Hauptinhalt

Neuseeland

Wirtschaft

Stand: Juni 2015

Wirtschaftsstruktur

Neuseelands Volkswirtschaft ist am Freihandel orientiert und in hohem Maße exportabhängig. Das Land hat seit Mitte der 1980er Jahre Anstrengungen zur Diversifizierung seines Außenhandels unternommen und seine Wirtschaft, einschließlich der Landwirtschaft, nahezu vollständig dereguliert. Die neuseeländische Wirtschaft bleibt im Exportsektor dennoch stark landwirtschaftlich geprägt. Der Tourismus ist der zweitwichtigste Exportzweig. 2014 reisten ca. 2,9 Millionen Besucher nach Neuseeland. Ein auch in diesem Zusammenhang wichtiger Wirtschaftszweig ist die Filmindustrie. So haben z.B. die Dreharbeiten zur Trilogie „Der Hobbit“ zu einem spürbaren Anstieg der Touristenzahlen geführt.

Nachdem sich Neuseeland Anfang 2010 von den Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise langsam erholt hatte, bremste das verheerende Erdbeben im September 2010 den wirtschaftlichen Aufschwung aus und führte das Land beinahe in eine Rezession. Mit den Wiederaufbauarbeiten in der Region Canterbury hat die Wirtschaft – insbesondere die Baubranche – aber wieder an Schwung gewonnen. Da auch die Exporte wieder zulegten, lag das Wirtschaftswachstum lt. Weltbank 2013 bei 2,5 %, im dritten Quartal 2014 sogar bei 3,2 %.

Die Arbeitslosenquote betrug im Dezember 2014 5,7 %.

Die Rahmenbedingungen für Investitionen im Land sind gut. Für Kapitaleinfuhren auf dem Bankweg oder in Form legal importierter Waren werden keine Genehmigungen benötigt. Ausländer können ihr eingeführtes Kapital wie auch in Neuseeland erzielte Zinsen, Gewinne und Dividenden frei ausführen, wenn dies durch eine hierzu befugte Stelle (Handelsbank oder Devisenhändler) erfolgt. Die Devisenkurse sind frei veränderlich und werden durch Angebot und Nachfrage festgelegt. Der Leitzins lag seit den Erdbeben in Christchurch 2011 auf einem Rekordtief von 2,5 %. Aufgrund eines erhöhten Inflationsdrucks hat die Reserve Bank den Leitzins  mehrfach angehoben, zuletzt am 24.07.2014 um 0,25 % auf nun 3,50 %. Die Inflationsrate betrug im März 2015 0,8 %.

Seit Ende 2009 hat sich der aufgrund von Devisenspekulationen stark schwankende New Zealand Dollar (NZD) wieder erholt. Der Wechselkurs ist seit Beginn 2010 massiv gegenüber dem US-Dollar und dem Euro gestiegen und erreichte im April 2015 einen neuen historischen Höchststand gegenüber dem Euro..


Wirtschaftszweige

Die Agrarwirtschaft, hier an erster Stelle die Milch- und Fleischwirtschaft, hat für den Export nach wie vor eine überragende Bedeutung. 95 % der landwirtschaftlichen Produkte sind dabei für den Export bestimmt. Gesamtwirtschaftlich nimmt der Dienstleistungssektor eine immer stärkere Rolle ein. Der sektorale Aufbau des BIP--Bruttoinlandsprodukt gliederte sich zuletzt in einen Anteil von 8 % an der Produktion des primären Sektors, 18,6 % an der Güterproduktion und 71 % an Dienstleistungen.


Außenwirtschaft

73,0 % der neuseeländischen Waren-Exporte gingen 2014 in Länder der Asia-Pacific Economic Cooperation (APEC); 72,6 % der Waren-Importe stammten von dort. Dies unterstreicht die Bedeutung des regionalen Wirtschaftsverkehrs für Neuseeland.

Die wichtigsten Waren-Handelspartner 2014 waren China (18,4 %), Australien (14,8 %), die EU (13,8 %) und die USA (10,5 %).

Die wichtigsten Exportgüter Neuseelands sind land- und forstwirtschaftliche Produkte (insb. Milchprodukte, Fleisch und Holz, Äpfel, Kiwis). Der Anteil von Primärprodukten am Warenexport liegt bei über 70 %. Unter den Importgütern dominieren Mineralprodukte und Chemikalien, mechanische und elektrische Maschinen und Ausrüstung sowie Fahrzeuge und Zubehör.

2014 verzeichnete Neuseeland einen Handelsbilanz-Überschuss in Höhe von 3,2 Mrd. NZD. Im Bereich Warenhandel betrug der Überschuss 1.3Mrd. NZD, im Bereich Dienstleistungen etwa 1,9 Mrd. NZD.

Die bilateralen Handelsbeziehungen zwischen Neuseeland und Deutschland gestalten sich nach wie vor problemlos. Die wichtigsten Ausfuhrgüter Neuseelands nach Deutschland sind land- und forstwirtschaftliche Produkte, insbesondere Schaf- und Wildfleisch, Früchte und Molkereiprodukte. Aus Deutschland werden vor allem Fahrzeuge und Maschinen sowie medizinische und pharmazeutische Produkte importiert. Neuseeland stand 2014 auf Rang 67 der deutschen Exportdestinationen sowie auf Rang 70 der Herkunftsländer von Waren. Das Volumen des deutsch-neuseeländischen Warenhandels erhöhte sich 2014 auf 3,125 Mrd. NZD mit einem Handelsbilanzüberschuss von ca. 1,802 Mrd. NZD zugunsten Deutschlands.


