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Wissenswertes für Bewerber bei internationalen Organisationen - Soziale Absicherung

Wenn Sie für eine inter- oder supranationale Organisation arbeiten, leisten Sie keine Beiträge zur deutschen Sozialversicherung. Sie müssen ihre soziale Absicherung für den Fall Ihrer Rückkehr nach Deutschland deshalb selbst in die Hand nehmen. Die folgenden Punkte sollen Ihnen helfen, alle wesentlichen Aspekte zu berücksichtigen.

Bitte beachten Sie, dass die folgenden Informationen nur einen Überblick bieten und alle Angaben ohne Gewähr erfolgen!

Wenn Sie für eine internationale Organisation tätig sind, richtet sich Ihre soziale Absicherung nach den Regelungen der Organisation.

Jede Organisation hat eigene Regelungen - auch wenn sich die Regelungen zur sozialen Absicherung, die die einzelnen Organisationen getroffen haben, grundsätzlich in drei Systeme einordnen lassen. Zum einen gibt es das "Common System" der Vereinten Nationen, zum anderen die Einrichtungen und Organe der Europäischen Union, zum dritten gibt es die Koordinierten Organisationen (ESA, Europäisches Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage, Europarat, NATO, OECD).

Erkundigen Sie sich, wie die Regelungen der Organisation aussehen, für die Sie tätig werden wollen, und welche Möglichkeiten der sozialen Absicherung für den Fall Ihrer Rückkehr nach Deutschland für Sie die günstigsten sind.

Arbeitslosenversicherung

Nach dem Ausscheiden aus der internationalen Organisation erhalten Sie je nach Organisation Abfindungen, Rückeingliederungsgelder oder andere Zahlungen.

Seit dem 01.02.06 können sich deutsche Bedienstete bei internationalen Organisationen, die ihren Sitz außerhalb der Europäischen Union oder der Schweiz, Island, Liechtenstein und Norwegen haben, erstmals freiwillig in der Arbeitslosenversicherung versichern und damit einen bereits bestehenden Versicherungsschutz aufrecht erhalten. Der Antrag muss innerhalb von 1 Monat nach Aufnahme der internationalen Beschäftigung gestellt werden. Für nähere Auskünfte sind die Arbeitsagenturen zuständig: www.arbeitsagentur.de.

Um nach Rückkehr in Deutschland Arbeitslosengeld erhalten zu können, müssen Sie in den letzten zwei Jahren vor der Arbeitslosmeldung und der eingetretenen Arbeitslosigkeit mindestens 12 Monate in einer versicherungspflichtigen Beschäftigung gestanden haben. Wenn die Rahmenfrist nicht erfüllt wird, kann ein Übergangsgeld vom Bundesverwaltungsamt aus Mitteln des Auswärtigen Amts gezahlt werden. Dieses wird jedoch nur gewährt, wenn die individuelle Vorsorge gegen Arbeitslosigkeit durch eine freiwillige Weiterversicherung in der Arbeitslosenversicherung nicht möglich war.

Krankenversicherung

Wenn Sie für eine internationale Organisation arbeiten, richtet sich Ihre Krankenversicherung nach den Bestimmungen der jeweiligen Institution.

In Deutschland besteht sowohl für freiwillige Mitglieder von privaten als auch der gesetzlichen Krankenkassen (§ 240 Abs. 4 a SGB V) die Möglichkeit, durch eine Anwartschaftsversicherung die Mitgliedschaft aufrechtzuerhalten.

Rückkehrer, die in Deutschland eine rentenversicherungspflichtige Tätigkeit aufnehmen, sind kraft Gesetzes in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert, sofern der Bruttoverdienst nicht die Beitragsbemessungsgrenze übersteigt. Ehemalige Beschäftigte einer internationalen Organisation können nach § 9 Abs. 1 Nr. 5 SGB V freiwillig der gesetzlichen Krankenversicherung beitreten, wenn ihre Mitgliedschaft bei einer Krankenkasse durch die Beschäftigung bei der internationalen Organisation endete und sie innerhalb von zwei Monaten nach Rückkehr in Deutschland wieder eine Beschäftigung aufnehmen. In bestimmten Fällen zahlt das Bundesverwaltungsamt im Auftrag des Auswärtigen Amts als Überbrückungsbeihilfe einen Zuschuss zu den Krankenversicherungskosten, wenn Sie bei der Rückkehr nach Deutschland nicht gleich wieder Arbeit finden.

Pflegeversicherung

Sie können sich auf Antrag in der sozialen Pflegeversicherung weiter versichern. Der Antrag ist spätestens einen Monat nach Ausscheiden aus der Versicherungspflicht bei Ihrer Pflegekasse zu stellen.

Rentenversicherung

Bei den Organisationen erwerben Sie eigene Renten- bzw. Pensionsansprüche, bei den Koordinierten Organisationen und der EU nach 10 Jahren der Tätigkeit, im VN-System nach 5 Jahren.

Sofern Sie keinen Anspruch auf Versorgung durch die Organisation erwerben, haben Sie die Möglichkeit, für den Zeitraum der Tätigkeit bei der Organisation freiwillige Beiträge zur deutschen Rentenversicherung innerhalb von sechs Monaten nach Beendigung der internationalen Verwendung nachzuzahlen, um sich eine Altersversorgung zu sichern (§ 204 SGB VI).

Bei der EU erleichtert ein Übertragungsabkommen die Handhabung der Altersversorgung. Ansprüche aus der deutschen Rentenversicherung können auf das Versorgungssystem der EU übertragen werden und vice versa. Übertragungsabkommen bestehen auch mit der Europäischen Patentorganisation und mit Eurocontrol. Die Übertragungsmöglichkeit ist fristgebunden. Der Abschluss solcher Abkommen wird derzeit mit der Europäischen Investitionsbank und der Europäischen Zentralbank verhandelt. Mit den Pensionssystemen der Vereinten Nationen und der Koordinierten Organisationen werden ebenfalls Sozialversicherungsabkommen angestrebt.

