Hauptinhalt

Neuseeland

Wirtschaft

Stand: Oktober 2015

Wirtschaftsstruktur und aktuelle Wirtschaftslage

Neuseelands Volkswirtschaft ist am Freihandel orientiert und in hohem Maße exportabhängig. Das Land hat seit Mitte der 1980er Jahre Anstrengungen zur Diversifizierung seines Außenhandels unternommen und seine Wirtschaft, einschließlich der Landwirtschaft, nahezu vollständig dereguliert. Die neuseeländische Wirtschaft bleibt im Exportsektor dennoch stark landwirtschaftlich geprägt. Der Tourismus ist der zweitwichtigste Exportzweig. 2014 reisten ca. 2,9 Millionen Besucher nach Neuseeland. Ein auch in diesem Zusammenhang wichtiger Wirtschaftszweig ist die Filmindustrie. So haben z.B. die Dreharbeiten zur Trilogie „Der Hobbit“ zu einem spürbaren Anstieg der Touristenzahlen geführt.

Nachdem sich Neuseeland Anfang 2010 von den Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise langsam erholt hatte, bremste das verheerende Erdbeben im September 2010 den wirtschaftlichen Aufschwung aus und führte das Land beinahe in eine Rezession. Mit den Wiederaufbauarbeiten in der Region Canterbury hat die Wirtschaft – insbesondere die Baubranche – aber wieder an Schwung gewonnen. Da auch die Exporte wieder zulegten, lag das Wirtschaftswachstum im Juni 2015 bei 3,0 %.

Die Arbeitslosenquote betrug im Juli 2015 5,9 %.

Die Rahmenbedingungen für Investitionen im Land sind gut. Für Kapitaleinfuhren auf dem Bankweg oder in Form legal importierter Waren werden keine Genehmigungen benötigt. Ausländer können ihr eingeführtes Kapital wie auch in Neuseeland erzielte Zinsen, Gewinne und Dividenden frei ausführen, wenn dies durch eine hierzu befugte Stelle (Handelsbank oder Devisenhändler) erfolgt. Die Devisenkurse sind frei veränderlich und werden durch Angebot und Nachfrage festgelegt. Der Leitzins wurde seit Juni 2015 drei Mal um 0,25 % auf nunmehr 2.75 % gesenkt. Die Inflationsrate betrug im Juni 2015 0,4 %.

Der Wechselkurs des New Zealand Dollar (NZD) erreichte im April 2015 einen neuen historischen Höchststand gegenüber dem Euro, ist im Verlauf des Jahres jedoch wieder gesunken.


Wirtschaftszweige

Die Agrarwirtschaft, hier an erster Stelle die Milch- und Fleischwirtschaft, hat für den Export nach wie vor eine überragende Bedeutung.. Gesamtwirtschaftlich nimmt der Dienstleistungssektor eine immer stärkere Rolle ein. Der sektorale Aufbau des BIP--Bruttoinlandsprodukt gliederte sich zuletzt in einen Anteil von rund 10 % an der Produktion des primären Sektors, rund 20 % an der Güterproduktion und rund 70 % an Dienstleistungen.


Außenwirtschaft

73,0 % der neuseeländischen Waren-Exporte gingen 2014 in Länder der Asia-Pacific Economic Cooperation (APEC); 72,6 % der Waren-Importe stammten von dort. Dies unterstreicht die Bedeutung des regionalen Wirtschaftsverkehrs für Neuseeland.

Die wichtigsten Waren-Handelspartner 2015 sind Australien, China und die EU, gefolgt von den USA und Japan.

Die wichtigsten Exportgüter Neuseelands sind land- und forstwirtschaftliche Produkte (insb. Milchprodukte, Fleisch und Holz, Äpfel, Kiwis). Der Anteil von Primärprodukten am Warenexport liegt bei über 60 %. Unter den Importgütern dominieren Mineralprodukte und Chemikalien, mechanische und elektrische Maschinen und Ausrüstung sowie Fahrzeuge, Flugzeuge und Schiffe.

