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Ghana

Wirtschaftspolitik

Stand: Juli 2015

Wirtschaftslage

Ghana ist eines der wirtschaftlich erfolgreichsten Länder in Subsahara-Afrika. Seit der Neuberechnung seines Bruttoinlandsprodukts 2010 durch die Weltbank (Höherbewertung um 60 % durch realistischere Berücksichtigung des informellen Sektors) zählt das Land zur Gruppe der (unteren) Mitteleinkommensländer (LMIC).

Das Wirtschaftswachstum Ghanas betrug 2013  7,1 Prozent, im Jahr 2014 nur noch 4,2 Prozent. Für die kommenden Jahre wird zunächst mit einem weiteren Rückgang des Wachstums gerechnet, bevor das Land wieder auf einen stärkeren Wachstumspfad zurückkehren soll. Hier machen sich makroökonomische Schwierigkeiten und mangelnde Infrastruktur (Stromversorgung) bemerkbar.  Dennoch bleiben die mittelfristigen Aussichten positiv.

Hohe Defizite beim Haushalt wie auch in der Leistungsbilanz führen zu einer schnell steigenden Verschuldung. Eines der größten aktuellen Wachstums-Hemmnisse ist die Stromversorgungskrise, die zu Stromausfällen von über 24 Stunden mehrfach in der Woche führt und alle Produktionszweige der Wirtschaft beeinträchtigt. Abhilfe soll bis Ende 2015 durch Sofortmaßnahmen und in den kommenden fünf Jahren durch die Fertigstellung bereits im Bau befindlicher Gas- und Kohlekraftwerke geschaffen werden. Parallel dazu ist geplant, die Nutzung regenerativer Energiequellen weiter auszubauen.

Im April 2015 wurde zwischen der ghanaische Regierung und dem IWF ein Reformprogramm vereinbart, das eine finanzielle Unterstützung durch IWF-Kredite in Höhe von 918 Mio. US-Dollar über drei Jahre vorsieht. Im Gegenzug verpflichtet sich Ghana zu einer transparenten Budgetpolitik und zu einem Abbau seines Haushaltsdefizits. Ghana hatte im August 2014 Gespräche mit dem IWF aufgenommen, nachdem eine starke Abwertung des ghanaischen Cedi, steigende Zinsen und sinkende Preise für Ghanas Export-Rohstoffe das Wirtschaftswachstum in Ghana schwächte und die Staatsverschuldung in die Höhe trieb.

Die ghanaische Regierung steht nun vor der Herausforderung, die geforderte Sparpolitik so umzusetzen, dass sie von der Bevölkerung und den Unternehmen akzeptiert wird.


Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland und der Europäischen Union

Ghana ist in Subsahara-Afrika Deutschlands drittgrößter Handelspartner nach Südafrika und Nigeria, allerdings mit großem Abstand zu den beiden Erstgenannten. Das bilaterale Handelsvolumen mit Deutschland  ist von 670 Mio. Euro im Jahr 2013 auf 470 Mio Euro im Jahr 2014 deutlich gefallen. Sowohl die deutschen Exporte nach Ghana (2013: 317 Mio. Euro, 2014: 265,5 Mio Euro) als auch die Importe aus Ghana (2013: 363 Mio Euro, 2014: 205 Mio Euro) gingen zurück. Wichtigste ghanaische Exportgüter nach Deutschland sind traditionell Kakao, Holz und Aluminium. Wichtigste Einfuhren aus Deutschland sind Fahrzeuge, Maschinen und chemische Erzeugnisse. Deutschland ist Marktführer beim Fahrzeugimport.

Die deutsch-ghanaische Wirtschaftsvereinigung "German-Ghanaian Economic Association" hat derzeit rund 80 Mitglieder und ist bestrebt, die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ghana und Deutschland zu fördern. Ein Delegiertenbüro der deutschen Wirtschaft in Accra wurde im Januar 2011 eröffnet, seit Januar 2014 ist auch die GTAI in Ghana mit einem Büro vertreten.

Das ghanaisch-deutsche Investitionsschutzabkommen ist seit dem 23.11.1998 in Kraft, das Abkommen über die Vermeidung der Doppelbesteuerung seit 1.1.2008.

Die Wirtschaftsbeziehungen Ghanas zur EU sind eng. Die EU ist einer der wichtigsten westlichen Partner im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit und wichtigster Handelspartner für Ghana.

