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Neuseeland

Wirtschaft

Stand: Mai 2014

Wirtschaftsstruktur

Neuseelands Volkswirtschaft ist am Freihandel orientiert und in hohem Maße exportabhängig. Das Land hat seit Mitte der 1980er Jahre Anstrengungen zur Diversifizierung seines Außenhandels unternommen und seine Wirtschaft, einschließlich der Landwirtschaft, nahezu vollständig dereguliert. Die neuseeländische Wirtschaft bleibt im Exportsektor dennoch stark landwirtschaftlich geprägt. Der Tourismus ist mit einem Anteil von 9 Prozent an den Exporterlösen der zweitwichtigste Exportzweig. Jährlich besuchen ca. 2,6 Millionen Touristen Neuseeland. Durch die Dreharbeiten zur Trilogie „Der Hobbit“, deren zweiter Teil Ende 2013 in Wellington uraufgeführt wurde, erwartet Neuseeland einen weiteren Anstieg der Touristenzahlen.

Nachdem sich Neuseeland Anfang 2010 von den Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise langsam erholte, verlor der wirtschaftliche Aufwind 2011 - vor allem verursacht durch die Erdbeben in Christchurch - an Kraft. Die verheerenden Erdbeben im September 2010 bremsten den wirtschaftlichen Erholungskurs Neuseelands zunächst aus. Neuseelands größte Naturkatastrophe der letzten 80 Jahre führte das Land beinahe in eine Rezession. Mit den beginnenden Wiederaufbauarbeiten in der Region Canterbury hat die Wirtschaft – insbesondere die Baubranche – im letzten Quartal 2012 an Schwung gewonnen. Vor allem begründet durch den Export lag das Wirtschaftswachstum 2013 bei 2,6 Prozent.

Die Arbeitslosenquote betrug 2013 6,1 Prozent und lag damit 0,4 Prozent unter der Vorjahresquote von 6,5 Prozent.

Für die Kapitaleinfuhr auf dem Bankweg oder in Form legal importierter Waren wird keine Genehmigung benötigt. Ausländer können ihr eingeführtes Kapital wie auch in Neuseeland erzielte Zinsen, Gewinne und Dividenden frei ausführen, wenn dies durch eine hierzu befugte Stelle (Handelsbank oder Devisenhändler) erfolgt. Die Devisenkurse sind frei veränderlich und werden durch Angebot und Nachfrage festgelegt. Der Leitzins lag seit den Erdbeben in Christchurch 2011 auf einem Rekordtief von 2,5 Prozent. Aufgrund eines erhöhten Inflationsdrucks hob die Reserve Bank im März 2014 den Leitzins um 0,25 Prozent auf 2,75 Prozent an und kündigte eine schrittweise Erhöhung auf bis zu 4,75 Prozent für 2014/2015 an.

Seit Ende 2009 hat sich der aufgrund von Devisenspekulationen stark schwankende New Zealand Dollar NZD wieder erholt. Der Wechselkurs ist seit Beginn 2010 massiv gegenüber dem US-Dollar und dem Euro gestiegen und erreichte im Februar 2013 mit 0,67 Eurocent pro NZD einen Höchststand. Zur Zeit liegt der Kurs bei etwa 0,62 Eurocent pro NZD.


Wirtschaftszweige

Die Agrarwirtschaft hat für den Export nach wie vor eine überragende Bedeutung. Insgesamt sind 95 Prozent der landwirtschaftlichen Produkte für den Export bestimmt. Aber auch in Neuseeland nimmt der Dienstleistungssektor eine immer stärkere Rolle ein. Der sektorale Aufbau des BIP gliederte sich zuletzt in einen Anteil von 8 Prozent an der Produktion des primären Sektors, 18,6 Prozent an der Güterproduktion und 71 Prozent an Dienstleistungen.


Außenwirtschaft

Wichtigster bilateraler Handelspartner 2012 ist Australien mit einem Anteil von 21,5 Prozent an den neuseeländischen Warenexporten und 15,2 Prozent an den neuseeländischen Warenimporten, gefolgt von China, USA, Japan, Südkorea, Singapur und Deutschland. Die EU bezieht 9,9 Prozent von Neuseelands Exporten. Für 2013 wird erwartet, dass China Australien als Hauptexportzielland neuseeländischer Waren ablösen wird.

Die wichtigsten Exportgüter Neuseelands sind land- und forstwirtschaftliche Produkte (insb. Milchprodukte, Fleisch und Holz, Äpfel, Kiwis). Der Anteil von Primärprodukten am Export liegt bei über 60 Prozent. Unter den Importen dominieren Mineralprodukte und Chemikalien, mechanische und elektrische Maschinen sowie Fahrzeuge, Flugzeuge und Schiffe. Durch einen Überschuss im Bereich Warenhandel (1,2 Mrd NZD) und ein Defizit im Servicebereich (- 1,1 Mrd NZD) verzeichnete Neuseeland 2012 insgesamt einen Handelsbilanz-Überschuss in Höhe von 105 Mio. NZD (66,7 Mio. €).

