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Ghana

Wirtschaftspolitik

Stand: April 2013

Wirtschaftslage

Das Wirtschaftswachstum Ghanas betrug 2012 7,1 Prozent, für 2013 werden rund 8 Prozent Wachstum erwartet. Dies sind trotz eines starken Abfalls von den Rekordwerten 2011 (13,6 Prozent) sehr robuste Zahlen. Die Breitenwirksamkeit dieses Wachstums lässt jedoch weiter zu wünschen übrig. Die Regierung bemüht sich um Einnahmenverbesserung und hat in den vergangenen Jahren eine Verbesserung der Steuer-Effizienz erreicht.

Das Bruttoinlandsprodukt Ghanas wurde Ende 2010 neu berechnet und um rund 60 Prozent erhöht. Insbesondere der Dienstleistungssektor kommt nun stärker zur Geltung. Damit gehört Ghana seit 2011 zur Gruppe der Länder mit unterem mittleren Einkommen.


Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland und der Europäischen Union (EU)

Ghana und die EU haben im Dezember 2007 ein Interims-Abkommen im Rahmen der geplanten "Economic Partnership Agreements" (EPA) paraphiert, das ghanaischen Exporten weiterhin freien Zugang zu europäischen Märkten einräumt und den Marktzugang für europäische Produkte in Ghana teilweise liberalisiert. Die ghanaische Wirtschaftsministerin hat mehrfach unterstrichen, dass Ghana das Abkommen unterzeichnen und ratifizieren will, dies ist bislang jedoch nicht geschehen. Mit der Ratifizierung würde Ghana sich wichtige Vorteile beim Marktzutritt zur EU dauerhaft sichern. Mittelfristig soll auch ein regionales EPA zwischen der ECOWAS und der EU unterzeichnet werden, welches derzeit verhandelt wird.

Das ghanaisch-deutsche Investitionsschutzabkommen ist seit dem 23.11.1998 in Kraft, das Abkommen über die Vermeidung der Doppelbesteuerung seit 1.1.2008.

Das bilaterale Handelsvolumen mit Deutschland ist im Jahr 2012 um 56 Prozent auf 648 Millionen Euro gestiegen. Dieses Wachstum ist vor allem auf den starken Anstieg (132 Prozent) der ghanaischen Exporte nach Deutschland zurückzuführen (319 Millionen Euro). Im gleichen Zeitraum stiegen jedoch auch die deutschen Exporte nach Ghana um 19 Prozent auf 328 Millionen Euro.

Wichtigste ghanaische Exportgüter nach Deutschland sind traditionell Kakao, Holz und Aluminium. Wichtigste Einfuhren aus Deutschland sind Fahrzeuge, Maschinen und chemische Erzeugnisse. Deutschland ist Marktführer beim Fahrzeugimport.Die deutsch-ghanaische Wirtschaftsvereinigung German-Ghanaian Economic Association hat derzeit rund 80 Mitglieder und ist bestrebt, die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ghana und Deutschland zu fördern. Ein Delegiertenbüro der deutschen Wirtschaft in Accra wurde im Januar 2011 eröffnet.


Inflation, Währungspolitik

Angeregt durch Empfehlungen des Internationalen Währungsfonds konnten eindrucksvolle Erfolge bei der Inflationsbekämpfung erzielt werden. 2012 wird mit durchschnittlich rund 8,8 Prozent nach 8,6 Prozent im Vorjahr zum zweiten Mal seit längerer Zeit ein Wert im einstelligen Prozentbereich erreicht. Gefahren für die Geldwertstabilität bestehen aber weiterhin vor allem in der schwächelnden Währung und einem sehr starken Wachstum des Binnenkonsums. Bankenvertreter erwarten einen weiter sinkenden Wechselkurs des Ghana Cedi gegenüber dem US-Dollar, wobei die Geschwindigkeit der Abwertung mit den erwarteten steigenden Ölerlösen vermutlich abnehmen wird.