Steuerfragen

Die internationalen Übereinkommen zu Vorrechten und Befreiungen gewähren aktiven Bediensteten Steuerbefreiung auf die von den Organisationen gezahlten Bezüge. Pensionszahlungen für in Deutschland lebende ehemalige Bedienstete der Vereinten Nationen und ihrer Sonderorganisationen unterliegen ab dem Jahr 2005 grundsätzlich der nachgelagerten Besteuerung. Es besteht jedoch nach der sog. Öffnungsklausel die Möglichkeit, dass auf Antrag ein Teil der Bezüge weiterhin mit dem günstigeren Ertragsanteil besteuert wird. Dies setzt voraus, dass bis zum 31.12.2004 mindestens 10 Jahre (müssen nicht unmittelbar aufeinander folgen) Beiträge über dem Höchstbeitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung geleistet wurden. In diesem Fall wird der Anteil der Bezüge, der auf den übersteigenden Beitragszahlungen beruht, mit dem Ertragsanteil besteuert; der Teil der Bezüge, der auf Beiträgen bis zum Höchstbetrag beruht, wird nachgelagert besteuert mit dem Besteuerungsanteil, der bei Pensionsbeginn gültig ist (§22 Nr. 1 Satz 3 Buchstabe a Doppelbuchstabe bb Satz 2 EStG). 

Wenn Sie im öffentlichen Dienst sind, beachten Sie bitte Folgendes:

Beförderung

Die Bundesregierung hat die Tätigkeit bei einer inter- oder supranationalen Organisation durch Verbesserungen beamtenrechtlicher Bestimmungen attraktiver gemacht. Die novellierte Bundeslaufbahnverordnung legt in § 12 (2) fest, dass eine erfolgreich absolvierte Tätigkeit bei einer zwischen- oder überstaatlichen Einrichtung bei Beförderungen besonders zu berücksichtigen ist.

Damit Sie in Beförderungsentscheidungen Ihrer Heimatbehörde in gleicher Weise einbezogen werden wie anwesende Bedienstete, sollen Beurteilungen internationaler Organisationen einbezogen werden. Führen Sie auch hierzu ein Gespräch mit Ihrer Personalstelle.

Beihilfen, Kranken- und Pflegeversicherung

Bedenken Sie, dass Sie während Ihrer Tätigkeit bei einer internationalen Organisation keine Beihilfen, Unterstützungen und bestimmte andere Leistungen beanspruchen können (vgl. Anhang II zu den Entsendungsrichtlinien vom 25. Oktober 2000).

Besoldung

Sofern Sie nach Ihrem internationalen Einsatz in den öffentlichen Dienst zurückkehren, wird Ihnen eine von der internationalen Organisation nach Ihrem Ausscheiden gezahlte Versorgung auf die Besoldung in Deutschland nach § 8 BBesG angerechnet werden. Abfindungen dagegen werden auf die Besoldung nicht angerechnet. Es gibt die Möglichkeit, die Versorgungszahlung zu verschieben, so dass ihre Besoldung nicht gekürzt wird und die Kürzung erst bei der Pensionierung erfolgt.

Lassen Sie sich rechtzeitig von der Besoldungsstelle Ihrer Heimatbehörde beraten.

Entsendung

Die Bundesregierung fördert den Einsatz im multilateralen Bereich. Sie hat festgelegt, dass die Entsendung zu einer zwischen- oder überstaatlichen Organisation im Interesse Deutschlands liegt. Personelle Schwierigkeiten dürfen nicht den Ausschlag für die Entscheidung zur Entsendung geben. Die Entsendungen erfolgen seit langem "mit Rückfahrkarte" in Gestalt einer Beurlaubung oder einer Zuweisung / Abordnung (vgl. §123 a BRRG). Die Beurlaubung ist auf bis zu fünf Jahre befristet, Verlängerungen bis 10 Jahre und mehr sind möglich.

Sie sollten nicht erst nach einer erfolgreichen Bewerbung, sondern schon frühzeitig Kontakt mit Ihrer Personalstelle aufnehmen, um die Frage Ihrer Beurlaubung zu klären. Auch das Auswärtige Amt und das BFIO geben gern Auskünfte zum internationalen Einsatz; im Auswärtigen Amt ist für allgemeine Fragen zu internationalen Organisationen die Stabsstelle 05 zuständig (E-mail: KIP(at)diplo.de).

Versorgung

Die Zeit Ihrer Beurlaubung ist ruhegehaltfähig. Bei den Organisationen erwerben Sie eigene Renten- bzw. Pensionsansprüche (s.o.).

Bedenken Sie, dass eine Versorgung von seiten der internationalen Organisation gemäß §§ 54, 56 BeamtVG die deutsche Versorgung - zur Vermeidung der Doppelalimentation - teilweise ruhen lässt.

Auch anstelle der internationalen Versorgung gezahlte Kapitalbeträge werden auf die deutsche Versorgung angerechnet. Sie können diese Kürzung Ihrer Pension gemäß § 56 (3) BeamtVG abwenden, indem Sie den Kapitalbetrag innerhalb eines Jahres an Ihren deutschen Dienstherrn abführen.

Prüfen Sie, welche Regelung für Sie in Frage kommt und nehmen Sie rechtzeitig mit Ihrer Besoldungsstelle Kontakt auf. Bedenken Sie, dass die Rechtsvorschriften Anwendung finden, die zur Zeit des Eintritts in den Ruhestand gelten.

Zu Einzelfragen siehe


Stand 01.08.2010