Mitgliedschaft in internationalen und regionalen Wirtschaftsgruppierungen, Freihandelsabkommen

Neuseeland ist unter anderem Mitglied der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der Welthandelsorganisation (WTO), des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank, der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) und der Asia-Pacific Economic Cooperation (APEC). Zudem hat Neuseeland das South Pacific Regional Trade and Economic Cooperation Agreement (SPARTECA) sowie Ende 2002 das Pacific Agreement on Closer Economic Relations (PACER) unterzeichnet.

Bei dem Abschluss von Freihandelsabkommen (FTA) nimmt Neuseeland eine Vorreiterrolle ein. Mit dem wichtigsten Handelspartner Australien herrscht seit dem 1. Juli 1990 freier Warenverkehr im Rahmen des CER-Abkommens (Closer Economic Relations). Die im Februar 2004 mit Australien aufgenommen Verhandlungen über die Einführung eines gemeinsamen Binnenmarktes werden weiter vorangetrieben. Nach dem Abschluss eines FTA mit Taiwan im Juli 2013 war Neuseeland das erste Land, welches mit der Volksrepublik China (2008), mit Hongkong (2010) und mit Taiwan gleichzeitig Freihandelsabkommen unterhält.

Ebenfalls 2008 wurde ein Freihandelsabkommen zwischen Australien, Neuseeland und den ASEAN of South East Asian Nations (ASEAN)-Staaten abgeschlossen, das im Januar 2012 auch in Indonesien, dem letzten noch ausstehenden ASEAN-Staat, in Kraft trat. Als erstes westliches Land verhandelte Neuseeland mit Russland, Weißrussland und Kasachstan über ein Freihandelsabkommen, das 2014 abgeschlossen werden sollte. Im Kontext der Ukraine-Krise hat Neuseeland die Verhandlungen im März 2014 allerdings ausgesetzt. Ein Freihandelsabkommen mit Indien befindet sich weiterhin in der Verhandlungsphase. Weiterhin wurde im Oktober 2010 ein Freihandelsabkommen mit dem „Gulf Cooperation Council“ geschlossen, dessen Ratifizierung noch aussteht. Im März 2015 wurde ein Freihandelsabkommen mit Südkorea unterzeichnet.

Daneben setzt Neuseeland auf eine Intensivierung und Ausweitung der transpazifischen Handelsbeziehungen und beteiligt sich aktiv an den Verhandlungen des „Trans-Pacific Partnership“-Abkommens (TPP). Neuseeland gehörte 2005 mit Brunei, Chile und Singapur zu den Pionieren des sog. Trans-Pacific Strategic Economic Partnership Agreement (TPSEP). An den Verhandlungen zur Ausweitung zum TPP nehmen inzwischen 12 Staaten (zusätzlich USA, Australien, Peru, Vietnam, Malaysia, Mexiko, Kanada, Japan) teil. Parallel engagierte sich Neuseeland im November 2012 bei der Neugründung des Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP), dessen Freihandelszone bei Abschluss die Hälfte der Weltbevölkerung umfassen könnte.

Umwelt

Der Umwelt- und Naturschutz gehören seit Jahrzehnten zu den besonderen neuseeländischen Prioritäten. Vor allem beim Artenschutz (Whaling Commission) ist Neuseeland aktiv. Nach außen profitiert NZL dabei auch von seinem grünen Image, das unter der Marke „100% pure“ vertrieben wird. Wichtigstes Instrument zur Umsetzung der neuseeländischen Reduktionsverpflichtungen aus der ersten Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls sowie der VN-Klimarahmenkonvention ist das auf Grundlage des im Jahr 2008 beschlossenen „Climate Change Response (Emissions Trading) Amendment Act“ eingeführte Emissionshandelssystem (ETS). Mit Rücksichtnahme auf bestimmte Wirtschaftszweige (vor allem Landwirtschaft) wurde die vollständige Umsetzung bisher aber mehrfach verzögert. Auf Empfehlung des ETS Review Panels entschied die Regierung im Juli 2012, die volle Einbeziehung der Sektoren Energie, Transport und Industrie über den bisher angedachten Beginn 2013 hinaus um zwei Jahre zu verschieben. Die Landwirtschaft soll 2015 - wenn überhaupt - nur dann einbezogen werden, wenn bis dahin Technologien vorhanden sind, die die Belastungen der Farmer reduzieren. Die angestrebten Reduzierungsziele der Treibhausgas-Emissionen wurden im August 2013 auf 5 % reduziert.

Als Ausgleich betreibt Neuseeland eine Initiative für eine „Global Alliance on Greenhouse Gases“ zur Erforschung der Reduzierung von Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft.

Im November 2012 entschied die neuseeländische Regierung, sich nicht an einer zweiten Verpflichtungsperiode unter dem Kyoto-Protokoll zu beteiligen und hält auch aktuell an dieser Position fest.

Am 1. April 2011 trat Neuseeland der International Renewable Energy Agency (IRENA) bei.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Seite teilen:

Einreise & Aufenthalt

Auswärtiges Amt

Reise & Sicherheit

Außen- und Europapolitik

Ausbildung & Karriere