2014 verzeichnete Neuseeland einen Handelsbilanz-Überschuss in Höhe von 3,2 Mrd. NZD. Im Bereich Warenhandel betrug der Überschuss 1.3Mrd. NZD, im Bereich Dienstleistungen etwa 1,9 Mrd. NZD.

Die bilateralen Handelsbeziehungen zwischen Neuseeland und Deutschland gestalten sich nach wie vor problemlos. Die wichtigsten Ausfuhrgüter Neuseelands nach Deutschland sind land- und forstwirtschaftliche Produkte, insbesondere Schaf- und Wildfleisch, Früchte und Molkereiprodukte. Aus Deutschland werden vor allem Fahrzeuge und Maschinen sowie medizinische und pharmazeutische Produkte importiert. Neuseeland stand 2014 auf Rang 67 der deutschen Exportdestinationen sowie auf Rang 70 der Herkunftsländer von Waren. Das Volumen des deutsch-neuseeländischen Warenhandels erhöhte sich 2014 auf 3,125 Mrd. NZD mit einem Handelsbilanzüberschuss von ca. 1,802 Mrd. NZD zugunsten Deutschlands.


Mitgliedschaft in internationalen und regionalen Wirtschaftsgruppierungen, Freihandelsabkommen

Neuseeland ist unter anderem Mitglied der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der Welthandelsorganisation (WTO), des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank, der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) und der Asia-Pacific Economic Cooperation (APEC). Zudem hat Neuseeland das South Pacific Regional Trade and Economic Cooperation Agreement (SPARTECA) sowie Ende 2002 das Pacific Agreement on Closer Economic Relations (PACER) unterzeichnet.

Bei dem Abschluss von Freihandelsabkommen (FTA) nimmt Neuseeland eine Vorreiterrolle ein. Mit dem wichtigsten Handelspartner Australien herrscht seit dem 1. Juli 1990 freier Warenverkehr im Rahmen des CER-Abkommens (Closer Economic Relations). Die im Februar 2004 mit Australien aufgenommenen Verhandlungen über die Einführung eines gemeinsamen Binnenmarktes werden weiter vorangetrieben. Nach dem Abschluss eines FTA mit Taiwan im Juli 2013 war Neuseeland das erste Land, welches mit der Volksrepublik China (2008), mit Hongkong (2010) und mit Taiwan gleichzeitig Freihandelsabkommen unterhält.

Ebenfalls 2008 wurde ein Freihandelsabkommen zwischen Australien, Neuseeland und den ASEAN-Staaten (Association of Southeast Asian Nations) abgeschlossen, das im Januar 2012 auch in Indonesien, dem letzten noch ausstehenden ASEAN-Staat, in Kraft trat. Als erstes westliches Land verhandelte Neuseeland mit Russland, Weißrussland und Kasachstan über ein Freihandelsabkommen, das 2014 abgeschlossen werden sollte. Im Kontext der Ukraine-Krise hat Neuseeland die Verhandlungen im März 2014 allerdings ausgesetzt. Ein Freihandelsabkommen mit Indien befindet sich weiterhin in der Verhandlungsphase. Weiterhin wurden im Oktober 2009 Verhandlungen für ein Freihandelsabkommen mit dem „Gulf Cooperation Council“ abgeschlossen, eine Unterzeichnung steht jedoch noch aus. Im März 2015 wurde ein Freihandelsabkommen mit Südkorea unterzeichnet.

Daneben setzt Neuseeland auf eine Intensivierung und Ausweitung der transpazifischen Handelsbeziehungen und hat sich aktiv an den Verhandlungen des „Trans-Pacific Partnership“-Abkommens (TPP) beteiligt. Neuseeland gehörte 2005 mit Brunei, Chile und Singapur zu den Pionieren des sog. Trans-Pacific Strategic Economic Partnership Agreement (TPSEP), dem TPP-Vorläufer. An den Verhandlungen zur Ausweitung zum TPP nehmen inzwischen 12 Staaten (zusätzlich USA, Australien, Peru, Vietnam, Malaysia, Mexiko, Kanada, Japan) teil. Die Textverhandlungen zum TPP wurden Anfang Oktober 2015 abgeschlossen, die innerstaatlichen Ratifizierungsprozesse stehen noch aus.

