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Kenia

Wirtschaft

Stand: April 2016

Allgemeine Wirtschaftslage

Kenias Volkswirtschaft ist leistungsfähigste in der EAC (East African Community) mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 63,1 Milliarden US-Dollar 2014. Die Staatsverschuldung lag 2015 bei rund 48,8 Prozent und wächst weiter. Die Auslandsverschuldung lag 2014 bei 17,2 Milliarden US-Dollar. Für 2015 werden 19,5 Milliarden US-Dollar prognostiziert.

Kenias Vorzüge sind seine strategische Lage in der Region (mit Mombasa als Eingangshafen auch für Binnenstaaten wie Uganda und Südsudan) und eine liberale Wirtschaftsordnung mit relativ gut entwickeltem Privatsektor. Das Wirtschaftswachstum liegt relativ konstant bei 5 bis 6 Prozent.

Rund 50 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze. Etwa ein Viertel der Kenianer muss mit weniger als einem US-Dollar pro Tag auskommen. 60 Prozent der Bevölkerung der Hauptstadt Nairobi leben in Slums.

Kenias Wirtschaft verfügt über einen modernen formellen Sektor (Teile der Landwirtschaft, Tourismus, Dienstleistungen) mit starker Exportorientierung (Tee, Kaffee, Schnittblumen und Gartenbau). Der formelle Sektor wächst nur langsam.

Mehr als 800.000 junge Kenianer verlassen jährlich die Bildungseinrichtungen des Landes, allerdings mit einer nur geringen Aussicht auf einen Arbeitsplatz. Die Zahl der Arbeitsverhältnisse stieg in 2014 nach Regierungsangaben um rund 800.000 Stellen, allerdings mehr als 80 Prozent davon im stetig wachsenden informellen Sektor.

Mit Blick auf das Bevölkerungswachstum strebt die Regierung ein zweistelliges Wirtschaftswachstum an. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, sind weitere Strukturreformen erforderlich, ebenso konsequente Maßnahmen gegen Korruption, gegen mangelhaften Zugang zu Krediten, Kriminalität, unzureichende Infrastruktur, hohe offizielle Steuern und ineffiziente Bürokratie.

Im neuesten Ease of Doing Business Ranking 2016 der Weltbank konnte sich Kenia deutlich auf Platz 108 (von 189 Plätzen) verbessern, weil es einfacher geworden ist, ein Unternehmen zu gründen und Eigentum zu registrieren. In anderen internationalen Rankings macht Kenia derweil weiterhin keine gute Figur: Im Global Competitiveness Index für 2015/16 des World Economic Forum reicht es nur für Rang 99 (von 140), und im letzten Corruption Perception Index für Platz 145 (von 174). Auch im Rule of Law Index liegt Kenia von 102 bewerteten Ländern nur auf Platz 84.


Wichtigste Wirtschaftszweige

Der wichtigste Wirtschaftssektor Kenias ist nach wie vor die Landwirtschaft (inklusive Fischerei und Forstwirtschaft), in der circa 28 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet werden. Landwirtschaftliche Produkte (Gartenbau, Tee, Kaffee) sind Hauptexportgüter, wobei Tee wichtigstes Exportprodukt ist. Rund 70 Prozent der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft. Der Beitrag der Landwirtschaft zum Bruttoinlandsprodukt bleibt weiterhin stark vom Wetter abhängig. Eine nachhaltige Modernisierung des Sektors lässt weiter auf sich warten.

Der bedeutendste Wirtschaftszweig im Dienstleistungssektor ist nach wie vor die Tourismusbranche,  die allerdings von der problematischen Sicherheitslage an der Küste, aber auch von überhöhter Preispolitik und gewachsener Konkurrenz durch ähnliche Tourismusziele beeinträchtigt wird. Seit 2011 ist die Zahl ausländischer Touristen um rund 50 Prozent zurückgegangen.

Die Wachstumsraten bei den Exporten gehen überwiegend auf das Konto von landwirtschaftlichen Produkten. Tee- und Schnittblumenindustrie bilden auch weiterhin eine der wichtigsten Deviseneinnahmequelle des Landes. Bank- und Telekommunikationsdienstleistungen wachsen stark. Im privaten Sektor gibt es interessante Ansätze. In einigen Branchen wie Maschinen- und Anlagenbau, Chemie, Bauwirtschaft, Kommunikation, Umwelt-, Medizintechnik, Infrastruktur und Bergbau wird kräftig investiert.


Außenhandel

Deutschland hat am kenianischen Außenhandel einen Anteil von drei Prozent. Größte Handelspartner sind neben der EU die Volksrepublik China, die Vereinigten Arabischen Emirate, Indien, Südafrika und Japan. Die Qualität deutscher Produkte ist anerkannt und wird im Vergleich zur "Kurzlebigkeit" von Konkurrenzprodukten zunehmend geschätzt. 24 Prozent der kenianischen Exporte entfallen auf die EAC, während noch immer rund 26 Prozent der kenianischen Exporte in die EU gehen.

