Hauptinhalt

China

Wirtschaft

Stand: April 2013

Grundlinien der Wirtschaftspolitik

China ist seit 2010 noch vor Japan die größte Volkswirtschaft der Welt und ist derzeit auf dem Weg, die USA als als größte Handelsnation abzulösen. Zudem hält China die weltweit höchsten Devisenreserven (rund 3,3 Bill. USD).

Im März 2013 hat die 5. Führungsgeneration in der Volksrepublik die Regierungsgeschäfte übernommen. Die Führung hat erkannt, dass die nächste Entwicklungsphase schwieriger verlaufen dürfte als die letzte. Schlüsselthemen sind dabei die Stabilisierung des Wachstums, „soziale Gerechtigkeit“ und Partizipation möglichst aller an der weiteren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung.

Die Lohnkosten haben sich in China zwischen 2006 und 2010 verdoppelt und steigen weiter an. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss sich die Wirtschaft weiter modernisieren und substantielle Reformen müssen durchgeführt werden. Ziel des aktuellen Fünfjahresplans ist daher die Umstrukturierung der chinesischen Volkswirtschaft von einer investitions- und exportorientierten zu einer innovationsgetriebenen, stärker auf Binnenmarkt ausgerichteten Volkswirtschaft. Hierfür müssen nicht zuletzt auch Innovationsfähigkeit und Kreativität in der Gesellschaft gestärkt werden, auch durch strukturelle Reformen im Bildungssystem.

China steht unverändert vor gewaltigen Aufgaben: In den Städten lebten Ende 2012 bereits über 700 Mio. Menschen (52,6% der Gesamtbevölkerung Chinas). Rund 660 Mio. Menschen leben noch auf dem Lande und sind zum großen Teil in ihrer wirtschaftlichen Existenz von der Landwirtschaft abhängig. Die Landwirtschaft trägt aber nur noch 10,1% zum Bruttoinlandsprodukt bei. Ihr Anteil sinkt, während die Anteile von Industrie (45,3%) und Dienstleistungen (44,6%) langfristig steigen.


Aktuelle Wirtschaftslage

Das Wirtschaftswachstum schwächte sich weiter ab und lag 2012 bei 7,8 % im Vorjahresvergleich. Die Chinesische Zentralbank und Regierung haben auf den Wachstumsrückgang reagiert: geldpolitische Lockerung seit Ende November 2011 durch Absenkung der Leitzinsen und Mindestreservesätze, zudem beschleunigte Genehmigung von Infrastrukturprojekten. Allerdings ist nicht von einem neuen Konjunkturpaket im Umfang von 2008/2009 (globale Finanzkrise) auszugehen.

2012 sind die Importe erstmals in fünf Jahren langsamer gewachsen als die Exporte; der Saldo der Handelsbilanz beläuft sich auf 231 Mrd. USD und hat damit den seit 2008 andauernden Abwärtstrend erstmals wieder umgedreht. Der Leistungsbilanzüberschuss reduzierte sich 2012 nach vorläufigen Berechnungen weiter auf rund 2,6% des Bruttoinlandsproduktes (zum Vergleich Deutschland: 6,3%). Die sinkenden Überschüsse in der Leistungsbilanz lassen die Aufwertungserwartungen für den Yuan zurückgehen. Während 2011 noch eine nominale Aufwertung des Yuan gegenüber dem USD von rund 4,6% und real gegenüber einem gewichteten Währungskorb von über 8% beobachtet werden konnte, betrug die Aufwertung 2012 gegenüber dem USD nur 1%.


