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Neuseeland

Wirtschaft

Stand: Oktober 2014

Wirtschaftsstruktur

Neuseelands Volkswirtschaft ist am Freihandel orientiert und in hohem Maße exportabhängig. Das Land hat seit Mitte der 1980er Jahre Anstrengungen zur Diversifizierung seines Außenhandels unternommen und seine Wirtschaft, einschließlich der Landwirtschaft, nahezu vollständig dereguliert. Die neuseeländische Wirtschaft bleibt im Exportsektor dennoch stark landwirtschaftlich geprägt. Der Tourismus ist mit einem Anteil von 9 % an den Exporterlösen der zweitwichtigste Exportzweig. Jährlich besuchen ca. 2,6 Millionen Touristen Neuseeland. Ein auch in diesem Zusammenhang wichtiger Wirtschaftszweig ist die Filmindustrie. So haben z.B. die Dreharbeiten zur Trilogie „Der Hobbit“ (zweiter Teil Ende 2013 in Wellington uraufgeführt) zu einem spürbaren Anstieg der Touristenzahlen geführt.

Nachdem sich Neuseeland Anfang 2010 von den Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise langsam erholt hatte, bremste das verheerende Erdbeben im September 2010 den wirtschaftlichen Aufschwung aus und führte das Land beinahe in eine Rezession. Mit den Wiederaufbauarbeiten in der Region Canterbury hat die Wirtschaft – insbesondere die Baubranche – aber wieder an Schwung gewonnen. Da auch die Exporte wieder zulegten, lag das Wirtschaftswachstum lt. Weltbank 2013 bei 2,5 %.

Die Arbeitslosenquote betrug 2013 6,1 % und lag damit 0,4 % unter der Vorjahresquote von 6,5 % (Juni 2014: 5,6 %).

Die Rahmenbedingungen für Investitionen im Land sind gut. Für Kapitaleinfuhren auf dem Bankweg oder in Form legal importierter Waren werden keine Genehmigungen benötigt. Ausländer können ihr eingeführtes Kapital wie auch in Neuseeland erzielte Zinsen, Gewinne und Dividenden frei ausführen, wenn dies durch eine hierzu befugte Stelle (Handelsbank oder Devisenhändler) erfolgt. Die Devisenkurse sind frei veränderlich und werden durch Angebot und Nachfrage festgelegt. Der Leitzins lag seit den Erdbeben in Christchurch 2011 auf einem Rekordtief von 2,5 %. Aufgrund eines erhöhten Inflationsdrucks hat die Reserve Bank den Leitzins in den vergangenen Monaten mehrfach angehoben, zuletzt am 24.07.2014 um 0,25 % auf nun 3,50 %. Eine weitere schrittweise Erhöhung auf bis zu 4,75 % für 2014/2015 ist angekündigt. Die Inflationsrate betrug im September 2014 1,6 %.

Seit Ende 2009 hat sich der aufgrund von Devisenspekulationen stark schwankende New Zealand Dollar (NZD) wieder erholt. Der Wechselkurs ist seit Beginn 2010 massiv gegenüber dem US-Dollar und dem Euro gestiegen und erreichte im Februar 2013 mit 0,67 Eurocent pro NZD einen Höchststand. Zur Zeit liegt der Kurs bei etwa 0,62 Eurocent pro NZD.


Wirtschaftszweige

Die Agrarwirtschaft hat für den Export nach wie vor eine überragende Bedeutung. 95 % der landwirtschaftlichen Produkte sind dabei für den Export bestimmt. Gesamtwirtschaftlich nimmt der Dienstleistungssektor eine immer stärkere Rolle ein. Der sektorale Aufbau des BIP--Bruttoinlandsprodukt gliederte sich zuletzt in einen Anteil von 8 % an der Produktion des primären Sektors, 18,6 % an der Güterproduktion und 71 % an Dienstleistungen.


Außenwirtschaft

74,1 % der neuseeländischen Waren-Exporte gehen in Länder der Asia-Pacific Economic Cooperation (APEC), 71,7 % der Importe stammen von dort. Dies unterstreicht die Bedeutung des regionalen Wirtschaftsverkehrs für Neuseeland.

Die wichtigsten neuseeländischen Waren-Exportländer 2013 waren die Volksrepublik China (20,7 %), Australien (19 %), und die EU (9,7 %), gefolgt von den USA (8,5 %) und Japan (5,9 %). Damit wurde erstmals Australien von China als wichtigster Exportdestination abgelöst. Waren-Importe aus China hatten bereits 2011 erstmals die Importe aus Australien überschritten und setzten diesen Trend 2013 mit 17,1 % (Australien: 13,3 %) deutlich fort. Die Importe aus der EU lagen bei 16,7 %. Lediglich bei den Im- und Exporten von Dienstleistungen konnte Australien seine Führungsrolle weiter behaupten.

Die wichtigsten Exportgüter Neuseelands sind land- und forstwirtschaftliche Produkte (insb. Milchprodukte, Fleisch und Holz, Äpfel, Kiwis). Der Anteil von Primärprodukten am Export liegt bei über 60 %. Unter den Importen dominieren Mineralprodukte und Chemikalien, mechanische und elektrische Maschinen sowie Fahrzeuge, Flugzeuge und Schiffe.

2013 verzeichnete Neuseeland einen Handelsbilanz-Überschuss in Höhe von 533 Mio. NZD. Im Bereich Warenhandel betrug der Überschuss 1.5 Mrd. NZD, im Bereich Dienstleistungen ist dagegen ein Defizit von etwa 1 Mrd. NZD aufgelaufen.

