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Kultur- und Bildungspolitik
Stand: April 2012
Grundlinien der Bildungs- und Kulturpolitik
Wichtiges Ziel finnischer Bildungs- und Kulturpolitik ist die Stärkung Finnlands als eine der weltweit führenden Informationsgesellschaften. Staatliche Maßnahmen umfassen die systematische Förderung des Lernumfeldes, wobei virtuelles und lebenslanges Lernen Schwerpunkte darstellen. Diese Ziele will die Regierung erreichen durch eine weitere Verbesserung der Qualität des Unterrichts an den Gesamtschulen (Klassenstufen 1–9), durch die Verminderung der Anzahl der Jugendlichen ohne Schul- und Berufsausbildung, durch die Erneuerung der beruflichen Erwachsenenbildung durch eine umfassende Hochschulreform (einschließlich der Gründung der „Aalto-Universität“) sowie eines Zusammenschlusses von Technischer Hochschule Helsinki, Designhochschule Helsinki und Handelshochschule Helsinki, die Anfang Januar 2010 ihren Betrieb aufgenommen hat.
Für die Kulturpolitik ist das Ministerium für Bildung und Kultur verantwortlich, ein Doppelministerium mit zwei Ministern. Minister Jukka Gustafsson (Sozialdemokratische Partei) leitet seit Juni 2011 die Bereiche Bildung und Forschung. Minister Paavo Arhinmäki (Linksbündnis) leitet die Bereiche Kultur und Sport und ist zudem zuständig für Urheberrecht, Jugend und finanzielle Unterstützung von Studenten.
Institutionen
Kultur und Bildungswesen stützen sich in Finnland auf ein gut ausgebautes flächendeckendes Netz von Institutionen sowie das Nebeneinander öffentlicher Förderung durch Staat und Kommunen. Finnland verfügt über eine sehr gute kulturelle Infrastruktur im ganzen Land. Musik, Film und darstellende Kunst bewegen sich auf hohem Niveau. Opernfans freuen sich über die Klasse finnischer Opernsängerinnen und -sänger. Finnisches Design und Architektur genießen weltweite Anerkennung. Helsinki ist 2012 weltweite Designhauptstadt (World Design Capital 2012).
Die literarische Szene in Finnland gedeiht unter günstigen Voraussetzungen, zu denen ein dichtes Netz öffentlicher Bibliotheken, eine differenzierte Verlagslandschaft und ein weit gefächertes System von Stipendien und Literaturpreisen gehört. In Deutschland bekannteste finnische Autoren gehören zu den Genres Thriller (Ilkka Remes), Krimis (Leena Lehtolainen) und humoristische Schelmenromane (Arto Paasilinna). Im Bereich Kinderliteratur sind hier die Bücher von Timo Parvela (Ella) und Tove Jansson (Mumin) zu erwähnen.
Finnen sind aktive Nutzer der für ein relativ kleines Land beachtlichen kulturellen Angebote. Über 50 Theater, 25 Orchester und 130 Museen erhalten staatliche Förderung und werden stark frequentiert. Bildung und Wissen haben einen hohen Stellenwert und genießen in der finnischen Gesellschaft hohe Wertschätzung. Für Finnland sind Ausgaben für Kultur und Bildung strategische Investitionen in die Zukunft des Landes.
Hochschulen/Fachhochschulen
Finnland verfügt über insgesamt 16 Universitäten und gleichgestellte Hochschulen, davon zwei Stiftungsuniversitäten (Tampere, Aalto-Universität in Helsinki). Hinzu kommt die dem Verteidigungsminister unterstellte Hochschule für Landesverteidigung. An den Hochschulen sind etwa 168.300 Studierende immatrikuliert, über 7.500 Hochschullehrer unterrichten dort.
Durch das im Juni 2009 verabschiedete neue Hochschulgesetz haben die Universitäten eine größere finanzielle Autonomie erhalten. Die staatliche Grundfinanzierung der Hochschulen (derzeit noch ca. 64 Prozent der Gesamtfinanzierung), deren Höhe sich größtenteils aus den Abschlusszielen und absolvierten Abschlüssen errechnet, wird zugunsten von Drittmitteln, die die Hochschulen einwerben müssen, zurückgefahren. Die Universitätsreform sieht auch die Neuordnung der universitären Strukturen in Finnland vor. Die Zahl der Hochschulen wurde in den vergangenen Jahren von 20 auf 14 gesenkt. Die Zahl der Fachhochschulen soll bis 2020 von 27 auf 18 reduziert werden. Erste Fusion war die Zusammenlegung der Universitäten Kuopio und Joensuu zur Universität Ostfinnland mit Wirkung vom 01.01.2010.
Das weitgehend am deutschen Modell orientierte, seit 1990 aufgebaute Fachhochschulsystem genießt die besondere Förderung der Regierung. Von derzeit insgesamt 27 Fachhochschulen in Finnland sind 25 dem Unterrichtsministerium unterstellt. Sie befinden sich entweder in kommunaler oder privater Trägerschaft. Zudem gibt es die dem Innenministerium unterstellte Polizeifachhochschule und auf den Ålandinseln die „Högskolan på Åland“ (Åland-University of Applied Sciences). An den Fachhochschulen studieren etwa 130.000 Studierende bei etwa 5.500 Lehrkräften.
Deutschland ist immer noch ein vergleichsweise beliebter Studienstandort. Mit 401 finnischen Studierenden im Jahr 2011 (die im jeweiligen Ausland einen Abschluss anstreben) liegen wir auf Platz 5. Als Zielland finnischer Austauschstudenten belegt Deutschland den ersten Platz (1.292 Studierende im Jahr 2011). Die meisten ausländischen Austauschstudenten in Finnland kommen aus Deutschland. Der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz verzeichnet 777 deutsch-finnische Hochschulkooperationen. Das ist die höchste Zahl in Nordeuropa (Schweden: 720 Kooperationen).
Schulsystem
Wie in Deutschland gilt auch in Finnland die allgemeine Schulpflicht. In Finnland werden die Kinder jedoch in der Regel ein Jahr später als in Deutschland, also mit ca. sieben Jahren, eingeschult. Zentrales Element des finnischen Schulsystems ist die verpflichtende Gesamtschule, die alle Kinder in den Klassenstufen 1–9 durchlaufen. Der Besuch der einjährigen Vorschule für Kinder ab sechs Jahren ist freiwillig. Nach Abschluss der neunjährigen Gesamtschule besuchen 50 Prozent der Schülerinnen und Schüler die gymnasiale Oberstufe (Gymnasium Sekundarstufe II, Klassenstufen 10–12) und 40 Prozent eine dreijährige berufsbildende Schule.
In Finnland besuchten 2012 etwa 527.300 Schülerinnen und Schüler die 2.789 Gesamtschulen, die sich ganz überwiegend in Trägerschaft der Städte und Gemeinden befinden. 24 Prozent der Gesamtschulen haben weniger als 50 Schülerinnen und Schüler und 6 Prozent haben mehr als 500 Schülerinnen und Schüler.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.