Deutschland spielt mit Importen aus Kenia im Wert von 143 Millionen Euro (2014) keine dominierende Rolle. Gartenbau, Tee, Kaffee und Re-Exporte auf Erdölbasis stellen die Hauptexportprodukte Kenias nach Deutschland dar. Kenia importierte 2014 v.a. Erdöl(-produkte), Autos, Maschinen und Chemikalien aus Deutschland im Wert von 316,9 Millionen Euro.


Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen

Kenia ist Gründungsmitglied des Common Market für Eastern and Southern Africa (COMESA) und der East African Community (EAC). Die regionale Kooperation in Ostafrika geht zurück bis ins Jahr 1917. 1999 wurde die 1977 zunächst gescheiterte EAC von Kenia zusammen mit Uganda und Tansania wiederbelebt, 2007 traten Burundi und Ruanda bei. Mit der Zeichnung des "Common Market Protocol" durch die EAC 2009 in Kampala ist man dem Ziel der Gründung einer Wirtschafts- und Währungsunion einen großen Schritt näher gekommen. Offiziell wurde damit ein gemeinsamer Binnenmarkt für circa 130 Millionen Bürger aus den EAC-Staaten mit freiem Waren- und Personenverkehr ohne Grenzen und Beschränkungen eingeführt.

Das Geschäftsklima in der EAC hat sich deutlich verbessert und die Transaktionskosten im EAC-weiten Waren- und Personenverkehr sinken, auch wenn es noch viele Hindernisse gibt und einzelne EAC-Länder bei der Integration oft schneller vorangehen als andere.

So wurde in Kenia, Uganda und Tansania ein grenzüberschreitendes (kostenloses) Zahlungssystem eingeführt, das East African Payment System (EAPS), das in Echtzeit Privatpersonen, Unternehmen und öffentlichen Institutionen den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr erlaubt. Das ist ein erster Schritt zu einem einheitlichen Finanzmarkt, der 2024 mit einer Währungsunion seinen Abschluss finden soll.

Auch die Zollunion macht Fortschritte: Zölle und Abgaben werden seit April 2014 zunächst nur für bestimmte Produktgruppen in Kenia, Uganda und Ruanda am "port of entry" in die EAC erhoben und nicht mehr wie zuvor an der jeweiligen Landesgrenze. Seit Mai 2014 gibt es in Kenia ein "digital trade window", das Im- und Exporteuren ermöglicht, in einem Schritt alle Formalitäten online zu erledigen, statt wie früher mit unterschiedlichen Behörden umgehen zu müssen


Umweltschutz

Kenia hat durch die Annahme der neuen Verfassung das "Recht auf saubere und gesunde Umwelt" als Grundrecht verankert. Die Verfassung enthält außerdem ein eigenes Kapitel zum Thema Umwelt und natürliche Ressourcen. In der Vision 2030 hat die Regierung Umweltziele festgelegt, um zu erreichen, dass Kenia ein Land mit sauberer, sicherer und nachhaltiger Umwelt wird.

Die größten Umweltprobleme stellen die Luftverschmutzung, Abfallbeseitigung und -verbrennung, Bodenschutz sowie der illegale Holzeinschlag dar. Der Waldbestand des Landes ist mittlerweile auf 1,7 Prozent der Gesamtfläche geschrumpft, in besonders dramatischer Weise etwa im Mau Forest in Zentral-Kenia. Dieser Entwicklung versucht die Regierung mit einem Umsiedlungs- und Wiederaufforstungsprogramm entgegenzuwirken. Beim Klimaschutz ist Kenia ebenfalls sehr engagiert. Im April 2013 ist der Climate Change Action Plan in Kraft getreten, womit Kenia seinen internationalen Verpflichtungen zur Emissionsminderung und zum Klimaschutz nachkommt.

Der Schutz der natürlichen Umwelt ist für Kenia von großer wirtschaftlicher Bedeutung, besonders im Tourismus. Das Land verfügt über 59 geschützte Nationalparks - die höchste Konzentration weltweit. Mit dem Erlös der hohen Parkeintrittsgebühren wird versucht, die Nationalparks zu schützen und den Wildtierbestand zu erhalten. Gleichwohl wird regelmäßig in diese Nationalparks und auch "Conservancies" eingedrungen, um sie für die Viehwirtschaft von Nomaden (Massai) zu nützen, bzw. werden Elefanten und Nashörner von Wilderen abgeschossen, um das Elfenbein teuer zu verkaufen. Wilderei ist in den letzten zwei Jahren dramatisch angestiegen. Die Verbindung zur organisierten Kriminalität wird immer deutlicher. Eine wirksame Bekämpfung wird deshalb nur mit Anstrengung der internationalen Gemeinschaft möglich sein, die sich diesem Thema nun verstärkt annimmt.

In allen Umweltbereichen ist Kenia ein sehr aktiver Partner bei Internationalen Verhandlungen und tritt oftmals mit der Afrikanischen Union an der Seite der EU auf.

Nairobi ist Standort des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (United Nations Environment Programme, UNEP).

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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