Die bilateralen Handelsbeziehungen zwischen Neuseeland und Deutschland gestalten sich nach wie vor problemlos. Die wichtigsten Ausfuhrgüter Neuseelands nach Deutschland sind land- und forstwirtschaftliche Produkte, insbesondere Schaf- und Wildfleisch, Früchte und Molkereiprodukte. Aus Deutschland werden vor allem Fahrzeuge und Maschinen sowie medizinische und pharmazeutische Produkte importiert. Deutschland steht an 13. Stelle der wichtigsten Waren-Exportmärkte und auf Platz 6 für Warenimporte nach Neuseeland. Innerhalb Europas hat Deutschland Großbritannien als wichtigsten Handelspartner im Warenbereich abgelöst. 2012 exportierte Neuseeland Waren im Wert von 574,2 Mio. Euro nach Deutschland. Das Importvolumen betrug 1,005 Mrd. Euro.


Mitgliedschaft in internationalen und regionalen Wirtschaftsgruppierungen, Freihandelsabkommen

Neuseeland ist unter anderem Mitglied der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der Welthandelsorganisation (WTO), des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank, der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) und der Asia-Pacific Economic Cooperation (APEC). Zudem hat Neuseeland das South Pacific Regional Trade and Economic Cooperation Agreement (SPARTECA) sowie Ende 2002 das Pacific Agreement on Closer Economic Relations (PACER) unterzeichnet.

Bei dem Abschluss von Freihandelsabkommen (FTA) nimmt Neuseeland weiterhin eine Vorreiterrolle ein.
Mit dem wichtigsten Handelspartner Australien herrscht seit dem 1. Juli 1990 freier Warenverkehr im Rahmen des CER-Abkommens (Closer Economic Relations). Die im Februar 2004 mit Australien aufgenommen Verhandlungen über die Einführung eines gemeinsamen Binnenmarktes werden weiter vorangetrieben. Nach dem Abschluss eines FTA mit Taiwan im Juli 2013 ist Neuseeland das erste Land, das mit China (2008), Hongkong (2010) und Taiwan Freihandelsabkommen unterhält.

Ebenfalls 2008 wurde ein Freihandelsabkommen zwischen Australien, Neuseeland und den ASEAN-Staaten abgeschlossen, das im Januar 2012 auch in Indonesien, dem letzten noch ausstehenden ASEAN-Staat, in Kraft trat.
Als erstes westliches Land verhandelt Neuseeland mit Russland, Weißrussland und Kasachstan über ein Freihandelsabkommen, das 2013/2014 abgeschlossen werden sollte, allerdings im Zuge der Vorkommnisse in der Ukraine im März 2014 ausgesetzt wurde. Ein Freihandelsabkommen mit Indien befindet sich weiterhin in der Verhandlungsphase. Weiterhin wurde im Oktober 2010 ein Freihandelsabkommen mit dem „Gulf Cooperation Council“ geschlossen, dessen Ratifizierung noch aussteht.
Daneben setzt Neuseeland auf eine Intensivierung und Ausweitung der transpazifischen Handelsbeziehungen und beteiligt sich aktiv an den Verhandlungen des „Trans-Pacific Strategic Economic Partnership“-Abkommens (TPP). An dem 2005 zwischen Brunei, Chile, Singapur und Neuseeland verhandelten Abkommen nehmen inzwischen 12 Staaten (zusätzlich USA, Australien, Peru, Vietnam, Malaysia, Mexiko, Kanada, Japan) teil. Parallel engagierte sich Neuseeland im November 2012 bei der Neugründung des Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP), dessen Freihandelszone bei Abschluss die Hälfte der Weltbevölkerung umfassen könnte.


Umwelt

Der Umwelt- und Naturschutz gehören seit Jahrzehnten zu den besonderen neuseeländischen Prioritäten. Vor allem beim Artenschutz (Whaling Commission) ist Neuseeland aktiv.

International profitiert NZL bislang von seinem grünen Image, das unter der Marke „100% pure“ vertrieben wird. Pläne, in Naturschutzgebieten Bergbau zu betreiben, waren aufgrund massiver Ablehnung in der Bevölkerung bereits 2011 gescheitert.

Das Emission Trading Scheme (ETS) trat am 01.07.2010 in Kraft. Die Einführung in bestimmten Wirtschaftszweigen (vor allem Landwirtschaft) wurde allerdings verzögert, mit dem Ziel, das ETS für die Wirtschaft finanzierbarer zu machen. Auf Empfehlung des ETS Review Panels entschied die Regierung im Juli 2012, die volle Einbeziehung der Sektoren Energie, Transport und Industrie über den bisher angedachten Beginn 2013 hinaus um zwei Jahre zu verschieben. Die Landwirtschaft soll 2015 - wenn überhaupt - nur dann einbezogen werden, wenn bis dahin Technologien vorhanden sind, die die Belastungen der Farmer reduzieren. Die angestrebten Reduzierungsziele der Treibhausgas-Emissionen wurden im August 2013 auf 5 Prozent reduziert.

Als Kompensation betreibt Neuseeland eine Initiative für eine „Global Alliance on Greenhouse Gases“ zur Erforschung der Reduzierung von Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft.

Im November 2012 entschie die neuseeländische Regierung, sich nicht an einer zweiten Verpflichtungsperiode unter dem Kyoto-Protokoll zu beteiligen und hält auch aktuell an dieser Position fest.

Am 1. April 2011 trat Neuseeland der International Renewable Energy Agency IRENA bei.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.