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Kenia

Wirtschaftspolitik

Stand: Februar 2015

Allgemeine Wirtschaftslage

Kenia gilt als typisches Entwicklungsland in Sub-Sahara-Afrika gilt. Das Land nimmt eine herausragende Stellung innerhalb von Ost-Afrika ein. Kenia hat die leistungsfähigste Volkswirtschaft in der EAC (East African Community) mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Höhe von mehr als 55,2 Milliarden US-Dollar (2014). 

Kenias Vorzüge sind seine exponierte Lage in der Region und eine liberale Wirtschaftsordnung mit relativ gut entwickeltem Privatsektor. Für 2014 wird mit einem Wirtschaftswachstum von deutlich über 5 Prozent gerechnet (2013: 4,7 Prozent). Verglichen mit den Ländern südlich der Sahara steht Kenia nicht schlecht da, die Rahmenbedingungen müssen aber nach wie vor verbessert werden. 

Rund 50 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze. Etwa ein Viertel der Kenianer muss mit weniger als einem US-Dollar pro Tag auskommen. 60 Prozent der Bevölkerung der Hauptstadt Nairobi leben in Slums. Das Haushaltsdefizit und die Auslandsverschuldung stiegen auch 2013 weiter an. Die Auslandsverschuldung lag 2013 bei 13,24 Milliarden US-Dollar. Für 2014 werden 14,4 Milliarden US-Dollar prognostiziert. 

Kenias Wirtschaft verfügt über einen modernen formellen Sektor (Teile der Landwirtschaft, Tourismus, Dienstleistungen) mit starker Exportorientierung (Tee, Kaffee, Schnittblumen und Gartenbau). Der formelle Sektor wächst nur langsam. 

Mehr als 800.000 junge Kenianer verlassen jährlich die Bildungseinrichtungen des Landes, allerdings mit einer nur geringen Aussicht auf einen Arbeitsplatz. Die Zahl der formellen Arbeitsverhältnisse stieg 2013 lediglich um 117.800 Stellen (auf 2,27 Millionen). Entsprechend verbleibt ein stetig wachsender informeller Sektor.

Nach Ausschreitungen im Zusammenhang mit den Wahlen 2007/08, Wirtschaftskrise und Dürre 2011 erholt sich die kenianische Volkswirtschaft langsam, aber stetig.

Kenias Wirtschaft wächst derzeit um ca. 6 Prozent pro Jahr. Mit Blick auf die Entwicklungserfordernisse des Landes strebt die Regierung allerdings ein zweistelliges Wachstum an. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, sind weitere Strukturreformen erforderlich, ebenso konsequente Maßnahmen gegen Korruption, gegen mangelhaften Zugang zu Krediten, Kriminalität, unzureichende Infrastruktur, hohe offizielle Steuern und ineffiziente Bürokratie


Wichtigste Wirtschaftszweige

Der wichtigste Wirtschaftssektor Kenias ist nach wie vor die Landwirtschaft (inklusive Fischerei und Forstwirtschaft), in der ca. 29 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet werden. Landwirtschaftliche Produkte (Gartenbau, Tee, Kaffee) sind Hauptexportgüter, wobei Tee wichtigstes Exportprodukt ist. Rund 70 Prozent der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft. Der Beitrag der Landwirtschaft zum Bruttoinlandsprodukt bleibt weiterhin nahezu ausschließlich vom Wetter abhängig. Eine nachhaltige Modernisierung des Sektors lässt weiter auf sich warten.

Der bedeutendste Wirtschaftszweig im Dienstleistungssektor ist die Tourismusbranche,  die allerdings von der problematischen Sicherheitslage an der Küste, aber auch von überhöhter Preispolitik und gewachsener Konkurrenz durch ähnliche Tourismusziele beeinträchtigt wird.

Die Wachstumsraten bei den Exporten gehen überwiegend auf das Konto von landwirtschaftlichen Produkten. Tee- und Schnittblumenindustrie bilden auch weiterhin eine der wichtigsten Deviseneinnahmequelle des Landes. Bank- und Telekommunikationsdienstleistungen wachsen stark. Im privaten Sektor gibt es interessante Ansätze. In einigen Branchen wie Maschinen- und Anlagenbau, Chemie, Bauwirtschaft, Kommunikation, Umwelt-, Medizintechnik, Infrastruktur und Bergbau wird kräftig investiert.


Außenhandel

Deutschland hat am kenianischen Außenhandel einen Anteil von drei Prozent. Größte Handelspartner sind neben der EU die Volksrepublik China, die Vereinigten Arabischen Emirate, Indien, Südafrika und Japan. Die Qualität deutscher Produkte ist anerkannt und wird im Vergleich zur 'Kurzlebigkeit' von Konkurrenzprodukten zunehmend geschätzt. 24 Prozent der kenianischen Exporte entfallen auf die EAC, während noch immer rund 26 Prozent der kenianischen Exporte in die EU gehen. 

Deutschland spielt hier mit einem Anteil von 114 Millionen Euro (2013) keine dominierende Rolle. Gartenbau, Tee, Kaffee und Re-Exporte auf Erdölbasis stellen die Hauptexportprodukte Kenias dar. Kenia importiert v.a. Erdöl(-produkte), Autos, Maschinen und Chemikalien.


Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen

Kenia ist Gründungsmitglied des Common Market für Eastern and Southern Africa (COMESA) und der East African Community (EAC). Die regionale Kooperation in Ostafrika geht zurück bis ins Jahr 1917. 1999 wurde die 1977 zunächst gescheiterte EAC von Kenia zusammen mit Uganda und Tansania wiederbelebt, im Juli 2007 traten Burundi und Ruanda bei. Mit der Zeichnung des "Common Market Protocol" durch die EAC-Staaten am 25.09.2009 in Kampala ist man dem Ziel der Gründung einer Wirtschafts- und Währungsunion einen großen Schritt näher gekommen. Offiziell wurde damit ein gemeinsamer Binnenmarkt für ca. 130 Millionen Bürger aus den EAC-Staaten mit freiem Waren- und Personenverkehr ohne Grenzen und Beschränkungen eingeführt.

Die Integration in der EAC hat deutlich an Fahrt aufgenommen. Das Geschäftsklima in der EAC hat sich deutlich verbessert und die Transaktionskosten im EAC-weiten Waren- und Personenverkehr sinken, auch wenn es noch viele Hindernisse gibt und einzelne EAC-Länder bei der Integration oft schneller vorangehen als andere. 

So wurde in Kenia, Uganda und Tansania ein grenzüberschreitendes (kostenloses) Zahlungssystem eingeführt, das East African Payment System (EAPS), das in Echtzeit Privatpersonen, Unternehmen und öffentlichen Institutionen den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr erlaubt. Das ist ein erster Schritt zu einem einheitlichen Finanzmarkt, der 2024 mit einer Währungsunion seinen Abschluss finden soll. 

Auch die Zollunion nähert sich ihrer Vollendung: Zölle und Abgaben werden seit April 2014 zunächst nur für bestimmte Produktgruppen in Kenia, Uganda und Ruanda am "port of entry" in die EAC erhoben und nicht mehr wie zuvor an der jeweiligen Landesgrenze. Seit Mai 2014 gibt es in Kenia ein "digital trade window", das Im- und Exporteuren ermöglicht, in einem Schritt alle Formalitäten online zu erledigen, statt wie früher mit unterschiedlichen Behörden umgehen zu müssen

Im Verkehr mit der EU hat es die EAC versäumt, rechtzeitig vor dem 1.10.2014 ein EPA (Economic Partnership Agreement) mit der EU zu unterzeichnen mit der Folge, dass Kenia als einziges Land der EAC mit "middle income" Status aus dem Annex I der EU-Marktzugangsverordnung gestrichen wurde und ab 1.10.2014 kurzfristig Einfuhrzölle bezahlen muss. Mittlerweile ist das EPA unterzeichnet worden und voraussichtlich ab Mitte Januar 2015 kann Kenia wieder in den zollfreien Status zurückversetzt werden.


Umweltschutz

Kenia hat durch die Annahme der neuen Verfassung das "Recht auf saubere und gesunde Umwelt" als Grundrecht verankert. Die Verfassung enthält außerdem ein eigenes Kapitel zum Thema Umwelt und natürliche Ressourcen. In der Vision 2030 hat die Regierung Umweltziele festgelegt, um zu erreichen, dass Kenia ein Land mit sauberer, sicherer und nachhaltiger Umwelt wird.

Die größten Umweltprobleme stellen die Luftverschmutzung, Abfallbeseitigung und -verbrennung, Bodenschutz sowie der illegale Holzeinschlag dar. Der Waldbestand des Landes ist mittlerweile auf 1,7 Prozent der Gesamtfläche geschrumpft, in besonders dramatischer Weise etwa im Mau Forest in Zentral-Kenia. Dieser Entwicklung versucht die Regierung mit einem Umsiedlungs- und Wiederaufforstungsprogramm entgegenzuwirken. Beim Klimaschutz ist Kenia ebenfalls sehr engagiert. Im April 2013 ist der Climate Change Action Plan in Kraft getreten, womit Kenia seinen internationalen Verpflichtungen zur Emissionsminderung und zum Klimaschutz nachkommt.

Der Schutz der natürlichen Umwelt ist für Kenia von großer wirtschaftlicher Bedeutung, besonders im Tourismus. Das Land verfügt über 59 geschützte Nationalparks - die höchste Konzentration weltweit. Mit dem Erlös der hohen Parkeintrittsgebühren wird versucht, die Nationalparks zu schützen und den Wildtierbestand zu erhalten. Gleichwohl wird regelmäßig in diese Nationalparks und auch "Conservancies" eingedrungen, um sie für die Viehwirtschaft von Nomaden (Massai) zu nützen, bzw. werden Elefanten und Nashörner von Wilderen abgeschossen, um das Elfenbein teuer zu verkaufen. Wilderei ist in den letzten zwei Jahren dramatisch angestiegen. Die Verbindung zur organisierten Kriminalität wird immer deutlicher. Eine wirksame Bekämpfung wird deshalb nur mit Anstrengung der internationalen Gemeinschaft möglich sein, die sich diesem Thema nun verstärkt annimmt.

In allen Umweltbereichen ist Kenia ein sehr aktiver Partner bei Internationalen Verhandlungen und tritt oftmals mit der Afrikanischen Union an der Seite der EU auf.

Nairobi ist Standort des Umweltprogramms der Vereinten Nationen  (United Nations Environment Programme, UNEP).

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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