Außenhandel

Der chinesische Außenhandel hat sich in den letzten 11 Jahren verzehnfacht und China könnte 2013 die USA als größte Handelsnation der Welt ablösen. Für das Jahr 2012 lieferten sich beide Länder ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Ein zuverlässiges Ergebnis dürfte erst der Handelsbericht der WTO ergeben, welcher aufgrund einheitlicher Messverfahren eine Vergleichbarkeit der Zahlen garantiert. Im Jahr 2012 wuchs der chinesische Außenhandel noch mit 6,2 Prozent. Während der Handel mit den USA um 8,5 Prozent zunahm, ging er mit der EU um 3,7 Prozent zurück (USD-Basis). Ein anderes Bild ergibt sich bei einer Berechnung auf Euro-Basis: USA: +17,6 Prozent, EU: +4,3 Prozent. Der Grund liegt in der Aufwertung des USD gegenüber dem Euro im Jahr 2012.

Das gesamte Exportvolumen 2012 betrug 2,1 Bill. USD. Dies entspricht einem Zuwachs von 7,9%. China bleibt Exportweltmeister vor den USA und Deutschland. Die wichtigsten Exportgüter sind: elektronische Erzeugnisse, Textilien und Bekleidung, Elektrotechnik, Maschinen und chemische Erzeugnisse. Die USA ist Chinas größter Abnehmer mit 17,2% der Exporte, gefolgt von der EU (16,3%), Hongkong (15,8%) und Japan (7,4%).

Der Import erreichte ein Volumen von 1,82 Bill. USD. Mit einem Plus von 4,3% hat der Export erstmals wieder nach drei Jahren stärker zugelegt als der Import. Die EU (11,7%) bleibt vor Japan (9,8%) größter Lieferante. Südkorea macht 9,2% der chinesischen Gesamtimporte aus, gefolgt von den USA und Taiwan (jeweils 7,3 %). Deutschland liegt auf dem 5. Rang mit einem Importanteil von 5,1% (2011: 5,3%). Die Importe aus den ASEAN-Staaten machen weiterhin knapp 11% der Gesamtimporte aus. Die wichtigsten Importgütergruppen sind Elektronik, Rohstoffe, Brennstoffe/ technische Öle, chemische Erzeugnisse und Maschinen.


Investitionsbedingungen

Der Beitritt des Landes zur Welthandelsorganisation (WTO) Ende 2001 stellte nicht nur eine umfassende Verpflichtungserklärung Chinas und der WTO-Mitglieder zur Wiedereingliederung des Riesenlandes in das Weltwirtschaftssystem dar, sondern war auch für die chinesische Öffentlichkeit ein klares Zeichen der Öffnung ihres Landes und seiner Eingliederung in die arbeitsteilige globale Weltwirtschaft.

Nach wie vor haben sich allerdings nicht alle internationalen Erwartungen erfüllt, da eine Vielzahl von Wirtschaftsbereichen weiterhin unter starker staatlicher Kontrolle stehen und teilweise deutliche Marktzugangsprobleme aufweisen. So ist China bspw. noch nicht dem WTO-Abkommen über das öffentliche Beschaffungswesen (Government Procurement Agreement) beigetreten.


Strukturreformen

Die Konjunkturpakete als Reaktion auf die globale Wirtschafts- und Finanzkrise 2009/2010 haben das Reformtempo beim Strukturwandel deutlich gedrosselt. Von den günstigen Finanzierungsbedingungen dürften in erster Linie größere staatliche Unternehmen profitiert haben. In einigen Sektoren sind durch umfangreiche Staatsaufträge deutliche Überkapazitäten entstanden, worunter auch die ausländischen Anbieter in diesen Sektoren leiden. Insbesondere für private „mittelständische“ chinesische Unternehmen waren die Finanzierungsbedingungen in den vergangenen zwei Jahren hingegen angespannt. Jüngste Äußerungen der chinesischen Regierung belegen, dass ein Defizit in den Wettbewerbsbedingungen zwischen großen und kleineren Unternehmen durchaus gesehen wird. Hier muss es in den kommenden Jahren darum gehen, durch Reformen beim Marktzugang und bei der Fremdfinanzierung den Wettbewerb zu verbessern.

