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Kenia

Wirtschaftspolitik

Stand: Juni 2014

Allgemeine Wirtschaftslage

Wenngleich Kenia als typisches Entwicklungsland in Sub-Sahara-Afrika gilt, nimmt das Land dennoch eine herausragende Stellung innerhalb von Ost-Afrika ein. Kenia ist die leistungsfähigste Volkswirtschaft in der EAC (East African Community) mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Höhe von mehr als 44,23 Milliarden US-Dollar (2013). Damit ist seine Volkswirtschaft genauso groß wie die der übrigen EAC-Mitglieder Tansania, Uganda, Burundi und Ruanda zusammen. Kenias Vorzüge sind seine exponierte Lage in der Region und eine liberale Wirtschaftsordnung mit gut entwickeltem Privatsektor. Für 2014 wird mit einem Wirtschaftswachstum von deutlich über 5 Prozent gerechnet (2013: 4,7 Prozent). 

Rund 50 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze (ca. 25 Prozent müssen mit weniger als 1 US-Dollar pro Tag auskommen). 60 Prozent der Bevölkerung der Hauptstadt Nairobi leben in Slums. Das Haushaltsdefizit und die Auslandsverschuldung stiegen auch 2013 weiter an. Die Auslandsverschuldung lag 2013 bei 13,24 Milliarden US-Dollar.

Kenias Wirtschaft verfügt über einen modernen formellen Sektor (Teile der Landwirtschaft, Tourismus, Dienstleistungen) mit starker Exportorientierung (Tee, Kaffee, Schnittblumen und Gartenbau) und einem wachsenden informellen Sektor (ca. 40 Prozent der Beschäftigten).

Nach Ausschreitungen im Zusammenhang mit den Wahlen 2007/08, Wirtschaftskrise und Dürre 2011 erholte sich die kenianische Volkswirtschaft zunächst. Die Einnahmen, v.a. in der Tourismusbranche drohen infolge der angespannten Sicherheitslage in 2014 allerdings deutlich zu sinken, die Zahl der Touristen war 2013 mit 1,51 Mio. bereits rückläufig (1,71 Mio. in 2012) Die Inflationsrate verharrte 2013 auf akzeptablem Niveau (5,7 Prozent gegenüber noch 10 Prozent im Jahr 2011), dürfte aber im Jahresverlauf 2014 aufgrund steigender Nahrungsmittelpreise und zunehmender Transportkosten deutlich anziehen. Der kenianische Schilling wertet nicht nur angesichts eines starken Euro leicht ab (1 EUR entspricht ca. 117,9 Ksh), sondern auch infolge sinkender Teepreise und Rückgänge an Devisenerlösen (weniger Touristen).


Wichtigste Wirtschaftszweige

Der wichtigste Wirtschaftssektor Kenias ist nach wie vor die Landwirtschaft (inklusive Fischerei und Forstwirtschaft), in der ca. 22 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet werden. Landwirtschaftliche Produkte (Gartenbau, Tee, Kaffee) sind Hauptexportgüter, wobei Tee wichtigstes Exportprodukt ist. Rund 70 Prozent der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft.

Der bedeutendste Wirtschaftszweig im Dienstleistungssektor ist die Tourismusbranche, die neben der Tee- und Schnittblumenindustrie auch die Hauptdeviseneinnahmequelle des Landes bildet. Bank- und Telekommunikationsdienstleistungen wachsen stark, bei technischen Innovationen nehmen kenianische Unternehmen nicht selten eine Führungsrolle ein.


Außenhandel

Gemessen am Handelsvolumen ist Indien Kenias wichtigster Partner. Das Handelsvolumen belief sich 2012 auf 3,5 Milliarden Euro, gefolgt von der EU mit drei Milliarden, China (2,4 Millarden Euro), den Vereinigten Arabischen Emiraten (1,6 Milliarden Euro) und Saudi Arabien (1,1 Milliarden Euro). Die indischen Importe nach Kenia betrugen 2012 allein 3,1 Milliarden Euro; aus China 2,3 Milliarden Euro. 

Ausgewogener ist hingegen der Handel mit EAC und EU: 24 Prozent der kenianischen Exporten entfallen auf die EAC (v.a. Uganda und Tansania, 940 Mio. Euro), während noch immer rund 26 Prozent der kenianischen Exporte in die EU gehen (1,1 Milliarden Euro). Deutschland spielt hier mit einem Anteil von 113,4 Millionen Euro keine dominierende Rolle. Gartenbau, Tee, Kaffee und Re-Exporte auf Erdölbasis stellen die Hauptexportprodukte Kenias dar. Keniaimportiert v.a. Erdöl(-produkte), Autos, Maschinen und Chemikalien.


Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen

Kenia ist Gründungsmitglied des Common Market für Eastern and Southern Africa (COMESA) und der East African Community (EAC). Die regionale Kooperation in Ostafrika geht zurück bis ins Jahr 1917. 1999 wurde die 1977 zunächst gescheiterte EAC von Kenia zusammen mit Uganda und Tansania wiederbelebt, im Juli 2007 traten Burundi und Ruanda bei. Mit der Zeichnung des "Common Market Protocol" durch die EAC-Staaten am 25.09.2009 in Kampala ist man dem Ziel der Gründung einer Wirtschafts- und Währungsunion einen großen Schritt näher gekommen. Offiziell wurde damit ein gemeinsamer Binnenmarkt für ca. 130 Millionen Bürger aus den EAC-Staaten mit freiem Waren- und Personenverkehr ohne Grenzen und Beschränkungen eingeführt.

Die Integration in der EAC hat deutlich an Fahrt aufgenommen. Das Geschäftsklima in der EAC hat sich deutlich verbessert und die Transaktionskosten im EAC-weiten Waren- und Personenverkehr sinken, auch wenn es noch viele Hindernisse gibt und einzelne EAC-Länder bei der Integration oft schneller vorangehen als andere. So wurde in Kenia, Uganda und Tansania ein grenzüberschreitendes (kostenloses) Zahlungssystem eingeführt, das East African Payment System (EAPS), das in Echtzeit Privatpersonen, Unternehmen und öffentlichen Institutionen den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr erlaubt. Das ist ein erster Schritt zu einem einheitlichen Finanzmarkt, der 2024 mit einer Währungsunion seinen Abschluss finden soll. Die Zollunion nähert sich ihrer Vollendung: Zölle und Abgaben werden seit April 2014 zunächst nur für bestimmte Produktgruppen (u.a. Zement, Zigaretten, Öl, Stahl, Milch), in Kenia, Uganda und Ruanda nunmehr am "port of entry" in die EAC erhoben und nicht mehr wie zuvor an der jeweiligen Landesgrenze, "one stop border post" wurden zudem an der kenianisch-ugandischen Grenze eingerichtet. Seit Mai 2014 gibt es in Kenia ein "digital trade window", das Im- und Exporteuren ermöglicht, in einem Schritt alle Formalitäten online zu erledigen, statt wie früher mit unterschiedlichen Behörden umgehen zu müssen. Die Löschung in Mombasa dauert nun statt sieben fünf Tage und am Jomo Kenyatta Airport in Nairobi statt drei Tagen nur noch einen Tag.


Umweltschutz

Kenia hat durch die Annahme der neuen Verfassung das "Recht auf saubere und gesunde Umwelt" als Grundrecht verankert. Die Verfassung enthält außerdem ein eigenes Kapitel zum Thema Umwelt und natürliche Ressourcen. In der Vision 2030 hat die Regierung Umweltziele festgelegt, um zu erreichen, dass Kenia ein Land mit sauberer, sicherer und nachhaltiger Umwelt wird.

Die größten Umweltprobleme stellen die Luftverschmutzung, Abfallbeseitigung und -verbrennung, Bodenschutz sowie der illegale Holzeinschlag dar. Der Waldbestand des Landes ist mittlerweile auf 1,7 Prozent der Gesamtfläche geschrumpft, in besonders dramatischer Weise etwa im Mau Forest in Zentral-Kenia. Dieser Entwicklung versucht die Regierung mit einem Umsiedlungs- und Wiederaufforstungsprogramm entgegenzuwirken. Beim Klimaschutz ist Kenia ebenfalls sehr engagiert. Im April 2013 ist der Climate Change Action Plan in Kraft getreten, womit Kenia seinen internationalen Verpflichtungen zur Emissionsminderung und zum Klimaschutz nachkommt.

Der Schutz der natürlichen Umwelt ist für Kenia von großer wirtschaftlicher Bedeutung, besonders im Tourismus. Das Land verfügt über 59 geschützte Nationalparks - die höchste Konzentration weltweit. Mit dem Erlös der hohen Parkeintrittsgebühren wird versucht, die Nationalparks zu schützen und den Wildtierbestand zu erhalten. Gleichwohl wird regelmäßig in diese Nationalparks und auch "Conservancies" eingedrungen, um sie für die Viehwirtschaft von Nomaden (Massai) zu nützen, bzw. werden Elefanten und Nashörner von Wilderen abgeschossen, um das Elfenbein teuer zu verkaufen. Wilderei ist in den letzten zwei Jahren dramatisch angestiegen. Die Verbindung zur organisierten Kriminalität wird immer deutlicher. Eine wirksame Bekämpfung wird deshalb nur mit Anstrengung der internationalen Gemeinschaft möglich sein, die sich diesem Thema nun verstärkt annimmt.

In allen Umweltbereichen ist Kenia ein sehr aktiver Partner bei Internationalen Verhandlungen und tritt oftmals mit der Afrikanischen Union an der Seite der EU auf.

Nairobi ist Standort des Umweltprogramms der Vereinten Nationen  (United Nations Environment Programme, UNEP).

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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