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Ghana

Wirtschaft

Stand: März 2016

Wirtschaftslage

Ghana zählt zur Gruppe der (unteren) Mitteleinkommensländer (LMIC). Nach starkem Aufschwung seit Anfang der 2000er Jahre befindet sich das Land nun in einer Phase schwachen Wachstums, verursacht durch die niedrigen Weltmarktpreise für Rohstoffe, aber auch durch die Wirtschaftspolitik.

Das Wirtschaftswachstum Ghanas betrug 2013 7,1 Prozent, sank 2014 aber auf nur noch 4,2 Prozent. Für 2015 wird ein Wachstum von 4,1 Prozent erwartet, für die Folgejahre eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau, bevor das Land wieder auf einen stärkeren Wachstumspfad zurückkehren soll. Dennoch bleiben die mittelfristigen Aussichten eher positiv, auch wenn signifikante Risiken (Staatsverschuldung) nicht übersehen werden dürfen.

Wachstumshemmend machen sich makroökonomische Schwierigkeiten und mangelnde Infrastruktur (Stromversorgung) bemerkbar. Hohe Defizite beim Haushalt wie auch in der Leistungsbilanz führen zu einer schnell steigenden Verschuldung. Eines der größten aktuellen Wachstums-Hemmnisse ist die Stromversorgungskrise, die 2014/15 zu Stromausfällen von über 24 Stunden mehrfach in der Woche führte und alle Produktionszweige der Wirtschaft beeinträchtigte. Durch Abschluss einiger Reparatur- und Erweiterungsarbeiten an existierenden Kraftwerken sowie Zukauf zusätzlicher Kapazitäten (schwimmende Kraftwerke) ist inzwischen Besserung eingetreten. In den kommenden fünf Jahren sollen durch die Fertigstellung bereits im Bau befindlicher Gas- und Kohlekraftwerke neue Kapazitäten geschaffen werden. Parallel dazu ist geplant, die Nutzung regenerativer Energiequellen weiter auszubauen. Mittelfristig sieht die Regierung allerdings Kohlekraftwerke ("clean coal") als zweites Rückgrat der Stromversorgung neben den existierenden Wasserkraftwerken.

Im April 2015 wurde zwischen der ghanaischen Regierung und dem IWF ein Reformprogramm vereinbart, das eine finanzielle Unterstützung durch IWF-Kredite in Höhe von 918 Millionen US-Dollar über drei Jahre vorsieht. Im Gegenzug verpflichtet sich Ghana zu einer transparenten Budgetpolitik und zu einem Abbau seines Haushaltsdefizits. Bisher ist der IWF mit den Fortschritten bei der Konsolidierung einigermaßen zufrieden. Der im November 2015 vorgestellte Staatshaushalt 2016 steht ebenfalls im Zeichen der Konsolidierung.

Die ghanaische Regierung steht im Wahljahr 2016 vor der Herausforderung, die geforderte Sparpolitik so umzusetzen, dass sie von der Bevölkerung und den Unternehmen akzeptiert wird.


Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland und der Europäischen Union

Ghana ist in Subsahara-Afrika Deutschlands drittgrößter Handelspartner nach Südafrika und Nigeria, allerdings mit großem Abstand zu den beiden Erstgenannten. Das bilaterale Handelsvolumen mit Deutschland ist von 470 Millionen Euro im Jahr 2014 auf 536 Millionen im Jahr 2015 angestiegen. Sowohl die deutschen Exporte nach Ghana (2013: 317 Millionen Euro, 2014: 265,5 Millionen Euro, 2015: 266 Millionen Euro) als auch die Importe aus Ghana (2013: 363 Millionen Euro, 2014: 205 Millionen Euro, 2015: 270 Millionen) haben 2015 wieder zugenommen. Wichtigste Einfuhren aus Deutschland sind Fahrzeuge, Maschinen und chemische Erzeugnisse. Deutschland ist Marktführer beim Fahrzeugimport.

Die deutsch-ghanaische Wirtschaftsvereinigung "German-Ghanaian Economic Association" hat derzeit rund 80 Mitglieder und ist bestrebt, die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ghana und Deutschland zu fördern. Ein Delegiertenbüro der deutschen Wirtschaft in Accra wurde im Januar 2011 eröffnet, seit Januar 2014 ist auch die Germany Trade and Invest (gtai) in Ghana mit einem Büro vertreten.