Im 12. Fünfjahresplan sind erstmals sogenannte „neue strategische Industrien" enthalten, deren Anteil am BIP bis 2015 von derzeit 3% auf 8% steigen soll. Dazu zählen Energieeinsparung und Umweltschutz, neue Informationstechnologien, Bio-Technologie, hochwertige Ausrüstungen, neue (nicht-fossile) Energien, neue Materialien und alternative Kfz-Antriebstechniken. Durch eine aktive Industriepolitik will die chinesische Regierung die Wirtschaft weiter nach oben in der Wertschöpfungskette bewegen. Dieses Ziel muss jedoch noch in konkrete politische Maßnahmen übertragen werden. Hier stehen beispielsweise noch die jeweiligen mittelfristigen Pläne für die strategischen Industrien aus.

Das chinesische Bankensystem befindet sich noch in der Entwicklungsphase. Die Staatsbanken verbuchen hohe Gewinne; ihre Hauptkreditnehmer sind die großen Staatsunternehmen. Für kleinere und mittlere Unternehmen bleibt die Finanzierung der Ausweitung ihrer Geschäfte durch Bankkredite weiterhin schwierig. Hauptgläubiger der Staatsbanken sind private Sparer, die bei vorerst unvollständiger sozialer Absicherung durch eigene Ersparnisse für Kosten der medizinischen Vorsorge, Ausbildung der Kinder und eigenen Altersvorsorge aufkommen müssen. Die Reform des Finanzsektors ist eines der wichtigen Ziele des aktuellen Fünfjahresplanes und Voraussetzung für eine Liberalisierung des Kapitalverkehrs.

Einen wichtigen Schritt zur Reform des Finanzsystems hat die chinesische Zentralbank Anfang Juni 2012 unternommen als sie sowohl den Referenzzins für Kredite als auch den für Einlagen senkte und die Bandbreiten um den Referenzzinssatz für Kreditvergabe und für Spareinlagen erhöhte. Anfang Juli 2012 folgte die People's Bank of China (PBoC) mit einem zweiten Schritt. Mit diesem ermöglichte sie es den Geschäftsbanken, den Referenzzins für Kredite um bis zu 30% zu unterschreiten. Nach oben werden die Kreditzinsen durch die Notenbank nicht begrenzt. Durch die Zinsliberalisierung sinkt die Zinsmarge der Banken im Wettbewerb. Vor dem Hintergrund der bisher sehr üppigen Marge und der bisher sehr hohen Profitabilität der chinesischen Banken dürfte dies jedoch für die Institute verkraftbar sein.


Soziale Bedingungen

Nach offiziellen Angaben gab es 2012 in China 260 Millionen sog. Wanderarbeiter, die auf dem Land registriert sind und mehr als sechs Monate außerhalb ihres Herkunftsortes leben und arbeiten. Sie verrichten für Niedriglöhne Schwerstarbeit. Ebenso wie bei den jährlich ca. 6 Millionen Hochschulabsolventen beobachtet die Regierung aufmerksam die Lage, da soziale Unruhen befürchtet werden. Ende 2011 waren nach offiziellen Angaben 4,1 Prozent der registrierten städtischen Erwerbsbevölkerung als arbeitslos gemeldet. Bis zu dreißig Prozent der Arbeitskräfte auf dem Lande finden dort keine oder keine ausreichende Beschäftigung.

Ein Hauptziel der chinesischen Wirtschaftspolitik bleibt die Wahrung der sozialen Stabilität. Dies ist aufgrund des Wohlstandsgefälles in der chinesischen Gesellschaft schwierig. Es bestehen große Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen. Und auch in den Küstenregionen geht die Wohlstandsschere auseinander. Erleichterung für die teils noch in bitterer Armut lebenden Chinesen bietet die Abschaffung der Besteuerung der Landwirtschaft und die Entwicklung in den Erschließungs- beziehungsweise Revitalisierungsprogrammen. Darüber hinaus wird der industrielle Aufbau für die armen westlichen Gebiete weiter vorangetrieben.