Das "Economic Partnership Agreement" (EPA) zwischen der EU und der ECOWAS, das Ghana und der Region privilegierten Zugang zum europäischen Binnenmarkt gewähren und – reziprok – den westafrikanischen Markt teilweise für europäische Ausfuhren öffnen soll, ist ausverhandelt. Es muss aber noch von allen Mitgliedsstaaten ratifiziert werden, bevor es in Kraft tritt.


Inflation, Währungspolitik

Die Inflation stieg im ersten Halbjahr 2014 weiter auf 15 Prozent gegenüber 13,5 Prozent zum Jahresende 2013 (Banc of Ghana) und erreichte zum Jahresende 2014 15,7 Prozent (IWF, DESTATIS). Die Gründe liegen insbesondere in der Abwertung des ghanaischen Cedi, Preissteigerungen bei den Erdöl-Produkten und dem steigenden Binnenkonsum.

Der "Banc of Ghana Act 612" (2002) hat der ghanaischen Zentralbank weitgehende Unabhängigkeit verschafft sowie das Mandat auf den Erhalt des Geldwertes festgelegt und die Schuldenaufnahme der Regierung bei der Zentralbank auf jährlich 10 Prozent der Staatseinnahmen begrenzt. Im Rahmen des IWF-Reformprogramms wird die Schuldenaufnahme der Regierung weiter begrenzt werden.


Wichtigste Wirtschaftszweige

Im Golf von Guinea wurden vor Ghanas Küste substanzielle Ölvorkommen entdeckt. Ghana hat im Dezember 2010 die kommerzielle Ausbeutung der Ölvorkommen im Golf von Guinea begonnen. 2013 ist mit einiger Verzögerung die angepeilte Fördermenge von 120.000 Fass pro Tag erreicht worden. In 2015 soll diese Menge auf 250.000 Fass pro Tag steigen. Ein Projekt zur Nutzung des bei der Erdölförderung anfallenden Gases ist seit Anfang 2015 in Betrieb.

Ghana ist im Minensektor aktiver Partner der "Extractive Industries Transparency Initiative" (EITI) und will diese auf den Kohlenwasserstoffsektor ausweiten. Ein "Oil Management Law", das hohe Standards in puncto Transparenz und Zukunftsvorsorge setzt, ist verabschiedet worden. Es sieht eine teilweise Einstellung der Einnahmen in den Haushalt (rund 70 Prozent) und für den verbleibenden Anteil die Bildung eines "Stabilisierungsfonds" vor, der gegen Unsicherheiten für den Weltmarktpreis des Öls absichern soll. Zudem ist ein "Heritage Fund" für zukünftige Infrastrukturmaßnahmen vorgesehen.

Gold ist neben Öl und Kakao wichtigstes Exportgut Ghanas (rund ein Drittel des Gesamtexports). Ghana ist zweitgrößter Kakaoproduzent weltweit. Hauptabnehmer sind die EU (Niederlande, UK und Deutschland) sowie die USA. Auch für den bilateralen Warenaustausch mit Deutschland ist Kakao das wichtigste ghanaische Exportprodukt.


Investitionsbedingungen

Im jüngsten "Doing-Business"-Bericht der Weltbank aus dem Jahr  2014 nimmt Ghana  Platz  70 (von  189) der Ease of Doing Business-Rangliste ein, nachdem es bis 2011 mehrere Jahre lang als Top-10-Reformer (und bester Reformer in Subsahara-Afrika) gelistet worden war.

Das Investitionsklima ist trotz dieses vergleichsweise positiven Werts nach wie vor nicht uneingeschränkt günstig. Bürokratische und logistische Hindernisse auf der Arbeitsebene der Verwaltung, Unsicherheiten beim Landerwerb, der Durchsetzung von Rechtsansprüchen, unzureichende Ausbildung der Arbeitskräfte, unzureichende und mangelhafte Straßen- und Transportinfrastruktur sind Grund für die zögerliche Haltung von Investoren.

Die Regierung bemüht sich, diese Rahmenbedingungen zu verbessern und hat mit dem "Ghana Investment Promotion Centre" eine Anlaufbehörde für Investoren geschaffen und plant zahlreiche Projekte im Infrastrukturbereich.


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