Das ghanaisch-deutsche Investitionsschutzabkommen ist seit dem 23.11.1998 in Kraft, das Abkommen über die Vermeidung der Doppelbesteuerung seit 1.1.2008.

Die Wirtschaftsbeziehungen Ghanas zur EU sind eng. Die EU ist einer der wichtigsten westlichen Partner im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit und wichtigster Handelspartner für Ghana.

Das "Economic Partnership Agreement" (EPA) zwischen der EU und der ECOWAS, das Ghana und der Region privilegierten Zugang zum europäischen Binnenmarkt gewähren und – reziprok – den westafrikanischen Markt teilweise für europäische Ausfuhren öffnen soll, ist ausverhandelt. Es muss aber noch von allen Mitgliedsstaaten ratifiziert werden, bevor es in Kraft tritt. Einstweilen wird es vorläufig angewendet.


Inflation und Währungspolitik

Die Inflation in Ghana betrug im Januar 2016 19 Prozent, gegenüber 16,4 Prozent im Vorjahresmonat. Die Gründe liegen insbesondere in der Abwertung des ghanaischen Cedi und der Steigerung des Binnenkonsums, aber auch in der Erhöhung einiger Verbrauchsteuern.

Der Leitzins wurde durch die Bank of Ghana in den letzten Monaten mehrfach erhöht, zuletzt auf 26 Prozent.

Der "Bank of Ghana Act 612" (2002) hat der ghanaischen Zentralbank weitgehende Unabhängigkeit verschafft sowie das Mandat auf den Erhalt des Geldwertes festgelegt und die Schuldenaufnahme der Regierung bei der Zentralbank auf jährlich 10 Prozent der Staatseinnahmen begrenzt. Im Rahmen des IWF-Reformprogramms wird die Schuldenaufnahme der Regierung weiter begrenzt werden.


Wichtigste Wirtschaftszweige

Im Golf von Guinea wurden vor Ghanas Küste substanzielle Ölvorkommen entdeckt. Ghana hat im Dezember 2010 die kommerzielle Ausbeutung der Ölvorkommen im Golf von Guinea begonnen, die Fördermenge ist inzwischen auf über 250.000 Fass pro Tag gestiegen. Ein Projekt zur Nutzung des bei der Erdölförderung anfallenden Gases ist seit Anfang 2015 in Betrieb und senkt die Abhängigkeit von der unzuverlässigen Gasversorgung aus Nigeria.

Ghana ist im Minensektor aktiver Partner der "Extractive Industries Transparency Initiative" (EITI) und will diese auf den Kohlenwasserstoffsektor ausweiten. Ein "Oil Management Law", das hohe Standards in puncto Transparenz und Zukunftsvorsorge setzt, ist verabschiedet worden. Es sieht eine teilweise Einstellung der Einnahmen in den Haushalt (rund 70 Prozent) und für den verbleibenden Anteil die Bildung eines "Stabilisierungsfonds" vor, der gegen Unsicherheiten für den Weltmarktpreis des Öls absichern soll. Zudem ist ein "Heritage Fund" für zukünftige Infrastrukturmaßnahmen vorgesehen.

Gold ist neben Öl und Kakao wichtigstes Exportgut Ghanas (rund ein Drittel des Gesamtexports). Ghana ist zweitgrößter Kakaoproduzent weltweit. Hauptabnehmer sind die EU (Niederlande, UK und Deutschland) sowie die USA. Auch für den bilateralen Warenaustausch mit Deutschland ist Kakao das wichtigste ghanaische Exportprodukt.


Investitionsbedingungen

Im jüngsten "Doing-Business"-Bericht der Weltbank (2016) nimmt Ghana Platz 114 (von 189) der Rangliste ein.

Das Investitionsklima ist nach wie vor nicht uneingeschränkt günstig. Bürokratische und logistische Hindernisse auf der Arbeitsebene der Verwaltung, Unsicherheiten beim Landerwerb, der Durchsetzung von Rechtsansprüchen, unzureichende Ausbildung der Arbeitskräfte, unzureichende und mangelhafte Straßen- und Transportinfrastruktur sind Grund für die zögerliche Haltung von Investoren.

Die Regierung bemüht sich, diese Rahmenbedingungen zu verbessern und hat mit dem "Ghana Investment Promotion Centre" eine Anlaufbehörde für Investoren geschaffen und plant zahlreiche Projekte im Infrastrukturbereich.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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