Energie, Klima, Umwelt

Das enorme Wirtschaftswachstum Chinas wurde begleitet durch einen in diesem Ausmaß einmaligen Raubbau an der Umwelt, der weitere Belastungen oft gar nicht mehr zulässt. China hat die Probleme erkannt und bekennt sich zur mittelfristigen Schaffung einer "Green Economy". Der Leitfaden ist eine graduelle Abkehr von fossilen Energieträgern sowie Steigerung der Energieeinsparung und Energieeffizienz.

China ist seit 2010 der weltgrößte CO2-Emittent mit weiterhin stark steigenden Emissionen, setzt sich aber erste klimapolitische Ziele: "Senkung des CO2-Ausstoßes" um 17% pro BIP-Einheit (bis 2020 um 40 bis 45% pro BIP-Einheit verglichen mit 2005), "Steigerung der Energienutzung" um 16% pro BIP-Einheit. Zur Umsetzung spielen die Kontrolle des Energieverbrauchs sowie die Entwicklung "neuer Energien" eine strategische Rolle. Die Einführung von Marktmechanismen soll zur effizienten Kontrolle des Energiesektors beitragen. Das Wachstumsziel nicht fossiler Energieträger wird wesentlich durch den forcierten Ausbau der Nuklear-, Wasser- und Windenergie getragen, von derzeit 8,3% auf 11,4%. Kohle wird aber auch in Zukunft das Rückgrat der chinesischen Energieversorgung bleiben. "Saubere Kohle" ist daher ein wichtiges Thema der chinesischen Energiepolitik

Eine absolute Kappung der CO2-Emissionen wird nach chinesischen Berechnungen kaum vor 2030 einsetzen. Nachdem administrative Vorgaben nicht ausreichend effektiv sind, plant die Regierung auch die schrittweise Einführung marktnaher Instrumente wie Carbon-Steuer oder Aufbau eines nationalen Emissionshandelssystems. Gerade im Hinblick auf den Aufbau eines Emissions-Zertifikatehandels wird eine absolute Energieverbrauchsobergrenze diskutiert. Für die Umsetzung dieser Ziele sind neben den politischen und wirtschaftlichen Anreizen ebenso z.T. sehr spezifische Fachkenntnisse, aber auch System-Managementfähigkeiten erforderlich. Hier hat die Volksrepublik erheblichen Nachholbedarf.


Urbanisierung

Seit dem Jahr 2012 leben erstmals 50% der Menschen in Chinas Städten. Bis zum Jahr 2020 soll der Urbanisierungsgrad auf rund 70% steigen. Die Folgen dieser dynamischen Urbanisierung stellen die chinesische Regierung vor drängende Probleme: Klima- und Umweltschutz, die Lenkung der Verkehrsströme, bürgerfreundliche Wohnangebote und eine moderne Infrastruktur als Voraussetzung für ein anhaltendes Wirtschaftswachstum. Immer wieder kommt es im Zuge des Urbanisierungsprozesses auch zu Unmut und Unruhen in der Bevölkerung. Hohe Miet- und Kaufpreise für Immobilien sind ebenso die Ursache wie die Enteignungen knapper Agrarflächen ohne ausreichende Entschädigungen.

Eine sozial und ökologisch nachhaltige Stadtentwicklung ist einer der entscheidenden Faktoren für die Stabilität des Landes. Die chinesische Regierung misst den Herausforderungen einer geplanten Urbanisierung deshalb hohe Priorität bei. Der aktuelle Fünfjahresplan enthält die Forderung zur ausgeglichenen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung und zur Schaffung einer "harmonischen Gesellschaft mit verbesserten Lebensbedingungen".

Deutsche Erfahrungen im Bereich Stadtentwicklung sind von großem Interesse, etwa beim Aufbau städtischer Nahverkehrssysteme oder der Normung im Baubereich. Für deutsche und europäische Unternehmen ergeben sich Chancen in den Bereichen Planung, Architektur und Gebäudeausstattung, insbesondere unter dem Gesichtspunkt Energieeffizienz.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.