Parallel engagiert sich Neuseeland seit November 2012 bei der Einrichtung des Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP), eine Freihandelsinitiative der ASEAN Mitgliedstaaten mit ihren Freihandelspartnern China, Japan, Indien sowie Korea, Neuseeland und Australien.

Umwelt

Der Umwelt- und Naturschutz gehören seit Jahrzehnten zu den besonderen neuseeländischen Prioritäten. Vor allem beim Artenschutz (Whaling Commission) ist Neuseeland aktiv. Der neuseeländische Premierminister John Key hat bei der VN-Generalversammlung in New York im September 2015 die Schaffung des Meeresschutzgebietes „Kermadec Ocean Sanctuary“ angekündigt, das 620.000 Quadratkilometer umfassen soll. Die Regierung strebt an, dass die entsprechende Gesetzgebung im nächsten Jahr verabschiedet werden kann.

Wichtigstes Instrument zur Umsetzung der neuseeländischen Reduktionsverpflichtungen aus der ersten Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls sowie der VN-Klimarahmenkonvention ist das auf Grundlage des im Jahr 2008 beschlossenen „Climate Change Response (Emissions Trading) Amendment Act“ eingeführte Emissionshandelssystem (ETS). Mit Rücksichtnahme auf bestimmte Wirtschaftszweige (vor allem Landwirtschaft) wurde die vollständige Umsetzung zunächst mehrfach verzögert. Vom ETS werden mittlerweile Unternehmen folgender Sektoren erfasst: Forstwirtschaft (seit 2008), Energie (2010), Fischerei (2010), Industrie (2010), flüssige fossile Brennstoffe (2010), synthetische Gase (2013) sowie Abfallwirtschaft (2013).

Der Agrarsektor, in Neuseeland für fast die Hälfte der Treibhausgasemissionen verantwortlich, ist bislang ausgenommen: Landwirtschaftliche Unternehmen müssen seit dem 01. Januar 2012 lediglich ihre Emissionen jährlich an die Environmental Protection Authority melden. Ein Datum, ab welchem sie tatsächlich am ETS teilnehmen müssen, wurde bisher noch nicht gesetzlich festgelegt.

Im November 2012 entschied die neuseeländische Regierung, sich nicht an einer zweiten Verpflichtungsperiode unter dem Kyoto-Protokoll zu beteiligen und hält auch aktuell an dieser Position fest.

Klimaminister Groser wiederholte im April 2015 das Ziel, die Klimagasemissionen bis 2020 um 5 % unter das Niveau von 1990 zu senken. Zwar sind laut eines Berichtes des neuseeländischen Umweltministeriums vom April 2015 die neuseeländischen Klimagasemissionen im Jahr 2013 (80.961,6 kt CO2-e) gegenüber dem Jahr 2012 um 1,4 % gesunken, sie liegen aber immer noch deutlich über dem Niveau von 1990 (66.720,16 kt CO2-e).

Im Juli 2015 hat der für Klimafragen zuständige Minister Groser den nationalen Klimaschutzbeitrag Neuseelands (Intended Nationally Determined Contribution/ INDC) Neuseelands für die VN-Klimaverhandlungen bekannt gegeben: Neuseeland strebt an, bis zum Jahr 2030 30 Prozent seiner Emissionen im Vergleich zu 2005 einzusparen.

Am 1. April 2011 trat Neuseeland der International Renewable Energy Agency (IRENA) bei.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Seite teilen:

Einreise & Aufenthalt

Auswärtiges Amt

Reise & Sicherheit

Außen- und Europapolitik

Ausbildung & Karriere