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Ghana

Wirtschaftspolitik

Stand: November 2014

Wirtschaftslage

Ghana ist eines der wirtschaftlich erfolgreichsten Länder in Subsahara-Afrika. Seit der Neuberechnung seines Bruttoinlandsprodukts 2010 durch die Weltbank (Höherbewertung um 60 Prozent durch realistischere Berücksichtigung des informellen Sektors) zählt das Land zur Gruppe der (unteren) Mitteleinkommensländer (LMIC).

Das Wirtschaftswachstum Ghanas betrug 2013 7,1 Prozent; für 2014 werden höchstens fünf Prozent und für die darauffolgenden Jahre rund sieben Prozent Wachstum erwartet. Dies sind trotz eines starken Abfalls von den Rekordwerten 2011 (15 Prozent) robuste Zahlen, mit denen Ghana zu den am schnellsten und zuverlässigsten wachsenden afrikanischen Volkswirtschaften gehört.

Die makroökonomischen Daten zeigen aber Schwierigkeiten auf. Hohe Defizite beim Haushalt wie auch in der Leistungsbilanz führen zu einer schnell steigenden Verschuldung. Im August 2014 hat die ghanaische Regierung den Internationalen Währungsfonds (IWF) um ein Unterstützungsprogramm gebeten, um die wirtschaftlichen Ungleichgewichte unter Kontrolle zu bringen. Die ersten Konsultationen mit dem IWF haben inzwischen stattgefunden.

Das schwierige makroökonomische Umfeld, die Abwertung des ghanaischen Cedi und die chronische Energieknappheit machen der ghanaischen Wirtschaft zu schaffen. Die Breitenwirksamkeit der wirtschaftlichen Entwicklung ist weiterhin nicht hergestellt.


Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland und der Europäischen Union (EU)

Ghana ist einer der wichtigsten Handelspartner Deutschlands in Subsahara-Afrika. Nachdem das bilaterale Handelsvolumen im Jahr 2012 um 56 Prozent auf 648 Millionen Euro gestiegen war (ein Zuwachs von 132 Prozent der ghanaischen Exporte und 19 Prozent der deutschen Exporte), schwächte es sich im Jahr 2013 (Handelsvolumen 2013: 670 Millionen Euro) ab. Vor allem die deutschen Exporte nach Ghana (2013: 317 Millionen Euro) stagnierten.

Wichtigste ghanaische Exportgüter nach Deutschland sind traditionell Kakao, Holz und Aluminium. Wichtigste Einfuhren aus Deutschland sind Fahrzeuge, Maschinen und chemische Erzeugnisse. Deutschland ist Marktführer beim Fahrzeugimport.

Die deutsch-ghanaische Wirtschaftsvereinigung "German-Ghanaian Economic Association" hat derzeit rund 80 Mitglieder und ist bestrebt, die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ghana und Deutschland zu fördern. Ein Delegiertenbüro der deutschen Wirtschaft in Accra wurde im Januar 2011 eröffnet, seit Januar 2014 ist auch die GTAI in Ghana mit einem Büro vertreten.

Das ghanaisch-deutsche Investitionsschutzabkommen ist seit dem 23.11.1998 in Kraft, das Abkommen über die Vermeidung der Doppelbesteuerung seit dem 01.01.2008.

Die Wirtschaftsbeziehungen Ghanas zur EU sind eng. Die EU ist einer der wichtigsten westlichen Partner im Rahmen der Entwicklungs­zusammenarbeit und wichtigster Handelspartner für Ghana.

Derzeit steht die Unterzeichnung des "Economic Partnership Agreement" (EPA) an. Dieses Abkommen zwischen der EU und der ECOWAS soll dem Land und der Region kontinuierlich privilegierten Zugang zum europäischen Binnenmarkt gewähren und – reziprok – den westafrikanischen Markt teilweise für europäische Ausfuhren öffnen. Es ist ausverhandelt, muss aber noch unterzeichnet und von allen Mitgliedsstaaten ratifiziert werden, bevor es in Kraft tritt. Bis zum 01.10.2014 galt ein bilaterales Interims-Abkommen zwischen der EU und Ghana.


Inflation, Währungspolitik

Die Inflation stieg im ersten Halbjahr 2014 weiter auf 15 Prozent gegenüber 13,5 Prozent zum Jahresende 2013 (Bank of Ghana). Die Gründe liegen insbesondere in der Abwertung des ghanaischen Cedi, Preissteigerungen bei den Erdöl-Produkten und dem steigenden Binnenkonsum.

Der "Bank of Ghana Act 612" (2002) hat der ghanaischen Zentralbank weitgehende Unabhängigkeit verschafft sowie das Mandat auf den Erhalt des Geldwertes festgelegt und die Schuldenaufnahme der Regierung bei der Zentralbank auf jährlich 10 Prozent der Staatseinnahmen begrenzt.


Wichtigste Wirtschaftszweige

Im Golf von Guinea wurden vor Ghanas Küste substanzielle Ölvorkommen entdeckt. Ghana hat im Dezember 2010 die kommerzielle Ausbeutung der Ölvorkommen im Golf von Guinea begonnen. 2013 ist mit einiger Verzögerung die angepeilte Fördermenge von 120.000 Fass pro Tag erreicht worden. Bis 2015 soll diese Menge auf 250.000 Fass pro Tag steigen.

Ghana ist im Minensektor aktiver Partner der "Extractive Industries Transparency Initiative" (EITI) und will diese auf den Kohlenwasserstoffsektor ausweiten. Ein "Oil Management Law", das hohe Standards in puncto Transparenz und Zukunftsvorsorge setzt, ist verabschiedet worden. Es sieht eine teilweise Einstellung der Einnahmen in den Haushalt (rund 70 Prozent) und für den verbleibenden Anteil die Bildung eines  "Stabilisierungsfonds", der gegen Unsicherheiten für den Weltmarktpreis des Öls absichern soll, und eines "Heritage Fund" für zukünftige Infrastrukturmaßnahmen vor.

Gold ist aufgrund des gestiegenen Weltmarktpreises neben Öl und gemeinsam mit Kakao wichtigstes Exportgut Ghanas (rund ein Drittel des Gesamtexports). Ghana ist zweitgrößter Kakaoproduzent weltweit. Hauptabnehmer sind die EU (Niederlande, Vereinigtes Königreich und Deutschland) sowie die USA. Auch für den bilateralen Warenaustausch mit Deutschland ist Kakao das wichtigste ghanaische Exportprodukt.


Investitionsbedingungen

Im jüngsten "Doing-Business"-Bericht der Weltbank aus dem Jahr 2013 nimmt Ghana in der Gesamtbewertung Platz 64 (von 185) ein, nachdem es bis 2011 mehrere Jahre lang als Top-10-Reformer (und bester Reformer in Subsahara-Afrika) gelistet worden war. 

Das Investitionsklima ist trotz dieses vergleichsweise positiven Werts nach wie vor nicht uneingeschränkt günstig. Bürokratische und logistische Hindernisse auf der Arbeitsebene der Verwaltung, Unsicherheiten beim Landerwerb, der Durchsetzung von Rechtsansprüchen, unzureichende Ausbildung der Arbeitskräfte, unzureichende und mangelhafte Straßen- und Transportinfrastruktur. 

Die Regierung bemüht sich, diese Rahmenbedingungen zu verbessern und hat mit dem 'Ghana Investment Promotion Centre' eine Anlaufbehörde für Investoren geschaffen und plant zahlreiche Projekte im Infrastrukturbereich.


Wirtschaftsdatenblatt

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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