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Kenia

Wirtschaft

Stand: Januar 2017

Allgemeine Wirtschaftslage

Kenia konnte als regional stärkste Wirtschaftsnation in Ostafrika seit der Jahrtausendwende deutliche wirtschaftliche Fortschritte verzeichnen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs 2015 auf 63,4 Milliarden US-Dollar und wird für 2016 auf 69,2 Milliarden US-Dollar prognostiziert. Kenia ist bereits seit 2014 mit einem geschätzten Pro-Kopf Einkommen von 1434 US-Dollar (2015) als "Middle Income Country" klassifiziert.

Kenias Vorzüge sind seine strategische Lage in der Region (mit Mombasa als Eingangshafen auch für Binnenstaaten wie Uganda und Südsudan) und eine liberale Wirtschaftsordnung mit einem starken Privatsektor. Das Wirtschaftswachstum liegt relativ konstant bei 5 bis 6 Prozent. Auf das Wahljahr 2007 folgend ging das Wirtschaftswachstum 2008 auf 0,2 Prozent zurück, stabilisierte sich dann aber wieder.

Der Anteil der Staatsverschuldung am BIP erhöhte sich Mitte 2015 auf 49,7 Prozent. Die Außenverschuldung lag 2015 bei 19,4 Milliarden US-Dollar. Für 2016 wird eine Außenverschuldung von 21,9 Milliarden US-Dollar prognostiziert.

Knapp 46 Prozent der Bevölkerung Kenias leben unterhalb der Armutsgrenze (2005). Etwa 33,6 Prozent der Kenianer muss mit weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag auskommen. Kenia ist - gemessen am GINI-Koeffizienten - ein Land mit äußerst starker sozialer und regionaler Ungleichverteilung von Einkommen. 2015 lebten in Kenias Städten 56 Prozent der Einwohner in Slums. 26 Prozent von Kenias Bevölkerung lebten 2015 in Städten.

Während die Region von krisenhaften Entwicklungen betroffen ist, weist Kenia bei den wesentlichen ökonomischen Indikatoren Stabilität auf. Das stabile Wachstum ist vor allem auf die folgenden Faktoren zurückzuführen: diversifizierte Ökonomie, geringe Abhängigkeit von Exporten wie Öl oder Mineralien, wachsender und zunehmend produktiver Agrarsektor, Infrastrukturinvestitionen, wachsender Finanz- und Versicherungssektor.

Die offizielle Arbeitslosenquote beträgt ca. 10 Prozent und ist damit leicht rückläufig. Eine große Rolle spielt allerdings der informelle Sektor. Da 80 Prozent der Arbeitslosen unter 35 Jahre alt sind, bleibt die größte Herausforderung die hohe Jugendarbeitslosigkeit (eine Studie von UNDP geht von ca. 35 Prozent der 20 Jährigen aus, vereinzelt werden sogar noch höhere Zahlen genannt). Diese wird v.a. durch ein hohes Bevölkerungswachstum (800.000 Jugendliche kommen jedes Jahr auf den Arbeitsmarkt), ein nicht an den Erfordernissen des Arbeitsmarktes ausgerichtetes Bildungssystem sowie durch wenige zur Verfügung stehende Arbeitsplätze hervorgerufen.

Mit Blick auf das Bevölkerungswachstum strebt die Regierung ein zweistelliges Wirtschaftswachstum an. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, sind weitere Strukturreformen erforderlich, ebenso konsequente Maßnahmen gegen Korruption, gegen mangelhaften Zugang zu Krediten, Kriminalität, unzureichende Infrastruktur, hohe offizielle Steuern und ineffiziente Bürokratie.

Im neuesten Ease of Doing Business Ranking 2017 der Weltbank konnte sich Kenia deutlich auf Platz 92 (von 190 Plätzen; 2016: 108 von 189) verbessern. In anderen internationalen Rankings macht Kenia derweil weiterhin keine gute Figur: Im Global Competitiveness Index für 2016/17 des World Economic Forum erreichte Kenia wie im Vorjahr nur Rang 99 (von 140), und im letzten Corruption Perception Index Platz 139 (von 168; 2015: Rang 154 von 174). Auch im Rule of Law Index liegt Kenia von 113 bewerteten Ländern nur auf Platz 100.


Wichtigste Wirtschaftszweige

Der wichtigste Wirtschaftssektor Kenias ist nach wie vor die Landwirtschaft (inklusive Fischerei und Forstwirtschaft), in der circa 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet werden. Landwirtschaftliche Produkte (Schnittblumen, Tee, Kaffee) sind Hauptexportgüter, wobei Tee Kenias wichtigstes Exportprodukt bleibt. 2006 waren rund 75 Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt. 2014 erwirtschaftete der landwirtschaftliche Sektor 29,5 Prozent des BIP. Eine nachhaltige Modernisierung des Sektors und umfassende Investitionen in die Wertschöpfungskette sind jedoch weiterhin vonnöten.

Der bedeutendste Wirtschaftszweig im Dienstleistungssektor ist nach wie vor die Tourismusbranche, die allerdings von der problematischen Sicherheitslage an der Küste, aber auch von überhöhter Preispolitik und gewachsener Konkurrenz durch ähnliche Tourismusziele beeinträchtigt wird.