Die bilateralen Handelsbeziehungen zwischen Neuseeland und Deutschland gestalten sich nach wie vor problemlos. Die wichtigsten Ausfuhrgüter Neuseelands nach Deutschland sind land- und forstwirtschaftliche Produkte, insbesondere Schaf- und Wildfleisch, Früchte und Molkereiprodukte. Aus Deutschland werden vor allem Fahrzeuge und Maschinen sowie medizinische und pharmazeutische Produkte importiert. Deutschland steht an 13. Stelle der wichtigsten Waren-Exportmärkte und auf Platz 5 für Warenimporte nach Neuseeland. Umgekehrt steht Neuseeland auf Rang 68 der deutschen Exportdestinationen sowie auf Rang 70 der Herkunftsländer von Waren. Das deutsch-neuseeländische Handelsvolumen erhöhte sich 2013 um 4,5 % auf 2,966 Mrd. NZD (1,85 Mrd. €) mit einem Handelsbilanzüberschuss von ca. 1,493 Mrd. NZD (930 Mio. €) zugunsten Deutschlands.


Mitgliedschaft in internationalen und regionalen Wirtschaftsgruppierungen, Freihandelsabkommen

Neuseeland ist unter anderem Mitglied der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der Welthandelsorganisation (WTO), des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank, der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) und der Asia-Pacific Economic Cooperation (APEC). Zudem hat Neuseeland das South Pacific Regional Trade and Economic Cooperation Agreement (SPARTECA) sowie Ende 2002 das Pacific Agreement on Closer Economic Relations (PACER) unterzeichnet.

Bei dem Abschluss von Freihandelsabkommen (FTA) nimmt Neuseeland eine Vorreiterrolle ein. Mit dem wichtigsten Handelspartner Australien herrscht seit dem 1. Juli 1990 freier Warenverkehr im Rahmen des CER-Abkommens (Closer Economic Relations). Die im Februar 2004 mit Australien aufgenommen Verhandlungen über die Einführung eines gemeinsamen Binnenmarktes werden weiter vorangetrieben. Nach dem Abschluss eines FTA mit Taiwan im Juli 2013 war Neuseeland das erste Land, welches mit der Volksrepublik China (2008), mit Hongkong (2010) und mit Taiwan gleichzeitig Freihandelsabkommen unterhält.

Ebenfalls 2008 wurde ein Freihandelsabkommen zwischen Australien, Neuseeland und den ASEAN of South East Asian Nations-Staaten abgeschlossen, das im Januar 2012 auch in Indonesien, dem letzten noch ausstehenden ASEAN-Staat, in Kraft trat. Als erstes westliches Land verhandelte Neuseeland mit Russland, Weißrussland und Kasachstan über ein Freihandelsabkommen, das 2014 abgeschlossen werden sollte. Im Kontext der Ukraine-Krise hat Neuseeland die Verhandlungen im März 2014 allerdings ausgesetzt. Ein Freihandelsabkommen mit Indien befindet sich weiterhin in der Verhandlungsphase. Weiterhin wurde im Oktober 2010 ein Freihandelsabkommen mit dem „Gulf Cooperation Council“ geschlossen, dessen Ratifizierung noch aussteht.

Daneben setzt Neuseeland auf eine Intensivierung und Ausweitung der transpazifischen Handelsbeziehungen und beteiligt sich aktiv an den Verhandlungen des „Trans-Pacific Partnership“-Abkommens (TPP). Neuseeland gehörte 2005 mit Brunei, Chile und Singapur zu den Pionieren des sog. Trans-Pacific Strategic Economic Partnership Agreement (TPSEP). An den Verhandlungen zur Ausweitung zum TPP nehmen inzwischen 12 Staaten (zusätzlich USA, Australien, Peru, Vietnam, Malaysia, Mexiko, Kanada, Japan) teil. Parallel engagierte sich Neuseeland im November 2012 bei der Neugründung des Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP), dessen Freihandelszone bei Abschluss die Hälfte der Weltbevölkerung umfassen könnte.


Umwelt

Der Umwelt- und Naturschutz gehören seit Jahrzehnten zu den besonderen neuseeländischen Prioritäten. Vor allem beim Artenschutz (Whaling Commission) ist Neuseeland aktiv. Nach außen profitiert NZL dabei auch von seinem grünen Image, das unter der Marke „100% pure“ vertrieben wird. Wichtigstes Instrument zur Umsetzung der neuseeländischen Reduktionsverpflichtungen aus der ersten Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls sowie der VN-Klimarahmenkonvention ist das auf Grundlage des im Jahr 2008 beschlossenen „Climate Change Response (Emissions Trading) Amendment Act“ eingeführte Emissionshandelssystem (ETS). Mit Rücksichtnahme auf bestimmte Wirtschaftszweige (vor allem Landwirtschaft) wurde die vollständige Umsetzung bisher aber mehrfach verzögert. Auf Empfehlung des ETS Review Panels entschied die Regierung im Juli 2012, die volle Einbeziehung der Sektoren Energie, Transport und Industrie über den bisher angedachten Beginn 2013 hinaus um zwei Jahre zu verschieben. Die Landwirtschaft soll 2015 - wenn überhaupt - nur dann einbezogen werden, wenn bis dahin Technologien vorhanden sind, die die Belastungen der Farmer reduzieren. Die angestrebten Reduzierungsziele der Treibhausgas-Emissionen wurden im August 2013 auf 5 % reduziert.

Als Ausgleich betreibt Neuseeland eine Initiative für eine „Global Alliance on Greenhouse Gases“ zur Erforschung der Reduzierung von Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft.

Im November 2012 entschied die neuseeländische Regierung, sich nicht an einer zweiten Verpflichtungsperiode unter dem Kyoto-Protokoll zu beteiligen und hält auch aktuell an dieser Position fest.

Am 1. April 2011 trat Neuseeland der International Renewable Energy Agency (IRENA) bei.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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