Der "Bank of Ghana Act 612" (2002) hat der ghanaischen Zentralbank weitgehende Unabhängigkeit verschafft sowie das Mandat auf den Erhalt des Geldwertes festgelegt und die Schuldenaufnahme der Regierung bei der Zentralbank auf jährlich 10 Prozent der Staatseinnahmen begrenzt. Dies bleibt bei einheimischen Ökonomen nicht ohne Kritik.


Wichtigste Wirtschaftszweige

Im Golf von Guinea wurden vor Ghanas Küste substanzielle Ölvorkommen entdeckt. Ghana hat im Dezember 2010 die kommerzielle Ausbeutung der Ölvorkommen im Golf von Guinea begonnen. 2013 soll mit einiger Verzögerung die angepeilte Fördermenge von 120.000 Fass pro Tag erreicht werden. Die Verzögerung trat ein, weil der Bau der benötigten Infrastruktur zum Abtransport und zur Weiterverarbeitung des assoziierten Gases nicht zügig genug vorankam.

Die ghanaische Regierung hat mehrfach versichert, dass sie sich an hohe Standards der Transparenz bei der Zusammenarbeit mit den Ölfirmen halten will. Ghana ist im Minensektor aktiver Partner der "Extractive Industries Transparency Initiative" (EITI) und will diese auf den Kohlenwasserstoffsektor ausweiten. Ein "Oil Management Law", das hohe Standards in puncto Transparenz und Zukunftsvorsorge setzt, ist verabschiedet worden. Es sieht eine teilweise Einstellung der Einnahmen in den Haushalt (rund 70 Prozent) und für den Rest die Bildung zweier Fonds vor: ein "Stabilisierungsfonds", der gegen Unsicherheiten für den Weltmarktpreis des Öls absichern soll, und der "Heritage Fund", der zukünftige Infrastrukturmaßnahmen vorsieht. Daneben können Öleinnahmen für die Besicherung von Krediten für Entwicklungsvorhaben verwendet werden. Dies hat bei einigen Beobachtern die Besorgnis geweckt, dass die Schuldentragfähigkeit des Haushalts überlastet wird.

Gold ist aufgrund des gestiegenen Weltmarktpreises gemeinsam mit Kakao wichtigstes Exportgut Ghanas (rund ein Drittel des Gesamtexports). Ghana ist zweitgrößter Kakaoproduzent weltweit. Hauptabnehmer sind die EU (Niederlande, UK und Deutschland) sowie die USA. Auch für den bilateralen Warenaustausch mit Deutschland ist Kakao das wichtigste ghanaische Exportprodukt. Edelholz ist nach Gold und Kakao der drittwichtigste Exportartikel


Investitionsbedingungen

Im jüngsten "Doing-Business"-Bericht der Weltbank hat sich Ghana nach mehreren Jahren in Folge als Top-10-Reformer (und bester Reformer in Subsahara-Afrika) in der Gesamtbewertung von Platz 63 minimal auf Platz 64 (von 185) verschlechtert, da im Jahr 2011 keine einschlägige Reform des regulativen Umfelds verzeichnet wurde. Das Investitionsklima ist trotz dieses vergleichsweise positiven Werts nach wie vor nicht uneingeschränkt günstig. Bürokratische und logistische Hindernisse auf der Arbeitsebene der Verwaltung, Unsicherheiten beim Landerwerb, unzureichende Ausbildung der Arbeitskräfte, unzureichende Straßen-Infrastruktur erschweren Investitionen in Ghana.

Die Regierung bemüht sich, diese Rahmenbedingungen zu verbessern,  hat mit dem "Ghana Investment Promotion Centre" eine Anlauf-Behörde für Investoren geschaffen und plant zahlreiche Projekte im Infrastrukturbereich über die kommerziellen Darlehen der "neuen Geber", allen voran China.


Wirtschaftsdatenblatt



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.