Die Wachstumsraten bei den Exporten gehen überwiegend auf das Konto von landwirtschaftlichen Produkten. Tee- und Schnittblumenindustrie bilden auch weiterhin eine der wichtigsten Deviseneinnahmequelle des Landes. Bank- und Telekommunikationsdienstleistungen wachsen stark. Im privaten Sektor gibt es interessante Ansätze. In einigen Branchen wie Maschinen- und Anlagenbau, Chemie, Bauwirtschaft, Kommunikation, Umwelt-, Medizintechnik, Infrastruktur und Bergbau wird kräftig investiert.


Außenhandel

2016 betrug Kenias gesamtes Importvolumen 16 Milliarden US-Dollar. Kenias Importe aus Deutschland sind hierbei in den vergangenen Jahren stetig auf 369,5 Millionen Euro angewachsen, was Kenia auf Platz 90 von 231 der deutschen Exportpartner setzt. Die Qualität deutscher Produkte ist anerkannt und wird im Vergleich zur "Kurzlebigkeit" von Konkurrenzprodukten zunehmend geschätzt. Aus Deutschland werden hauptsächlich KFZ-Teile, Maschinen, Nahrungsmittel und Elektrotechnik importiert. Kenia bezieht seine Produkte dennoch hauptsächlich aus Indien, China, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Japan und Südafrika.

2016 exportierte Kenia Waren und Dienstleistungen im Wert von 6,4 Milliarden US-Dollar, Deutschland befand sich hierbei auf Platz 90 der kenianischen Exportpartner. Nahrungsmittel (Tee, Kaffee) und Rohstoffe stellen die Hauptexportprodukte Kenias nach Deutschland dar. Kenias Hauptexportpartner sind neben den Nachbarländern Uganda und Tansania Großbritannien, die Niederlande, USA und Pakistan.


Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen

Kenia ist Gründungsmitglied des Common Market für Eastern and Southern Africa (COMESA) und der East African Community (EAC). Die regionale Kooperation in Ostafrika geht zurück bis ins Jahr 1917. 1999 wurde die 1977 zunächst gescheiterte EAC von Kenia zusammen mit Uganda und Tansania wiederbelebt, 2007 traten Burundi und Ruanda bei. 2010 trat das "Common Market Protocol" in Kraft, das - zumindest theoretisch - einen gemeinsamen Binnenmarkt für circa 130 Millionen Bürger aus den EAC-Staaten mit freiem Waren- und Personenverkehr einführt.

Das Geschäftsklima in der EAC hat sich deutlich verbessert und die Transaktionskosten im EAC-weiten Waren- und Personenverkehr sinken, auch wenn es noch viele Hindernisse gibt und einzelne EAC-Länder bei der Integration oft schneller vorangehen als andere.

Auch die Zollunion macht Fortschritte: Zölle und Abgaben werden seit April 2014 zunächst nur für bestimmte Produktgruppen in Kenia, Uganda und Ruanda am "port of entry" in die EAC erhoben und nicht mehr wie zuvor an der jeweiligen Landesgrenze. Seit Mai 2014 gibt es in Kenia ein "digital trade window", das Im- und Exporteuren ermöglicht, in einem Schritt alle Formalitäten online zu erledigen, statt wie früher mit unterschiedlichen Behörden umgehen zu müssen


Umweltschutz

Kenia hat durch die Annahme der neuen Verfassung das "Recht auf saubere und gesunde Umwelt" als Grundrecht verankert. Die Verfassung enthält außerdem ein eigenes Kapitel zum Thema Umwelt und natürliche Ressourcen. In der Vision 2030 hat die Regierung Umweltziele festgelegt, um zu erreichen, dass Kenia ein Land mit sauberer, sicherer und nachhaltiger Umwelt wird.

Die größten Umweltprobleme stellen die Luftverschmutzung, Abfallbeseitigung und -verbrennung, Bodenschutz sowie der illegale Holzeinschlag dar. Der Waldbestand des Landes ist mittlerweile auf 1,7 Prozent der Gesamtfläche geschrumpft, in besonders dramatischer Weise etwa im Mau Forest in Zentral-Kenia. Dieser Entwicklung versucht die Regierung mit einem Umsiedlungs- und Wiederaufforstungsprogramm entgegenzuwirken. Beim Klimaschutz ist Kenia ebenfalls sehr engagiert. Im April 2013 ist der Climate Change Action Plan in Kraft getreten, womit Kenia seinen internationalen Verpflichtungen zur Emissionsminderung und zum Klimaschutz nachkommt.

Der Schutz der natürlichen Umwelt ist für Kenia von großer wirtschaftlicher Bedeutung, besonders im Tourismus. Das Land verfügt über 59 geschützte Nationalparks - die höchste Konzentration weltweit. Mit dem Erlös der hohen Parkeintrittsgebühren wird versucht, die Nationalparks zu schützen und den Wildtierbestand zu erhalten. Gleichwohl wird regelmäßig in diese Nationalparks und auch "Conservancies" eingedrungen, um sie für die Viehwirtschaft von Nomaden (Massai) zu nützen, bzw. werden Elefanten und Nashörner von Wilderen abgeschossen, um das Elfenbein teuer zu verkaufen. Wilderei ist in den letzten zwei Jahren dramatisch angestiegen. Die Verbindung zur organisierten Kriminalität wird immer deutlicher. Eine wirksame Bekämpfung wird deshalb nur mit Anstrengung der internationalen Gemeinschaft möglich sein, die sich diesem Thema nun verstärkt annimmt.

In allen Umweltbereichen ist Kenia ein sehr aktiver Partner bei Internationalen Verhandlungen und tritt oftmals mit der Afrikanischen Union an der Seite der EU auf.

Nairobi ist Standort des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (United Nations Environment Programme, UNEP).

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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