten noch ausstehenden ASEAN-Staat, in Kraft trat.
Als erstes westliches Land verhandelt Neuseeland mit Russland, Weißrussland und Kasachstan über ein Freihandelsabkommen, das 2013/2014 abgeschlossen werden soll, ebenso wie mit Indien. Weiterhin wurde im Oktober 2010 ein Freihandelsabkommen mit dem „Gulf Cooperation Council“ geschlossen, dessen Ratifizierung jedoch noch aussteht.
Daneben setzt Neuseeland auf eine Intensivierung und Ausweitung der transpazifischen Handelsbeziehungen und beteiligt sich aktiv an den Verhandlungen des „Trans-Pacific Strategic Economic Partnership“-Abkommens (TPP). An dem 2005 zwischen Brunei, Chile, Singapur und Neuseeland verhandelten Abkommen nehmen inzwischen 11 Staaten (zusätzlich USA, Australien, Peru, Vietnam, Malaysia, Mexiko, Kanada) teil. Auch Japan hat Interesse am TPP signalisiert.


Umwelt

Der Umwelt- und Naturschutz gehören seit Jahrzehnten zu den besonderen neuseeländischen Prioritäten. Vor allem beim Artenschutz (Whaling Commission) ist Neuseeland aktiv.

International profitiert NZL bislang von seinem grünen Image, das unter der Marke „100% pure“ vertrieben wird. Pläne, in Naturschutzgebieten Bergbau zu betreiben, waren aufgrund massiver Ablehnung in der Bevölkerung bereits 2011 gescheitert.

Das Emission Trading Scheme (ETS) trat am 01.07.2010 in Kraft. Die Einführung in bestimmten Wirtschaftszweigen (vor allem Landwirtschaft) wurde allerdings verzögert, mit dem Ziel, das ETS für die Wirtschaft finanzierbarer zu machen. Auf Empfehlung des ETS Review Panels entschied die Regierung im Juli 2012, die volle Einbeziehung der Sektoren Energie, Transport und Industrie über den bisher angedachten Beginn 2013 hinaus um zwei Jahre zu verschieben. Die Landwirtschaft soll 2015 - wenn überhaupt - nur dann einbezogen werden, wenn bis dahin Technologien vorhanden sind, die die Belastungen der Farmer reduzieren.

Als Kompensation betreibt Neuseeland eine Initiative für eine „Global Alliance on Greenhouse Gases“ zur Erforschung der Reduzierung von Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft.

Am 1. April 2011 trat Neuseeland IRENA bei.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.